• Forum
  • Artikel
  • Team
  • Camp NaNo

Ankündigung

Einklappen

Ankündigung:

Ab dem 01.03. beginnt der 3. WK-Gedichtwettbewerb. Wir freuen uns auf Eure Einsendungen.

Der NaNoPloMo geht in den zweiten Monat. Wer mitmachen möchte kann sich hier eintragen.
Mehr anzeigen
Weniger anzeigen

Leserunde #6 - Cyberempathy von E.F. v. Hainwald

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • #21
    Kapitel 2.

    Frage 1: Was denkt Ihr, welche Sprache in dieser Welt gesprochen wird?

    Da ich keine direkten Hinweise auf Fremdsprachen sehe, scheinen zumindest alle dieselbe Sprache zu sprechen.
    Trotz der Intensität der erlebten Gefühle wirkt sie ziemlich frei von Emotionen!

    Frage 2: Hat Leon allgemein Skrupel im Bezug auf seine Arbeit? Oder ist Erinnerungsmanipulation für ihn eigentlich ein ganz normaler Job, aber er hat bei dem akuten Fall von Anfang an ein ungutes Bauchgefühl? Wenn ja, woher rührt es?

    Allgemeine Skrupel bezweifel ich. Leon mag seinen Job und ist gerne Erinnerungskonstrukteur. Kann ich sogar ein Stück weit nachvollziehen - das Grundkonzept erinnert mich unweigerlich an "Inception" und ich finde das extrem faszinierend und spannend. Die nächste Filmassoziation führte zu "Alles steht Kopf". Ein Extralob daher an die tolle Darstellung seiner Arbeit in diesem Kapitel! So erschütternd und beunruhigend es ist, ich könnte ihm seitenlang nur dabei über die Schulter schauen ...

    Mich würde interessieren, wie er dazu gekommen ist und wodurch er selbst es sich gegenüber rechtfertigt.

    Ich hoffe inständig, dass Leons ungutes Bauchgefühl aus demselben Grund ausgelöst wurde, weshalb ich bei Alexis einfach nur Kotzeffekte kriege. BLEH!!!

    Kein Wunder, dass es eine schlechte Idee von ihm gewesen sein wird, an den traumatischen Erinnerungen rumzupfuschen ...

    Frage 3: Menschen tanzen in der Schwerelosigkeit und Gebäude haben Glasfußböden, die den Blick durch alle Stockwerke zulassen - auch nach oben. Tragen die Leute hier alles bedeckende viktorianische Unterwäsche - oder ist die Gesellschaft einfach schamloser und es macht niemandem was aus, wenn ihm/ihr unter den Rock geschaut wird?

    Oh.
    Aber das Glas scheint ja lediglich die spezielle Besonderheit der Bank zu sein. Und bei jemandem wie Alexis ist es weniger verwunderlich, dass er alles ganz genau im Blick und unter Kontrolle haben möchte (und natürlich gleichzeitig "unsichtbar" agiert, klar). Vermutlich sind die Leute in den noch höheren Ebenen (Wie viele gibt es überhaupt?) einfach entsprechend gekleidet, ja.
    Alles ist Gift. Es kommt nur auf die Dosis an. (Paracelsus)

    Kommentar


    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Der Gedanke an "Inception" kam mir auch. Überhaupt fand ich die Erinnerungsmanipulation sehr spannend. (Die Idee an sich, meine ich. Die Szene hätte für mich sogar etwas kürzer sein können, aber ich fand sie auch nicht störend lang.)

  • #22
    Puh. Mir persönlich geht es im zweiten Kapitel überwiegend um Leons Arbeit. Alles Andere ist nur Vorgeplänkel, damit man ihn und seine Umwelt näher kennenlernen kann. Aber gerade Leons Arbeit hat es auch verdammt in sich. Wo sie prinzipiell helfen kann (und bei allen Heiligen, es gibt eine Menge Erinnerungen, die ich gerne angepasst hätte!), schadet sie hier in meinen Augen. Alexis nimmt es billigend in Kauf, dass sein Sohn manipuliert wird, bis dieser die gewünschten Verhaltensweisen an den Tag legt. Das ist ein Verbrechen am eigenen Kind.

    Frage 1: Was denkt Ihr, welche Sprache in dieser Welt gesprochen wird?
    Ich bin unsicher, ob es da eine einheitliche Sprache gibt. Ich habe dazu bisher aber noch keine Anhaltspunkte gefunden.

    Frage 2: Hat Leon allgemein Skrupel im Bezug auf seine Arbeit? Oder ist Erinnerungsmanipulation für ihn eigentlich ein ganz normaler Job, aber er hat bei dem akuten Fall von Anfang an ein ungutes Bauchgefühl? Wenn ja, woher rührt es?
    Ich glaube, Leon will mit seiner Arbeit wirklich helfen. Von daher muss er keine Skrupel haben. Erst als dieser Job so kollossal in die falsche Richtung geht, sind Zweifel wirklich angebracht. Seine Menschenkenntnis hat ihn wohl schon vor Alexis gewarnt. So erschien es mir jedenfalls im Büro. Das hat aber nichts mit dem Cybernet zu tun. Das hat in keinster Weise ausgeschlagen.

    Frage 3: Menschen tanzen in der Schwerelosigkeit und Gebäude haben Glasfußböden, die den Blick durch alle Stockwerke zulassen - auch nach oben. Tragen die Leute hier alles bedeckende viktorianische Unterwäsche - oder ist die Gesellschaft einfach schamloser und es macht niemandem was aus, wenn ihm/ihr unter den Rock geschaut wird?
    Ich glaube nicht, dass es an fehlender Schamhaftigkeit liegt. Viktorianische Unterwäsche wird es wohl auch nicht sein. Bei diesen ganzen synthetischen Stoffen glaube ich eher, dass die Leute wirklich komplett bedeckt sind, also unter dem Kleid noch eine blickdichte Strumpfhose, die man gar nicht spürt.

    Kommentar


    • #23
      Soooo ich hänge mich mal eben rein - ich wollte gern reinrutschen, bevor ihr an das nächste Kapitel geht, damit es hier im Gesprächsverlauf Sinn ergibt, aber das werd ich wohl zeitlich nicht schaffen.

      Ihr nehmt das Ganze überwiegend so wahr, wie ich es beabsichtigt habe - das Setting, Bezüge der Personen zueinander, wie es sich für euch als Leser (teils nicht) anfühlt.
      Selbst das, was ihr tendenziell negativ betrachtet, hatte ich so im Sinn. Das erleichtert mich erstmal.

      Die Sache mit der Informationsflut ist heikel - ich weiß ganz genau, was ihr meint. Ihr habt Recht, ich will auf jedenfall nächstes Mal versuchen, so etwas zu raffen, um es zu entschärfen. Ihr werdet (hoffentlich) später verstehen, warum ich das hier so gemacht habe. Nur so viel: viele Leser haben es noch ein zweites Mal gelesen, um diese Details herauszusaugen, weil ... na, schaut einfach mal ob's euch genauso ergeht.

      Mir ist bewusst, dass durch diese Herangehensweise "schnelle Unterhaltungsleser" verliere, wenn das Setting sie nicht überwältigt. Es gibt ja genug andere Romane, die gleich "toll" sind - ich wollte gern Leser erreichen, die gewisse Dinge "sticheln". Ich sage in Interviews immer, dass ich bei CE mit einem Flopp gerechnet habe und der Erfolg mich überrascht...

      Zur Technikfrage - ich schreibe über nichts, was nicht bereits existiert. Jedwede Technik in diesem Roman existiert bereits. Natürlich nur punktuell, nicht so flächendeckend. Dieses Wissen habe ich über ca. 4-5 Jahre zusammengetragen, durch Fachartikel, Fachbücher (z.B. Plasmaphysik) und vor allem Gespräche mit Wissenschaftlern vom Fach. Wenn man erfährt, dass vor 30 Jahren Jagdfliegern in Amerika bereits Infos direkt auf die Netzhaut projiziert wurden, dann kann man sich vorstellen wo Militärtechnik JETZT ist. Der Herr, welcher dafür die Mikrochips entwickelte arbeitet derzeit in einem Forscherdorf 30 km von mir entfernt. Holografie ist bereits in Japan (ich war dort) in Shops aktuell - sie werden nicht über externe Displays verändert, sondern direkt indem der Konsument hineingreift. Abgesehen davon baut man hier in Dresden grad den Carbonpavilion (gleich neben meinem Rückeneinrenker - ich laufe daran vorbei), der komplett mit Holosystem ausgestattet wird. Die Erinnerungsmanipulation - das tun wir auch schon in Traumatherapie. Sicher wenden wir (noch) nicht die Technik an, die ich später für Leon beschreibe, aber im Grundsatz wird das so getan, nur (noch) mit Hypnose, Medikation, "Rückführungen" usw.
      Ich könnte euch zu allem etwas nennen, aber dann wird das wohl noch ein Buch. Also fragt mich hier vielleicht einfach explizit, falls etwas euren Nerv trifft.

      Eure Gedanken zum Cybernet gehen sehr weit und tief - das find ich toll. Ihr denkt sofort weiter, was es mit den Menschen macht, wenn es das gäbe, was die Gründe sind und so.
      Ihr fragt euch nach Privatsphäre und was wichtig für euch selbst ist. Es ist so spannend euch zu folgen!
      Zuletzt geändert von E.F. von Hainwald; 10-03-2019, 15:33.

      Kommentar


      • E.F. von Hainwald
        E.F. von Hainwald kommentierte
        Kommentar bearbeiten
        Jep - stimme ich total zu - ich denke, ich werde bei meinem nächsten Roman die Karte des Wissens dezenter einsetzen.
        Manchmal wird Etwas glaubwürdiger, wenn es "selbstverständlicher" durch das geschickte Abbrechen wirkt.
        Die schnelle Kopplung an den Protagonisten ist oft der schnellste Weg einen Leser zu begeistern. Damit macht man selten etwas falsch. Ich hoffe, dass es auch verspätet bei euch eintreten kann.

        Schaunwama!

