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> Der Adventskalender ist bereit, das siebzehnte Türchen kann geöffnet werden. Viel Spaß.
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7. Türchen

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  • 7. Türchen

    7. Türchen


    Schreibt eine Szene, wie sich euer Antagonist und Protagonist zum Fest der Liebe vertragen. Oder vertragen. Oder „vertragen“. (Maximal eine Normseite.)
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    danbo-1863076_1280.jpg
    Zuletzt geändert von weltatlas; 06-12-2017, 23:59.
    Und dann war da noch ein Messer ohne Klinge, an dem der Griff fehlte…

    Kontakt: administrator@wortkompass.de

  • #2
    Bzw vertragen "müssen"
    Ich guck mal wen ich zwinge ;D
    ~ We know the songs the sirens sang
    See us dream every tale true ~

    T. Holopainen

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    • #3
      "Komm schon, Anwen. Es ist Weihnachten. Du kannst mich doch nicht hier im Kerker schmoren lassen."
      Anwen betrachtete Jäkel mit Abscheu. "Weihnachten? Kenn ich nicht und im Kerker bist du gut aufgehoben."
      "Weihnachten ist das Fest der Liebe. Das feiern die Menschen auf der Erde."
      "Dann lass sie mal feiern."
      "Aber als gute Christin musst du mir vergeben, mich also hier raus lassen und am besten mit mir Weihnachten feiern."
      "Muss ich das?"
      "Natürlich."
      Unwille stieg ihr die Kehle hinauf, als müsse sie sich gleich übergeben. Jäkel war die verabscheuungswürdigste Kreatur, der sie je begegnet war. Hinterhältig, verschlagen, gemein, auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Wenn sie ihm den Gefallen täte, würde er sie übers Ohr hauen und vielleicht doch noch nach der Krone greifen. Was das bedeutete, wollte sie sich gar nicht näher vorstellen.
      "Ich weiß ja, was du denkst, aber vielleicht sollten wir ihm eine Chance geben", mischte sich Owen ein. "Außerdem klingt ein Fest verlockend."
      "Ich sage dir, wir werden es bereuen."
      "Ich lasse Wachen abstellen, die für das gesamte Fest an seiner Seite bleiben werden", versprach Owen.
      "Also gut, aber Netis wird sich deinen Wachen anschließen. Jäkels Worte mögen uns Menschen den Kopf verdrehen, aber nicht Netis."
      Jäkel starrte Owen panisch an. "Du wirst doch nicht zulassen, dass sie diese Bestie auf mich hetzt?"
      "Keine Sorge, du wirst die Bekanntschaft des Wolfs nur machen, wenn du dich nicht an die Regeln hälst. Nach dem Fest kommst du brav wieder in deine Zelle. Verstanden?"
      Jäkel nickte.
      "Gut, dann reicht euch beiden mal die Hände. Ich weiß ja, dass ihr euch nicht riechen könnt."
      Das war doch wohl die Höhe! "Muss das sein? Ist es nicht schlimm genug, dass ich mit ihm ein Fest feiern soll, das nicht zu meiner Religion gehört?"
      "Ja, und als dein zukünftiger König befehle ich es dir notfalls, wenn du meiner Bitte als Freund nicht nachkommen willst."
      Anwen knurrte, streckte ihre Hand jedoch gehorsam durch die Gitter. Jäkels Hand fühlte sich kalt an - kalt wie sein Herz. Sie ließ sogleich wieder los und zog ihre Hand zurück, als hätte sie sich verbrannt.
      "Das war doch schon ein guter Anfang. Dann lass uns alles für das Fest vorbereiten. Jäkel, du wirst uns helfen, da wir Weihnachten nicht kennen."
      Das konnte ja heiter werden. Anwen ließ Jäkel nicht aus den Augen, was ihm offensichtlich unangenehm war. Ständig drehte er sich nach ihr und Netis um, als wolle er sich vergewissern, ob sie nicht doch endlich verschwunden waren. Anwen registrierte es mit Genugtuung. Nein, sie konnte ihm keine Sekunde trauen.
