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Leserunde #6 - Cyberempathy von E.F. v. Hainwald

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  • #81
    Kapitel 15 wurde ja bereits von Earu zusammengefasst: Leon arbeitet mit Yas in der Oberstadt und darf endlich wieder ans Cybernet angeschlossen werden. Aber es stellt sich heraus, dass Leons Erinnerungen manipuliert waren - schon immer.

    Das Cybernet erklärt Leon (und uns Lesern), dass die Zusammenarbeit mit Yas deutlich zeigt, was für ein guter Mensch Leon ist und dass er sich rehabilitiert hat. Dass er aus den Erfahrungen in der Unterstadt gelernt hat und nun in die Oberstadt - in die richtige Gesellschaft - wieder eingegliedert werden kann. Wie auch beim ersten Mal, wo wir dieses weiße Gesicht sahen, ist das kaum ein Vorhang für die eigentlichen Ziele "der Obrigkeit".

    Haben sich eure Meinungen oder Ansichten über das Cybernet und seinen Nutzen für die Bewohner der Oberstadt geändert? Wir haben darüber am Anfang viel geredet, welche Lücken solch ein System haben könnte für "den unangepassten Bürger" und nun sehen wir, wie Leon zu einem "angepassten Bürger" wird. Scheint das ein anderes Licht auf eure Ansichten oder bestätigt es eure Gedanken zu dieser Erfindung und ihrem Einsatz in dieser Stadt?

    Zwei Kapitel haben wir noch. Kapitel 16 als bis zum 12. April.
    Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
    to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
    A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
    You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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    • #82
      Haben sich eure Meinungen oder Ansichten über das Cybernet und seinen Nutzen für die Bewohner der Oberstadt geändert?
      Ich finde das Cybernet nach wie vor nützlich, sehe aber auch meine Bedenken bestätigt bzw. sogar übertroffen. Hier wird klar, dass das Cybernet eigentlich bestimmt, wer bzw. wie man ist. Das ist ein Alptraum für jeden freiheitsliebenden Menschen. Ich könnte sowas nicht bewusst akzeptieren. Das berührt ja auch das Thema der Gedankenmanipulation. Bei Traumapatienten z. B. kann diese Arbeit bis zu einem gewissen Grad sinnvoll und hilfreich sein, aber ein schlechtes Erlebnis einfach auszulöschen oder so umzuwandeln, dass man es evtl. sogar für die schönste Erinnerung seines Lebens hält, geht zu weit. In beiden Fällen wird die Moral der Menschen, die die Macht darüber haben, stark gefordert. Es ist unheimlich schwer, zu entscheiden, wann der Einsatz dieser beiden Möglichkeiten vertretbar bzw. wirklich notwendig ist. Aber wir Menschen neigen auch dazu, abzustumpfen und unterschiedliche Moralvorstellungen zu haben. Beides kann diesen Missbrauch hervorrufen. Da lobe ich mir doch die Kaufhäuser, die mit dem Obst und Gemüse im Eingang bremsen, mit den Süßigkeitsregalen an der Kasse und den teureren Produkten auf Greifhöhe locken und evtl. auch noch einladende Musik abspielen, damit man entspannt und noch mehr in Kauflaune gerät. Darüber wissen wir Verbraucher prinzipiell Bescheid und können unser Handeln regulieren. Es sind auch nur minimale Reize im Vergleich zum Cybernet oder der Gedankenverdrehung.

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      • #83
        Auf seiner Flucht sieht Leon immer wieder das Gesicht der Obrigkeit in den Hologrammen auftauchen. Es spricht mit ihm, aber andere Passanten scheinen es nicht zu sehen. Ich sieht aus, als ob es einen direkten Draht zu den vernetzten Menschen hat, die dieses Gesicht nutzen kann, sodass es nur Leons Wahrnehmung anpasst. Es erklärt Leon, dass alles, was geschehen ist, wichtig und richtig war. Er diskutiert mit dem Gesicht. Dabei kommt heraus, dass alle Verbindungen zu Menschen und auch seine Arbeit von der Stadt manipuliert und angepasst wurde, damit er glücklich ist. Alles scheint eine Lüge gewesen zu sein, nichts wirklich echt. Nichts beruhte wirklich auf seinen eigenen Entscheidungen. Leon wurde zu dem Menschen, der er ist, regelrecht gezüchtet. Er ist Objekt 12-51514, speziell zur Gedankenmanipulation durch die Industriegesellschaft von Skyscrape designt. Es wird fast philosophisch, als das Gesicht auf Rade zu sprechen kommt, den es nur Objekt 18-145 nennt. Er ist ein Experiment, bei dem es darum ging, die Gefühle auszulöschen. Nur das Herz in ihm ist noch seines. Er besitzt aber Gefühle, trotz aller Bemühungen, das aus ihm herauszuholen. Hier heißt es also klar, dass Gefühle nicht nur Hormone sind, sondern auch im Herzen sitzen. Somit ist man empfindungsfähig, solange man es hat. Es wird bedrohlich, als das Gesicht überlegt, Rade vielleicht doch noch als nützlich anzusehen. Man ging davon aus, er sei zerstört. Es ist putzig, dass Leon das nicht will und Rade „meinen Rade“ nennt. Dafür, dass er eher auf Frauen steht, spricht das doch eine andere Sprache, also speziell auf Rade bezogen. Der nächste Schlag lässt nicht auf sich warten. Das Gesicht will die Unterstadt auslöschen, weil sie zu individuell und damit gefährlich geworden ist.
        Während dessen verhalten sich die Leute merkwürdig. Wo sie anfangs noch verwundert den schreienden Leon beobachteten, blieben sie plötzlich stehen und nun laufen sie hinter ihm her und wiederholen manches von dem, was das Gesicht sagt. Das hat nichts Natürliches mehr an sich. Es wirkt, als seien alle Menschen der Oberstadt bis auf vielleicht ein paar privilegierte wirklich nur designte Objekte. Aber das Gesicht sagt, die Menschen würden den Drang verspüren, das zu tun. Es sei ihr eigener Wille.
        Leon rennt weiter. Er will seine Freunde warnen, damit sie nicht mit der Unterstadt zerstört werden. Plötzlich sind alle Hologramme abgeschaltet und er ist allein auf der Straße. In die entstandene Stille kommt Janica und nutzt ihre Gefühlsübertragung gegen ihn. Es ist Rades Liebesgeständnis, das Leon die Kraft gibt, sich wieder aufzurichten und weiterzugehen. Er schafft es zu den Kapseln, aber das Gesicht mischt sich ein und lässt ihn mit der Kapsel einfach herunterfallen.
        Es gelingt Leon, die Antigrav-Düsen zu starten und ihm bleibt etwas Zeit zum Nachdenken. Er glaubt, dass Janica und Yas ebenfalls nur Produkte sind. Außerdem sorgt er sich um Rade und fragt sich, was die Oberstadt mit ihm vorhaben könnte. Und er hegt plötzlich Zweifel über seine eigene Person und sein Recht, zu leben. Kommt mir von Rade bekannt vor.