      • Alys II.
        Alys II. kommentierte
        Kommentar bearbeiten
        Och, Leon ist mir eigentlich recht sympathisch. Kein Typ, von dem ich ein großer Fan wäre, aber so stelle ich mit den netten Nachbarn vor. Janica ist mir egal bis ... hm ... ich bin misstrauisch. Das sind aber plotbezogene Metaüberlegungen. Würde ich eine so perfekte Figur einführen wie Janica, dann wäre das eine Fassade. Entweder wäre sie innerlich total unsicher, oder das personifizierte Böse. Bin gespannt!

      • VickieLinn
        VickieLinn kommentierte
        Kommentar bearbeiten
        Für mich ist die das personifizierte Böse! Was sie tut ist doch emotionale Manipulation.
        Ich bin gespannt, wie sie sich entwickelt.

    • #24
      So, in Kapitel 3 passiert ja einiges.

      Viel "Show, don't tell" bzgl Leon und Janica. Wir bekommen zwar immer gesagt, wie nahe sie sich sind, aber was in der Geschichte passiert zeigt uns etwas völlig anderes. Ich werde Janica gegenüber immer misstrauischer. Alexis dagegen ist mir fast sogar sympathisch. Ich mag ehrliche Schurken, die gar nicht erst versuchen, sich als etwas anderes auzugeben. Rye kann ich dagegen immer noch nicht richtig einschätzen. Der Typ wirkt auf mich einfach total weltfremd.

      Welche Anhaltspunkte findet Ihr in der erlebten Handlung, wie die Beziehung von Leon und Janica wirklich ist? (Bezogen auf alle bisherigen Kapitel.)

      Was ist Eurer Meinung nach Alexis wahre Motivation, Leon zum Sündenbock zu machen?

      War Evans Tod ein Suizid? Welche Indizien findet Ihr, die dafür oder dagegen sprechen?


      Kapitel 4 bis 13.03.19 bitte.
      Always avoid alliteration.

      Kommentar


      • #25
        Meine Bedenken über die negativen Auswirkungen des Cybernets und dass "erzwungene Empathie" nicht automatisch zu einer Utopie führen, werden weiter bestätigt. Alles, was bisher über das Cybernet und Gefühle gesagt wird, ist einfach nur gruselig.

        Welche Anhaltspunkte findet Ihr in der erlebten Handlung, wie die Beziehung von Leon und Janica wirklich ist? (Bezogen auf alle bisherigen Kapitel.)
        Leon ist naiv, nicht nur auf Janica bezogen. Er liebt sie, weil sie so schön fühlen kann. Was Janica an ihm findet, wissen wir nicht, nur dass sie ihre "verliebten Gefühle" auf Leon projiziert. Bei jemandem, der damit Geld macht, nicht zwingend ein Liebesbeweis. Bisher finde ich ihre Interaktionen als unpersönlich. In Kapitel Drei ist Janica kühl und abweisend. Sie sagt die richtigen Worte, dass man solch ein Thema nicht zwischen Tür und Angel bespricht, sondern man sich ordentlich zusammensetzen sollte und so. Aber sie will sich offensichtlich nicht mit der Situation ihres baldigen Ehemannes auseinandersetzen, weder jetzt (weil sie einen Termin habe, das ist zu bezweifeln) noch in baldiger Zukunft, denn sie speist ihn mit den Worten "die Tage" ab. Wenn der baldige Ehemann (in einer Welt, die Ehe überflüssig macht) potentiell vor einer Mordanklage steht, kann man sicher sofort Zeit finden ihm emotional Beizustehen, so man denn wollte.
        Nicht einmal in der kurzen Unterhaltung steht sie ihm emotional bei, weder mit Worten noch mit Cybernet-Gefühlen.

        Dass Leon vor ihr allerdings auch nicht seine Schwäche preisgeben will und auf "männlichen Stolz" pocht, ist doch bescheuert. Besonders in einer Situation die verständlicherweise emotional aufwühlend ist.

        In dieser Welt sind Gefühle vielleicht vernetzt, aber deswegen verstehen Menschen Gefühle immer noch nicht besser.

        Was ist Eurer Meinung nach Alexis wahre Motivation, Leon zum Sündenbock zu machen?
        Verschleierung. Entweder er hat noch mehr mit Evans Tod zu tun, als ihn für die falschen Dinge therapieren zu lassen; und/oder das Bild eines psychisch kranken Kindes gehört nicht zu seiner Bank und muss daher mit einem "Täter" verschleiert werden. Und/oder will er verhindern, dass die Evan Ermittlungen irgendwas über seine Ehefrau ausgraben, das war nämlich auch nicht ganz koscher.

        War Evans Tod ein Suizid? Welche Indizien findet Ihr, die dafür oder dagegen sprechen?
        Erst einmal finde ich es total abartig, wie die Leute dort über Suizid reden; unabhängig davon, ob Evan tatsächlich Suizid begangen hat oder nicht. Die Leute dort wissen offenbar nicht, was das ist und woher es kommt und wie man damit umgeht. Suizid hat nämlich keinen Täter. Es ist nicht etwas, das man tut, sondern was man nicht mehr erträgt. Es reicht bestimmt auch nicht aus, die fröhlichen Gefühle von jemand anderem zu spüren, um nicht mir suizidal zu sein. Nicht-fröhlich sein ist nicht die Ursache von Suizid, eher ein Symptom.
        Außerdem finde ich es ungesund, dass man anderer Leute Gefühle spüren will, damit es einem besser geht. Das hat Leon auch, als er mit der Polizei spricht und immer noch schockiert und nervös ist. Er wollte die Gefühle eines anderen spüren, um seine ertragbar zu machen. Das ist genauso, wie Alkohol zu trinken um weniger gestresst zu sein. Das ist weder Grund noch Lösung für dein Gefühlsproblem und versperrt nur den Weg, der Sache tatsächlich angemessen Herr zu werden.

        Zu Evans Tod: Ich nehme an, dass war kein Suizid. Wir wissen nicht viel über Evan oder wie sich Erinnerungsmanipulation auswirkt, so bleibt die Möglichkeit offen. Aus dramatischen und narrativen Überlegungen heraus, halte ich Evans Tod für keinen Suizid. Ich krieg so einen Verschwörungstheorieneindruck von dem Direktor und seiner Bank und "die Obrigkeiten", da macht es einfach Sinn, wenn Evans Tod das erste Puzzlestück für irgendein Netz dieser Art ist und am Ende schauen wir in den Abgrund dieser Gesellschaft oder so.
        Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
        to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
        A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
        You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

        Kommentar


        • Lael
          Lael kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          In dieser Welt sind Gefühle vielleicht vernetzt, aber deswegen verstehen Menschen Gefühle immer noch nicht besser.
          Das würde ich mir glatt einrahmen. Deine Überlegungen zur dritten Frage gefallen mir sehr!

        • Alys II.
          Alys II. kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Oh ja, dem schließe ich mich an. Der Satz bringt es genau auf den Punkt!

        • Earu
          Earu kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Finde ich genauso und dachte ich auch direkt, als ich den Satz las.

      • #26
        Welche Anhaltspunkte findet Ihr in der erlebten Handlung, wie die Beziehung von Leon und Janica wirklich ist? (Bezogen auf alle bisherigen Kapitel.)
        Also wenn er gerade mal gut genug für "einen freien Termin" in ihrem Kalender ist ...
        Und dieser tolle emotionale Beistand erst. /ironie

        Ich weiß nicht so recht, was ich von der Beziehung der beiden halten soll. Dafür, dass sie heiraten wollen, wirken sie manchmal erstaunlich distanziert, lese ich doch vor allem Aneinanderreihungen von übersetzten Gefühls- und Körperwahrnehmungen. Für sie selbst mag der Schluss
        Sie brauchten keine Krücken wie Worte oder Mimik, um einander zu erklären, was sie empfanden. Ihre Gefühle waren alles, was nötig war.
        Nur registrierte Nutzer können diesen Inhalt sehen.
        genügen - und auch der Autor bemüht sich durchaus zu zeigen, dass sie sich nahe stehen und doch etwas für einander empfinden (bzw. zu empfinden scheinen) - aber für mich als Leserin bleibt es befremdlich. Und unbefriedigend. Selbst die Bettszene wird total mechanisch ausgeblendet. Das fühlt sich nicht wie Liebe an.

        Dass Leon manchmal selbst an seinen Empfindungen zu ihr zweifelt, macht es nicht unbedingt einfacher.
        Aber an seiner Stelle würde es mir wohl genauso gehen.

        Was ist Eurer Meinung nach Alexis wahre Motivation, Leon zum Sündenbock zu machen?
        Erwähnte ich schon die Kotzeffekte Alexis gegenüber? Die sind permanent.

        Er ist aus der Sache fein raus und bringt einen Mitwisser zum Schweigen.

        War Evans Tod ein Suizid? Welche Indizien findet Ihr, die dafür oder dagegen sprechen?
        Wenn es jemandem derart schlecht ging, dass er eine solche Handlung in Betracht zog, dann griff stets jemand rechtzeitig ein, weil man solch starke Emotionen weit spüren konnte.
        Nur registrierte Nutzer können diesen Inhalt sehen.
        Also entweder lautet die Antwort darauf "Offensichtlich ja doch nicht" ... oder es gab eben keine derartige Emotion, was dann doch sehr dafür spricht, dass es sich nicht um ein freiwilliges Ableben handelt. Und wer würde vorher erst noch die eigene Wohnung verwüsten?

        Leon selbst wird zumindest stutzig, weil er vermutet, dass Evan hätte zögern müssen. Seine Überlegungen, dass sich die Optimierungen gegenseitig in die Quere gekommen sein könnten, fände ich wirklich interessant weiterzuverfolgen. (Ebenso interessant finde ich, dass in dieser Welt noch Psychologen existieren, obwohl doch alles ach so friedlich läuft.)
        Alles ist Gift. Es kommt nur auf die Dosis an. (Paracelsus)

        Kommentar


        • Alys II.
          Alys II. kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Janica wird einem immer fremder, nicht? Mir geht es auch wie Dir, die Beziehung der beiden fühlt sich immer unbefriedigender an.
          Die Bettszene fand ich interessant, weil sie ja zeigt, dass die beiden miteinander schlafen. Warum wohnen sie dann nicht zusammen? So als Verlobte?

      • #27
        Ich habe eigentlich derzeit wenig beizusteuern - ihr denkt über die richtigen Ungereimtheiten nach.
        Da ich aber ein fieser Sack bin, werden ihr nicht immer Antworten direkt serviert bekommen, sondern manches davon (viel später) erschlussfolgern müssen.