      Unter Jäkels Anleitung wurde eine Tanne gefällt und in den Saal gebracht. In Ermangelung von Christbaumkugeln und Lametta schmückten die Diener den Baum mit Silberfäden, die sie schnell beim königlichen Schneider besorgt hatten, und vielen Kerzen. In der Küche musste Padraig ein Dutzend Gänse rupfen, ausnehmen, füllen und braten. Seine Küchengehilfen stöhnten unter der Arbeitslast, Körbe von Kartoffeln zu schälen und drei Rotkohlköpfe in feine Streifen zu schneiden. Es würde ewig dauern, bis diese Menge gar war. Letztlich bat Jäkel um neue Kleidung, vornehmlich die, die er vor seiner Verhaftung besessen hatte. Anwen wusste, wieso er das tat. Jäkel hatte Kleidung besessen, die eines Königs würdig gewesen wäre. Sie hätte es ihm nur zu gerne abgeschlagen, aber Owen nickte nur.
      Das Schlimmste kam jedoch noch. An der Tafel musste sie sich tatsächlich zu Jäkel setzen. Vor Ekel brachte sie kaum einen Bissen von dem herrlich duftenden Essen herunter. Und wegen Owen, der sie kurz zuvor abgefangen hatte, musste sie sich Jäkel gegenüber auch noch höflich und interessiert geben. Immerhin feierten sie das Fest der Liebe. Wenn dieser Würgereiz nur nicht wäre! Bei jedem freundlichen Wort, das sie sich abrang, hätte sie am liebsten gespieen. Abartig. Einfach widerlich! Aber sie tröstete sich. Für dieses Entgegenkommen hatte sie Owen das Versprechen abgerungen, Jäkel persönlich zum Kerker begleiten und den Schlüssel im Schloss drehen zu dürfen. Nur noch dieser verführerische Nachtisch, den sie auch kaum anrühren würde, und dann wäre es überstanden.
      "Reichst du mir die Vanillesoße, liebste Anwen?"
      Würg! Wie konnte sich ein Nachtisch nur so ziehen? "Aber natürlich. Hier."
      "Ich danke dir. Findest du das Fest nicht auch außerordentlich gelungen?"
      "Ja ... Ja, außerordentlich." Brrr, dieser Kloß im Hals versagte ihr fast das Sprechen.
      "Ich bin ja so froh, dass du neben mir sitzt. Eine angenehmere und hübschere Sitznachbarin kann ich mir nicht vorstellen. Mal ehrlich, Eirin ist ja hübsch, aber Owen hat einen schlechten Geschmack. Du hast viel mehr Charakter."
      Ok, Eirin würde wohl nie ihre beste Freundin sein, aber sie war eine liebevolle junge Frau. Ruhig bleiben, ermahnte Anwen sich und fragte sich, wie sie darauf antworten sollte. "... Danke(?) Das ist nett von dir(?)"
      "Findest du nicht, dass mir dieses Hemd ausgezeichnet steht? Mir wurde von vielen Damen bestätigt, dass sie mich damit unwiderstehlich finden." Er zwinkerte ihr zu.
      Anwen zerknüllte ihre Serviette und warf sie beim Aufspringen auf den Tisch. "Jäkel, es ist egal, was du an hast. Du bist und bleibst ein scheußliches Mannsbild." Im Augenwinkel sah sie Owen aufstehen. "Tut mir leid, ich habe es versucht, aber dieser Widerling hängt mir zum Hals heraus. Du hast die Wahl. Entweder kommt er augenblicklich in seine Zelle oder ich hetze Netis auf ihn."
      Hinter ihr erscholl ein erwartungsvolles Knurren. Ok, vielleicht sollte sie Owens Antwort gar nicht abwarten und Netis das unauffällige Zeichen geben, damit er ihm gleich an die Kehle sprang. Sie konnte es anschließend immer noch als sein Beschützerinstinkt ausgeben. Immerhin wusste Owen, wie sehr der Wolf mit ihr verbunden war, und er würde nichts gegen das Geschöpf ihres Gottes unternehmen. Vielleicht würde er es sogar als Gottes Wille ansehen? Anwen krümmte den Finger ...