        Dieses Kapitel hat etwas von einer Verfolgungsjagd für mich und trotzdem kommen viele Hintergrundinformationen heraus. Irgendwie seltsam, dass ein Programm so gern über sowas redet. Wäre es nicht effizienter, wenn es ihn immer wieder dazu auffordern würde, sich zu ergeben? Aber es passt zur Oberstadt, die glaubt, über alles erhaben zu sein.

        Kommentar


        • #84
          Earu hat wiedermal sehr gut das Kapitel zusammengefasst. (Und mich erinnert, dass ich Fragen stellen muss^^°)

          Das Cybernet erklärt hier ausführlich die Hintergründe des Systems der Oberstadt. Die wichtige Spannung zwischen Freiheit und Sicherheit ist eindeutig entschieden und Sicherheit ist der absolute Sieger. Gleichheit, so das Cybernet, ist die Vorstufe zu Harmonie und Frieden. Das höchste Ziel von allen. Doch Freiheit ist für das System die Wurzel allen Übels. Freie Entfaltung und individuelle Erfahrungen oder Gefühle bringen nur Unruhe, sind eine Störung im System.
          So werden Werkzeuge designt, die aus Fleisch und Blut bestehen. Rade und Leon sind beides Beispiele für diese menschlichen Werkzeuge. Wie Skylynn bereits erzählte: es ist einfacher, Menschen zu optimieren und ihren Geist gefügig zu machen, als einen Androiden zu kontrollieren. Das bedeutet allerdings auch: geboren zu sein, macht einen nicht zum Menschen.

          Aber was macht einen zum Menschen?
          (Eine offensichtlich schwierige, philosophische Frage und offensichtlich das Ziel des Buches.)
          Das letzte Kapitel lesen wir bis zum 14. April.
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          • Earu
            Earu kommentierte
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            Ich habe mich schon gewundert, dass noch keine Fragen da sind.

          • In-Genius
            In-Genius kommentierte
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            Hab's vergessen^^°

        • #85
          Aber was macht einen zum Menschen?
          (Eine offensichtlich schwierige, philosophische Frage und offensichtlich das Ziel des Buches.)
          Ich glaube, in dem ganzen Zusammenhang geht es darum, dass nur Menschen fühlen. Also egal, wie sie erschaffen wurden, sobald sie fühlen, sind sie wahre Menschen. Diese Botschaft glaube ich zumindest herauszulesen.
          Ich überlege gerade, was meiner persönlichen Meinung nach einen Menschen ausmacht. Ohne Gefühle geht nichts, sonst sind wir nur Maschinen, die nach aktuellem Stand noch nicht fühlen können, soweit ich weiß. Ich denke, es macht es mir leichter, einen Menschen als Menschen zu sehen, wenn er einen zumindest menschenähnlichen Körper hat. Wird vermutlich diskriminierend sein, wenn wir irgendwann die Wahl haben, unsere Körper nach unserem eigenen Geschmack zu designen, aber aktuell fände ich einen viereckigen Kasten mit dem Bewusstsein eines Menschen darauf nicht menschlich, egal wie dieser Menschkasten sich verhält. Vermutlich liegt dahinter mein Wunsch verborgen, denjenigen wirklich berühren und auch in seiner Mimik lesen zu können. Einen Kasten kann ich anfassen, aber nicht wirklich erfassen. Er ist einfach abstrakt, wenn ich mir ein Bewusstsein darin vorstelle. Ein Mensch macht Fehler. Es geht gar nicht anders. Wir sind, jeweils auf unsere eigene Art, kreativ und genau dort sehe ich auch einen großen Teil unserer Freiheit. Wir haben einen freien Willen und wir sind bestrebt, zu tun, was wir wollen. Wir halten uns im besten Fall nur zurück, wo unser Wille jemand anderen schaden würde. Wir sind unterschiedlich, keine kopierten Programme mit maximal ein paar Anpassungen.

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          • #86
            Ich bummle mal ein bisschen hinterher ...

            Zuerst noch der Nachtrag zu den beiden Kapiteln, die ich bereits gelesen hatte (11 & 12):

            Habt Ihr Rades Motivation, dafür, Leon zu helfen, kommen sehen?
            Findet Ihr in vorherigen Kapiteln Foreshadowing und Hinweise darauf?


            Ja. Zum einen hat Lux uns sofort wissen lassen, dass Rade nicht nur aus reiner Nächstenliebe handelt. Und zum anderen hat Rade Leon öfters so genau beobachtet, dass es sogar ihm aufgefallen ist – nur, dass er es (wie so oft) nicht weiter thematisiert hat.

            Deshalb war ich auch ein wenig irritiert davon, dass Leon dann auf einmal so aus der Haut fährt, als Rade ihm dies bestätigt.
            Als sei das voll die Überraschung … ist es doch gar nicht.

            Was ist Leons Motivation, die Droge auszuprobieren?

            Darf ich mich erst darüber auslassen, wie selten dämlich ich seine Aktion finde?!?!
            (Die entsprechenden Stellen sind aber echt gut geschrieben! )

            „Ich werde sicher gut damit klarkommen“ – ja nee, ist klar, Leon …
            Und dann kippt der sich auch noch alles von dem Zeug rein!

            Aber er weiß ja, was er tut …

            Warum er es tatsächlich ausprobiert?
            Für mich kann er einfach den Hals nicht voll genug kriegen. #augenroll

            Zu Leons Hintergrund: Mir ist beim Lesen diesbezüglich nichts aufgefallen.



            1. Was haltet ihr von Rades Verhalten?

            Ich bin sehr überrascht darüber, wie sich die Dinge zwischen Rade und Leon aufgrund des Horrortrips entwickeln.
            Ich frage mich, ob es Rade wirklich ernst ist, verstehe aber, warum er die Gefühle zu rationalisieren versucht.

            Als Leon ihn stehen lässt, fühle ich als Leserin richtig mit ihm.

            Und Lux tut mir ja sowieso leid. Da widert mich sein Verhalten echt an.

