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Mittwochsfrage #156: Aktuelles Weltgeschehen als Inspiration?

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  • Mittwochsfrage #156: Aktuelles Weltgeschehen als Inspiration?

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    Jeder von uns dürfte unzählige Inspirationsquellen wie Filme, Musik, Momente oder andere Bücher haben, die helfen einen tollen Plot und tolle Figuren zu erschaffen. Aber wie ist es mit dem aktuellen Weltgeschehen? Gibt es da immer wieder Themen, die euch so wichtig sind oder die euch inspirieren, so dass ihr die in eure Geschichten einbaut? Oder meidet ihr solche Themen, weil sie nicht passen oder in ein paar Wochen oder Monaten nicht mehr aktuell sind?
    »Elezeis Blut schien in Aufruhr zu sein und brannte unerwartet kalt durch ihren Körper. Es war ein Gefühl, das nach Zerstörung dürstete.« – Blutgesang

  • #2
    Ich nehme aktuelles Geschehen immer gerne in bestimmte Geschichten auf. Manchmal passen die Nachrichten auch wie die Faust aufs Auge.

    Meine Dystopie spielt in den nahen Zukunft und was in den letzen Jahren die Titelseiten der Nachrichten schmückt ist ein reiner Quell der Inspiration, von der völligen Missachtung der Klimaforschung, über die Versuche bestimmten Randgruppen das Recht auf freie Wahlen zu entziehen, Migration, käufliche Begnadigungen, galoppierende Korruption bis zum immer stärker werdenden Einfluss der wenigen Superreichen auf die Politik, ist eigentlich alles drin.




    I would write merely clearly and in this way establish a warm relationship between myself and my readers, and the professional critics—Well, they can do whatever they wish. Isaac Asimov

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    • #3
      Ich muss etwas ausholen.
      Ich habe zwei Romane, die nicht in unserer Welt spielen. In einem könnte ich mit viel Fantasie sagen, dass ich die steuerliche Ausbeutung unseres Staats verwurstet habe. Tatsächlich dachte ich mir damals nichts dabei, als ich von einem raffgierigen Thronräuber erzählte, der die säumigen Bürger notfalls in die Gold- und Silberminen steckt. Der andere Roman hat überhaupt keinen Bezug, auch nicht, wenn ich einen suche, weil ich manches ja unbewusst mache.
      Meine Novelle, die im Juni voraussichtlich veröffentlicht wird, behandelt u. a. einen Papst und das Frankreich in den Endzügen der Revolution. Ich habe so gut wie möglich recherchiert, um meine Geschichte in dieser Zeit und mit den real existierenden Figuren spielen zu lassen, habe mir hier und da aber auch dichterische Freiheiten erlaubt. Ich behandle also unsere Geschichte, die mich durchaus dazu inspiriert hat.
      Mein letzter Roman spielt in dem, was von Deutschland übrig geblieben ist, nachdem es eine atomare Katastrophe gab. Hier gibt es sogar sehr viele Punkte, die mich zu dieser Geschichte inspirierten. Die Katastrophe in Tschernobyl und die Tatsache, dass die Forscher dort eine tierische Artenvielfalt nachgewiesen haben, die sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht für möglich gehalten hätten. Dann die Probleme mit dem französischen Kraftwerk Cattenom und die ständige Angst vor diesem Damoklesschwert, das jederzeit ähnliche Züge wie Tschernobyl annehmen könnte. Die Bemühungen der Bundesregierung, die AKWs in Deutschland aus dem Netz zu nehmen und abzurüsten, was noch lange nicht heißt, dass die Bedrohung beendet wäre. Sie ist lediglich eingedämmt. Die Ignoranz der Japaner nach dem Tsunamiunglück in Fukushima, indem sie neue AKWs bauen. Und dann meine Rechercheergebnisse wegen meiner Grundidee, bei der ich mich über Genetik informierte und die Genschere Crispr-Cas9 kennenlernte. Das ist alles aktuell und wird uns auch noch ein paar Jahre lang beschäftigen.

      In meinen Kurzgeschichten kommen solche Themen eher selten vor. Sie erfordern ein gewisses Wissen, das ich entweder mit meiner Geschichte vermitteln können muss, was u. U. den Rahmen einer Kurzgeschichte sprengt, oder von dem ich ausgehen muss, dass meine Leser es haben. Beides ist knifflig, weswegen ich bei Kurzgeschichten von solchen Themen die Finger weglasse bzw. sie maximal streife. In letzterem Fall freue ich mich, wenn die Leser es merken, aber es ist nicht wichtig, wenn es ihnen nicht auffällt.