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      • #4
        Anne erwachte mit einem stechenden Schmerz in der Schläfe, als Brendan sich gerade das Leinenhemd überzog. Der Nebel in ihrem Kopf lichtete sich* und machte einer Erkenntnis Raum, für die nur ein einziges Wort sich auszusprechen lohnte: „Kacke.“
        „Keine Panik, Annie“, sagte Brendan. „Ich hab das auch nicht geplant.“ Mit zittrigen Fingern fummelte er an den Bändern seines Hemds herum.
        Fast noch weniger als die Tatsache, dass er sie einfach nicht bei ihrem richtigen Namen nannte, konnte sie den Anblick seiner halb freigelegten Brust ertragen. Sie setzte sich auf, krabbelte zu ihm an den Rand ihres Betts und machte ein ordentliches Schleifchen aus den Bändern.
        „Danke.“ Brendan stand auf und holte etwas aus seiner Hosentasche. „Fröhliche Weihnachten.“
        In seiner Hand lag ein kleines, in braunem Packpapier gebundenes Kästchen. Er reichte es ihr, doch es kam ihr vor, als würde sie sich daran verbrennen, wenn sie es nahm. Ihre Wangen taten es bereits, ihr Hals ebenfalls. Was sie getan hatten ... er konnte nicht so naiv sein zu glauben, dass nur eine Nacht ausreichte, um sie all das vergessen zu lassen, was gewesen war. Aber er hatte das auch nicht geplant.
        „Es ist nicht das, was du denkst“, sagte Brendan. „Es ist der Ehering deines Vaters. Ich dachte, den willst du zurückhaben. Kannst ihn jetzt ihm schenken.“
        Dass er sich überhaupt wagte, verbittert zu klingen, trieb Annes Puls in die Höhe. Sie schnappte sich das Kästchen, warf es hinter sich in irgendeine Ecke und zeigte ihm den Mittelfinger, weil sie kaum noch ein Wort zu sagen hatte.
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        ______________________

        * beantwortet dann auch die Mittwochsfrage (bisher wäre die Antwort übrigens "Keine Ahnung" gewesen )
        Zuletzt geändert von Amilyn; 07-12-2017, 11:47.

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        • #5
          Die Luft hier unten im Keller war stickig und heiß. Stöhnend versuchte er, sich aufzurappeln. Der Schmerz, der ihm durchs Bein jagte, ließ es jedoch bei einem Versuch bleiben. So gut es ging, richtete er sich in eine halbsitzende Position auf und sah sich um.
          Die Leiter hinauf zur Luke war zerstört, nicht mehr als ein nach Holzkohle stinkendes Mahnmal. Von oben regnete glimmendes Lametta herunter.
          Ein funkelndes Augenpaar fixierte ihn. Verächtlich und hasserfüllt. Sam.
          "Ich habe einen furchtbaren Fehler gemacht", sagte Kered Kaan nach einiger Zeit.
          "
          Ach, was Sie nicht sagen."
          "Es tut mir leid."
          "
          Bisschen spät, finden Sie nicht?" Das Mädchen fuhr zornig auf und spuckte Kered vor die Füße. "Abgesehen davon, dass es mit einer lumpigen Entschuldigung niemals getan wäre!"
          Wie wahr.

          "Und was soll ich deiner Meinung jetzt tun?"
          "Sie könnten den Anstand haben und verrecken, wie Sie es verdienen.“
          "Bald." Jeder Atemzug brannte in seiner Brust und sein Hals schmerzte. Auf der anderen Seite des Kellerlochs lag einer. Doch das war egal. Kaan spürte, dass er es nicht schaffen würde.
          "Geh, Sam", schnaufte Kered. Er hielt dem Mädchen seine Axt entgegen. Aber sie rührte sich nicht. Traute sich nicht in seine Nähe.
          "Mach schon. Oder willst du auch draufgehen?"
          "
          Wen interessiert‘s?"
          "Mich."
          "Wieso? Sie sind doch nur ein mieser Einbrecher. Sie sind schuld, dass die ganze Bude abfackelt!"
          "Konnte doch nicht ahnen, dass du gleich mit dem Schürhaken auf mich losgehst, vergib mir
          … Ich liebe dich, Sam …"
          "Haha, der war gut." Sam stutzte. "Wait – Sie meinen das echt ernst? Sind Sie etwa ein perverser Stalker? Sie könnten mein
          nichtsnutziger Vater sein!"
          Kered hustete und sah sie traurig lächeln
          d an.
          "Fröhliche Weihnachten, Kleines."
          "
          … Dad?"

