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Weltenfrage #10 - Wortwahl

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  • Weltenfrage #10 - Wortwahl

    Ein vielschichtiges Thema und im Grunde nur eine Frage: Passt Ihr Euren Sprachschatz/Wortwahl ... Eurer Welt an? Testleser merken in meinem Fantasy-Projekt viele moderne Wörter an, die laut Testlesererklärung niemand im Mittelalter so gekannt haben kann, bspw. professionell, Emotionslosigkeit, Adrenalin (dieser Begriff ist tatsächlich streitbar). Doch, mein sog. Mittelalter ist ebenfalls ein fantastisches Mittelalter und die Wörter nutze ich bewusst in beschreibenden Teilen meines Textes, als Stilmittel für den "modernen Leser". Das Denken und Sprechen der Figuren selbst passe ich der Zeit an.
    Auch achte ich darauf woher/wann meine Figuren stammen und stelle mir die Frage: Können sie das Wort überhaupt kennen?
    Die Wahl der Wörter charakterisiert somit zum einen meine Figuren und zum anderen können sie auch die Zeit abbilden in der die Geschichte spielt.

    Also, wie seht Ihr das?

    Passt Ihr Euren Sprachschatz/Wortwahl ... Eurer Welt an?
    Achtet Ihr darauf nur zeitgemäße Wörter zu nutzen? (Bspw. keine griechischen, lateinischen Wörter/Wörter diesen Ursprungs oder Anglizismen, da sie zum zeitpunkt XY niemand gekannt haben kann?)
    Durchforstet Ihr Wörterbücher auf der Suche nach dem z.B. althochdeutschen Wort für [Begriff einsetzen]?
    Entwickelt Ihr neue Wörter, um etwas in Eurer Welt auszudrücken, wofür es in unserem Sprachschatz noch kein Wort gibt (bspw. im Sience Fiction eine Waffenbezeichnung, eine neue Antriebsmöglichkeit für Raumschiffe ...)?
    Warum macht ihr das?
    Zuletzt geändert von weltatlas; 01-10-2018, 10:27.
    Freude ist nur ein Mangel an Informationen.

    Kontakt: administrator@wortkompass.de

  • #2
    Sprache! Wenn ich schreibe, habe ich immer einen Thesaurus, ein Deutsch-Englisch Wörterbuch und Wiktionary offen, für die Zeit, wenn ich die etymologische Geschichte eines Wortes brauche. Brauche ich erstaunlich häufig.

    Passt Ihr Euren Sprachschatz/Wortwahl ... Eurer Welt an?
    Bei jedem Text stelle ich mir die Frage: Wer erzählt? Wer oder was ist der Erzähler beziehungsweise wessen Stimme repräsentiert der Erzähler. Meistens ist meine Erzählstimme verdammt eng mit dem Protagonisten verwoben (Deep PoV), sodass ich von ihm ausgehend darüber nachdenke welche Wörter er benutzen würde, welche nicht, welche Metaphern zu ihm passen, welche nicht etc. Das führt dann dazu, dass ein Teenager auf einem japanischen Schulhof im Jahre 2011 sehr anders klingt als eine erwachsene Frau in einem Sumpf in New Orleans im 18. Jahrhundert. (Das ist kann in harte Arbeit ausarten.)
    Für meine ausgedachten Welten versuche ich mich an das Vorbild anzulehnen. Ich erschaffe keine Welt komplett aus dem nichts, sondern nehme mir bestimmte realweltliche Vorbilder. Das hilft dann auch bei diesen Entscheidungen.
    Aber wichtiger als der Konflikt alt vs modern ist mir der Ton und das Gefühl der Charakterstimme. Wie viel Umgangssprache verwendet der Charakter? Sind seine Metaphern etc eher aus der Technikwelt oder mehr aus der Tierwelt? Hat er einen ausufernden Redestil oder eher wie ein Telegramm?

    Achtet Ihr darauf nur zeitgemäße Wörter zu nutzen? (Bspw. keine griechischen, lateinischen Wörter/Wörter diesen Ursprungs oder Anglizismen, da sie zum zeitpunkt XY niemand gekannt haben kann?)
    Nur bei den Anglizismen unserer Zeit, das passt nicht in jede Erzählwelt, ansonsten kümmern mich Fremdwörter im Sinne von zeitgemäß wenig.
    Fremdwörter können allerdings viel über den Charakter aussagen. Wenn mein Vampir in Notre Dame ein Gebet spricht, und jedes französische Fremdwort benutzt, dass die deutsche Sprache hat, bedeutet das was. Wenn der gleiche Vampir dann am Fontana di Trevi sitzt und alles denkbare in italienische Wörter setzt, ob die in den deutschen Sprachschatz gehören oder nicht, bedeutet das was. Das kümmert mich sehr wohl.
    In meinen ausgedachten Welten interessieren mich darüber hinaus noch die Fremdwörter, die in dieser Welt vorkommen, aber nicht in unserer. Wenn dort die Hanse auch mit magischen Geschöpfen Geschäfte macht, werden sie viele niederdeutsche Wörter zu Fachwörtern in Bezug auf Magie machen, sowie sie es für die Fachwörter der Schifffahrt auch machten (unbeabsichtigt).

    Durchforstet Ihr Wörterbücher auf der Suche nach dem z.B. althochdeutschen Wort für [Begriff einsetzen]?
    Ich besitze ein Mittelhochdeutsches und ein Althochdeutsches und ein Old Englisch Wörterbuch, so wie Koreanisch, Chinesisch, Russisch, Japanisch, Latein … Jeder Mensch braucht ein gut sortiertes Regal von Wörterbüchern.
    Für eine meiner Geschichten suche ich nach hebräischen Wörtern, die leicht verständlich aber diese gewisse Prise Fremdheit mit sich tragen. Das ist nicht immer einfach, das richtige Fremdwort oder Fachwort zu finden.