        .... und das mit den Schlüpfern in der Bank ... das hat echt noch keiner gefragt.
        Aber ja man trägt ja meist nicht Tanga und Rock in einer Bank - abgesehen davon würde ich, wenn ich dort arbeiten würde, eh auf meine Gardarobe wegen diesem Umstand achten.

        Kommentar


        • In-Genius
          In-Genius kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Na, wenn wir alle Antworten auf dem Silbertablett serviert bekämen, wäre das doch stinklangweilig und niemand würde das Buch lesen Ich bin durchaus gespannt, wie sich das entwickelt, wenn Leon aus der Cybernet-Gesellschaft rausgeschmissen wird (steht ja im Klappentext). Ob er dann endlich ein gesundes Verhältnis zu seinen Gefühlen und Emotionen erarbeitet.

          Btw, das erinnert mich daran: Machst du in deinem Schreiben über das Cybernet einen Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen? Ich hatte mal einen Kunst-Philosophie-Kurs dazu, wo da ein Unterschied gemacht wurde und halt was Philosophie so macht. Hast du auch in diese Richtung recherchiert?

        • Alys II.
          Alys II. kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Zitat von E.F. von Hainwald Beitrag anzeigen
          .... und das mit den Schlüpfern in der Bank ... das hat echt noch keiner gefragt.
          Tehe. Das war tatsächlich der erste Gedanke, der mir kam. Ich war letztes Jahr endlich mal auf der Tower Bridge in London, und da haben sie ja oben so eine Glasplattform eingebaut, auf die man sich draufstellen kann und unter einem fährt der Verkehr durch. Ich bin da natürlich gleich darauf rumgehüpft, aber eine Dame neben mir hat sich geweigert, obwohl sie sichtlich nicht ängstlich war und eigentlich Lust dazu gehabt hätte. Begründung: "I don't appreciate anyone down there seeing my knickers."

        • E.F. von Hainwald
          E.F. von Hainwald kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Nein, ich nutze "Emotionen" und "Gefühle" als Synonyme (sonst hätte ich ein massives Wortwiederholungsproblem ). Ich muss als Autor ja (leider) auch von der maximalen Unwissenheit des Lesers ausgehen und hätte den Unterschied dann erläutern müssen - und ich erklärte euch doch jetzt schon zu viel. Daher habe ich da auch nicht tiefer recherchiert.

          Über was sich Menschen so Gedanken machen, bzgl der eigenen Scham...

      • #28
        Ich komme leider erst heute zum dritten Kapitel, aber das macht ja nichts.

        Ich mag kein Chaos und das, was mir von Leons Büro gezeigt wird, finde ich widerlich. Es muss nicht klinisch rein sein, aber Müllberge ... Igitt. Allerdings macht mir das Leon auch sympathisch, weil er dadurch menschlich wird. Vermutlich würde ich an seiner Stelle ähnliches Chaos veranstalten, um die Perfektion dieser Welt wenigstens zeitweise vergessen zu können. Wie will da ein Mensch mitkommen? Wundert mich eigentlich, dass genau deshalb nicht alle total depressiv sind. Alles um sie herum ist perfekt, aber sie, die Menschen, sind ein einziger großer Fehler in der Gleichung.
        Uff, das ist ein Hammer. Nach allem, was ich über Evan weiß, ist ein Selbstmord jetzt zwar nicht verwunderlich, aber eben mit dem ganzen Cybernet und der Erinnerungsmanipulation doch überraschend. Dass das Konsequenzen haben wird, ist logisch. Allerdings frage ich mich, wie das passieren konnte. Leon erscheint mir nicht wie ein Erinnerungsmanipulateur, der auf gut Glück irgendwas verändert. Die Prozedur wurde im letzten Kapitel auch entsprechend beschrieben, also, dass er verantwortungsbewusst und mit besten Absichten für Evan gehandelt hat, soweit das mit Alexis im Nacken möglich war.
        Nicht einmal telefonieren kann man dort, ohne dass man überwacht wird! Na ja, unser Staat tut ja jetzt schon sein Möglichstes, um uns überwachen zu dürfen. Aber das ist echt extrem. Ist doch klar, dass man in so einem Fall mit jemandem reden will. Das ist noch lange kein Schuldbekenntnis.
        Boar, wenn mein Mann zu mir käme und Sorgen hätte, würde ich das blöde Meeting sausen lassen. Da wäre es mir vollkommen egal, ob irgendein großer Verlag mein Buch will, die haben dafür Verständnis zu zeigen und einen anderen Termin zu akzeptieren. Ich lasse den dann doch nicht mit seinen Sorgen allein. Was denkt sich die Janica denn? Sowas gefühlskaltes, aber auf der Bühne ist sie die große, bunte Gefühlswelt pur. Wobei ich auch Leon nicht verstehe. Dem reicht es ernsthaft, wenn sie ihm einen freien Termin gibt? Na, sind die jetzt verlobt oder nur Geschäftspartner? Das passt dann auch zu Janicas Bemerkung, dass sie sich ganz sicher "die Tage" sehen werden. Da ist überhaupt keine Bereitschaft, sich Zeit für ihren Liebsten zu nehmen. Das ist der völlig egal.
        Leon beweist Mut, die Polizei anzurufen und eine Aussage machen zu wollen. Das macht nur jemand mit reinem Gewissen und Verstand. Das finde ich bewundernswert und hebt ihn deutlich von Rye und Janica ab. Rye hätte einfach abgewartet, was die Ermittlungen bringen, und Janica ist die pure Gleichgültigkeit. Ich hoffe jetzt nur, dass Leons Daten noch unverändert und vorhanden sind, wenn er sie übermitteln will. Aber ich gehe eigentlich davon aus, dass damit irgendwas passiert sein wird.
        Oh weh, ich würde nicht mit Alexis reden. Allein dass er lächeln kann, macht mir Sorge. Kein Vater sollte nach einem solchen Verlust lächeln können. Aber es passt zu dem Gespräch. Dieser Mann ist ein emotionales Eismonster. Der würde zu Janica eigentlich recht gut passen.

        Welche Anhaltspunkte findet Ihr in der erlebten Handlung, wie die Beziehung von Leon und Janica wirklich ist? (Bezogen auf alle bisherigen Kapitel.)
        Na ja, ganz vorne ist die Teilnahmslosigkeit Janicas, als Leon zu ihr geht, um sich von ihr trösten zu lassen. Er handelt emotional logisch. Wenn es einem Menschen schlecht geht, geht er zu demjenigen, den er am meisten liebt, um sich helfen zu lassen. Keine Ahnung, ob Sex zwischen ihnen schon einmal eine Rolle gespielt hat, aber so, wie Janica im Restaurant auf seine Gefühle reagiert, glaube ich, dass sie noch nicht miteinander geschlafen haben. Allerdings genießt sie es, von jemandem begehrt zu werden. Ich glaube, es ist ihr dabei sogar egal, ob es Leon oder irgendein Fan ist. Ich finde, indem sie ihn von sich fern hält, quält sie ihn bewusst. Für sie scheint Leon nur ein Schoßhündchen zu sein, das sie via Memo zu sich ruft, wie sie gerade Lust hat. Und Leon rennt, wenn sie nach ihm ruft, denn ich glaube, dass er sie wirklich liebt. Dafür sprechen meiner Meinung nach auch seine Selbstzweifel.

        Was ist Eurer Meinung nach Alexis wahre Motivation, Leon zum Sündenbock zu machen?
        Gute Frage. Ist er so schlau und hat bewusst einen Weg gesucht und gefunden, wie ein paar Gedankenkonstrukteure an seinem Sohn herummanipulieren müssen, damit dieser sich umbringt? War der Selbstmord geplant oder nur eine Nebenwirkung der Manipulationen, mit der Alexis nicht gerechnet hat? Da er nicht trauert, passt das Ganze offenbar in seinen Plan. Ist im Leon irgendwie im Weg und er hat seinen Sohn, der ihm sowieso nur Schwierigkeiten macht, als Bauernopfer ausgenutzt? Vielleicht will er ja wirklich bei Janica landen? Auf jeden Fall geht es ihm am allerwenigsten darum, nicht bestraft zu werden. So, wie er sich verhält, hat er keine Angst davor. Er ist sich sicher, ungeschoren aus der Sache herauszukommen.

        War Evans Tod ein Suizid? Welche Indizien findet Ihr, die dafür oder dagegen sprechen?
        Es ist schon seltsam, dass Evan mit Anlauf aus dem Fenster springt. Ich musste unwillkürlich daran denken, dass etwas im Zimmer ist, das ihn so in Panik versetzt, dass er lieber springt als dort zu bleiben. Vielleicht ein Nebeneffekt der Manipulationen? Oder bekam er, nachdem er der Optimierung ja offener gestimmt war, einen Chip, der entsprechend programmiert war? Auf jeden Fall kann ich mir nicht vorstellen, dass Leon wirklich Mist gebaut hat. Dann war da eher irgendwo eine inkompatible Erinnerung, die nichts mit den Optimierungen und seiner Mutter zu tun hatten, wobei das System das eigentlich hätte merken müssen, sofern Alexis da nichts gedreht hat. Ich bin dazu geneigt, alles zu glauben, das gegen Alexis spricht. Das hier war nicht normal und hat wohl am wenigsten was mit Leon und dessen Arbeit zu tun.

        Kommentar


        • #29
          Nächste Fragerunde. Heute habe ich eine Plot-Frage, und eine etwas allgemeinere sprachliche Frage zu allen bisherigen Kapiteln.

          Zum Plot:
          Für wie realistisch haltet ihr diese enge Verknüpfung von Exekutive und Judikative? Warum bekommt ein Angeklagter keine Möglichkeit, sich selbst zu verteidigen, sondern wird nur über Charakterzeugen beurteilt?