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          Zuletzt geändert von Grilu; 07-12-2017, 17:30.

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          • #6
            Das mit Protagonist und Antagonist ist ja bei mir nicht so einfach, deswegen habe ich mal alle Antagonistenkandidaten eingeladen, da ist die Stimmung dann auch jeden Fall bombig



            "Wieso ist er hier?!" Neck blickte mit unverhohlener Irritation zur Eingangstür des Festsaales. Seine Hand krampfte sich um das Sektglas, als wollte er es zerdrücken. "Ich wusste nicht, dass diese Weihnachtsfeier auch für niedere Angestellte ausgerichtet wird."
            "Oh, das ist sie nicht. Ich habe ihn extra eingeladen. Sozusagen als Dankeschön." Thorhallsson schob sich ein Blätterteigteilchen in den Mund und genoss es ebenso sehr wie die angespannte Mimik seines Vorgesetzten. "Ich dachte, das wäre in Ihrem Sinne." Bevor Neck etwas erwidern konnte, winkte er dem jungen Teamleiter zu.
            Als er Shorikis Aufmerksamkeit erlangt hatte, kam der zögernd auf sie zu. Der offensichtliche Mangel an Arroganz dabei stand ihm zur Abwechslung nicht schlecht. Er ignorierte auf seinem Weg die dargeboteten Sektgläser und Häppchenteller und ließ die beiden Personalchefs nicht aus den Augen. Erst als er sie fast erreicht hatte, setzte er ein gezwungenes Lächeln auf.
            Thorhallsson ergriff seine Hand und die Initiative. "Ich danke Ihnen, dass Sie kommen konnten." Dann trat er einen eleganten Schritt zur Seite und gab die Bühne frei. "Ich denke, es ist vor allem Dr. Neck eine ganz besondere Freude, Sie begrüßen zu dürfen."
            Die Blicke der beiden "Freunde" trafen sich. Thorhallsson studierte gespannt ihre Mimik. Shorikis Lächeln war gefroren, sein Blick wachsam, sein ganzer Körper gespannt, als rechnete er damit, dass ihn gleich ein Springteufel anfiel. Necks vernarbtes Gesicht war starr wie eine Maske, aber aus seinen Augen sprühte Zorn.
            Thorhallsson legte Shoriki ungezwungen die Hand auf die Schulter und schob ihn einen Schritt auf Neck zu. "Ich glaube, werter Kollege, Sie hatten noch keine Gelegenheit, Ihrem Lebensretter zu danken."
            Die beiden starrten sich an. Es fiel ihnen sichtlich schwer, die behauptete Freundschaft zu spielen. Sie schienen sich vielmehr zurückhalten zu müssen, sich nicht gegenseitig zu zerfleischen.
            Wie in Zeitlupe reichten sich die beiden ihre Hand. Shoriki schaffte es als Erster, Worte zu finden.
            "Ich freue mich, Sie gesund wiederzusehen", sagte er steif. Bei dem Wort "gesund" traten Necks Kiefermuskeln hervor.
            "Das ist allein Ihnen zu verdanken, Herr Shoriki", presste Neck hervor. "Meinen aufrichtigen Dank." Es grenzte an ein Wunder, dass er an den Worten nicht erstickte.
            "Kommen Sie, meine Herren", sagte Thorhallsson fröhlich. "Ich habe Herrn Shoriki einen Platz an unserem Tisch reserviert. Sie haben sich sicher eine Menge zu erzählen."
            Er trank einen Schluck Sekt und lächelte still vor sich hin, während er den beiden folgte. Er würde schon bald herausfinden, was vorgefallen war.
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            'Twas in another lifetime, one of toil and blood
            When blackness was a virtue the road was full of mud
            I came in from the wilderness, a creature void of form
            Come in, she said
            I'll give ya shelter from the storm -- Bob Dylan

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            • #7
              Das ist eine meiner ... etwas seltsameren Geschichten.