            2. Was haltet ihr von Leons Verhalten?

            An Leons Stelle wäre ich auch überfordert mit der Situation, das sehe ich ihm nach. Aber es ist seine Schuld. Und dass er damit ausgerechnet zu Skylynn rennt finde ich extrem taktlos. Im Übrigen lässt mich seine wiederholte Versicherung, dass er mit homoerotischen Beziehungen ja an sich keine Probleme hätte genauso stutzen wie dich. Wem will er das denn weiß machen? Mir jedenfalls nicht. (Er nutzt ihn erst und lässt ihn dann fallen. Soll ich es gut finden, dass er wenigstens ehrlich zu ihm ist?)

            Ich begrüße Skylynn für ihr ehrliches »Arschloch«. Danke!

            3. Was haltet ihr von dieser Entwicklung und ihrer Umsetzung?

            Dass Leon von jeder benannten Figur die Meinung braucht, bevor er seine eigene hat.
            Danke, jetzt muss ich wieder lachen.

            Ich habe diese Entwicklung nicht kommen sehen und bin – wie gesagt – ziemlich überrascht. Wieso steigen sie eigentlich überhaupt gleich miteinander in die Kiste? Ich muss erstmal weiterlesen, um das einsortieren zu können.



            Und Kapitel 13:

            Wie werden diese veränderten Dynamiken dargestellt (Gesten, Worte, Metaphern etc.)?

            Rade und Leon führen inzwischen richtige Gespräche, die eine ähnliche Tiefe ansteuern wie die Gespräche mit Skylynn zuvor, abgesehen davon gibt es einen liebevollen Unterton in den Interaktionen - die offenkundige Sorge um das Wohlergehen des jeweils anderen. (Eine Seltenheit in der Unterstadt, wie schon öfters betont wurde.) Leons Aussage, die "Verantwortung für [s]eine Handlung[en]" zu übernehmen, ist ungewohnt erwachsen. Sehr angenehm. Auch die Freundschaft zu Lux festigt sich. Mittlerweile wirken die drei tatsächlich wie Mitbewohner in einer verschrobenen WG.

            Hat Yas auch euch überzeugt? Wärt ihr an Leons Stelle, hättet ihr Yas geholfen? Hättet ihr überhaupt den Taster angenommen? In der Welt von Cyberempathy wie wahrscheinlich ist solch eine Einstellung, wie Yas sie hat?

            Absolut nicht. Im Vergleich zu den anderen Schnitzern scheint Yas sich zwar überhaupt Gedanken um die Folgen für die Opfer zu machen, aber das hindert ihn/sie ja trotzdem nicht an seinem/ihrem tun, also: nein.

            Warum Leon den Taster nimmt? Weil er Leon ist. Leon hat sich schließlich auch die Pille eingeworfen ...
            Ob ich den Taster genommen hätte? Ich hoffe doch mal nicht.

            Findet ihr die Darstellung dieser geschlechtlich uneindeutigen Figur gelungen?

            Ich kann mir Yas gut vorstellen und finde, dass er/sie sich nahtlos einfügt. Er/sie ist für mich auch nicht mehr oder weniger verwunderlich als all die Optimierungen, mit denen ich als Leserin bereits konfrontiert wurde, daher: "genau richtig".
            Alles ist Gift. Es kommt nur auf die Dosis an. (Paracelsus)

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            • In-Genius
              In-Genius kommentierte
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              Schön, dass du noch nachziehst.

              Den Eindruck einer verschrobenen WG hatte ich auch und mochte die Idee.

            • Alys II.
              Alys II. kommentierte
              Kommentar bearbeiten
              Oh ja, als Skylynn da "Arschloch" sagt, da ging mir auch richtig das Herz auf.

            • E.F. von Hainwald
              E.F. von Hainwald kommentierte
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              Ja also ... ich mag meine Charaktere, aber jemand musste das mal aussprechen, oder?

          • #87
            So, Aufhollesespurt geschafft. Die letzte Woche war echt voll verspult bei mir. Aber jetzt! Die Fragen habe ich alle beantwortet, nachdem ich das entsprechende Kapitel gelesen hatte, und ohne das nachfolgende Kapitel schon gelesen zu haben.

            Kapitel 15:
            Haben sich eure Meinungen oder Ansichten über das Cybernet und seinen Nutzen für die Bewohner der Oberstadt geändert?

            Ja. Ich sehe zwar hier immer noch das gleiche Gefahrenpotential, das wir in den ersten Kapiteln beobachtet haben. Allerdings entwickle verstärkt sich in diesem Kapitel bei mir das Gefühl, dass es eine konkrete Person (oder Organisation) gibt, die aus dem Cybernet einen direkten, egoistischen Nutzen zieht. Immer mehr sehe ich das Cybernet nicht nur als ein soziales Instrument, einer überbequemen Gesellschaft, das diese Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität aller ermöglicht. Sondern es wirkt auf mich wie eine Art "Opium für das Volk", mit dem jemand "von oben" die Menschheit bewusst ruhigstellt. "Die Obrigkeit" wird für mich zu einer greifbareren Organisation, und ich will wissen, welchen Nutzen sie konkret hat aus dieser Ruhigstellung und wohl auch Steuerung der Massen.
            Steuerung der Massen deshalb, weil ich den Verdacht entwickle, dass generell die Erinnerungen und Emotionen aller Menschen manipuliert werden. (Es stellt sich dann zwar die Frage, wozu es dann Erinnerungskonstrukteure wie Leon braucht - aber das klärt sich sicher noch.)

            Kapitel 16:
            Aber was macht einen zum Menschen?

            Ah, ja, wunderbare philosophische Frage. Die natürlich keiner von uns abschließend beantworten kann.
            Schön ist einfach, dass das Buch einen dazu zwingt, sich genau mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Und erfreulicherweise geschieht das, ohne dass einem der moralische Zeigefinger vorgehalten wird.

            Mir haben die ausführlichen Erklärungen der Obrigkeit nicht so gut gefallen, weil sie für mich ein bisschen Evil-Overlord-Syndrom hatten. (Wie bei James Bond: der Erzschurke könnte Bond einfach erschießen, und wäre alle Probleme los. Stattdessen hält er Bond erstmal einen langen Vortrag über die eigene Motivation - damit auch der dümmste Zuschauer alle Hintergründe begreift.) Das wurde aber abgemildert dadurch, dass sich um Leon eine immer bedrohlichere Szenerie aufbaut. Und ganz, ganz toll fand ich den Auftritt von Janica. Ich hatte sehr gehofft, ihr nochmal zu begegnen in dem Buch. Dass Leon sie jetzt als abstoßend und nicht-menschlich empfindet schlägt einen schönen Bogen zum Anfang des Buchs, und es zeigt indirekt seine echte Liebe zu Rade.

            Kapitel 17 musste ich dann auch gleich lesen. Aber das ist ja morgen dran für die offizielle Besprechung.
            Always avoid alliteration.