          Zur Sprache:
          Mir fällt auf, dass die Sprache in vielen Alltagsdingen schwammig bleibt. Wir kennen bis auf Skyscrape keine Ortsnamen und bis auf die BUG (Bank Union Gesellschaft) und keine Firmenbezeichnungen oder Markennamen - dabei wird doch ständig darauf hingewiesen, dass Werbung überall ist. Marken gibt es also noch, und sie spielen im Alltag der Personen eine große Rolle. Aber Leon denkt und spricht immer in abstrakten Bezeichnungen. Er geht "die Straße" entlang zu "dem Theater" oder "der Diskothek", bestellt "einen Whiskey" und geht in "den Supermarkt".
          Für mich klingt das künstlich. So spricht und denkt im Alltag niemand, und es macht die Welt weniger greifbar für mich.
          Wenn ich einkaufen gehe, dann sage ich "ich gehe zum Rewe/Edeka/Netto", und beim Ausgehen bestelle ich konkret, dass ich einen Laphroaig 18 yrs. haben will oder den Bombay's Gin Tonic. Und ich gehe nicht "ins Theater" oder "in die Disco", sondern "ins Resi" oder "in die Kammerspiele" oder "ins P1".
          "Leon ging den Magnolienblüten-Boulevard entlang bis zur Hintertüre des Thalia, und aß unterwegs ein Xixo. Die neue Sorte mit doppelter Karamellglasur mochte er besonders.", würde sich für mich lebendiger und echter anhören, und ich meine, man erkennt aus dem Kontext, dass Theater und Schokoriegel gemeint sind?
          Stört Euch die abstrahierte Sprache mit wenig Eigennamen, oder unterstreicht das für Euch das futuristische Setting?

          (P.S.: Die Marken und Clubs usw im Beispiel sind übrigens alle willkürlich gewählt und spiegeln nur teilweise meinen Geschmack wieder ...!!!)


          Nächstes Kapitel bis 15.03. bitte.
          Always avoid alliteration.

          Kommentar


          • #30
            Für wie realistisch haltet ihr diese enge Verknüpfung von Exekutive und Judikative? Warum bekommt ein Angeklagter keine Möglichkeit, sich selbst zu verteidigen, sondern wird nur über Charakterzeugen beurteilt?
            Warum sollte das nicht realistisch sein? Es gibt viele Gesellschaften, vergangen und gegenwärtig, die Exekutive und Judikative nicht besonders trennen oder es den Reichen und Mächtigen ermöglichen, das System zu umgehen. Wir wissen ja nicht einmal, ob Leons Gesellschaft eine Demokratie ist oder nicht.
            Als besonders unfair und nicht gerecht empfinde ich diese ganze Handhabe, keine Frage. Es heißt aber nicht, dass es unrealistisch ist. Es ist eben unfair und ungerecht, aber das überrascht mich in dieser Welt ehrlich gesagt nicht.

            Was mich viel mehr stört, ist Leon. Rye kommt zu ihm und sagt ihm, dass die Obrigkeit alles herausbekommen hat (nicht wird, sondern hat, abgeschlossen) und die Medien das Resultat dieser Untersuchungen berichten. Warum schaltet er nicht die Nachrichten ein? Lieber besäuft er sich, als den Versuch zu machen, etwas herauszufinden. Dass hier etwas nicht stimmt, ist bereits lange bevor er abgeführt wird, klar. Aber er verschließt davor die Augen.
            Klar, man will Dinge nicht wahrhaben und er ist in einer furchtbaren Situation, da denkt nicht jeder logisch. Das verstehe ich und komm da mit. Aber wenn Rye sein neues Bild von Leon aus den Medien hat, wäre das garantiert mein nächster Knopf gewesen. Allein schon aus purer Neugier, was Rye zu seinem neuen Bild gebracht haben könnte, denn beim letzten Treffen schien er noch zuversichtlich-freundschaftlich. Was stand in den Nachrichten?!

            Stört Euch die abstrahierte Sprache mit wenig Eigennamen, oder unterstreicht das für Euch das futuristische Setting?
            Ich teile deine Einschätzung, dass die Erzählweise in diesem Bereich schwammig ist und dadurch beliebig klingt, dass nichts konkret genannt wird. Das hat mich schon bei Ryes Freundin irritiert, von deren Existenz wir gleich von Anfang an wissen, aber ihr Name taucht erst Mitte Kapitel2 auf oder so. Hatte mich schon gewundert, ob "Ryes Freundin" auch einen echten Namen hat …
            Für die Marken und Straßen etc. stört es mich nicht. In meinen RPGs mach ich das auch und gerade bei Dingen, wo ich keine Ahnung hab. Da will mein Charakter Alkohol trinken und ich steh dann da "ehm … Was hat überhaupt Alkohol?" Da nehm ich "Whiskey" und "Drink" hin, weil mich Details da eh nicht interessieren. Aber futuristisch wirkt das für mich nicht. Das sind für mich einfach weiße Flecken in der Welt, die mäßig relevant sind. Es ist irgendeine Straße und irgendein Theater, genaues weiß man nicht, genaues braucht man nicht.
            Interessant in diesem Zusammenhang finde ich jetzt, dass die Erzählweise ja doch viel beschreibt. Aber eben vage beschreibt. "Ein grünes, enganliegendes Kleid" kann eine ganze Menge heißen und auch ein Markenname würde daran nichts ändern, aber wie Schnitt und Form und der Grünton genau aussehen, bleibt jedem selbst überlassen. Genauso wie der halb-künstliche Baum, der zu Anfang erwähnt wird. Beispielsweise was für Blüten man sich jetzt vorstellt (Kirsch-, Apfel-, Rosenblüten etc) bleibt dem Leser selbst überlassen. Es ist einfach "blumig".

            Aber manche vagen Beschreibungen gehen mir ein wenig auf den Keks, schon. Mir ist es egal, wie die Straße heißt, wenn mir die Straße trotzdem greifbar erscheint. Aber im Moment ist das nur irgendeine Straße und die ist sauberer als die Straße vor meinem Haus. Fein. Sind die Steine grau? Rot? Blau? Gelb? Mit Metalleinlagen? Wurden Muster eingelegt? Nicht, dass man alle Details bräuchte, das ist auch zu viel. Man muss eben wählen, welche Details man braucht und welche nicht. Und welche die Erzählfigur trotz allem wahrnimmt, auch wenn der Leser sie nicht braucht. Das letzte hier ist der Punkt für Markennamen: Details für die Eingeweihten, Hinweis auf Details für den Außenstehenden.

            Aber manche Beschreibungen sind echt nicht hilfreich. Zu Ryes Werkstatt zum Beispiel:
            Die Werkstatt von Rye wirkte steril. Im Gegensatz zu Leon war sein bester Freund scheinbar am glücklichsten, wenn er putzen durfte. Es gab nirgendwo herumliegendes Werkzeug, leere Kaffeetassen oder Aufzeichnungen, als Leon durch die Tür trat.
            Negative zur Beschreibung heranzuziehen ist total nicht hilfreich. Wie soll man sich "nichts" vorstellen? Und nur weil da keine leere Kaffeetasse steht, kann da doch eine volle stehen? Gibt's Stuhl und Tisch? Eine Werkbank? Einen Werkzeugkasten?, wenn's schon nicht irgendwo zerstreut ist. Sind die Oberflächen aus Glas oder Metall oder Stein? Und wenn seine Aufzeichnungen nirgendwo rumliegen, wo hat er sie dann? Benutzt in dieser Welt überhaupt jemand noch Papier, das herumliegen könnte? Wie sollen digitale Aufzeichnungen in einer Werkstatt "herumliegen"? Und "steril" sieht man unterm Mikroskop, für eine Raumbeschreibung vielleicht nicht der beste Zoomfaktor.
            Was ich weiß, ist, da ist ein Raum und der ist keimfrei. Und später wissen wir, da steht mindestens eine halbgroße Maschine drin, weil Rye an der nämlich arbeitet. Aber sonst? *schulterzuck*
            Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
            to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
            A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
            You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

            Kommentar


            • #31
              Für wie realistisch haltet ihr diese enge Verknüpfung von Exekutive und Judikative? Warum bekommt ein Angeklagter keine Möglichkeit, sich selbst zu verteidigen, sondern wird nur über Charakterzeugen beurteilt?

              In meinen Augen liest es sich sehr schnell wie eine Diktatur der Harmonie, allerdings der falschen, einer betäubenden Harmonie. Die Leute werden mit Empathieterror - so erstrebenswert und überlebenswichtig Empathie auch ist - im Zaum gehalten. Und offenkundig ist es eine hierarchische Gesellschaft. Immerhin können dort wenige Menschen ihre wahren Gefühle verbergen: Alexis zum Beispiel. Seine Räumlichkeiten sind auch nicht durchschaubar, und ein erfolgreicher Geschäftsmann wird er nicht durch besonders viel Mitgefühl geworden sein. Er personifiziert für mich die gefühlskalte Berechnung - wie auch Janica - und Macht. Schön auch die Bank, die den Leuten bis auf die Unterwäsche schaut.
              Die Obrigkeit, wer immer dahinter steckt, braucht keine eigentlichen Gesetze. Zeugen sind manipulierbar, auch und gerade auf der emotionalen Ebene, wie von Rye verkörpert. Rye tut mir wirklich leid. Er wird zum Verrat an Leon missbraucht. Warum der Angeklagte nicht gefragt wird: Wegen der Gefahr eines Gefühl-Kuddelmuddels?
              Es wird mit dem medial verbreiteten Bauchgefühl der Straße schnell geurteilt und "Recht" nicht gesprochen, sondern empfunden. Es ist nah am archaischen Rache- und Verbannungsgedanken. In ihrer Mitte ist diese Gesellschaft mehr als primitiv. Sie stiehlt Individualität - teilt Gefühle, ändert Erinnerungen, macht den Körper durchtauschbar und alles Menschliche beliebig.

              Stört Euch die abstrahierte Sprache mit wenig Eigennamen, oder unterstreicht das für Euch das futuristische Setting?

              Es stört mich im Leseempfinden, weil ich nicht reingezogen werde. Dabei habe ich kein Problem, Bilder vor meinem inneren Auge entstehen zu lassen, ich habe witzigerweise ein sehr konkretes Bild von der Straße, vom Baum und auch von Ryes Werkstatt, um die Beispiele, die In-Genius nannte, aufzugreifen. Es kommt somit nicht das Gefühl auf (ha-ha), dass es schlechter Schreibstil ist, der es nicht schafft, mich an die Figur zu binden, sondern ein Das-soll-so-sein. Das wiederum macht den Stil interessant und neugierig auf das Folgende. Langsam komme ich an Leon heran, aber noch fiebere ich nicht mit der Figur. Es ist eher ein: Ich will's verstehen.
              Die Abstraktion und Entkonkretisierung unterstreicht die hochsterile Gesellschaft, die trotz Emo-Sharing die Gefühle Einzelner einfach überfährt.