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      • #4
        Absichtlich mach ich das eigentlich nicht. Aber es rutscht bestimmt mal etwas in die Storys, wenn mich etwas stark beeindruckt oder beschäftigt, ich bin nicht inert.
        Allerdings will ich den Leser aus dem Alltag herausholen, da möchte ich keine mit Ort und Datum belegten Ereignisse für meine Geschichte zitieren, sondern eher "allgemein" mal etwas unterbringen. Konkrete Geschehnisse und Akteure sind eben nur für eine Weile der Aufmacher.
        Ein Thema, das mich prinzipiell und stets beschäftigt und das durchaus in meine luftigen Romanzen einfließen könnte, ist "Religion und Diktatur". Bisher habe ich daraus noch kein Romanmanuskript gemacht, aber ein Projekt ist in dämmriger Planung, und es wird auch eher das chronische Setting darauf fußen als die akute Handlung.

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        • Dodo
          Dodo kommentierte
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          Peter Ich bin gerade bei den "Four Horsemen" von Dawkins et al ...

        • Peter
          Peter kommentierte
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          The four horsemen kenne ich nur von Apbrodite's Child.

        • Dodo
          Dodo kommentierte
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          Nja, das Buch ist auch nicht sonderlich weiterführend ... Vier alte Männer kreisen sehr um sich selbst, und ich lese es eigentlich nur weiter wegen der Eloquenz von Hitchens und des naturwissenschaftlich-philosophischen Könnens von Dawkins. Die übrigen Werke oder Diskussionen der beiden sind da empfehlenswerter.

      • #5
        Dann wird es doch richtig spannend. Vielleicht nehme ich nicht das Thema von Seite 1, sondern ein Thema, dass sich noch im hinteren Teil versteckt, meistens kündigen sich da große Veränderungen eher an. Wenn alles über die AfD schreibt, dann will ich nicht auch über die AfD schreiben. Wenn alles sich von covid-19 inspirieren lässt, muss man sich ein anderes Thema suchen.
        Ich finde, es ist eine Aufgabe eines Autors, seine Zeit irgendwie zu fassen, selbst bei zeitlosen Klassikern ist es passiert.

        Das aktuelle muss ja nicht so offensichtlich daherkommen, es sollte schon einen poetischen Mantel haben.

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        • #6
          Ich bau sowas auch nicht bewusst ein, aber es kommen schon Themen wie Natur und Umwelt, soziales Denken usw vor.
          Nur wer sein Handwerk mit Herzblut ausführt, kann es gut machen, sonst ist alle Anstrengung vergeblich. Mao Shengli

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          • Milch
            Milch kommentierte
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            Der Mensch denkt in der Regel sehr sozial, wissenschaftliche Studien bestätigen es. Ich mag es nicht, wenn er belehrt werden soll, sich sozialer zu verhalten. Wenn er es nicht tut, liegt es in den sozialen System, die einer eigenen Logik gehorchen.

            Sozial allein finde ich nicht gut, mir fehlt das poppersche Weltbild, auch wenn es die Menschen tatsächlich vor Herausforderungen stellt, sprich: sich stets bewusst machen, dass jedes Abbild der Welt nur eine Annäherung sein kann, dem wir uns mit Fragen nähern können, wenn wir so ehrlich sind, uns Irrtümer eingestehen zu können.

        • #7
          Vielleicht noch ein kleiner Nachgedanke.

          Ja, es muss keine große Nachricht von der Titelseite sein. Kleine Nachrichten haben selbstverständlich auch ihre Relevanz.

          Etwas zu nehmen, dass aktuell politisch relevant ist, ist wahrscheinlich schon ein alter Hut, bis die Geschichte draußen ist.

          Es geht um die Fortführung und Übersteigerung/Zuspitzung der inneren Logik, in den Zeitrahmen hinein, in dem die Geschichte – in meinem Fall eine Dystopie – spielt.