            Kommentar


            • E.F. von Hainwald
              E.F. von Hainwald kommentierte
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              Ich hatte nicht vor, dem Leser die Motivation der Obrigkeit zu erklären, das ist eigentlich nicht besonders relevant für die Frage nach Menschlichkeit. Es ging mir darum, dass die Obrigkeit zunächst versucht ihr nunmal "teures Produkt Leon" einzufangen (und dafür müssen sie ihm stichhaltig argumentieren). Als sie bemerken, dass er auf ihre Moral nicht anbeißt (bei Yas klappte das ja nochmals) switchen sie zum unpersönlichen, für diese Zeit archaischen "Sie" um Druck auszuüben, während sie ihm seine Stellung aufzeigen. Als das dann auch nicht klappt, werfen sie ihn einfach weg, wie einen Kaffeebecher.

              Beim Schreiben habe ich bemerkt, dass es für manche Leser vielleicht interessant wäre zu erfahren, wie die Gesellschaft in Skyscrape Menschlichkeit & Freiheit betrachtet, daher dann deutliche Worte nach dem Switch zum "Sie". (was mir bei der engl. Übersetzung übrigens noch Kopfzerbrechen bereiten wird, denn da gibt es nur "you" ... )
              Dabei wollte ich die persönliche Entscheidung aber immer beim Leser lassen.

              Danke fürs Schleußer-Kompliment.
              Der Twist, dass er viel mehr konstruiert ist (sogar sein Leben), obwohl es die ganze Zeit so scheint, als wäre es das genaue Gegenteil, ergab dann auch den Stil und Handlungen (seine einfache Verurteilung als Teil der Programmierungserfahrungen) der ersten Kapitel, an dem ihr euch zunächst so (zu Recht) gestoßen habt. So konzipiert konnte er nur seine Umwelt/Mitmenschen so betrachten/fühlen, wie dem eben war. Im Re-Read, den manche Leser dann angegriffen haben, kann man so noch ein wenig mehr in ihn reinblicken, wenn man möchte.

            • Alys II.
              Alys II. kommentierte
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              E.F. von Hainwald, übersetzt Du das selbst ins Englische? Sonst würde ich dieses Problem nämlich ganz nonchalant dem Übersetzer überlassen. Aber wenn's um Englisch geht, dann kann ich natürlich nicht anders, als mit der Gedankenübung hinzugeben ...
              Für die Übersetzung ins Englische hast Du es Dir natürlich extra schwer gemacht. Modernes Englisch kennt halt nur das "Sie" = "you". Und die in der sprachlichen Abstufung übliche Wechsel der Distanzebene, der bei uns die Unterscheidung Du/Sie ist, ist eigentlich nur durch den Wechsel in der Ansprache mit Vorname oder Nachname möglich ... und Du hast ja Nachnamen abgeschafft.

              Was mir spontan einfiele: Es wurden doch alle Leute immer formal mit Berufsbezeichnung und Vorname angesprochen. Erinnerungskonstrukteur Leon, Direktor Alexis u.s.w. - scheint also die Standardanrede zu sein. Man könnte tricksen, indem man hier in der langen Ansprache der Obrigkeit nicht jeden Satz wörtlich übersetzt, sondern bewusst diese Anrede in der englischen Version öfters einfügt. Wenn die Obrigkeit Leon dann plötzlich mit nicht mehr als "Memory Engineer Leon", sondern nur noch als "Mr. Leon" anspricht, dann ist das eine deutliche Entwertung seiner Person und schafft mehr Distanz. Optional: ausgeschrieben als "Mister Leon", um das Wort zu betonen.
              Oder man geht an der Stelle gleich noch einen Schritt weiter und die Obrigkeit ersetzt an dieser Stelle seine Berufsbezeichnung durch seine Sachbezeichnung, spricht ihn also mit "Manipulation Tool Leon" an ... evtl. sogar bewusst kleingeschrieben "manipulation tool Leon" - eine Anrede sollte ja großgeschrieben sein, Kleinschreibung verdeutlicht also nochmal den Depersonalisierungseffekt.

              Just my two cents. Sprachliche Feinheiten sind sowas Schönes, darin kann ich mich verlieren ... off-topic Ende.

            • E.F. von Hainwald
              E.F. von Hainwald kommentierte
              Kommentar bearbeiten
              Gute Idee, vor allem das mit der Kleinschreibung!

              Ich habe mir noch etwas anderes überlegt: Die Obrigkeit dann plötzlich nicht mehr MIT ihm, sondern ÜBER ihn sprechen zu lassen.

              Mal sehen - klar macht das der Übersetzer. Ein Übersetzer ist jedoch mehr Techniker als Autor. Ich werde diese Passagen also umschreiben, damit er es auch gut übersetzen kann.
              Um sowas völlig blind anderen zu überlassen, bin ich zu eng mit meinen Romanen verbunden

          • #88
            Kapitel 14 und 15 habe ich jetzt auch schon aufgeholt


            Was für eine Funktion hat die Prügelei?

            Im Gegensatz zu den letzten Malen geht die Prügelei aber nicht von Rade aus, sondern von einer Bande daher laufender Frauen, die etwas gegen die Optimierungen anderer Frauen haben. Bios gegen Synthies – da gibt es wohl kein „Leben und leben lassen“. Erinnert mich ein bisschen an die Diskussionen zwischen Fleischessern und Hardcore-Veganern.

            Es wirkt etwas beliebig platziert und das Buch würde problemlos ohne die Szene auskommen, da es auch noch genügend andere offene Schauplätze gibt. Aber sie rückt ins Gedächtnis, dass es doch nicht für alle normal ist, wie Rade, Lux und Skylynn mittels Kybernetik optimiert sind – obwohl es sich für den Leser längst nicht mehr befremdlich liest, wage ich zu behaupten. Von mir ernten die Damen daher auch nur ein müdes Augenrollen.

            Ist es wichtig, dass dieses Angebot mit dem Stehlen von Organen zusammenhängt? Oder sind alle Mittel recht, um in die Oberstadt zurückzukehren?, um Menschen zu helfen?, um seinen Traum zu verwirklichen?

            Das Cybernet, flüsterten Leons Gedanken. Ich werde nicht mehr mit mir allein sein.
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            Das nächste Augenrollen folgte zugleich.

            Es ist interessant, dass Leon so süchtig nach dem Cybernet ist, so abhängig davon, obwohl er in der Unterstadt mittlerweile besser zurecht kommt und erfahren hat, wie sich echte Emotionen anfühlen. Ich finde es irgendwie traurig, dass er dieser optimierten, künstlichen Empathie den Vorrang gibt. Körperlich unversehrt, geistig versklavt.

            Im Prinzip genau andersrum als es bei den anderen dreien der Fall ist. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich das, was Leon da tut, tatsächlich als Hilfe empfinden kann. Klar, er schraubt da in den Erinnerungen rum bzw. – wie Yas korrekt herausarbeitete – „hilft“ denen, die so oder so schon verloren haben … Nee, mir gefällt das nicht.


            Ooooh. Wie süß ist das mit Rades Soldatenmarken bitte. [Live-Kommentar. Musste sein.]

            Dass Yas so beiläufig „Alexis“ zu ihm sagt. Sie kennen sich. Mag ich nicht.

            »Wieso sollten die dich wiederhaben wollen, wenn sie dich erst vor Kurzem hier runter geworfen haben, um dich loszuwerden? Das ergibt doch keinen Sinn.«
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            Meine Gedanken kann er wohl lesen

            »Ich werde helfen«, sprach Leon resignierend, senkte die Waffe und seinen Kopf.
            »Ich weiß«, raunte Yas mit kehliger Stimme.
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            Ich sagte doch, bevor ich das Kapitel zu Ende las, schon, dass mir das nicht gefällt.



            Haben sich eure Meinungen oder Ansichten über das Cybernet und seinen Nutzen für die Bewohner der Oberstadt geändert?

            Sagen wir es so: Bei den Worten des weißen Gesichtes wird mir nur noch übel.

            Und das war, bevor ich gelesen habe, wie beiläufig dieses tolle System darüber spricht, dass erstmal wieder ein paar Erinnerungen umkonstruiert werden müssen. lol Super.

            Ich weiß nicht, ob ich es krasser finde, zu lesen, wie sie Leon verbiegen oder wie er ständig die anderen verbiegt. Ich finde beides gleich abstoßend. Ich mein, aus der schriftstellerischen Sicht, aus der Metaebene, kann ich mich der Faszination, den diese Prozedur an sich ausübt, nach wie vor nicht entziehen. Mega spannend. Schließlich war dies auch der Grund, warum ich mich überhaupt für das Buch interessiere. Aber menschlich ist es einfach nur ekelhaft.

            Wieso lässt mich das so kalt, dachte er stirnrunzelnd. Das ist brutal und der Mann steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Warum fühle ich mich so wohl dabei? Bin ich ein Psychopath?
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            Sehr schön!

            Das Tempo ab dem Kampf danach ist sehr packend!
            (Aber die letzten Seiten müssen trotzdem bis morgen warten, egal, wie sehr ich mich freue, dass Leon aktiv wird.)
            Alles ist Gift. Es kommt nur auf die Dosis an. (Paracelsus)

            Kommentar


            • In-Genius
              In-Genius kommentierte
              Kommentar bearbeiten
              Das mit den Soldatenmarken fand ich auch herzerwärmend!

            • E.F. von Hainwald
              E.F. von Hainwald kommentierte
              Kommentar bearbeiten
              Dir fallen noch irgendwann vom vielen Augenrollen, die Selbigen aus den Höhlen.

          • #89
            Dann bringen wir das hier doch mal zu Ende. Schade, ich hätte gerne noch länger in der Geschichte verweilt.

            Leon schafft es zu Rade und erzählt ihm alles, außer, dass er selbst ebenfalls nur ein Designermensch ist. Anders als erwartet, sieht Rade den Kampf bereits als verloren an, weshalb Leon ihm eine knallt und Rade das Zimmer verlässt. Leon kann ihm nach seinem anstrengenden Tag nicht mehr folgen, aber bevor er einschläft, zweifelt er, ob Rade nicht bereits manipuliert wurde.
            Als Leon aufwacht, ist Rade noch nicht zurück. Er geht zu Skylynn, in der Hoffnung, dass Rade bei ihr ist oder sie zumindest weiß, wo er stecken könnte. Er gibt ihr den Helm, der vor dem Cybernet schützt, und rennt mit ihrem Holo-Telefon weg. Er versucht, Lux zu erreichen, aber sie geht nicht ran.
            Leon rennt in das Bordell, in dem sie arbeitet. Er findet Lux, die ihre künstliche Vagina wieder hat. Lux weiß auch nicht, wo Rade sein könnte, aber sie bestätigt Skylynns Worte, dass Rade sich merkwürdig verhält. Ihre Bemerkung über ein verletztes Herz … Ich vermute, sie meint Rade, und ich schätze, Leon versteht sie, denn er stürmt hinaus, um Rade zu suchen.
            Hier kommt mir ein Satz merkwürdig vor. Leon ist in den Regen gekommen und hat sich zuerst die Jacke übergehalten, aber er ist mittlerweile so durchnässt, dass es keinen Unterschied mehr „ausmachte“. Stand da ursprünglich vielleicht, dass es ihm nichts mehr ausmacht? Ich würde da jedenfalls machte schreiben.
            Leon muss seine Suche abbrechen, da er ahnt, dass er bald zusammenbrechen wird, und kehrt zu Rades Wohnung zurück. Er hat keinen Schlüssel und kann nicht hinein, aber ihm fällt auf, dass die Tür zur Nachbarwohnung demoliert ist und offensteht. Er vermutet Rade dahinter, ist allerdings irritiert, dass Rade seinen Weg mit Gewalt gesucht haben soll, wo er doch einen Schlüssel besitzt. Er rennt den Weg zu Rades geheimen Platz und findet ihn dort.
            Rade tut das Herz weh. Die Nähe zu Leon, obwohl er ihm nie wieder würde so nah sein dürfen wie in ihrer gemeinsamen Nacht, hat ihn fertiggemacht. Er war froh, als Leon fortgegangen war, aber die Entfernung hatte es noch verschlimmert, egal, was Rade dagegen versucht hatte. Leon würde gerne etwas sagen, aber er bleibt stumm. Es ist zum Haare raufen. Er könnte es doch einfach genauso machen wie Rade, als er auf dem Drogentrip war. Worte würden sowieso viel zu wenig bedeuten. Er soll ihn endlich in den Arm nehmen und ihm seine Liebe zeigen. Er liebt ihn doch. Er entdeckt Schnitte in Rades Armen, aus denen Blut und Öl sickern. Ich weiß nicht, ob Rade sich geritzt oder versucht hat, sich das Leben zu nehmen. Aber das bringt Leon endlich zum Reden und er nennt seine Objekt-Nummer. Rade reagiert gereizt und erklärt, dass Leon aus Fleisch und Blut besteht, doch plötzlich ist er verunsichert. Leon erklärt ihm kurz, was es mit seiner Existenz auf sich hat. Die Rollen sind vertauscht. Leon ist überzeugt, kein Mensch zu sein, und Rade versucht, ihm das auszureden. Er fragt Leon, was er wirklich will, und endlich sagt Leon ihm, was er für ihn fühlt.
            Es darf ja keine zwei Minuten schön sein. Es kracht und Rade entdeckt einen Goliath. Scheinbar ein Kampfroboter von früher, nur dass dieser hier neu und modifiziert ist. Aus großen Fluggleitern kommen Kampfdrohnen, die in die Häuserschluchten fliegen. Rade schätzt, dass die Unterstadt fallen muss. Leon nimmt Rades Hand und verabschiedet sich von der Welt, indem er sich von dem System löst und die Freiheit begrüßt.