              Kommentar


              • Alys II.
                Alys II. kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Dodo, auch ein spannender Gedanke, dass die Leute sich des Machtgefälles gar nicht so sehr bewusst sind. Instiktiv hätte ich gesagt, das geht nicht. In jeder sozialen Situation lotet man doch automatisch aus, ob man dem anderen über- oder unterlegen ist. Und zumindest ist Leon bewusst, dass höhere Ebene gleichbedeutend ist mit schönerer Wohnung. Außerdem gibt es durchaus Klassenunterschiede, zumindest den Reichtum einer Person kann man erkennen.
                Aber es ist natürlich denkbar, dass die Leute so manipuliert sind, dass sie es gar nicht mehr merken. Die Heile-Welt-Droge ist so stark, dass die das Opium für das Volk gar nicht als solches wahrnehmen. Gerade, wenn Gefühle manipuliert werden ... Hm...

              • Dodo
                Dodo kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Alys II. Für bewusst halte ich die Empfindung des Machtgefälles schon, aber ohne unangenehme Konnotation. Ist ja kein Platz für Neid, nur für Ehrgeiz.

              • E.F. von Hainwald
                E.F. von Hainwald kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Dass das Gesicht bei der Verurteilung nur ein Computer ist, der direkt das Urteil fällt - ist eure Interpretation. Warum sollte nicht jemand vorher geurteilt haben und nur auf die vermeintlich erwartete Antwort von Leon (der natürlich die Anschuldigungen abwehrt), auch die korrekte Urteilung hinterlegt haben?

                Wir bekommen die "Angi" als Obrigkeitsbild vorgesetzt. Gesetze macht die aber nicht, das tun andere. Da wir aber sie als Leitbild haben, schimpfen wir auf sie, wenn was gegen den Baum läuft.

                Warum sollte man in der Zukunft noch so ein Leitbild brauchen, wenn es effizienter wäre, dem Volk das "Ziel" zu entziehen und damit eine gewisse Furchtsamkeit und Allmächtigkeit zu suggerieren? Nicht-menschlich = Mächtiger als ich? Damit entziehe ich "Beschuldigten" die Möglichkeit sich zu rechtfertigen und gebe den "Unschuldigen" das Gefühl von perfekter Korrektheit - nur Menschen machen Fehler, oder?
                Leider machten sich manche Religionen dieses Prinzip auch zunutze.
                Zuletzt geändert von E.F. von Hainwald; 14-03-2019, 18:21.

            • #32
              Ich frage mich, woher Leon die Dreckkrumen an den Schuhen herholt. Ich stelle mir die Welt nicht so vor, als ob da großartig Dreck auf den Wegen und Straßen liegenbleiben könnte, wenn es ja Haussysteme gibt, die hinter einem aufräumen können. Es muss doch ein Leichtes sein, die Umwelt sauber zu halten.
              Grrr, diese Janica geht mir echt auf die Nerven. Ich warte doch nicht mehrere Tage, bis die Polizei hoffentlich die Angelegenheit korrekt klärt, wenn mein Freund mir alles sofort erklären kann. Da muss doch eine gesunde Portion Neugier in ihr stecken, wenn sie auch nur das Geringste für ihn empfindet. Wenigstens merkt er endlich, dass etwas nicht stimmt, aber statt mit ihm zu reden, ist Janica so feige und wendet ihre Fähigkeit, Gefühle zu übertragen, gegen ihn an. Das ist echt mies. Sie macht es sich einfach viel zu leicht.
              Oh oh, wieso bringt ihm Rye sein Zeug vorbei? Will er sich jetzt auch von Leon entfernen? War ja klar. So viel zur Obrigkeit. Alexis hat eben mehr Einfluss und entsprechend auch Möglichkeiten. Garantiert wurden Leons Aufzeichnungen irgendwann entsprechend manipuliert. Und da sich jeder mittlerweile lieber auf Systeme als auf seine eigene Menschenkenntnis verlässt, hält nicht einmal der beste Freund mehr zu ihm.
              Das System des Einkaufens hat sich nicht sonderlich geändert, aber vieles geht jetzt schneller, weil alles automatisch geht. So ein Bezahlsystem im Handknochen ist sicher enorm praktisch, allerdings stelle ich es mir auch sehr anfällig für Hacker vor, weil es ja ständig aktiviert sein muss. Aber ich erwarte hier auch etwas Übles. Leuchtet gleich eine rote Lampe, weil sein Konto/Guthaben gesperrt ist? War ja klar, er ist mittellos, ohne dass es jemand für nötig gefunden hat, ihn darüber vorher zu unterrichten. Das ist gemein und ich finde, dass das auch nicht ganz koscher ist. Wieso gibt es da keine Benachrichtigung? Allerdings ist Leons Reaktion auch nicht ok. Klar, er ist schon seit Tagen angespannt und jetzt kommt auch noch das hier, aber jemand anderen "zahlen lassen" und dann weglaufen, ist doof und wird es ihm nicht leichter machen. Wobei ich jetzt auch nicht mit damit gerechnet hätte, dass das Cybernet die geballte Ladung auf ihn abgibt. Wie kann jemand sein Grundrecht verlieren? Das geht in keinem Rechtsstaat. Selbst diejenigen unter uns, die unser Rechtssystem ablehnen, werden nach unseren Gesetzen so gut behandelt wie jeder andere Mensch. Jedenfalls sollte es so sein. Denen wird dieses Recht nicht abgesprochen.
              Wieso bearbeitet ein Computer Leons "Aussage"? Wieso geht er nicht auf Leons Aussagen ein? Es könnte doch sein, dass Leon die Erinnerungen manipuliert wurden. Dann würde er für etwas bestraft werden, das er gar nicht zu verantworten hat. Darauf muss man doch achten.

              Für wie realistisch haltet ihr diese enge Verknüpfung von Exekutive und Judikative? Warum bekommt ein Angeklagter keine Möglichkeit, sich selbst zu verteidigen, sondern wird nur über Charakterzeugen beurteilt?
              Es erinnert mich ein wenig an den Film mit Silvester Stallone. Äh, hieß der Judge Dredd? Da war man auch Polizist und Richter in einem. Es ist nicht völlig abwegig, aber ich finde dieses Rechtssystem sehr fragwürdig, eben weil es keine Möglichkeit der Verteidigung gibt. Ich verstehe auch nicht, wieso man sich hier nicht selbst verteidigen darf. Will man damit vermeiden, angelogen zu werden, denn das tun schließlich alle Verbrecher? Aber Leon hat mit einem Computer gesprochen. Dem kann es doch egal sein und der hätte Leons Aussage prüfen können.

              "Leon ging den Magnolienblüten-Boulevard entlang bis zur Hintertüre des Thalia, und aß unterwegs ein Xixo. Die neue Sorte mit doppelter Karamellglasur mochte er besonders.", würde sich für mich lebendiger und echter anhören, und ich meine, man erkennt aus dem Kontext, dass Theater und Schokoriegel gemeint sind?
              Stört Euch die abstrahierte Sprache mit wenig Eigennamen, oder unterstreicht das für Euch das futuristische Setting?
              Also ich könnte mit Thalia und Xixo nichts anfangen. Thalia ist ein Buchladen, bei dem ich mich gewundert hätte, wieso Leon zur HIntertür rein will, und Xixo klingt so chinesisch oder japanisch. Doppelte Karamellglasur klingt jedoch seeeeehr verlockend. Gibt es das wirklich? ^^
              Mit dem Magnolienblüten-Boulevard stimme ich mit dir überein. Natürlich hätte es mehr Namen geben können, aber wirklich stören tut es mich nicht. Ich denke über sowas gar nicht nach, wobei ich ja meistens Fantasy in der Vergangenheit schreibe. Da gab es sowas noch nicht.

              Kommentar


              • E.F. von Hainwald
                E.F. von Hainwald kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Die Krumen? Interessanter Gedanke beim Lesen - also auch wenn hier bei uns die Straßen echt verdammt sauber sind - in Tokio waren die NOCH sauberer (das war verstörend, dabei gab es aber auch keinerlei Mülleimer!) - staubsaugen tut den Beton keiner.

              • Earu
                Earu kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Da siehst du mal, wie buchbezogen ich bin. Wer braucht schon eine Muse? Ich bei den hunderten von Ideen in meinem Notizbuch mal nicht. Aber Bücher hab ich nie genug. ^^

                WIESO STAUBSAUGT HIER KEINER DEN BETON!!! Sakrileg! In deiner Geschichte muss alles sauber sein. Die machen doch auch alle auf Strahle- und Saubermann. Nein, tatsächlich hat mich eher gewundert, wie er den Dreck überhaupt an die Schuhe bekommen hat, wenn er Ewigkeiten über der Erde lebt. Das bisschen Erde, in der die Bäume stehen, wird wohl eher vor solchen Randalen, die darin herumhüpfen, geschützt sein. Da oben sollte ein solcher Rohstoff schon richtig viel wert sein. Tja, und sonst ... Welchen Dreck hat er da an den Schuhen?

              • E.F. von Hainwald
                E.F. von Hainwald kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Schlags mal den Stadtverwaltungen vor - wäre ne Idee, danach aber bitte noch Bonerwachs drauf.

                Hmmmmh, also es gibt Staub, Hundescheiße, Kaugummi, Essenreste, abgebröckelte Reste von Sohlen, Beton, Steinchen vom Asphalt ... aber keine Sorge - ab jetzt wirds doch eh dreckiger.
                Zuletzt geändert von E.F. von Hainwald; 14-03-2019, 22:34.

            • #33
              Ich schreibe heute schon, weil ich am Wochenende Besuch habe und für die Leipziger Buchmesse rotiere - es steht eine Lesung aus meinem noch unveröffentlichten Roman an und da muss ich noch üben (die Zweite in meinem Leben - ogott, ich will nicht sterben ... *heul*).