              Es war kalt geworden – trotz des Feuers im Kamin.
              Die Schneeflocken wirbelten gegen das Fenster, als befände sich die Hütte in einer Schneekugel.
              Sehnsüchtig betrachtete sie ihr warmes Bett, doch zum Schlafen war es noch zu früh.
              So ging sie eine Weile auf und ab bis sie – einer inneren Eingebung folgend die Spiegelscherbe zur Hand nahm.
              „Thorast?“, flüsterte sie.
              Einen Herzschlag lang geschah nichts.
              „Was willst du?“, kam es unwirsch aus dem Glas.
              Thorast war aufgrund der Dunkelheit in der er sich gerade befand kaum auszumachen, lediglich das weiße Haar schimmerte am Rand seiner Silhouette.
              „Habt ihr …“, sie schluckte, „Haben du und dein Vater jemals Weihnachten gefeiert?“
              Sie rechnete fast schon wieder mit einem seiner berüchtigten Wutanfälle.
              Stattdessen sagte er leise, als wäre seine Stimme weit weg: „Seit meine Mutter gestorben ist, haben wir nie mehr gefeiert. Davor … es war da, aber ich kann mich nicht mehr erinnern. Wie kommst du darauf?“
              „Obwohl ich mittlerweile so einige Weihnachtsfeste miterlebt habe, kann ich mich an überhaupt nichts erinnern. Sag, wie hieß deine Mutter?“
              „Wieso?“, fragte er misstrauisch, „Warum sollte ich dir das sagen?“
              „Naja …“, sie zögerte, „Ich habe schließlich noch immer keinen Namen. Vielleicht war ihr Name irgendwie … hübsch.“
              Noch bevor sie zu Ende gesprochen hatte, wusste sie, dass sie zu weit gegangen war.
              „Ist das dein Ernst?“, zürnte er, „Das Blut meines Vaters an deinen Händen ist noch nicht trocken und nun willst du auch noch einen Teil meiner Mutter wegnehmen?“
              Sie hatte keine Entschuldigung vorzuweisen und schwieg.
              Thorast schrie nun: „Verdammt seiest du auf alle Ewigkeit und dein Name – er sei für immer vergessen! Niemals soll er je wieder ausgesprochen werden! Namenlos, Wesenlos seiest du für immer!“
              „Thorast“, seufzte sie in seine Litanei hinein, „ich wünsche dir trotzdem frohe Weihnachten.“
              Sie war sich nicht sicher, ob er sie in seinem Geschrei hörte und legte die Scherbe beiseite.
              Es schneite draußen nicht mehr, aber es war dunkel geworden.
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              • #8
                "Du solltest wissen, dass dir die menschlichen Genüsse nichts mehr bringen. Alles was dir früher einmal gefallen hat, ist heute nichts mehr wert. Dafür habe ich dir eine neue Welt eröffnet, die dich umso mehr erfüllen wird."
                "Was willst du, Raik?" Conny stellte das Weinglas vor sich auf dem Tisch ab. Die vollmundige rote Flüssigkeit schwappte bedrohlich an den Rand, aber es wäre gleichgültig, wenn sie etwas verschütten würde. Der Unsterbliche hatte Recht. Heute war dieses Getränk wertlos für sie. "Kannst du mich nicht zumindest an Weihnachten allein lassen?"
                "Ach Conny. Das Fest hat doch sowieso keine Bedeutung mehr für dich, seit deine Familie zerbrochen ist."
                "Halt den Mund."
                "Noch immer so empfindlich? Solltest du nicht langsam über den Tod deiner Mutter hinwegkommen?"
                Am liebsten hätte Conny die Weinflasche nach im geschmissen, aber sie wusste, dass sie nicht einmal einen Hauch einer Chance hatte ihn überhaupt zu treffen.
                "Sag endlich, was du willst."
                Raik schnalzte mit der Zunge. "Also wirklich... was werde ich schon an Weihnachten wollen?" Er holte seine rechte Hand hervor, die er die ganze Zeit hinter seinem Rücken versteckt gehalten hatte. "Zu Weihnachten gibt es Geschenke und genau so eins möchte ich dir übergeben. Es soll dich für die ganzen Strapazen, die ich dir dieses Jahr zugemutet habe, entschädigen."
                Raik stellte das Paket vor sie ab. Es war relativ groß. Conny schätzte es auf 30 x 60 x 20 cm.
                Misstrauisch beäugte sie es.
                "Es ist etwas, das nur wir Unsterblichen in vollen Maße genießen können. Du wirst deinen Wein und die anderen Annehmlichkeiten schnell vergessen."
                Conny schauderte. Sie wollte es nicht auspacken, denn es konnte nur eine erneute Grausamkeit sein, die Raik in seiner Herrlichkeit so gönnerhaft anbot. Sie wollte nicht erneut ihre Zähne wie ein Tier in einem Menschen versenken.
                "Was...?" Die ehemalige Journalistin blickte auf, um Raik nach dem genauen Inhalt zu fragen, war aber nicht überrascht, dass er genauso lautlos ihre Wohnung verlassen hatte, wie er sie betreten hatte. Eine der Angewohnheiten, die sie ihm wohl nicht mehr austreiben konnte.
                "Mistkerl."
                Raik hat goldenes Papier benutzt und rotes Band, was er mit einer schlichten Schleife zusammengebunden hatte. Mit spitzen Fingern zupfte Conny an dieser, doch entschied sie sich letzten Endes dagegen es tatsächlich zu öffnen. Stattdessen schnappte sie sich ihr Weinglas und stand auf.
                "Du wirst nicht gewinnen", flüsterte sie und führte das Glas an ihre Lippen. "Ich werde mich an den Geschmack erinnern."
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                • #9
                  Dein Prota und dein Anta... Das ist nicht einfach mit drei Projekten!
                  Ich hab einfach mal das genommen, wo es einfach war.