            Was für ein grausames Ende. Ich wünsche mir ein Happy-End, aber hier gibt es auf den ersten Blick nichts, das Hoffnung auf Rettung zulässt. Ich darf mich nur freuen, dass Leon und Rade noch ein paar Minuten gemeinsam haben, bevor sie vereint sterben. Das ist natürlich ein eindrucksvolles und einprägsames Ende. Darüber denkt jeder Leser noch lange nach. Aber – Himmel! – so gerne ich solche Enden auch mal BEI KURZGESCHICHTEN schreibe, doch nicht in einem Roman! Ich verstehe ja, dass man gegen das System nur verlieren kann. Ich sehe doch, wie es jetzt schon läuft. Genau deshalb braucht es Happy-Ends. *schnief* Da ich allerdings das Buch schon vor ein paar Tagen beendet habe, hatte ich genügend Zeit, um nach einem Ausweg für die Vier zu suchen. Skylynn könnte den Empathie-Helm rechtzeitig so verändern, dass man damit die gesamte Unterstadt beeinflussen und zu einer Armee zusammenschweißen kann. Rade als Soldat könnte doch noch zur Vernunft kommen und seine Kenntnisse in der Kriegsführung einsetzen, um Skylynn dabei sinnvoll zu unterstützen.
            Ich liebe das Buch einfach und ich bin mir jetzt schon sicher, dass ich es irgendwann ein zweites Mal lesen werde.

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            • E.F. von Hainwald
              E.F. von Hainwald kommentierte
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              Dass du gleich vom Schlimmsten ausgehst und alle sterben - auweia, du Schwarzmalerin! Aber ich bin froh, dass du noch Auswege erkennen kannst.

              Ich würd mich freuen, wenn es zu einem Re-Read bei dir kommt und du noch einen ganz neuen Blickwinkel dadurch erhalten kannst.

            • Earu
              Earu kommentierte
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              Es ist das Naheliegendste und du hast dir echt wenig Mühe gegeben, damit man gleich mögliche Auswege erkennt.

              Es gibt viele Bücher, die ich mindestens zwei Mal gelesen habe. Also keine Sorge. Cyberempathy hat mich viel zu sehr gefesselt, als dass es nicht dazu kommen könnte. Wird nur eine ganze Weile dauern. Aktuell liebäugele ich mit Die letzte Zauberin.

          • #90
            Das letzte Kapitel.

            Ist dies ein gelungenes Ende für den Roman? Werden genug Fragen beantworten und genug Fäden beendet, um als Romanende zu funktionieren? Oder bleibt zu viel offen? Wie offensichtlich ist der Gedanke an einen zweiten Band für euch?

            Was werdet ihr aus dem Buch mitnehmen? An Figuren oder Erzählstrategien, an Themen oder Disussionspunkten, als Vorbild im guten wie im schlechten Sinne.
            Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
            to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
            A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
            You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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            • #91
              Ist dies ein gelungenes Ende für den Roman? Werden genug Fragen beantworten und genug Fäden beendet, um als Romanende zu funktionieren? Oder bleibt zu viel offen? Wie offensichtlich ist der Gedanke an einen zweiten Band für euch?
              Ja, doch, es ist ein Ende mit Feuerwerk, das im Gedächtnis bleibt. Es werden viele Fragen beantwortet, allerdings auch ein paar neue aufgeworfen, weil es ein offenes Ende ist. Ich meine, mich erinnern zu können, dass Enrico keinen zweiten Band schreiben will. Der Roman funktioniert so auch als Einzelband, obwohl man prinzipiell auch den Sturz der Obrigkeit in einem zweiten Teil thematisieren könnte.

              Was werdet ihr aus dem Buch mitnehmen? An Figuren oder Erzählstrategien, an Themen oder Disussionspunkten, als Vorbild im guten wie im schlechten Sinne.
              Ich liebe Rade! In seiner Überzeugung, nicht menschlich zu sein, ist er echt herzerwärmend. Der kritische Blickwinkel auf unsere heute bereits bestehende Technik, die weiterentwickelt genau wie im Roman missbraucht werden kann, ist durchaus berechtigt. Gerade in den heutigen politischen Wirrungen ist es durchaus möglich, dass die Menschen sich immer mehr für die vermeintliche Sicherheit statt für ihre Freiheit entscheiden und somit ein Cybernet begrüßen werden.

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              • #92
                Aber was macht einen zum Menschen?

                »Eine Geburt macht ein Wesen nicht automatisch zu einem Menschen mit Rechten.«
                Nur registrierte Nutzer können diesen Inhalt sehen.

                Doch. Punkt.

                Ich muss zugeben, dass ich große Mühe damit habe, die Erklärung des Autors zu akzeptieren, dass es sich bei Leon (ebenfalls) nur um ein Design-Objekt handelt; ein „Manipulationswerkzeug“ (was für eine schöne Wortkreation).

                Um darauf zurückzukommen, was ich zuvor schon mal in die Diskussion einwarf:
                Leon juckt diese Ungerechtigkeit einfach nicht, die ihm widerfuhr.

                D. h. diese Programmierung(en) seinerseits sollen die Erklärung dafür sein, dass er kein Unrechtsbewusstsein empfindet. (?)
                Hm! Daran werde ich wohl noch länger knabbern …
                Und der komplette Strang um Evans Tod ist – außer in Einzeilern – auch nicht wieder aufgetaucht! Das macht mich innerlich ganz kirre. (Noch viel länger …)



                Ist dies ein gelungenes Ende für den Roman?

                Also mein Kopf sagte zuerst „Häh, wie? Wird das ein Zweiteiler?“ – der Gedanke an einen zweiten Band ist für mich also unmittelbar. Allerdings gefallen mir die letzten Sätze sehr gut und mit Leons Antwort sich selbst gegenüber ist durchaus ein Kreis geschlossen.

                Es hätte für mich aber noch besser funktioniert, wenn der Goliath weder beschrieben noch benannt worden wäre. Ein Blick auf das Flammeninferno hätt’s für mich auch getan. (Vor allem, wenn das Ende doch eh so offen gestaltet ist.) Das ist aber nur Geschmack


                Was werdet ihr aus dem Buch mitnehmen?
                An Figuren oder Erzählstrategien, an Themen oder Diskussionspunkten, als Vorbild im guten wie im schlechten Sinne.

                Mit dem Schreibhandwerk bin ich nicht gut genug vertraut.

                Inhaltlich wird mir das ganze Konstrukt (ha ha) der Erinnerungskonstruktion im Gedächtnis bleiben, weil ich das mega spannend fand und finde. Die Diskussion um „Wann ist ein Mensch ein Mensch?“ wird’s wohl nicht werden, da mich Philosophie langweilt. (Ich will Ergebnisse!) Aber ich finde es gut, dass der Autor sich dafür begeistert und deshalb versucht die Grundsteine, die wir heutzutage bereits gelegt haben, entsprechend weiterzuspinnen. Als Gedankenexperiment finde ich das durchaus mal ganz interessant – ich lese ja sonst wie gesagt kein SciFi.

                Die Figuren sind letztlich – Logik für mich hin oder her – doch so gut ausgearbeitet, dass ich sie mühelos jederzeit „Cyberempathy“ zuordnen können werde. Das gefällt mir. Was mir inhaltlich weniger gefiel, kann man wohl den Kommentaren entnehmen Ich werde bei meinen eigenen Umgebungsbeschreibungen auch noch mal aufmerksamer überprüfen, welche Informationen notwendig sind und ob sich die geschriebenen Worte tatsächlich auch für andere so lesen, wie ich es szenisch im Kopf habe oder nicht.

                Auf jeden Fall möchte ich mich noch einmal bei Enrico und Denise dafür bedanken, dass sie das eBook zur Verfügung gestellt haben!

                Und bei euch für die schöne Leserunde.
                Alles ist Gift. Es kommt nur auf die Dosis an. (Paracelsus)

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                • E.F. von Hainwald
                  E.F. von Hainwald kommentierte
                  Kommentar bearbeiten
                  Wäre Leon eher ein Design-Objekt, wenn er nicht aus biologischen Zellen, sondern aus Metall gebaut wäre?
                  Wir drucken mittlerweile ganze Organe - eine Ware. Wann drucken wir einen Menschen?
                  Du siehst, ich will gar nicht, dass du meine Erklärung akzeptierst. Ich fänds toll, wenn du deine findest!

                  Evan und Alexis (der aus dem Verhalten her geschlossen, es vermutlich genau gewusst hat) waren nur Mittel zum Zweck, wie auch Janica (die es ja wusste, wie man an ihrem Endverhalten erkennt):
                  Damit Leon deportiert werden muss, um Yas zu begegnen, damit man Organhandel ohne Unterstadt betreiben kann.
                  Das erschlussfolgert sich um ein paar Ecken, sobald man weiß, dass Leons gesamtes Leben konstruiert war, damit er "als Produkt" eine Moral aufbaut, die scheinbar gut und nützlich fürs System ist.
                  Da es nicht relevant für die Hauptaussage der Geschichte ist, habe ich es dabei belassen, damit der Leser da noch etwas grübelt.

                  Schön, dass du mitgemacht hast und danke für dein Feedback!

                • Lael
                  Lael kommentierte
                  Kommentar bearbeiten
                  Hmm ... gute Frage. Rade empfinde ich ja auch als ziemlich menschlich, obwohl er so hochoptimiert ist. Ich glaube, da muss ich auf meine Antwort von vor ein paar Kapiteln zurückgreifen, dass ich einfach nicht weiß, wie ich es sehen würde, wenn das Realität wäre. Es bleibt für mich sehr befremdlich. Diese Roboter-Empfangsdame in Singapur wird für mich _niemals_ ein Mensch sein. Aber sowohl Rade als auch Leon, Lux und Skylynn sind für mich eindeutlich menschlich, wohingegen die Obrigkeit extrem maschinell wirkt. #kopfkratz
                  Zuletzt geändert von Lael; 17-04-2019, 17:45.

                • E.F. von Hainwald
                  E.F. von Hainwald kommentierte
                  Kommentar bearbeiten
                  Manche Fragen lassen sich wohl unmöglich objektiv beantworten - nur subjektiv?
                  Aber man muss sie in einer modernen Gesellschaft ja irgendwie beantworten - wer "darf" das dann?
                  Wir werden irgendwann an solchen Punkten stehen und sind es bereits in manchen Lebenslagen - frohes Kopfkratzen ist angesagt.

              • #93
                Ist dies ein gelungenes Ende für den Roman?

                Für mich war es das. Einerseits, weil ich bittersüße Enden mag - und das ist es für mich. Ja, kann sein, dass alle Figuren, die einem ans Herz gewachsen sind, binnen 24 Stunden tot sind. Aber Leon empfindet es als Happy End, selbst wenn er sterben sollte.
                Mir hat auch der Twist, dass Leon eben ein Designer-Objekt ist, sehr gefallen. Weil es die Menschlichkeit von ihm und Rade nochmal unterstrich.

                Zweiter Band: Ja, der Gedanke kam mir. Das Ende schreit geradezu danach, dass Leon, Rade, Skylynn und Lux jetzt eine Art Résistence bilden. Und möglich wäre es. Teil 2 wäre damit sicherlich actionlastiger und weniger auf Leons innere Entwicklung bedacht, hätte also ein anderes Thema. Ich würde eine Geschichte erwarten, in der geklärt wird, wer/was die Obrigkeit eigentlich ist, die Konfrontation von Oberstadt-Menschen mit Unterstadt-Menschen, eine Art kriegslastigen Klassenkampf.

                Persönlich hoffe ich, dass kein Teil 2 kommt, weil: Cyberempathy ist so schön subtil philosophisch, vor allem mit der ganzen Frage "Was ist Menschlichkeit?". Und diese Frage wird uns ja nie beantwortet, wir werden nur zum Nachdenken darüber angeregt. Schreibt man Teil 2, dann kommt man als Autor wahrscheinlich nicht drum rum, sich weiter mit der Frage zu beschäftigen und sie zumindest zum Teil aus der eigenen Perspektive zu beantworten - und das wäre schade, denn es nimmt dem Leser den Denkanstoß wieder weg.


                Was werdet ihr aus dem Buch mitnehmen?

                Erstmal die Erkenntnis, dass es wirklich ein spannend zu lesendes Buch war. Es hätte mich weder vom Cover noch vom Klappentext her interessiert, also bin ich froh, dass es mir über diese Leserunde zugespielt wurde.

                Dann haben wir uns ja hier viel auf handwerklicher Ebene auseinandergesetzt. Da muss ich sagen: Der Stil ist nicht meins (siehe was ich ganz am Anfang sagte, mit den fehlenden Eigennamen). Entweder habe ich mich aber hineingelesen oder die Schreibe wurde im Laufe des Buchs stilistisch besser. (Also "besser" ganz subjektiv aus meinen Augen, nicht als objektives Urteil!) Gerade am Anfang gab es aber einige Stellen, die ich als Lektor definitiv geglättet hätte. Willkürlich gewähltes Beispiel, S. 41 ganz unten:


                Zitat:
                "Hey Jungs, genug geschwatzt! Wehe, ihr wagt es euch hinzusetzen. Ihr kommt mit mir tanzen!", ihre braunen Augen leuchteten freudig auf und ihre Partylust war groß genug, um auf die beiden Freunde übertragen zu werden, sodass sich ihr Puls plötzlich beschleunigte.
                Zitat Ende.

                "euch hinzusetzen" ist eine Infinitivgruppe, und da sie problemlos in einen regulären Nebensatz umformuliert werden könnte ("dass ihr euch hinsetzt"), ist hier das Komma vor der Infinitivgruppe meiner Meinung nach nicht optional. Korrekt wäre also "Wehe, ihr wagt es, euch hinzusetzen."
                "ihre braunen Augen (...)" ist kein Inquit, "ihre" ist also der Beginn eines neuen Satzes und sollte großgeschrieben werden.
                Den Bandwurmsatz danach hätte ich für besseren Lesefluss (der auch die schnellebige Partystimmung wiederspiegelt) unterteilt. Außerdem kann Leon zwar Ryes Stimmung fühlen, aber nicht seine körperlichen Reaktionen - er kann also nicht wissen, dass auf Ryes Puls in die Höhe schnellt. Bei mir hätte sich das also eher so gelesen:
                "Nalindras braunen Augen leuchteten auf. Ihre Partylust war groß genug, um sich auf die beiden Freunde zu übertragen. Leons Pulsschlag beschleunigte sich."
                Nur registrierte Nutzer können diesen Inhalt sehen.


                Aber, wie gesagt, das ist nur mein subjektiver Eindruck. Stil ist individuell und kann nicht allen Lesern gefallen. Viele meiner Leser finden meinen Stil zu knapp und/oder zu langweilig.

                Für mich als handwerkliche Lektion habe ich auch mitgenommen, dass auch wirklich kleinste Nebencharaktere irgendetwas Individuelles haben müssen, das sie auszeichnet. Rye und Nalindra hatten das nicht, weshalb sie für mich so blass und farblos blieben. (Was aber, rückblickend betrachtet, auch wieder irgendwie gut passt. Sie sind ja Zombies der Oberstadt. Da muss man aber schon ziemlich weit gelesen haben, um zu dieser Erkenntnis zu kommen.)
                Dagegen hat mich die alte Frau aus dem Buchladen fasziniert, und ich kenne noch nicht mal ihren Namen. Wer um alles in der Welt liest in der Unterstadt noch Bücher? Und dann trägt sie in einer Welt, wo jeder sich optimieren läßt, eine altmodische Brille? Sie wirkt tough, und dennoch lässt sie zu, dass Rade, Leon & Co ständig durch ihren Laden trampeln? Diese Frau hat mich wirklich interessiert, sie wirkt so, als ob sie echt einen ausgearbeiteten Hintergrund hat. Würde ich eine FanFiction zu dem Buch schreiben, dann würde ich mir sie als Prota dafür schnappen.

                Als Leser habe ich einfach echten Lesespaß mitgenommen. Klar, an einigen Punkten konnte ich Leons Handlungen nicht nachvollziehen. Aber insgesamt hat mir das Buch so gut gefallen, dass ich darüber hinweglesen konnte. (Und Logikbrüche findet man in praktisch jedem Buch - man darf sich also da nicht zu sehr rein verbeissen!)
                Always avoid alliteration.

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                • E.F. von Hainwald
                  E.F. von Hainwald kommentierte
                  Kommentar bearbeiten
                  Kein zweiter Teil - auch wenn so viele danach schreien.
                  Eben genau aus dem Grund, dass ich es dem Leser eben nicht leicht machen will und ihm einfach Lösungen vorgebe.

                  ... aber ... ich werde nochmal in diese Welt reisen.

                  Danke für dein Feedback und dass du mitgemacht hast!

                • Alys II.
                  Alys II. kommentierte
                  Kommentar bearbeiten
                  Sehr gut!!!
                  Ja, die Welt hat unglaubliches Potential. Eine weitere Geschichte in dieser Welt kann ich mir gut vorstellen. Aber ein direkter Teil 2 - nee, gefällt mir, dass Du Dich dagegen entschieden hast.

                • E.F. von Hainwald
                  E.F. von Hainwald kommentierte
                  Kommentar bearbeiten
                  In diesem Setting gibt es noch so viel zu erzählen.
                  Ich will auch noch einen Schritt weiter gehen vom Inhalt, lasse mir aber bewußt Zeit, damit es als seperater Roman wahrgenommen wird und für Leser nicht eine gefühlte Fortsetzung wird.

              • #94
                So, an diesem Punkt nochmal vielen Dank an alle Teilnehmer der Leserunde. Wie immer hat es viel Spaß gemacht, mit Euch zu analysieren und diskutieren. Und es war eine ungewöhnliche Runde, da wir ja den Autor mit an Bord hatten.

                Extra-Danke an Earu für die Zusammenfassungen der Kapitel.
                Extra-Danke an Lael für das erste Mal Teilnehmen an einer Leserunde, und dann gleich auch noch unter Bedingungen, unter denen Du kaum Zeit zum Lesen hattest!
                Extra-Danke an In-Genius, der die zweite Häfte der Leserunde praktisch alleine geschmissen hat, damit ich mich mehr um meine Eltern kümmern konnte.
                Und natürlich ein Extra-Danke an E.F. von Hainwald, der unsere kritischen Kommentare tapfer ausgehalten hat und mit seinem Feedback diese Leserunde unglaublich spannend gemacht hat.

                Und, natürlich, nochmal ein Extra-Danke an Denise vom GedankenReich Verlag, dass wir diese Bücher überhaupt bekommen haben!

                Wenn Ihr noch Fragen/Feedback/Verbesserungsvorschläge zu den Leserunden habt, immer her damit.
                Vorschläge für weitere Leserunden sind gerne willkommen, wobei wir ja schon ein paar haben.

                Danke für's Mitmachen! 💐
                Always avoid alliteration.

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