              Diesmal wird ja rege diskutiert - wobei ich tatsächlich erstaunt bin, dass ihr Markennamen als persönlicher wahrnehmt. Ist es Individualität oder einfach eine gute Leistung unserer Marktwirtschaft, dass ihr sowas als "bezieht mich mehr ein" empfindet?
              Da wir alle unseren horizont erweitern möchten, steuere ich hier mal mehr bei, denn das scheint euch zu bewegen. Meine Leser befürworten diesen "reduzierten" Stil, weil er "leicht" ist trotz der Schwere des Umfangs, und weil es "modern" wirkt - so das Feedback.

              Keine Marken haben bei mir drei Gründe:
              1.) Ich nutze sie privat fast nie - ich gehe "einkaufen", nicht ins "Netto"; ich trinke "Bier", kein "Radeberger"... usw. Außerdem kann ich mir (wie viele andere), Straßennamen eh nicht merken, also ignoriere ich sie schlichtweg. "Am Döner links abbiegen" ist 'ne geile Auskunft; "in die Magnolienstraße einbiegen" oder "am Mustafah-Börek links" heikel für mein Hirn, vor allem, wenn dann noch drei Weitere kommen. Also Persönlichkeit meinerseits und dafür erntete ich auch schon öfter Danke. Also defintiv eine Überlegung wert - außer natürlich eure Leser lieben eure eingebastelten Marken. Jetzt überlege ich, ob Leon vielleicht vor Markensinn strotzen sollte, weil Werbung überall auch prägt, aber Punkt 3 deutet an, warum eben nicht.
              2.) Nicht relevant für meine Geschichte an dieser Stelle. Denn erfinde ich eine Marke, muss ich sie benennen und schlimmstenfalls erklären (da war mir das Setting wichtiger). Außerdem kommt hinzu, dass viele Leser schon genervt sind, wenn zu viele Charakternamen in Romanen sind! Dann noch Straßen und Marken? Hat die Marke Relevanz zur Handlung (z.B. taucht oft auf oder der Job des Prota ist dort - Leon ist jedoch selbstständig), unbedingt rein damit!
              3.) Der Abstand zum Umfeld ist beabsichtigt. Für Leon emotional wichtige Orte beschreibe ich - wie das Theater aussieht, die Bank, der Boulevard, Leons zuhause und Arbeitszimmer. Ryes Labor, Gebäudefarben ist ihm wenig wichtig. Warum er so perfekt selektiert in der Aufnahme und weshalb ich es als notwendig erachte dem Leser das auch mitzugeben, werdet ihr (hoffentlich) später verstehen. Sicher intressiert das einige Leser nullkommagarnicht, aber die stören sich wohl auch dann nicht dran.

              Zum Rest: Ich bin mir gerade unsicher, ob ihr aus Gewohnheit in Leserunden auf eventuelle Logikfehler (Verurteilung so bumsfertigauszeckweg) anspringt, oder ob ihr tatsächlich nur eure spontanen Empfindungen als entspannte Leser mitteilt.
              Ich schaue gerade genau darauf, was ihr ansprecht ... wo ich evtl. was in meiner 500-zeiligen-Plott/Logik-Tabelle ("Schwiegermutter") verkackt habe - bisher darf ich mir den Schweiß beruhigend wegwischen, alles im grünen Bereich. Aber ihr schafft mich trotzdem ganz schön!

              Kommentar


              • Alys II.
                Alys II. kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                E.F. von Hainwald, das wird knapp mit der Lesung, Freitag 18.00 haben zumindest einige von uns schon ein Date, und nicht gerade um die Ecke vom Café Eigler. Aber wäre schön, wenn man sich sonst auf der Messe irgendwie trifft.

              • E.F. von Hainwald
                E.F. von Hainwald kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Ich muss auch eher dort sein und daher 17 uhr denke ich schon von der Messe weg - sonst wird das knapp. Außerdem soltle ich vorher irgendwie mal durchatmen und was essen.
                Na vielleicht schaust du/ihr einfach an unserem Stand mal vorbei?

              • Alys II.
                Alys II. kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                E.F. von Hainwald, Das mache ich sicher mal. Umgekehrt, wenn Du Dich gerade langweilst, komm bei Burgenwelt vorbei. Da werde ich einen guten Teil der Zeit rumhängen.

            • #34
              Ich lese heute schon Kapitel 5. Morgen komme ich wohl nicht dazu, zu kommentieren. Dann beantworte ich lieber morgen nur kurz noch die Fragen.

              Der Aufzug ist mir schon im letzten Kapitel suspekt vorgekommen. Bei der Fahrt nach unten wird es immer dunkler, aber in dem blöden Teil geht echt kein Licht an? Nur die paar StatusLEDs leuchten? Und als dann endlich mal Licht angeht, dann nur flackernd. Hier geht eine Lichtleiste endlich an und ich frage mich ernsthaft, was das soll. Wieso ging die nicht gleich an, als er in den dunkleren Stadtteil kam? Wieso geht dieses Licht erst so verzögert an, nachdem der Fahrstuhl schon eine Weile unten angekommen ist? Und weil es gerade so gut dazu passt: Wieso dauert es so lange, bis die Kapsel aufgeht? Sollte das alles in dieser fortschrittlichen Welt nicht zackiger gehen?
              Leons Reaktion auf die geöffnete Kapsel und den Raum dahinter erinnert mich irgendwie an ein Tier, das aus seiner Transportbox in eine fremde Umgebung kommt. Zögernd, scheu, abwartend, witternd.
              Die anderen Kapseln in diesem Raum irritieren mich. Ist dieser Fahrstuhl eine Einbahnstraße? Irgendwie muss ich gerade an Kondome denken, die man auch nur einmal benutzen kann. (Hinterfragt nicht mein krankes Hirn. Es ist gut zum Geschichten schreiben.)
              Ja, genau, wo kommt der Regen her? Ist das etwa der Wasserfall aus Kondenswasser?
              Leon fragt sich, ob alle in der Unterstadt gefühllos sind. Ich glaube, er lebte bisher in einer gefühllosen Welt und erlebt jetzt erst die geballte Ladung Gefühl. Er ist nur nicht gewohnt, sich nur mit sich selbst zu beschäftigen. Er ist es gewohnt, die Gefühle Anderer zu verarbeiten, aber seine eigenen hat er viel zu gerne verdrängt oder gar nicht bemerkt. Und natürlich muss der seltsame Typ im Cybernet sein. Hat ja noch keiner was von natürlicher Empathie gehört. Leon hat echt viel zu lernen.

              Kommentar


              • E.F. von Hainwald
                E.F. von Hainwald kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Die langsame Fahrt - ich geb zu: Style. Sollte den Stadtaufbau kurz beleuchten. Die Wissenskarte besprachen wir bereits - bei der Lesung habe ich diesen Teil auch stark gerafft. Ich habe das bereits selbst bei dieser Szene bemerkt.

                Warum es weniger fortschrittlich erscheint? Liest du ja nun bald.

            • #35
              Kurzer Zwischeneinwurf, weil das Thema oben in den Kommentaren aufkam:

              Soweit ich weiß, sind von den Teilnehmern an dieser Leserunde mindestens 4 auf der Leipziger Buchmesse.
              Wäre es dann sinnvoll, wenn wir vom 21.-24.03. mit dem normalen Rhythmus aussetzen? Zumindest zum Diskutieren, meine ich. Weiterlesen kann ja trotzdem jeder für sich.
              Always avoid alliteration.

              Kommentar


              • Earu
                Earu kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Ich werde auch ohne Laptop unterwegs sein und wohl nicht groß zum Lesen kommen. Da wäre eine Pause eine Erleichterung.

                E.F. von Hainwald Ich werde deine Lesung wohl nicht mitnehmen können, aber vielleicht laufen wir uns tagsüber über die Füße? Würde mich freuen.

              • E.F. von Hainwald
                E.F. von Hainwald kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Das würde mich freuen - vielleicht schaust du die Tage an unsrem Stand vorbei?

              • Earu
                Earu kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Versprochen. Das klappt ganz sicher.

            • #36
              Oh, ihr diskutiert ja schon ... Da muss ich mit meiner Antwort mal ein bisschen hinterher bummeln.

              Für wie realistisch haltet ihr diese enge Verknüpfung von Exekutive und Judikative? Warum bekommt ein Angeklagter keine Möglichkeit, sich selbst zu verteidigen, sondern wird nur über Charakterzeugen beurteilt?

              Ich finde es leider nicht so weit hergeholt, dass sich ein Angeklagter dort nicht mal mehr verteidigen darf, wie ich es mir wünschen würde. Und ich gebe offen zu, dass mir das total missfällt und ich die Vorstellung sehr beängstigend finde. Hier in Deutschland muss einem ein Vergehen ja nachgewiesen werden (Die Schuld muss bewiesen werden) und es gilt "Im Zweifel für den Angeklagten", in anderen Ländern muss man die Justiz hingegen davon überzeugen, dass man etwas gar nicht gewesen sein kann (Die Unschuld muss bewiesen werden). Für "die Obrigkeit" scheinen ja keinerlei Zweifel mehr zu bestehen - aber leider erfahre ich als Leserin (noch) nicht, was Leon genau vorgeworfen wird, was mit seinen Daten an die Polizei passiert ist und welche Rolle Alexis dabei spielt. Und es ärgert mich total, dass er nicht sofort die Nachrichten einschaltet!

              Wenn ich über diese Verknüpfung nachdenke, blitzen in mir unweigerlich Bilder von überfüllten Zellen in Gebieten auf, wo Folter an der Tagesordnung steht. Dort wird auch niemand mehr gefragt, was er zu diesem oder jenem Vorfall zu sagen hat, denn dort besitzt das Individuum keine "menschliche Existenz" mehr ... Richtig schlimm.

              Was Janica abzieht, finde ich auch mies. Ihre Art widert mich inzwischen richtig an.
              Keine Ahnung, was sie an seinem Verhalten/"Charakter" bzw. Gefühlen ausgemacht haben will, dass seine "Schuld" beweisen würde.

              Stört Euch die abstrahierte Sprache mit wenig Eigennamen, oder unterstreicht das für Euch das futuristische Setting?