          Simples Beispiel:
          Die Regierung eines Bundesstaats im mittleren Westen hat – im Zuge der anstehenden Bundeswahl – die Wahllisten in den letzten Monaten um diejenigen bereinigt, die keine eigenständige postalische Adresse in dem Staat haben.
          Hört sich erst mal unspektakulär an, ist aber ganz klar gegen die indianische/indigene Minderheit (und Elizabeth Warren) gerichtet, die in Reservatsgebieten wohnt. Dorthin darf der USPS nicht ausliefern, daher besitzen fast alle ein Postschließfach außerhalb des Reservats, was den Ansprüchen des Wahlrechts plötzlich nicht mehr genügt. So wird einer ethnischen Minderheit quasi über Nacht das Wahlrecht entzogen.
          Dann kann man den Gedanken weiterspinnen, zu Obdachlosen, etc.

          Gerne nehme ich noch eine Prise MIttelalter und Renaissance dazu, um das Wahlrecht weiter einzuschränken (über Grundbesitz, Herkunft oder andere Wohlstandskriterien) oder käuflich/übertragbar zu gestalten. Wieso sollte ein Unternehmer, der ja im besten Sinne für seine Angestellten handelt, nicht deren Wahlrecht ausüben können? Er hat mehr zu verlieren, ist besser gebildet, und hat eine Fürsorgepflicht seinen Angestellten gegenüber. Das würde enorme Kosten für Wahlkampf und Durchführung einsparen. Geld das in sozialen Projekten besser aufgehoben ist. (Das war Ironie. Nur zum besseren Verständnis.)

          Und schwupsdiwupps habe ich eine stark separierte, explosive Demografie, die eine wirklich interessante Dystopie hergeben kann.


          I would write merely clearly and in this way establish a warm relationship between myself and my readers, and the professional critics—Well, they can do whatever they wish. Isaac Asimov

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          • #8
            Ich vermeide es, aktuelle Themen allzu sehr in den Mittelpunkt meiner Geschichten zu stellen, weil es mir erstens plump erscheint, ein Thema zu verwerten, das sowieso in aller Munde ist, und zweitens altern diese Themen auch nicht unbedingt gut, und ich behandle lieber Themen, die zeitlos sind und auch nach dem "Hype" noch relevant bleiben.

            Das heißt aber nicht, dass ich nicht vom Weltgeschehen inspiriert werde. Ich nehme es nur nicht als zentralen Plot. Von COVID-19 inspiriert würde z. B. kein Plot über eine Pandemie, sondern eine Szene, in der es sich fünf gewisse Sanitäter einfacher machen, eine Person aufzuspüren, indem sie Schutzanzüge anziehen und bei allen Nachbarn erwähnen, dass er Kontakt mit etwas potentiell sehr Tödlichem hatte (eigentlich ist es eine Bombe, aber das muss ja keiner wissen). Auf der anderen Seite wird das Wissen, was ich jetzt so beiläufig über Infektionen bekomme, vermutlich irgendwann mal in eine Geschichte einfließen.
            If I could read your mind love
            What a tale your thoughts could tell
            Just like a paperback novel
            The kind the drugstore sells
            -- Gordon Lightfoot "If you could read my mind"

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            • #9
              Aktuelles Weltgeschehen nicht wirklich. Dafür interessiert mich das Geschehen in der Welt meist nicht genug, um es in einer Geschichte zu verarbeiten. Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber ich lese zum Beispiel keine Zeitung (analog oder digital) oder stöbere den Nachrichten hinterher oder sowas. Da ich davon also meist nichts weiß, kann es mich logischerweise auch nicht großartig viel beeinflussen.
              Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
              to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
              A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
              You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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              • #10
                Eher nicht, außer wir sprechen von wirklich großen Über-Themen. Damit meine ich z.B. Klimawandel: Ja, spezifisch Greta/Deutschlands Kilmapolitik/Our Lord and Savior Elon Musk: Nein.
                Ich denke, ich wäre dem gar nicht mal so abgeneigt, wenn die Trump-Ära nicht derart viele Trump-Satire-Figuren in Geschichten hervorgebracht hat, dass ich mittlerweile einfach nur noch innerlich schreie wenn ich wieder so einen zu Gesicht bekomme. Ja, der Typ eignet sich extremst für Satire, aber es langweilt und holt mich zu sehr aus der Geschichte.
                Und weil es mich an dieser Stelle nervt, bin ich sehr vorsichtig mit zu Realitäts-bezogenen Inspirationen, weil ich meine Leser auch nicht nerven will.

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                • #11
                  Nicht bewusst. Es kann schon sein, dass etwas Unterschwelliges mit in meine Geschichten einfließt, aber nichts Konkretes. Ich würde selbst als Leser nicht unbedingt solche "Hype" Themen auch noch in einem Roman lesen wollen...

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