    Entwickelt Ihr neue Wörter, um etwas in Eurer Welt auszudrücken, wofür es in unserem Sprachschatz noch kein Wort gibt (bspw. im Sience Fiction eine Waffenbezeichnung, eine neue Antriebsmöglichkeit für Raumschiffe ...)?
    Eigentlich drückte ich mich lieber davor. Je mehr fremdartige Wörter, desto schwieriger das Verständnis. Aber manchmal geht es nicht anders. Ich versuche immer noch das richtige Wort für meine magischen Geschöpfe zu finden, niederdeutsch aber leicht verständlich, sinnvoll als Begriff aber noch nicht vergeben. Sehr schwierig.

    Warum macht ihr das?
    Natürlich gibt das Flair. Allerdings habe ich für meine Suche einen pragmatischen Sinn: Ich kann diese magischen Geschöpfe sonst nicht benennen. Bisher ist alles nur eine Beschreibung, keine Nennung. Dinge brauchen Namen!
    Wenn in meiner Geschichte diese hebräischen Wörter benutzt werden, soll das verdeutlichen, dass diese Kultur/Welt die Dinge anders einteilt und deswegen anders benennt als wir. Jede Sprache und Sprachverwendung repräsentiert einen Zugang zur Welt und es ist manchmal essentiell, hier die Unterschiede herauszukehren. Es ist essentiell den Zugang der Figur zur Welt klar an den Leser zu kommunizieren, egal ob man sich neue Wörter ausdenkt oder nicht.
    Ohne den Zugang zur Welt (also die Sprache) der Figur zu kennen, kann man ihn nicht vollständig verstehen und entsprechend nicht im optimalsten Sinne über diese Figur schreiben.
    Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
    to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
    A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
    You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

    Kommentar


    • VickieLinn
      VickieLinn kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Jeder Mensch braucht ein gut sortiertes Regal von Wörterbüchern.
      Ja!

    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      @VickeLinn: Genau das wollte ich auch gerade schreiben!

    • VickieLinn
      VickieLinn kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Alys II.
      🙌

  • #3
    Passt Ihr Euren Sprachschatz/Wortwahl ... Eurer Welt an?

    Kurz gesagt: ja.
    Meine Welt ist von einer anderen Kultur geprägt als mein Umfeld. Dieses Gefühl versuche ich zu vermitteln, indem ich bestimmte Formulierungen vermeide. "Was zum Teufel ist da los?" fände ich z.B. unangemessen, da es in meiner Welt kein Konzept eines Teufels gibt.

    Wörter, die eindeutig nicht-deutschen oder sehr modernen Ursprungs sind, versuche ich ebenfalls aus diesem Kulturgefühl heraus zu vermeiden. Was mir schwer fällt, denn gerade in der Rohfassung steht dann da auch oft "cool" oder "fancy" und das muss ich in der Überarbeitung rausnehmen. "Shampoo" und "Pyjama" gibt es ebenfalls nicht, dafür "Haarseife, "Nachtgewand" oder "Nachtkleid".
    Bei Begriffen lateinischen und griechischen Ursprungs tue ich mir sehr schwer, wo ich die Grenze ziehe.
    Es gibt so viele Worte im Deutschen, die auf eine der beiden Sprachen zurückzuführen sind, dass man sie nicht alle streichen kann (auf Straße, Markt, Kiste, Kaiser, Fieber etc. kann ich nicht verzichten!). Aktuell ist "Mikroskop" rausgeflogen, "Logik" und "rational" durften bleiben - ob das aber die endgültige Version bleibt weiß ich noch nicht.

    Achtet Ihr darauf nur zeitgemäße Wörter zu nutzen?

    Nur zeitgemäße Worte - nein. Schon alleine, weil ich nicht in einer realen, historischen Epoche schreibe, sondern in einer erfundenen Welt. Aber selbst bei historischen Geschichten ist es meiner Meinung nach unmöglich, sie komplett nur mit zeitgemäßen Wörtern zu schreiben. Keiner von uns kann fließend Mittelhochdeutsch oder welche Sprache auch immer in dem historischen Setting aktuell gesprochen wurde.
    Zeitgemäß versuche ich zu schreiben in dem Sinne, dass ich z.B. in einem Setting, in dem keine Autos erfunden sind, niemanden sagen lasse "das geht ja voran wie auf der Autobahn!" - aber das finde ich eigenlich so selbstverständlich, dass ich mir darüber nicht extra Gedanken mache.

    Durchforstet Ihr Wörterbücher auf der Suche nach dem z.B. althochdeutschen Wort für [Begriff einsetzen]?

    Jain. Im Zuge der Recherche lerne ich neue Wörter. Diese schlage ich dann so lange in verschiedensten Quellen nach, bis ich sie wirklich sicher anwenden kann. Dann entscheide ich, ob ich es auch im Buch verwende, oder ob ich den Lesern damit etwas falsches suggeriere oder zuviel zumute.

    Entwickelt Ihr neue Wörter, um etwas in Eurer Welt auszudrücken, wofür es in unserem Sprachschatz noch kein Wort gibt?

    Klar. Damit kann ich Stunden (Tage, Wochen) verbringen.

    Warum macht ihr das?

    Ich will dem Leser auch durch die Sprache vermitteln, dass er in eine andere Welt eintaucht.
    Allerdings finde ich nicht, dass das für den Autor verpflichtend ist - bestes Gegenbeispiel ist "Wölfe" von Hillary Mantell. Das ist stilistisch sehr, sehr modern, und es funktioniert wunderbar in dem historischen Setting.
    Steel for humans, silver for monsters, gold for the witcher.

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    • #4
      Passt Ihr Euren Sprachschatz/Wortwahl ... Eurer Welt an?
      Ja. Die Sprache muss zur Perspektivfigur, zum Zeitgeist und zur Welt passen.

      Achtet Ihr darauf nur zeitgemäße Wörter zu nutzen?
      Da meine Geschichten in der Gegenwart oder nahen Zukunft spielen, habe ich nicht das Problem. Wenn eine Figur besonders viele Anglizismen benutzt, ist es halt so. Und wenn eine andere Figur lauter griechische und lateinische Fremdwörter benutzt, ist es auch halt so. Das sagt viel über den Charakter aus.

      Was mir aber negativ aufgefallen ist:
      Ich hab mal Young Adult (typische Teenie-Geschichten) gelesen, die oft von Autorinnen zwischen Ende zwanzig bis Mitte vierzig verfasst werden. Ich finde es unglaubwürdig, wenn eine heutige 15-Jährige die Jugendwörter aus den 70er oder 80er benutzt. Wenn man an Jugendliche adressieren will, sollte man schon deren Sprache benutzen.

      Ich hab mal etwas mit japanische Kultur in der europäischen Mittelalterfantasie gelesen. Das Leben war japanisch und wurde mit japanischen Begriffen umschrieben, und plötzlich tauchten Mittelmeer-Gewürze auf. Nicht als Import, sondern als heimische Alltagspflanze. Die Pflanze kann in der erdachten Welt vorkommen, aber wenn die Sprache japanisch ist, frag ich mich, wieso ein griechisches Wort benutzt wird. Das können die Romanfiguren nicht mal wirklich aussprechen; solche Wörter würden nicht entstehen.


      Durchforstet Ihr Wörterbücher auf der Suche nach dem z. B. althochdeutschen Wort für [Begriff einsetzen]?
      Nein. Ich liebe Sprachen. Ich liebe Wörterbücher. Aber, nein.

      Fantasywelten sind keine historische Abbildung von einer bestimmten Epoche. Es gelten die Regeln des Autors, wobei die Sprache glaubwürdig rübergerbacht werden sollte (siehe Japan-Beispiel).
      Aber wenn man die Sprache an (Pseudo-)Mittelhochdeutsch anlehnt, sollte man darauf achten, dass da keine modernen Wörter reinrutschen. Das fällt unangenehm auf. Unangenehm sind für mich ebenso Diskussionen, in denen gefordert wird, dass im Fantasyroman mittelaltermäßig gesprochen werden muss – wobei das sprachwissenschaftlich voll der Humbug ist. Echtes Mittelhochdeutsch versteht doch niemand; was in Mittelalterfantasy gesprochen wird, ist eine Sprache, die sich aus Autorenbedürfnissen und Lesererwartung gebildet hat.

      Ich denke, dass man sich auch vor Augen halten muss, dass Deutsch das Werkzeug ist, um die Geschichte zu übermitteln. Wenn die Figuren in Fantasywelten deutsch sprechen, ist es, damit wir diese Geschichte lesen können, und nicht, weil sie in Deutschland spielt. Kommen dann Figuren aus anderen Völkern vorbei und reden auf französisch, ist es tatsächlich Französisch als Sprache. Man muss sich dann fragen, warum in dieser erdachten Welt die Orks französisch reden und die Elfen plattdeutsch. Theoretisch ist alles möglich, nur muss es in der Welt Sinn ergeben. (Nicht nur den Autor, sondern auch für die Leser.)


      Entwickelt Ihr neue Wörter, um etwas in Eurer Welt auszudrücken, wofür es in unserem Sprachschatz noch kein Wort gibt (bspw. im Sience Fiction eine Waffenbezeichnung, eine neue Antriebsmöglichkeit für Raumschiffe ...)?
      Ja.
      Neue Erfindungen brauchen Begriffe. Sie spiegeln erstens die Welt wider und zweitens dient es der Atmosphäre.
      Ich hab einige Sci-Fi-Romanzen gelesen, in denen die neuen Erfindungen mit den Wörtern aus der Sicht des heutigen Otto-Normalverbrauchers beschrieben sind. Klingt furchtbar. Ich mein, Smartphone heißt doch auch Smartphone und nicht … äh, Telefonierplatte.
      Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
      die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
      die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
      die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

      Jack Kerouac

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      • In-Genius
        In-Genius kommentierte
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        Das machen meine Freundin aus Österreich und ich gerade. Wir stellen uns Crime-Serien und Rap-Songs mit Meuchelpuffern vor. Ist sehr lustig. Wir versuchen gerade in unserem RPG jemanden davor zu retten entführt zu werden, "nicht dass noch jemand seinen Meuchelpuffer zieht und puff."

      • Ankh
        Ankh kommentierte
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        Irgendwann wird man Wortkompass-Autoren daran erkennen, dass sie die einzigen sind, die konsequent das Wort Meuchelpuffer verwenden

      • SaKi
        SaKi kommentierte
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        Ich dachte gerade beim Lesen des Wortes Meuchelpuffer (vor der Erklärung), dass das einige Textabschnitte in einem Mittelalterroman/kampflastigen Fantasyroman bezeichnen würde, die dazu dienen, zwischen den ganzen Abschlachtszenen ein bisschen Story einzubringen. Oder ein paar mordfreie Szenen in einem Roman mit einem Assassinen, dessen Job es nun mal ist, Leute zu meucheln. Aber Pistole gefällt mir auch (vor allem mit Niederbayerischem Dialekt *g*).

        Bei dem Japanischen mit der griechischen Gewürzbezeichnung wäre ich mir übrigens gar nicht so sicher. Es sind viele Begriffe ins Japanische eingewandert, vor allem aus dem Portugiesischen, Englischen, Holländischen und Französischen. Pan (Brot, aus dem Portugiesischen), Kōhī (= Coffee/Koffiee aus dem Holländischen/Englischen), garasu (=Glas(s), aus dem Holländischen), ankeeto (=Enquête/Umfrage, aus dem Französischen) oder rūju (= Rouge, aus dem Französischen) sind Beispiele. Selbst das deutsche "Arbeit" (arubaito) ist im Japanischen als Bezeichnung für einen Part-Time-Job geläufig. Nur weil Japaner etwas nicht aussprechen können, heißt das nicht, dass sie es nicht trotzdem in ihre Sprache übernehmen. Manchmal stehe ich mit großen Fragezeichen im Gesicht vor einer Aneinanderreihung von Katakana und überlege, was das heißen soll, bis ich dann mal auf Französisch denke und der Groschen fällt (oder auch nicht, weil die Japaner sich offenkundig selbst einen abgebrochen haben, das irgendwie in ihrer Lautschrift abzubilden x'D). Beispiel: ōdoburu, das eigentlich Hors-d'œuvre heißen soll. Aber das nur am Rande. Grundsätzlich bin ich ein großer Fan davon, Sachen möglichst der sprachlichen Realität anzupassen, die im Roman vorherrscht.