              Wenn du es nicht betont hättest, wäre es mir wohl nicht mal aufgefallen. In meinem Alltag wechsel ich beliebig hin und her, ob ich jetzt "noch schnell einkaufen gehe" oder "nochmal kurz zu dm/Rossmann muss". In deinem Beispielsatz sehe ich das "Xixo" als Eis, d. h. es ist aus dem Kontext durchaus ersichtlich, aber da passe ich mich beim Lesen automatisch dem Autor an. Und dass es in Skyscrape trotz Werbeflut keine Markennamen gibt, spricht für mich dafür, dass diese Dinge für Leon nicht besonders relevant sind und damit kann ich als Leserin gut leben.

              Ich stimme dir aber dahingehend zu, dass ich so nur ein vages Bild der Stadt vor Augen habe. Und das zeigt sich dann tatsächlich auch zum Ende des Kapitels: ich bekomme keinen Zugang zu seiner Irrfahrt und deshalb nervt sie mich. Für mich ist es dort einfach schmutzig, grau, stahlverschlungen und insgesamt Slum-ähnlich. Das Drumherum bringt mir dort nichts.

              Was mich dann jedoch wieder packt, ist Leons Gefühl am Schluss:
              Etwas in ihm war verstummt, etwas, was bisher immer da gewesen war. Es war ein Gefühl, das er noch nie in seinem Leben gefühlt hatte. [...]
              Ich bin allein.
              Nur registrierte Nutzer können diesen Inhalt sehen.

              Echt toll. Diese Verbindung zu ihm hatte ich übrigens auch, als er überflutet wird und zusammenbricht. (2 wunderbare Absätze!)
              Alles ist Gift. Es kommt nur auf die Dosis an. (Paracelsus)

              Kommentar


              • Dodo
                Dodo kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Jeder Mensch ist anders, und auch der Einzelne reagiert in verschiedenen Situationen unterschiedlich ...
                Ich werde proaktiv, wenn ich das Ausmaß der "Katastrophe" bändigen will, und dazu muss ich wissen, was los ist. Mega-Gau - man sammelt frenetisch Informationen und rennt. Ganz anders, als ich einen geliebten Menschen verlor. Völliger Shutdown. Nichts auf der Welt konnte den Verlust stoppen, alles schien ihn nur zu beschleunigen.
                Ich denke, Leon sieht sehr schnell, dass er verloren hat, egal was er täte. Es spricht für seine Integrität und Naivität, dass er das "Verbrechen" nicht zugibt, und daher die Höchststrafe erhält.

              • In-Genius
                In-Genius kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Meine Verwirrung soll nicht heißen, dass es falsch oder unwahrscheinlich wäre so zu handeln wie Leon. Es irritiert mich nur total, da ich diese aktive Art der Verdrängung von nirgendwoher kenne als aus Büchern/Serien - und da erscheint es mir mehr dramatisches Werkzeug als Persönlichkeitsausdruck.

              • Lael
                Lael kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Das mit der Post ist ein sehr guter Einwand, @Alys II.

                Letztlich weiß ich nicht, wie ich reagieren würde. Aber bei Evan hat er die Infos auch eigenständig recherchiert und wenn mir meine _engsten Vertrauten_ nicht mal die Chance geben würden, dass ICH ihnen erklären kann, was passiert ist, wäre ich vermutlich so wütend, dass ich mir wenigstens aus der scheiß Flimmerkiste (Danke, In-Genius ) 'ne Antwort erhoffen würde. Ich hasse es, keine Erklärungen zu haben!! Danach würde ich mich verkriechen. Ich neige allerdings auch nicht zum Substanzmittelmissbrauch, da ich das Zeug sowieso nicht anrühre.

            • #37
              Leon ist jetzt ein Frischling in der Unterstadt. Kein Zuhause, kein Geld - aber auch kein Cybernet mehr. Nur seine eigenen Gefühle, damit kann Leon nicht umgehen.

              Was haltet ihr davon, dass ein Leben in der Unterstadt eine Strafe ist? Vielleicht sogar die höchste Strafe? Man wird nicht nur aus der eigenen Gesellschaft herausgeschmissen, sondern in eine andere hineingeworfen und diese andere wird damit ganz klar als weniger wert gekennzeichnet. Passt das zu dieser Welt? Gibt es das auch bei uns?

              In der Unterstadt regnet es, immer und immer wieder. Nur eine technische Schrulle des in sich abgeschlossenen Systems solcher Hochhausmetropolen? Oder Absicht um die Lebenswirklichkeit der Bewohner möglichst trostlos und niederschlagend zu halten?

              "So eine Hilflosigkeit kannst du dir nur in der Oberstadt leisten." Kann man das? Oder ist Leon nicht genau wegen seiner Hilflosigkeit aus der Oberstadt verbannt worden? Ist es notwendig, seinen Körper künstlich zu verstärken, um nicht mehr hilflos zu sein? Ist es überhaupt Leons Wahl hilflos zu sein, oder erzwingt das Cybernet das von den angeschlossenen Menschen?
              Lest bitte Kapitel 6 bis zum 17. März.
              Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
              to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
              A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
              You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

              Kommentar


              • #38
                Puh, so viele Fragen!

                Was haltet ihr davon, dass ein Leben in der Unterstadt eine Strafe ist? Vielleicht sogar die höchste Strafe? Man wird nicht nur aus der eigenen Gesellschaft herausgeschmissen, sondern in eine andere hineingeworfen und diese andere wird damit ganz klar als weniger wert gekennzeichnet. Passt das zu dieser Welt? Gibt es das auch bei uns?
                Es erinnert mich an früher, als Verbannung eine Strafe war. Damals wurde man manchmal auch irgendwie gekennzeichnet, damit andere Städte den Verbannten nicht aufnahmen. Ohne eine schützende Mauer und einer führenden Hand durch einen Fürsten o. ä. musste der Verbannte über kurz oder lang sterben. Einsamkeit kann ein Mensch nur schwer ertragen. Aber er war durch die Verbannung und ggf. durch die Kennzeichnung als solcher auch vogelfrei. Ein Verbrechen gegen ihn galt nicht als Verbrechen. Ich finde sowas schlimmer als die Todesstrafe oder lebenslange Haft. Dass Leon in diesem Fall in eine völlig andere Welt gelangt, erschwert es für ihn wohl noch zusätzlich. Man stelle sich mal vor, man ist aus seiner Welt verbannt und in der neuen Welt sind zwar Menschen, aber die ticken ganz anders. Unter Menschen allein zu sein, ist noch schlimmer als generell der einzige Mensch im Umkreis zu sein.
                Diese neue Welt wird definitiv durch diese Handlung als geringer gekennzeichnet. Unterstadt klingt ja noch logisch. Sie liegt eben tiefer als die Oberstadt. Damit assoziiert man erst einmal nichts Negatives. Aber wenn man dann mal dort ist und die Zustände sieht ... Ja, in gewisser Weise ist sie weniger wert, weil dort Zustände herrschen wie vor dem Cybernet. Es wirkt nach der geheuchelten Friedlichkeit der Oberstadt erst einmal beängstigend, aber tatsächlich, wenn ich länger darüber nachdenke, dann sind die Menschen, die dort unten nett zu einem sind, viel mehr wert. Dieser Söldner, oder was er darstellen soll, will Leon helfen, obwohl er ihn nur gesehen, nicht einmal gesprochen hat. Das rechne ich ihm hoch an. Mag ja sein, dass die Umstände viele Menschen dort unten von einer der-Stärkere-überlebt-Philosophie überzeugt hat, aber nicht alle sind so.
                Bei uns gibt es solche Situationen auch, nur in anderen Maßstäben. Spontan fällt mir ein, dass ich ein Talent dazu habe, in Fettnäpfchen zu treten und mir dabei sogar noch die größten auszusuchen. Damit verletze ich meine Mitmenschen, obwohl es das Letzte ist, was ich tun will. Es dauert selten länger als ein Jahr, bis man mich aufgrund dessen aus einer Gemeinschaft hinauswirft oder ich mich sogar vorher verkrümele, weil ich merke, dass die Stimmung kippt. Jedes Mal versuche ich, Kontakte mit anderen Menschen zu knüpfen, rede über mein "wundervolles Talent" und erkläre, dass man mit mir dann reden kann. Ich habe echt kein Problem damit, mich zu entschuldigen, wenn ich Mist gebaut habe. Da ist es egal, ob ich das mit Absicht oder ungewollt getan habe. Das ist das Mindeste und zugleich kann ich mich dann erklären, sodass sich herausstellen kann, dass die ganze Geschichte gar nicht so arg ist. Mir wird immer versichert, dass es "mit ihnen" nicht so kommen wird, "weil wir ja alle erwachsene Menschen" sind. Die Bemerkungen dieser Leute, die dann folgen, wenn es mal wieder schief geht, sind wirklich verletzend. Und das passiert jetzt nur, weil ich nicht so angepasst bin.

                In der Unterstadt regnet es, immer und immer wieder. Nur eine technische Schrulle des in sich abgeschlossenen Systems solcher Hochhausmetropolen? Oder Absicht um die Lebenswirklichkeit der Bewohner möglichst trostlos und niederschlagend zu halten?
                Da habe ich ja schon überlegt, ob das dieser Kondenzwasserwasserfall (geiles Wort ) ist. Für eine technische Macke halte ich es nicht. Eher, wenn es wirklich der Wasserfall ist, dass es denn hohen Herren der Oberstadt egal ist, was das in der Unterstadt anrichtet. Leon wusste ja auch nicht, dass es dort z. B. kein Cybernet gibt. Wenn ich nach den Informationen von ihm gehen sollte, müsste es das überall auf der Welt geben, aber hier liegt eine ganze Stadt emotional auf dem Trockenen. Es wäre aber auch möglich, dass da Absicht dahinter steckt, um die Bewohner zusätzlich zu strafen und ihnen das Leben bzw. die Emotionswelt schwer zu machen.