                  Weiße, dicke Flocken segelten am Bleiglasfenster vorbei und hinunter in dem weißen Schnee. Seelen saß, den Ellbogen auf die Fensterbank gestützt daneben und beobachtet wie der Schnee still und leise vor dem Fenster tanzte.
                  Es war ruhig geworden, nachdem heute morgen nach der großen Feier alle den Palast verlassen hatten, um zu ihren Familien zu gehen. Was hätte sie darum gegeben bei ihren Eltern und ihrer Schwester zu sein. Und bei Laren.
                  "Seelen?"
                  Diese wandte den Blick vom Fenster ab und drehte sich zu der Wächterin um, die in der Ecke saß und strickte.
                  "Vermisst du deine Schwester?"
                  "Nein, ist schon in Ordnung", antwortete Seelen lächelnd, obwohl sie genau wusste, dass dem nicht so war.
                  "Ich glaube, es gibt gar nicht so viel zu tun mehr. Zumindest nichts, was nicht bis morgen warten kann."
                  Seleen starrte die Wächterin ungläubig an. Sie ahnte bereits, was darauf folgen würde.
                  "Du kannst heute gerne nach Hause gehen. Aber morgen bist du pünktlich wieder hier." Den letzten Worten verlieh die Wächterin Nachdruck.
                  Seleens Herz machte einen Sprung. "Danke. Vielen Dank!" Sie war aufgesprungen und musste sich zurück halten nicht sofort loszulaufen, sondern gesittet den Raum zu verlassen. Das war das schönste Geschenk, dass sie ihr machen konnten.
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                  • #10
                    Tolle Texte! Liket Euch!
                    Und dann war da noch ein Messer ohne Klinge, an dem der Griff fehlte…

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