    • #5
      Fantasy muss nicht in einer Mittelalterwelt spielen, also können die Wörter moderner sein.

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      • #6
        Passt Ihr Euren Sprachschatz/Wortwahl ... Eurer Welt an?
        Ich achte zumindest darauf, wie meine Charaktere etwas sagen. Da mein derzeitiger Roman in einer mittelalterlichen Welt spielt, ist es klar, dass manche Wörter einfach nicht vorkommen. Vor allem Anglizismen und Fremdwörter versuche ich zu vermeiden. Aber dass ich extra althochdeutsche Wörter einfließen lasse, ist mir dann schon zu viel des Guten. Was ich aber mache, ist, einige wenige Wörter aus dem Nicht-Hochdeutschen, sprich aus dem Dialekt zu verarbeiten, wenn es sich anbietet. Eine Kraxe klingt einfach viel mehr nach dem Ding als "Buckeltrage". So lange ich es nicht übertreibe, und nur zwei, drei solcher Wörter vorkommen, die sich außerdem aus dem Kontext ergeben, finde ich es okay.

        Achtet Ihr darauf nur zeitgemäße Wörter zu nutzen?
        (Bspw. keine griechischen, lateinischen Wörter/Wörter diesen Ursprungs oder Anglizismen, da sie zum zeitpunkt XY niemand gekannt haben kann?)

        Ob ich nur zeitgemäße Wörter benutze? Gute Frage. Sicher nicht. Vor allem kann man nicht keine Wörter verwenden, die griechischen oder lateinischen Ursprungs sind. (Fenster oder Straße kommen ursprünglich auch aus dem Lateinischen, auch Nase kommt ursprünglich nicht aus dem Deutschen (vgl. die Debatte, die Nase in "Gesichtserker" umzubenennen) Anglizismen versuche ich zu vermeiden. Mir sträubt es ja schon wenn ich sie höre. "Ich bin so happy". Wäh.

        Durchforstet Ihr Wörterbücher auf der Suche nach dem z.B. althochdeutschen Wort für [Begriff ein setzen]?
        Nein. Wirklich nicht. Höchstens für Ortsnamen. Für Personennamen dann schon eher … aber da dann keinen althochdeutschen Begriff. Eher aus dem Walisischen, oder Indogermanischen.

        Entwickelt Ihr neue Wörter, um etwas in Eurer Welt auszudrücken, wofür es in unserem Sprachschatz noch kein Wort gibt
        (bspw. im Sience Fiction eine Waffenbezeichnung, eine neue Antriebsmöglichkeit für Raumschiffe ...)?
        Warum macht ihr das?
        Hm … nein. Ich finde, unser Wortschatz ist dermaßen groß, dass so etwas in den seltensten Fällen nötig ist. Im schlimmsten Falle, wenn ein hochdeutsches Wort nicht genau die Bedeutung hat, die ich mir wünsche, ein Wort aus meinem Dialekt aber schon, so wird dieses Wort einfach "verhochdeutscht". Ich finde einfach, dass viele Wörter, die wir hier benutzen, die Tätigkeit oder ein Ding besser beschreiben als das hochdeutsche Pendant dazu.
        Man sagt, dass ein Buch Einblick in das Innerste des Autors gibt ... wenn das stimmt, möchte ich mit mir nichts mehr zu tun haben.

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        • In-Genius
          In-Genius kommentierte
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          VickieLinn Ich wollte nicht alle Deutschlehrer über einen Kamm scheren, mein Deutschunterricht war nur nicht besonders gut und davon bin ich nach wie vor sehr enttäuscht. Dafür war mein Lateinunterricht sehr toll und hat mir viel über die deutsche Grammatik beigebracht.

        • VickieLinn
          VickieLinn kommentierte
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          In-Genius
          Krieg ich einen Kaffee?

          Ich hatte sehr gute Deutschlehrinnen und -lehrer. Und in Latein ebenfalls.

        • In-Genius
          In-Genius kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          VickieLinn Natürlich, ich kauf sogar extra eine Kaffeemaschine, damit's der Beste wird

      • #7
        Leider kann ich keine andere Sprache nur halb so gut wie die deutsche. Als Jugendlicher schrieb ich mal einen SF aus der Sicht von Aliens, bei denen US-amerikanische Astronauten landeten (zu der Zeit gab es noch Träume dieser Art...). Das Englisch war einfach komplett schlecht. Ich hoffte so, den Sprachunterschied zwischen den Völkern plausibel zu machen.

        Ich weiß bis heute nicht, wie sich das Dilemma einer Fremdsprache befriedigend lösen lässt. Die klassischen Autoren setzten Kenntnisse voraus, deshalb haben Tolstoi oder Mann absatzlang französisch geschrieben und nur dem Verlag habe ich zu verdanken, dass im Anhang eine Übersetzung stand.

        In einem kürzlich gesehenen Krimi sprachen alle Parteien deutsch (weil Synchro), nur wurde bei denen, die vorgeblich eine andere Sprache sprechen sollten, ein Übersetzer hinzugefügt, der ungefähr das gleiche sagte. Fühlte sich witzig an.

        Bei historischen Romanen und auch bei Science Fiction achte ich stark auf Sprache. Ich habe zwar nicht die Auswahl an Wörterbüchern wie In-Genius, aber das liegt auch daran, dass man die Sprache noch lange nicht richtig einsetzt, wenn man bloß ein paar Wörter kennt. Deswegen nützt mir ein finnisches oder Suaheli-Wörterbuch so rein gar nichts.

        Im Film "Der Medicus" wurde Sprache überhaupt nicht thematisiert, was ich nachlässig und unplausibel fand. Wie es im Buch ist, weiß ich nicht. Aber Sprache ist zu über 80% die größte Fallgrube der Kommunikation, das klappt ja oft nicht mal zwischen Wohnungsnachbarn...

        Wenn man sich allerdings Mittelhochdeutsch ansieht, müssten alle Mittelalterromane komplett umgeschrieben werden. Es ist nun mal ein Kompromiss. Es ist eher die blumige Sprache der Mittelaltermärkte, die dabei rauskommt, und die ist ja auch nicht "authentisch".

        Da ich Anglizismen prinzipiell nicht mag, setze ich gerne schon mal deutsche Wörter ein, aber das ist inzwischen fast aussichtslos. Die Sprachrettungsbemühungen sind lustig, jedoch nicht zielfördernd. Viel öfter passiert es mir, dass ich das Aller-aller-Neueste gar nicht kenne und dann veraltete Wörter bzw. Techniken verwende.
        Schlagfertigkeit ist etwas, worauf man erst 24 Stunden später kommt.
        Mark Twain

        Kommentar


        • In-Genius
          In-Genius kommentierte
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          Zu Lautverschiebung und Plattdeutsch/Niederdeutsch und Englisch:
          Mittelhochdeutsch und Niederdeutsch sind nicht das gleiche (ich denke mal, das wusste jetzt jeder), auch wenn es so klingt. Zu Zeiten des Mittelhochdeutschen gab es auch Mitteniederdeutsch, also der Vorgänger des heutigen Plattdeutsch. Aber wer Plattdeutsch versteht, versteht auch Mittelhochdeutsch ganz okay, abgesehen von ein paar Unterschieden im Wortschatz und der (leicht) komplexeren/fluiden Grammatik im Mittelhochdeutschen im Vergleich zum allgemeinen Plattdeutschen.
          Was ich am lustigsten an der letzten großen Lautverschiebung finde: Dass sie vom Süden Österreichs nach Norden geht und irgendwo in Mitteldeutschland aufhört. Die Lautverschiebung hat Niederdeutsch und Englisch (das historisch gesehen ein germanischer/deutscher Dialekt ist) nicht mehr erreicht. Da allerdings Niederdeutsch auf deutschem (und niederländischem) Boden gesprochen wird, hat die Standardeutschensprache recht großen Einfluss auf das Niederdeutsche. (Fast) Jeder der Plattdeutsch spricht ist mindestens zweisprachig und das führt natürlich zur Beeinflussung. Wirklich interessant ist, dass man in der norddeutschen Regionen immer noch den Einfluss des Plattdeutschen hören kann, selbst in Leuten, die kein Plattdeutsch selbst sprechen. Es gibt da Details im Wortschatz und in der Grammatik, die im Norden Deutschlands normal sind, aber im Süden niemand sagen würde - weil sie Erinnerungen an das plattdeutsche Sprachtum sind.
          Ich finde es sehr schade, dass der Norden zum Großteil seine Dialekte aufgegeben hat.

          Funfact: Von allen Sprachstufen des Deutschen finde ich Althochdeutsch allerdings am klangvollsten.

        • Badabumm
          Badabumm kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Muttersprache im MDR:

          https://www.mdr.de/mediathek/mdr-vid...eo-231346.html

        • VickieLinn
          VickieLinn kommentierte
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          Zwielicht
          Du bist doch die bewanderte Germanistin. Die können alles.

      • #8
        Was mir gerade als Nachtrag noch einfällt: natürlich passen wir alle unsere Sprache ein wenig der Welt an, in der wir schreiben. Gerade bei Mittelalter-Romanen finde ich es aber ganz, ganz furchtbar, wenn der Autor sich um eine Pseudo-Mittelaltersprache bemüht. Das wirkt so künstlich und einfach schlecht, dass ich mich darüber seitenlang aufregen kann.
        Dann lieber ganz modern formuliert inclusive Anglizismen (ich hab' mal mitgespielt in einem Mittelalter-Theaterstück, bei dem die Sprache bewusst so modern gehalten war, und das hat super funktioniert!). Das ist besser als dieses Kunst-Altdeutsch.
        Steel for humans, silver for monsters, gold for the witcher.

        Kommentar


        • Ankh
          Ankh kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Was ist denn so schlimm an Slapstick im Mittelalter? Hast du mal mittelhochdeutsche Heldendichtung gelesen? Die hatten auch Spaß an seichten Gags ...

        • Peter
          Peter kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Ankh

          Jedem Tierchen sein Plaisierchen.

          Da hat jeder seine persönlichen Vorlieben.

        • Alys II.
          Alys II. kommentierte
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          Ich meine vor allem so ein künstliches Altdeutsch, wo sich der Autor irgendwas ausgedacht hat, was er für mittelalterlich hält. In einem Roman bin ich mal über alle möglichen erfundenen Redewendungen gestolpert. "Ach, mein Bruder und ich, wir sind grad so wie Peter und Paul." - Ja klar, so hat der mittelalterliche Bauer gesprochen. *augenroll*
          Oder in einem anderen Roman tauchte ständig der Begriff "Stangenknechte" auf, was wohl so ein Mittelding zwischen Stadtwache und moderner Polizei sein sollte. Das habe ich damals ziemlich intensiv recherchiert und wirklich null historische Quellen für dieses Wort gefunden (geschweige denn für eine modern anmutende Polizeiwache in der mittelalterlichen Stadt).
          Aber ich bin da auch überempfindlich. Mir rollen sich ja schon die Zehennägel hoch, wenn ich auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt für "einen Humpen wohlfeil Met nur fünf Silberlinge" zahlen soll. (Den Met nehme ich trotzdem. Aber nur unter Protest.)

      • #9
        Ich erlaube mir, einen Absatz aus einem meiner SF zu posten. In der Geschichte habe ich mehrere Sprachanpassungen vorgenommen: es ist eine postapokalyptische Zeit ungefähr 200 Jahre in der Zukunft. Da es keine Männer mehr in der Welt der Prota gibt, wurden die Bezeichnungen von den männlichen Endungen befreit. Es heißt also nicht "Kundschafterin", sondern "Kundschaftin". Man kann es verstehen, braucht bloß Lese-Eingewöhnung. Ebenso werden Begrifflichkeiten wie "man" durch "frau" ersetzt, und außerdem eigene Worte für Alltagsgegenstände verwendet.

        Der Eingang lag gut versteckt hinter Brombeergestrüpp und frauhohen Brennnesseln. Wurzeln von Feigenbäumen und Steineichen überwucherten die Betonmauern, die Ruine war halb im Boden versunken und niemand vermutete hier ein Menschinnen-Bauwerk. Die Tür war aus massivem Metall. Es war meine geheime Entdeckung. Ich machte hastig eine Skizze auf Holz, fügte Markierungspunkte hinzu und steckte das Bild nachlässig in den Rucksack, in dem sich schon eine Handvoll anderer Skizzhölzer stapelten. Beherzt drehte ich das Handrad vier Mal und die rostbraune Luke schwang auf. Das Quietschen ließ erschrockene Vögel aufflattern. Frau konnte gerade durchschlüpfen. aber das war nicht schwer, weil ich die kleinste Kundschaftin war.
        Ja, es ist kein literarischer Geniestreich, soll auch nur als Beispiel dienen. Es ist in gewissem Sinne auch ein Klischee, bei dem man sich vorstellt, wie es wohl sein könnte. Aber SF lebt immer davon, dass man die Gegenwart unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen in die Zukunft extrapoliert, es muss also keinesfalls logisch sein.
        Schlagfertigkeit ist etwas, worauf man erst 24 Stunden später kommt.
        Mark Twain

        Kommentar


        • #10
          Ist ja alles auch eine Frage der Erzähl-Perspektive. Wenn ein mittelalterlicher Ich-Erzähler plötzlich mit High-Five um die Ecke kommt, habe ich vermutlich minimale Probleme (wenn es humorvoll gemacht ist vielleicht auch nicht). Ein moderner auktorialer Erzähler kann für mich gern anders reden, als die Figuren die durch die Geschichte stolpern.

          Freude ist nur ein Mangel an Informationen.

          Kontakt: administrator@wortkompass.de

          Kommentar


          • Winterherz
            Winterherz kommentierte
            Kommentar bearbeiten
            Man kann manches ja auch ganz gut abwandeln, "high five" etwa als "gib mir fünf", oder dergleichen. Es muss dann wie du sagst auch "ins Bild" passen.

          • Badabumm
            Badabumm kommentierte
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            Solche Phrasen entstehen nicht aus dem Nichts. Sie einzusetzen bedeutet auch, den ganzen Hintergrund vorauszusetzen, vor dem sie entstanden sind. Meistens kennt man den gar nicht, also ist es besser, darauf zu verzichten. Es ist sowieso erstaunlich, wieviele kleine Dinge und Sprüche des Alltags tiefreichende Wurzeln haben, die man in einem Fantasy-Umfeld neu recherchieren müsste; aber das schafft man gar nicht. Es passiert also gezwungenermaßen, dass Anachronismen usw. auftreten, weil sie einem gar nicht bewusst sind. Das ist auch ein Grund dafür, dass Fantasy sich oft stark ähnelt, weil es einfach durch tausende Vorbilder erprobt und erhärtet wird. Man übernimmt eine gewachsene Struktur ohne zu hinterfragen. Aber nun stelle man sich vor, dass z.B. Pferde oder harte Metalle (für Waffen) unbekannt sind - wie kompliziert der Weltenbau dann wird ...

        • #11
          Zitat von Kundige Rolle von 1489
          Ock en schall nement yagen upp den straten myt wagenen by twen groten, so vaken dat we breke.
          Die Probleme waren im späten Mittelalter auch nicht anders als heute ...


          Auch soll niemand auf den Straßen mit Wagen langjagen, bei zwei Groten (Groschen?), sooft einer dagegen verstößt.

          Es gab außerdem Vorschriften, dass Fischen und Angeln verboten war, wenn "die Brut" unterwegs war, es gab Strafen, wenn bei einem Unglück nicht zu Hilfe geeilt wurde, es durften nur Personen zum Unglücksort, die mit der Hilfe betraut wurden und Gaffer wurden bestraft. Alles ganz modern ...
          Schlagfertigkeit ist etwas, worauf man erst 24 Stunden später kommt.
          Mark Twain

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          • #12
            Hi, ich schreib mal noch was dazu, auch wenn es etwas älter ist.


            Passt Ihr Euren Sprachschatz/Wortwahl ... Eurer Welt an?

            Ja, auf jeden Fall, aber bisher nur die Namen und Begriffe (Gegenstände oder Wesen für die es z.B. keine Eigennamen gibt weil sie erfunden sind). Im Mittelalter tat man sein Geld in eine "(Geld-)Katze". Aber auch mit "alten" Begriffen stellt sich die Frage - sind sie fehl am Platze oder nicht? Sind sie nicht genauso speziell?


            Achtet Ihr darauf nur zeitgemäße Wörter zu nutzen? (Bspw. keine griechischen, lateinischen Wörter/Wörter diesen Ursprungs oder Anglizismen, da sie zum zeitpunkt XY niemand gekannt haben kann?)

            Um das, was zeitgemäß ist, kann man sich ja den Kopf zerbrechen. Was ist bei z.B. Herr der Ringe "zeitgemäß"? Man ließt ein Mittelalter-Setting heraus (ist das eigentlich "richtig"?) und verbindet das mit dem, was man historisch als Mittelalter zu kennen glaubt. (kann auch falsch sein).
            Ich orientiere mich daher vor allem am Setting in dem Sinne, das ich mir Gedanken mache, ob das Wort in mein persönliches Bild der Welt und Kultur passt. Wenn ich nicht ein Buch schreibe, in dem ich unsere heutige (Umgangs-)Sprache zwingend benötige, dann verzichte ich ganz auf Anglizismen.

            Ganz anders verhält es sich bei einem Setting, das sich in der Moderne befindet, z.B. wenn es um heutige Jugendsprache geht. Dann kann es entscheidend sein. (Aber dazu kann ich selbst nichts sagen)

            Grundsätzlich gehe ich davon aus, das vor allem Umgangsprache aller Zeiten mit der heutigen vergleichbar ist in ihrer Art und Weise, abgesehen vom grundlegenden Wandel der Sprache. Die meisten Menschen haben wohl eher ungezwungen formuliert, und einen eher einfachen Wortschatz besessen.

            Berücksichtigen muss man allerdings die Struktur der Gesellschaft, das hat Einfluss auf die Umgangsformen immer dort, wo eine Hierarchie vorliegt. Aber auch das nur bedingt, auch in einer strengen traditionellen Gesellschaft äussert sich die Vorstellung der Umgangsformen sehr verschieden.


            Durchforstet Ihr Wörterbücher auf der Suche nach dem z.B. althochdeutschen Wort für [Begriff einsetzen]?

            Teils verbringe ich Stunden ausschließlich damit. War dann auch bitter, als ich mein Fantasy-Wörterbuch einmal falsch herum gespeichert hatte - ich hatte die Sicherungskopie auf die aktuelle Version gezogen und überschieben. ... Das ist über ein Jahr her, aber ich habe kaum noch daran gearbeitet, weil mich das immer noch frustriert. Ich hatte Wochen daran gearbeitet, und viele Wörter werden mir wohl so nicht wieder gelingen.

            Zitat InGenius: "Sprache! Wenn ich schreibe, habe ich immer einen Thesaurus, ein Deutsch-Englisch Wörterbuch und Wiktionary offen, für die Zeit, wenn ich die etymologische Geschichte eines Wortes brauche. Brauche ich erstaunlich häufig."

            Das ist auf jeden Fall sehr hilfreich, manchmal einfach nur als Inspiration. Nach ein paar Stunden und möglichst vielen Sprachen und Worten kann ich dann auch Worte und Namen bilden, die auch in der Googlesuche keine Treffer landen, oder auf die eine oder andere Weise überzeugen.

            Ich würde aber nicht soweit gehen, historische Sprache nachzuahmen, viel zu kompliziert - auch für den Leser.
            (wenn das Alle machen...! (nicht ganz ernst gemeint))

            Ich habe mich schon manchmal gefragt, was passiert, wenn man Fremdworte vollständig vermeidet, und dann eine Übersetzung in eine andere Sprache vorgenommen wird...


            Ich habe im 3. Anlauf den Real-Abschluss geschafft, schlimme Noten. Grammatik ist für mich immer noch ein Buch mit sieben Siegeln, und Fremdsprachen sind nicht gerade meine Passion. Weil meine Fantasy-Sprache aber eine rudimentäre Grammatik benötigt, ziemlich schwer bisweilen. Sprachbildung beschränkt sich auch nicht auf Zeitformen. Manchmal sitze ich da und frage mich, ob ich eigentlich weiß was ich mache.

            Das ist nicht so einfach, denn es soll ja den Leser überzeugen, nicht krampfhaft oder absurd wirken. Ich habe dann auch den Anspruch, das die Worte einen intuitiven Charakter haben, also nicht als "falsch" empfunden werden.


            Was Fremdworte betrifft - theoretisch kann man jedes Fremdwort durch einen deutschen Begriff ersetzen, oder eine Umschreibung finden, aber das hat nur bedingt einen Sinn. Die deutsche Sprache vereint nicht nur lateinische oder griechische Begriffe, sondern auch hunderte arabische, wie etwa Tasse, Zucker oder Admiral.
            Viele dieser Worte sind so geläufig, das wir sie nicht als "Fremdwort" erkennen. Wer hier wegstreichen will, wird kaum fertig. Ich glaube ein solcher Eingriff in die Sprache funktioniert nur, wenn man dabei eine klare Vorstellung von Zweck und Wirkung hat.

            Manche Wort sind aber so offensichtlich "modern", auch in ihrer Bedeutung/Nutzung, das man sich fragen muss ob sie in ein (pseudo-historisches) Setting passen. Diese will und sollte man vermeiden, wenn es kein spezielles Konzept gibt, welches sie plausibel macht.

            Im Mittallalter (und der Antike auch) wurde von denen, die Schreiben und Rechnen konnten, also den Gelehrten, dem Adel und dem Klerus, ausserordentlich viel Latein bzw. Griechisch benutzt. Später, eher zum Ende des bzw. nach dem Mittelalter, dann auch viel Französisch, Spanisch und Italienisch.

            Hier - http://deutschland-im-mittelalter.de...hichte/Sprache - finden sich viele gute Beispiele.

            Vermeiden sollte man m.M.n. also vor allem Worte, die auf etwas im speziellen zurückgehen, eine Technologie oder Historie, welche im vorliegenden Setting nicht vorkommt.


            Entwickelt Ihr neue Wörter, um etwas in Eurer Welt auszudrücken, wofür es in unserem Sprachschatz noch kein Wort gibt (bspw. im Sience Fiction eine Waffenbezeichnung, eine neue Antriebsmöglichkeit für Raumschiffe ...)?
            Warum macht ihr das?

            Auf jeden Fall, wenn ich etwas beschreiben will, z.B einen Raumschiffantrieb, welcher sich an entscheidenden Punkten vom "typischen" Warp-Antrieb unterscheidet, dann versuche ich einen eigenständigen Begriff zu finden, oder den Unterschied im Detail sprachlich zu kennzeichnen, also "Fremdworte" zu schaffen.

            Sprache und Schrift sind für den Autor das Medium schlechthin, und nichts verwurzelt den Menschen so sehr mit seiner Kultur wie die Sprache und Schrift. Sprache und Schrift entscheidet maßgeblich, wie wir etwas empfinden. Sprache ist auch eine mächtige Waffe, weswegen immer wieder versucht wurde, sie ideologisch umzuformen oder zu zensieren (nicht nur im 3. Reich).

            Wenn ich etwas schreibe, will ich auf dieses ultimative Mittel nicht verzichten. Nichts kann eine erdachte Welt so stark stützen (oder schädigen), als das sie auch sprachlich ausgeformt wird. Dazu gehören für mich auch "neue/fremde" Worte. Auch hier gilt nicht selten "weniger ist mehr". Das ist gar nicht so einfach.

            Worte wie "Kaiser", die sich vom Namen G. I. Ceasars ableiten, sind streng genommen unbrauchbar - woanders gab es diesen Mann ja nicht. Aber sie sind ein gutes Beispiel wie sich Worte bilden - sie leiten sich sehr häufig von einem Namen, einem Ort, einem Ereignis, einer Eigenschaft, einer Erfindung, usw. ab. Wer neue Worte schaffen will, kann sich damit beschäftigen wie die Worte entstanden, die ersetzt werden sollen. Das kann helfen.

            In Der Herr der Ringe fällt auf, das der Text so beschaffen ist, das er zwar eine eigene Sprache/n entwirft, aber auf spezielle Worte wie militärische Ränge usw. einfach verzichtet. Auch das geht gut, es ist für die Geschichte nicht wichtig. Ich frage mich manchmal, ob ich es nicht zu kompliziert mache...

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            • #13
              Ich achte bei meinen Geschichten generell darauf, neumodische Wörter zu vermeiden. Das Gleiche gilt für Fremdwörter und Wörter, die merklich aus anderen Sprachen eingeflossen sind. Statt professionell würde ich gekonnt schreiben, geübt oder versiert. Emotionslosigkeit ließe sich durch Kälte ersetzen und das Adrenalin je nach Zusammenhang mit Herzklopfen oder Blutrausch. Das mache ich vor allem, weil diese Wörter anschaulicher sind.

              Der Großteil der Leserschaft im deutschsprachigen Raum dürfte Deutsch als Muttersprache haben. Kinder lernen ihren ersten Wortschatz in der Regel von den Eltern, besonders durch die Mutter. Wie redet die Mutter dabei mit dem Kind? Werden Begriffe fallen wie professionell und Emotionslosigkeit? Meiner Erfahrung nach treten vor allem kurze Begriffe mit eher deutschen Wurzeln auf, so ähnlich wie die Beispiele oben. Da diese Wörter so früh vorkommen, sind sie am tiefsten im Gehirn verankert und rufen die meisten Assoziationen hervor. Oder anders gesagt, sie sind am klarsten und anschaulichsten. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Geschichte mehr Saiten anschlägt.

              Nachtrag: Ausgenommen davon ist natürlich der Fall, dass eine Figur diese Wörter in Dialogen verwendet oder eine Situation aus ihrer Perspektive erlebt. Ein versnobter Lateinprofessor wird eine Verfolgungsjagd durch den Dschungel anders schildern als ein Abenteurer. Aber das ist eher die Ausnahme.
              Zuletzt geändert von Flossenschwinge; 12-10-2018, 12:16.

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              • Dodo
                Dodo kommentierte
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                Manchmal hilft Sprachintuition weiter. Man muss nicht absolut jedes Wort in einem fremdsprachigen Text / oder jedes fremdstämmige Wort in einem muttersprachlichen Text verstehen, um den Sinn zu erfassen, um Atmosphäre zu atmen, um hineingezogen zu werden. Man muss auch nicht jeden Buchstaben lesen, um ein Wort zu erfassen. (Gilt natürlich nicht unbedingt für Gesetzestexte Da wird auch die Muttersprache zum Ungeheuer.)

              • Badabumm
                Badabumm kommentierte
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                Um das Verstehen ging es mir gar nicht. Allein um die Aussprache. Man versteht ja auch viele deutsche Wörter nicht, kann sie aber (meist) einwandfrei vorlesen. Die sogenannte Sprachintuition beginnt damit, dass ich englische Wörter als "englisch" erkenne und sie dementsprechend anders einordne. Man könnte fast sagen, das ist "gespaltenes" Lesen, weil ich die Wörter als "fremd" erkenne...

                Bei englischen Texten (oder bei englischen eingeflochtenen Vokabeln) bin ich schon hundertmal auf die Nase gefallen, weil ich glaubte, den Sinn verstanden zu haben; - es war dann aber doch ganz anders gemeint. Ein guter Autor sollte mit Worten spielen dürfen - wenn er nur platte Sprachhülsen verwendet, die man ohne Kenntnis der Wörter versteht, kann er die Wörter auch gleich weglassen.

                Deswegen stimme ich dir, was den Begriff "Atmosphäre" angeht, nicht uneingeschränkt zu. Man darf zwar "Blind"texte schreiben (die der Leser nicht in allen Details verstehen muss), um z.B. eine OP- oder nautische Szene auszubreiten - bei wichtigen, relevanten Passagen muss man aber glasklare, unmissverständliche Ausdrücke verwenden. Da sind dann gebräuchliche Wörter, die treffend, aber immer noch einfach sind, die besten. Dass sie dabei gleichzeitig nicht zu Allgemeinplätzen verwässern, ist eben die große Kunst des Schreibens.

              • Dodo
                Dodo kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Dann hast Du mit dem Wort Verständnis (für mich: verstehen; was man akustisch nicht versteht, kann man auch nicht weiterverarbeiten ...) etwas anderes gemeint als ich.
                Ich erfasse meist die Aussage als ganzes und halte mich nicht mit jeder Vokabel auf. Wenn ich mir nicht sicher bin, schlägt meine Intuition Alarm, dann schlage ich die Vokabel nach . Und natürlich geht es dabei nicht um Hülsen, sondern sinntragende Wörter. Vielleicht traue ich dem Hirn beim Lückenfüllen viel zu. Bei einem belletristischen Text wage ich das Risiko - und trau es auch einem Leser zu.
                Genauso traue ich einem Leser zu, Bilder und Metaphern zu verstehen. Das sind in meinen Augen Stilmittel, bei denen die glasklare Wortwahl und Ausdrucksweise "einen ganz schön im Regen stehen" lässt, wenn man sich an Wortbedeutungen aufhält. Gewisse Transferleistungen erwarte ich von meinem Leser.
                Wenn das Setting es erfordert, kann auch mal das sog. Fremdwort besser transportieren, was ich (oder die Figur) meine, als eine Übersetzung mit eingeengter Bedeutung. z B "Gugeln" ist dabei so allgemein geläufig, dass ich das vom Leser erwarte und erwarten darf. Ich als Autor sollte nur daran denken, dass es möglicherweise nicht zu einem historischen Roman, der vor Google spielt, passt ...

            • #14
              Zum Thema Blutrausch fand ich auf Julestrels Seite dieses Zitat von ihr:

              »Elezeis Blut schien in Aufruhr zu sein und brannte unerwartet kalt durch ihren Körper. Es war ein Gefühl, das nach Zerstörung dürstete.«
              https://www.julialange.de/blutgesang/

              Zuletzt geändert von Badabumm; 14-10-2018, 00:52. Grund: edit: von ihr
              Schlagfertigkeit ist etwas, worauf man erst 24 Stunden später kommt.
              Mark Twain

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              • Flossenschwinge
                Flossenschwinge kommentierte
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