                "So eine Hilflosigkeit kannst du dir nur in der Oberstadt leisten." Kann man das? Oder ist Leon nicht genau wegen seiner Hilflosigkeit aus der Oberstadt verbannt worden? Ist es notwendig, seinen Körper künstlich zu verstärken, um nicht mehr hilflos zu sein? Ist es überhaupt Leons Wahl hilflos zu sein, oder erzwingt das Cybernet das von den angeschlossenen Menschen?
                Ich denke, das sind Vorurteile. Oben hat man die Wölfe im Schafspelz trotz Cybernet nicht erkannt. Unten erkennt man sie auch nicht, aber hier ist man sich sicher, dass es welche gibt. Ich glaube nicht, dass es Leon helfen würde, seinen Körper künstlich zu verstärken. Er braucht wohl eher ganz dringend Nachhilfe in Menschenkenntnis. Die kann ihm ja offensichtlich auch ein Cybernet nicht ersetzen, sonst wäre das mit Alexis und Leons Verurteilung nicht geschehen.
                Leon hat die Vorteile des Cybernet genossen und geschätzt. Er würde es nie als Schwäche ansehen bzw. noch nicht. Es hat meiner Meinung nach auch nichts mit dem Cybernet zu tun. In der Oberstadt rennen so viele verbesserte Menschen herum, die mit wenigen Handgriffen gleich mehrere Menschen umbringen könnten. Sie tun es vielleicht wegen des Cybernet nicht, aber kämen sie in die Unterstadt, würden sie es auch nicht gleich tun, sondern erst, wenn sie begriffen haben, dass hier das Gesetz des Stärkeren zählt.

                Kommentar


                • In-Genius
                  In-Genius kommentierte
                  Kommentar bearbeiten
                  Du hast dein Bildchen geändert. Das lacht einen jetzt an, sehr hübsch^^

                  Dass mit der Unterstadt als Strafe hat mich auch ein wenig an die britische Handhabe Australiens erinnert. Das eigene Land war voll, dann hat man einen gewissen Teil der Verbrecher und Bettler nach Australien verschifft - aus den Augen, aus dem Sinn.
                  Ich muss auch sagen, die Unterstadt kommt mir gleich viel lebhafter vor. Ich finde Gewalt zwar nicht gut, aber Streitigkeiten gehören doch zum Menschen dazu.
                  Ich werd von der Unterstadt auch an ein paar meiner Lieblingsmanga erinnert, das verfärbt meine Brille natürlich

                • Earu
                  Earu kommentierte
                  Kommentar bearbeiten
                  Danke! Wurde Zeit. Ich bin mit meinen sechs fertigen und drei beinahe fertigen Veröffentlichungen ja schon eine Person des öffentlichen Interesses oder so.

                  Die Oberstadt hat ja viele tolle Spielereien, aber so wirklich braucht man die gar nicht. Die Unterstadt ist auf das Nötigste reduziert, wobei die immer noch recht fortschrittlich ist. Die Ärztin war ja schon krass mit ihren Spezialbeinen, die Schuhe und Waffen je nach Bedarf imitieren. Ich musste zwischendurch überlegen, ob die überhaupt ein Mensch oder nur ein gut programmierter Roboter ist. Vermutlich ist bei der nur noch das Bewusstsein und nicht einmal mehr das Gehirn echt. ^^

                • In-Genius
                  In-Genius kommentierte
                  Kommentar bearbeiten
                  Ich denke, die philosophische Frage "Was ist ein Mensch?" kommt noch. Das wollte ich uns nicht im ersten Drittel des Buches überfordern

                  Ich fand die Ärztin ziemlich scharf (pun intended). Auch die ganzen bunten Menschen in der Unterstadt mit Schuppen und Krallen und bla finde ich sehr cool. Die scheinen voll auszunutzen, was die Technik zu bieten hat. Während die Oberstadt - soweit wir wissen - noch an der menschlichen Form fest hält. Auch etwas, dass im Verlaufe des Buches vielleicht mehr Substanz für eine Diskussion bekommt.

                  Ich stelle immer wieder fest: Ich mag solche Setting als Publikum durchaus. Aber selber ausdenken? Puh, da schwirrt mir jetzt schon das Hirn.

              • #39
                Was haltet ihr davon, dass ein Leben in der Unterstadt eine Strafe ist? Vielleicht sogar die höchste Strafe? Man wird nicht nur aus der eigenen Gesellschaft herausgeschmissen, sondern in eine andere hineingeworfen und diese andere wird damit ganz klar als weniger wert gekennzeichnet. Passt das zu dieser Welt? Gibt es das auch bei uns?

                Wenn ich danach gehe, wie die Menschen in der Unterstadt (und noch tieferen Ebenen) hausen, denke ich schon, dass sich das wie eine Strafe anfühlen muss. (Die empfundene Höchststrafe wird es wohl v. a. dadurch, dass die Gefühle der anderen nicht mehr spürbar sind.) Hier in Deutschland gibt es ja quasi auch in jeder größeren Stadt Viertel, von denen einem abgeraten wird, weil sie "einen schlechten Ruf" haben und Ghettos/Slums ähneln. (Ganz zu schweigen von den so genannten Dritte Welt-Ländern.) Äußerlich ist die Unterstadt in dem Buch ebenso aufgebaut, wirkt halt lediglich ein bisschen steampunkiger mit dem ganzen Stahl und SciFi durch den Technik-Schnickschnack.

                Gleichzeitig ist der soziale Zusammenhalt in so mancher als "Ghetto/Slum" verschrienen Region größer als Menschen, die sich über Macht und Wohlstand definieren, es jemals in ihrem Leben erfahren werden. Wenn man Land und Leuten relativ vorurteilsfrei und auf Augenhöhe begegnet, erlebt man nicht selten eine ungeahnte Herzlichkeit und Wärme ... (Vielleicht nicht gerade in Acapulco, aber es geht mir auch mehr ums Prinzip als um Einzelne.) Gerade diese können einem mehr bringen als aller Reichtum der Welt.

                Im Hinblick auf das Buch zeigt sich die Unterstadt echt schnell von ihrer hässlichsten Seite - aber Leon erfährt letztlich ja doch unerwartet Hilfe. Die ihn immerhin davor bewahrt, seinen Körper feil zu bieten (gewagte Hypothese: ähnelt durchaus Prostitution, die er zuvor noch ablehnt, wobei die Überlegung ja bestand). Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt und ob es für Leon letztlich nicht eher ein Segen sein wird, dass er nicht mehr von diesem Cybernet abhängig ist ...


                In der Unterstadt regnet es, immer und immer wieder. Nur eine technische Schrulle des in sich abgeschlossenen Systems solcher Hochhausmetropolen? Oder Absicht um die Lebenswirklichkeit der Bewohner möglichst trostlos und niederschlagend zu halten?

                Ich habe noch nicht verstanden, woher der Regen überhaupt kommt bzw. woraus er besteht (davon ausgehend, dass der Wasserfall weiter oben letztlich nur irgendwelches Kondenswasser ist). Ich hätte ihn nicht als "trostlos und niederschlagend" interpretiert, aber die Assoziation gefällt mir. Für mich war das eher so ein "Da unten funktionieren Wind und Wetter wenigstens noch normal (= naturgemäß)" - vielleicht hoffe ich damit auch nur zu optimistisch


                "So eine Hilflosigkeit kannst du dir nur in der Oberstadt leisten." Kann man das? Oder ist Leon nicht genau wegen seiner Hilflosigkeit aus der Oberstadt verbannt worden? Ist es notwendig, seinen Körper künstlich zu verstärken, um nicht mehr hilflos zu sein? Ist es überhaupt Leons Wahl hilflos zu sein, oder erzwingt das Cybernet das von den angeschlossenen Menschen?

                So, wie sich die Situation in Kapitel 5 darstellt, stimme ich der Aussage zu. Wenn es in der Unterstadt vor Gewalt nur so wimmelt und das Gesetz des Stärkeren gilt, hat man mit Optimierungen eindeutig die Nase vorn (wie man ja auch eindrücklich in den Kämpfen nachlesen kann). Das Cybernet leistet aber noch einen zusätzlichen Beitrag dazu, dass Leon dort unten besonders aufgeschmissen ist: Er wartet in der Gefahrensituation naiv ab, weil er darauf vertraut, dass die anderen seinen Schmerz spüren werden. Die Menschen mögen sich dem Cybernet zwar freiwillig angeschlossen haben, aber das System ist ihnen längst über den Kopf gewachsen.
                Alles ist Gift. Es kommt nur auf die Dosis an. (Paracelsus)

                Kommentar


                • In-Genius
                  In-Genius kommentierte
                  Kommentar bearbeiten
                  Regen ist in der Kunst häufig ein Zeichen für depressive und traurige Gefühle; gerade wenn der Himmel auch grau/dunkel ist. Ich meine mal gelesen zu haben, dazwischen gäbe es einen messbaren realweltlichen Link (zwischen Regen und runterziehenden Gefühlen), aber über die Faktualität dieser Erinnerung kann ich keine Aussage mehr machen. Es würde mich allerdings nicht wundern, wenn anhaltender Regen unseren Hormonhaushalt negativ beeinflusst. Wer weiß.

                • Alys II.
                  Alys II. kommentierte
                  Kommentar bearbeiten
                  In-Genius, Lael, auf jeden Fall kann (kann! muss nicht!) ein Mangel an Vitamin D Depressionen auslösen, und Vitamin D bilden wir, wenn UV-Strahlen auf unsere Haut kommen. Folglich Dauerregen --> weniger UV --> weniger Vit. D --> schlechte Stimmung.
                  Den kurzfristigen Effekt, dass sich unsere Laune spontan bessert, wenn nach vielen Regentagen endlich mal wieder die Sonne rauskommt, kennt ja auch jeder von uns.
                  Ich nutze beim Schreiben das Wetter auch gerne als Stilmittel, um unbewusste Gefühle und Stimmungen auszudrücken. Deshalb fiel mir der Regen hier auch gleich auf.

              • #40
                Leon lernt, dass man manchmal einen Vertrauensvorschuss geben muss, egal ob man sich den Gefühlen des anderen sicher sein kann oder nicht. Meistens nicht.

                Immer wieder hat Leon kleine Gedankenhäppchen, die auf einen großen, letzten Krieg hinweisen. Mit Rade kommen diese mehr in den Fokus, denn dieser ist ein Soldat aus jenem Krieg (vermutlich) und wir erfahren, eigentlich müsste er nach Leons Informationen in den höchsten Etagen in Saus und Braus leben. Noch interessanter: Rade kann so etwas wie sein eigenes kleines Cybernet erstellen.
                Frage: Sind Gefühle eine Waffe?

                Lest das Kapitel 7 bis zum 19. März. Danach gibt es wohl eine kleine LBM-Pause.
                Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
                to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
                A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
                You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

                Kommentar

                Lädt...
                X
                Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung