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Mittwochsfrage #151: Was ist nun Satire?

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  • Mittwochsfrage #151: Was ist nun Satire?

    Mit "Oma" soll die Generation (yey, Boomer) gemeint sein, die rücksichtslos agiert und auf die Umwelt scheißt. Den Zeitungen nach hat dieses Liedchen Deutschland gespaltet. Knapp ein Drittel der Bevölkerung findet Kritik an dieser … Satire (?) gerechtfertigt. Die restlichen Prozente verteidigen die Ehre der guten alten biodeutschen Oma.
    ---
    "Ein wenig Rassismus geht schon in Ordnung", sagt der Spiegel.
    Kuzmany meinte im Nachhinein, dass es ja nicht so gemeint sei – also sein Text ist nicht rassistisch, sondern Satire. Die Bevölkerung sagt noch nicht so viel dazu. Vielleicht sind einige Prozente davon eher damit beschäftigt, asiatisch aussehende Menschen zu besprucken, zu treten und mit Beschimpfungen zu entmenschlichen.
    Unbenannt.png
    [Wort geschwärzt, um rassistische slur nicht zu reproduzieren.]
    Nun:

    Was ist Satire?
    • Das Lied Umweltsau
    • Kuzys Coronavirus
    • Diese Mittwochsfrage
    • [eigene Definition einfügen]
    Wofür ist Satire da? Was ist ihr Ziel?
    Was empfindet ihr als gelungene Satire? Was findet ihr Kacke?
    Darf man Homowitze/Judenwitze/Coronawitze reißen, wenn man kein Homo/Jude/Corona ist?
    Wollt ihr (mal) Satire schreiben / schreibt ihr Satire? Wenn ja, wem wollt ihr auf die Füße treten?
    Angehängte Dateien
    Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
    die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
    die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
    die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

    Jack Kerouac

  • #2
    Die Geschichte um das Umweltsau-Lied ist etwas komplexer. Bevor ein Kinderchor das Lied sang, war es Teil einer WDR-Satire, die sich gegen die Generation Greta richtete. Das erfuhr man beim Zapp-Medienmagazin. Ich finde, die WDR-Führung hat sich da zu sehr dem rechten Mob gebeugt. Es ist ja schon entlarvend, wer sich da alles angesprochen fühlte. Wie viele Omas rasen mit dem Motorrad durch den Hühnerstall und gehen 10 mal im Jahr auf Kreuzfahrt? Und manchmal hilft es auch das Lied ganz zu hören. Ich finde, die Senioren müssen sich in dieser Sache auch Kritik gefallen lassen, auch wenn ich das Lied so nie geschrieben hätte, weil es das Problem Klimaschutz zu sehr privatisiert.

    Mit Satire tritt man immer jemanden auf die Füße. am besten die Mächtigen.
    Wenn man sich nicht selbst auf den Arm nehmen kann, sollte man auch keine Randgruppen auf den Arm nehmen, denen man nicht angehört. Und Witze, die nur auf Klischees abzielen, sind meist nicht witzig. Juden als gierige Raffratten darzustellen finde ich nicht witzig. Dann lieber einen jüdischen Witz über die dominante Mutter.

    Satire darf alles, nur nicht plump sein. Klischees sind plump.
    Zuletzt geändert von Milch; 05-02-2020, 12:01.

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    • #3
      Ich lese nicht viel Satire, weswegen ich mich da nicht zu tief festlegen will.
      Dennoch finde ich, Satire darf etwas piesacken, ein bisschen sticheln, aber bitte nicht treten und draufschlagen, wo bereits genügend Verletzungen und Schmerzen bestehen.
      Ich kenne den Spruch, dass Satire nur nach oben, aber niemals nach unten tritt und ich finde, diesen Ansatz sollte jeder bedenken, der meint, etwas Satirisches raushauen zu wollen.
      Hirn einschalten, denken, dann reden. Ansonsten einfach mal die Klappe halten!
      Ich komme aus Ironien.
      Das liegt am sarkastischen Meer.

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      • #4
        Ich gehöre ja zu der Boomer Generation und könnte gut ein Opa sein, wenn ich mich etwas mehr beeilt hätte.

        Bei Welke in der heute show wird meiner Generation (und nicht nur den biodeutschen Omas und Opas) regelmäßig vorgeworfen, dass wir die erste Generation sind, die nicht wollen, dass es ihren Nachfahren einmal besser gehen soll. Da geht es ganz klar als Satire durch, und ist ja auch faktisch nicht von der Hand zu weisen. Das Lied reiht sich da gut ein. Insofern würde ich es als Satire durchgehen lassen.

        Als "Schmählied" gefällt es mir besser, als das, was Böhmermann von sich gegeben hat. Es ist immer schwierig, wenn Satire nicht so gut gelungen ist, um ohne Beleidigungen auszukommen.
        Unangemessen fand ich, dass hier kleine Kinder hier benutzt werden, denen Satire wahrscheinlich nicht bewusst ist.

        Satire benutze ich in meinen Geschichten seltenst. Sie lädt seltenst zu einem kritischen Dialog ein und hebt meist nur eine Partei (die eigene) intellektuell und moralisch über eine andere. Das Teil aus dem Spiegel gehört dazu und ich finde es ziemlich plump und misslungen.
        I would write merely clearly and in this way establish a warm relationship between myself and my readers, and the professional critics—Well, they can do whatever they wish. Isaac Asimov

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        • Milch
          Milch kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Das Böhmermann-Gedicht empfand ich auch als geschmacklos, allerdings ist die Böhmermann.Satire etwas länger, man darf sie nicht aus dem Kontext reißen.

      • #5
        Ich denke, Satire ist dazu da, Dinge anzuprangern und in die Mitte des Diskurses zu reißen. Es ist nicht selbst ein Mittel der Veränderung, sondern ein Draufzeigen quasi ein künstlerisches "Hier brennt's, Leute." Dafür ist Aktualität und Situationsabhängigkeit notwendig.
        Das Problem an rassistischen Witzen und ähnliches ist nun, dass sie nicht aktuell und situationsabhängig sind, sondern andauern. Die Mentalität "wir gegen die" ist so alt wie die Menschheit selbst. Das zu nutzen ist keine Satire, nicht nur, weil man damit nach unten ausschlägt, was Satire allgemein hin nicht tut, sondern auch weil man anderer Leute, anderer Generationen, anderer Zeiten Gedankengut nachredet. Satire ist eigentlich dazu da, einen übersehenen Blickwinkel in den Diskurs hineinzuwerfen, nicht das Alte wiederzukauen.
        Satire sollte das sagen, was sich die mächtigen Stimmen nicht trauen zu sagen bzw. was ihrer Macht weh tun würde.

        Selbst habe ich noch keine Satire geschrieben. Vermutlich weil ich problematische Sachverhalte lieber in ihren Facetten ausleuchten möchte, so denn ich sie behandle. Satire kann das kaum, ihre meist genutzten Stilmittel sind Übertreibung und Untertreibung und das Absurde, so sind Facetten schwer zu fassen. Deswegen ist Satire nur ein Draufzeigen auf ein Problem, aber niemals Teil der Lösung.
        Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
        to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
        A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
        You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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        • Victoria
          Victoria kommentierte
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          Aktualität und Situationsabhängigkeit und Nachreden sind gute Schlagworte.

      • #6
        Satire ist, wenn gelungen, hohe Kunst, und dazu gehört, dass der Satiriker weiß, was er vermitteln will. Und, wie Kuro schon schrieb, nach oben tritt, nicht nach unten.
        Satire darf nicht alles, denn wir leben nicht in einem rechtsfreien Raum (sonst könnte jeder hetzen und beleidigen und es Satire nennen); außerdem, wie Kuro auch schon schrieb, wo es schon dauernd wehtut, braucht nicht noch ein Bonmot reinhauen.
        Das Oma-Lied wäre für mich inhaltlich völlig in Ordnung, aber das Ausnutzen von Kindern ein Griff ins Klo. Der Spiegelartikel ist auf düsterem Niveau am satirefähigen Corona-Punkt vorbeigeschossen (weltweite Medienpanikmache wäre vielleicht ein besserer Angriffspunkt gewesen).
        Satire ist nicht Witzemachen. Bei Satire bleibt einem das Lachen im Halse stecken, weil man eine bittere Wahrheit erkennt, nur bedient sie sich der Stilmittel der Komik. Ein guter Satiriker lässt den Leser nicht spüren, dass er ihn belehrt. Ich kenne nur wenige Leute/Autoren, die das können.
        Satire schreibe ich nicht, kann ich nicht, will ich nicht, ich durchschaue zu wenig, und selbst dann ...

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        • Ena
          Ena kommentierte
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          "Bei Satire bleibt einem das Lachen im Halse stecken, weil man eine bittere Wahrheit erkennt" finde ich eine sehr passende Beschreibung. Genau das Gefühl hab ich, wenn ich wirklich gute Satire sehe (lesen tu ich sie eigenlich nie, aber ich schaue gerne Die Anstalt, die viel richtig hinkriegt).

      • #7
        Satire kann, muss aber nicht witzig sein. Wenn sie wirklich witzig ist, dann auf eine ganz bittere Art, bei der das Lachen weh tut. Weil man auf Umstände oder Wahrheiten hingewiesen wird, die man sonst gerne ignoriert, und die schmerzen.

        Eine meiner liebsten Satiere-Schriften ist "A modest proposal" von Jonathan Swift. Swift beschäftigt sich damals (ca. 1730) mit der Problematik von Überbevölkerung, Armut und Lebensmittelknappheit in Irland, und schlägt ganz sachlich vor, irische Familien sollten doch pro Jahr ein Baby bekommen und dieses dann in wohlgenährtem Zustand als Schlachtvieh verkaufen - ganz so, wie man Ferkel oder Kälber für den Schlachter aufpäppelt. Swift parodiert mit diesem Ansatz einige damals populäre Entwürfe der "Bevölkerungsplanung", wie sie von Leuten der Oberschicht ersonnen wurden, die offensichtlich keine Ahnung von der Lebensrealität armer Leute hatten. (Es gab da solche Ideen, wie "die Armen" als "Ressource" einzustufen und sie in "Aktiengesellschaften" zu organsieren, damit sie der Gesamtbevölkerung Gewinn bringen ...)
        Swift präsentiert das vollkommen sachlich und rational durchüberlegt, so dass man beim Lesen nicht anders kann als denken: hey, gute Idee! Obwohl man natürlich gleichzeitig völlig entsetzt ist.
        Sowas ist für mich gelungene Satire. Es beißt und tut weh, aber irgendwie bewundert man auch die intelligenten Spitzen dahinter und muss über die Zusammenhänge lachen.
        Always avoid alliteration.

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        • #8
          Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich den Wahlvorgang unseres neuen Ministerpräsidenten als (Real-)Satire bezeichnen .

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          • Milch
            Milch kommentierte
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            Nein. eher ein Beispiel für eine Spukgeschichte.
            Ansonsten Beileid nach Thüringen.

        • #9
          Wofür ist Satire da? Was ist ihr Ziel?
          Ich denke, Satire soll uns einerseits einen Spiegel vorhalten, andererseits die Augen für Themen öffnen, die wir bisher ignoriert haben. Dabei soll sie so amüsant sein, wie nötig, um unsere Aufmerksamkeit zu halten, aber gleichzeitig mit ihrer schmerzhaften Wahrheit zum nachdenken anregen. Lernen durch Schmerz, verstehen durch Entsetzen, oder so.

          Was empfindet ihr als gelungene Satire? Was findet ihr Kacke?
          DieAnstalt ist mein Favorit. Wirklich analysiert, was mir daran so gut gefällt, hab ich bisher noch nicht, aber generell stimme ich mit Dodo überein.
          In erster Linie muss Satire eben intelligent sein. Wenn es innerhalb von (ich rate mal) einer Stunde für einen Spiegelartikel geschrieben wurde, ist es das sehr wahrscheinlich nicht.

          Darf man Homowitze/Judenwitze/Coronawitze reißen, wenn man kein Homo/Jude/Corona ist?
          Ich denke, es gibt sicher Menschen die das kunstvoll können, ohne den entsprechenden marginalisierten Gruppen gleichzeitig weh zu tun, aber ich gehe davon aus, dass das eine winzige Minderheit in sich ist. Sowas bräuchte viel Erfahrung und Sensitivity Feedback (ich gehe hier von Veröffentlichungen aus), und sollten erhebend/positiv wirken, und nicht, wie Kuro bereits meinte, ein nach-unten-treten sein.

          Wollt ihr (mal) Satire schreiben / schreibt ihr Satire? Wenn ja, wem wollt ihr auf die Füße treten?
          Dafür bin ich nicht clever genug, ich schreib lieber fiktionalen Mord und Totschlag

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          • #10
            Ich muss gestehen, dass Satire nur selten mein Geschmack trifft bzw. viele Dinge für mich keine Satire sind, die (aus welchen Gründen auch immer) so genannt werden. Gute Satire halte ich für etwas handwerklich sehr schwieriges, weswegen ich höchsten Respekt davor habe und es in absehbarer Zeit nicht selbst versuchen möchte.

            Was empfindet ihr als gelungene Satire? Was findet ihr Kacke?
            Das kann ich ehrlich gesagt gar nicht direkt benennen. Aber es sind eher die feinsinnigen Texte als die plumpen Witze. Müsste ich ehrlich gesagt mal drauf achten.

            Darf man Homowitze/Judenwitze/Coronawitze reißen, wenn man kein Homo/Jude/Corona ist?
            Satire sollte nach oben treten und die Mächtigen aufs Korn nehmen, nicht nach unten, wo die Menschen eh schon genug zu kämpfen haben. Deswegen sollte man es sich dreimal überlegen, ob man Witze über eben jene reißen sollte. Ich denke, dass es schon geht, wenn man nicht einer dieser Gruppen angehört, aber es erfordert sehr, sehr viel Können und Fingerspitzengefühl. Aus diesem Grund würde ich der Allgemeinheit eher davon abraten.

            Mein Problem an der ganzen Sache ist aber, dass viel zu gerne alles mögliche als Satire betitelt wird, was keine Satire ist, damit man ein bisschen mit seinen schlechen Witzen auf Leuten rumtrampeln kann, die in der Minderzahl sind oder sich nicht wehren können. Dann kann man bei Kritik einfach "ist doch bloß Satire" sagen und alle Schuld von sich weisen ...
            »Elezeis Blut schien in Aufruhr zu sein und brannte unerwartet kalt durch ihren Körper. Es war ein Gefühl, das nach Zerstörung dürstete.« – Blutgesang

            Kommentar


            • #11
              Sind Coronawitze Witze über Menschen, die das Coronavirus haben? Oder nehmen sie eher die Panik davor auf die Schippe?

              Schlagfertigkeit ist etwas, worauf man erst 24 Stunden später kommt.
              Mark Twain

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              • Dodo
                Dodo kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Wenn sich der Leser das fragt, ist die "Satire" schlecht, weil der Autor nicht klargemacht hat, worum es ihm geht - also schlampig gearbeitet oder keine Ahnung von dem hat, was er als Autor von sich gibt.

            • #12
              Zitat von Ena Beitrag anzeigen
              Wofür ist Satire da? Was ist ihr Ziel?
              Ich denke, Satire soll uns einerseits einen Spiegel vorhalten, andererseits die Augen für Themen öffnen, die wir bisher ignoriert haben. Dabei soll sie so amüsant sein, wie nötig, um unsere Aufmerksamkeit zu halten, aber gleichzeitig mit ihrer schmerzhaften Wahrheit zum nachdenken anregen. Lernen durch Schmerz, verstehen durch Entsetzen, oder so.
              So denke ich auch. Ich finde aber diesen Satz, den es mal irgendwo gab "Satire darf alles" grenzwertig. Satire kann auch sehr verletzend sein für Leute, die es betrifft, bzw. die nicht über sich selbst lachen können. Wie überall muss man aufpassen was und wie man es sagt. Manche Texte sind ja auch nicht eindeutig als Satire gekennzeichnet und werden dann oft missverstanden. Aber ich bin da voll bei dir. Satire sollte anstacheln und gleichzeitig direkt und amüsant sein.

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              • #13
                Zitat von HerrWicklein
                Ich finde aber diesen Satz, den es mal irgendwo gab "Satire darf alles" grenzwertig.
                Heißt der Satz nicht "Kunst darf alles"?

                Kommentar


                • Dodo
                  Dodo kommentierte
                  Kommentar bearbeiten
                  Kurt Tucholsky wird "Satire darf alles" zugesprochen.

                • magico
                  magico kommentierte
                  Kommentar bearbeiten
                  Ah, gut zu wissen. Na ja, kann ja auch beide Aussprüche geben. Wobei die Worte "... darf alles" ja schon im Grunde nie stimmen können.
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