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19. Türchen

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  • 19. Türchen

    Euer Prota hat nur noch eine Stunde Zeit eine wichtige "Sache"* für Weihnachten zu besorgen und steht nun in einem Stau, die Kutsche hat einen Achsbruch, das Pferd steckt im Schnee fest, der fliegende Teppich hat Mottenfraß, der Besen ist zerbrochen. Schreibt eine kurze (!) Szene, wie sie doch noch diese "Sache" organisieren.


    * Geschenk, Zutat, Glühwein ... o.ä.


    transport-3916275_1280.jpg



    Quintessenz: Bla.
    Kontakt: administrator@wortkompass.de

  • #2
    Anne trommelte auf dem Lenkrad herum. Dieser Mann schaffte es, für eine SMS mit einem einzigen Wort länger zu brauchen als sein Chef am Kreuz gehangen hatte. Sie hatte ihn ja auch wirklich sehr ungern aus seinem Priester-Workshop in Dublin herausgeklingelt, aber sie stand schon seit geschlagenen zwei Stunden in dieser albernen Schafherde fest, hupen nützte nichts, der Schäfer war nirgends zu sehen, und es wurde langsam dunkel.

    Anne: Und????

    ICh kann da nihct reinghen :James

    Anne: Du bist noch nicht mal drin??? Mach schon bevor der laden schließt !

    Unfassbar, aber es dauerte zwei Minuten und dreiunddreißig Sekunden bis ...

    O k: James

    Die Spannung würde sie wohl noch umbringen. Die und diese unsäglichen Schafgeräusche. Das Geblöke. Sie hatte vor einer halben Stunde ihre Darkwave-Playlist ausschalten müssen, um für den Auftrag, den sie James (der gerade warm und kuschelig in irgendeinem Restaurant mit den anderen Workshop-Teilnehmern Cocktails (!!) getrunken hatte) erteilt hatte, Akku zu sparen. Großer Gott, sie fühlte sich wie Jodie Foster.

    Nachdem Anne schon geglaubt hatte, die Sache sei endgültig gelaufen, vibrierte das Handy in ihrer Hand.

    "Hast du sie?"

    Am anderen Ende der Leitung ertönte ein betretenes Hüsteln. "Ich enthalte mich jeglichen Kommentars über die letzten zehn Minuten", sagte James. "Aber ich gehe davon aus, dass du für mindestens drei Jahre in meiner Schuld stehst."

    "Ja, ja, aber hast du die Peitsche? Die neunschwänzige?"

    "Ja."

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    • #3
      Ich rief Mama an und als sie ran ging, fing ich an zu schluchzen.
      »Mama, ich schaff’s nicht, ich stecke auf der Autobahn fest, noch vierhundert Kilometer zu euch - meterhoch Schnee – und es schneit immer noch weiter. Ich schaffe DAS einfach nicht ...«

      Jetzt brach alles aus mir heraus. Ich konnte kaum noch sprechen, ich weinte mehr.

      »Nein ... und was jetzt?«
      »Ich schaffe es nicht, wirklich. Ich stehe hier schon seit dreißig Minuten im Stau. Fangt die Bescherung ohne mich an. Es tut mir so leid ...«
      »Warte Schatz ... bleib dran.«
      Schniefend, mit Handy am Ohr, starrte ich durch die Frontscheibe, wo die Scheibenwischer um Durchblick kämpften, in die Nacht, in deren Schein dicke Schneeflocken von roten Rücklichtern beleuchtet in meinen Tränen verschwammen. Das Auto vor mir kämpfte sich wieder ein Stück weiter. Ein Bus überholte mich und scherte vor mir ein.
      »So ein Arsch!«
      Der hatte mir gerade noch gefehlt. Er raubte mir die restliche Sicht. Dann sah ich einen Mann aussteigen. Er kam zu mir. Klopfte. Ich ließ die Scheibe runter und der Schnee wehte mir ins Gesicht. Er sagte: »Machen sie den Motor aus. Es geht nicht weiter. Der Kollege kommt gleich.«
      »Toll.« Der Mann ging wieder.
      Ich kämpfte, dass ich die Hochfahr-Taste des Seitenfensters fand, als ich eine angenehme Stimme hörte.
      »Na, wollen Sie sich vor Weihnachten verstecken. Kommen Sie! Im Bus gibt es Wärme und Tee. Was machen Sie überhaupt bei dem Sauwetter hier?«
      Er lachte. Und als ich in seine Augen sah und auf seine rote Mütze mit weißen Bommel aufblickte, wurde mir warm ums Herz.

      »Kind? Bist du noch dran ... dein Bruder steckt auch fest. Wir haben beschlossen, dass wir erst morgen feiern. Schau, dass du eine Unterkunft findest, etwas das dich warm hält.«
      »Ich glaube, ich hab schon was gefunden. So machen wir das. Keine Sorge. Bis morgen, Mama.«
      Der Mann war schon fast wieder am Gehen, als ich ihn am Ärmel packte.
      »Halt, halt. Nicht abhauen! Sie ... Du bist jetzt für meine Bescherung zuständig. Und ich denke, du wirst mich nicht enttäuschen.«
      Er lachte wieder. So herzlich. So sympathisch. Als wäre alles gar nicht so schlimm.

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      • #4
        "Sí?"
        "Rosita?"
        "Oh, hi Cale. Was gibt's? Du klingst gestresst."
        "Ja, also ... ich ... es tut mir leid. Ich schaff's einfach nicht mehr nach Hause!"
        "Cale, wo bist du? Ist alles okay bei dir?"
        "Ja, ja, alles gut. Ich bin im Stadtzentrum."
        "Bei dem Schneesturm?!"
        "Im Einkaufszentrum. Ich wollte noch Renés Geschenk abholen, das hab ich ja bis heute verplant. Dachte ich mach das eben schnell, und dann wurde dieser blöde Sturm schlimmer. Ich steck hier fest bis der vorbei ist."
        "Okay, immerhin bist du im Warmen."
        "Ja, aber ich schaff's einfach nicht mehr. Es tut mir so leid, aber -"
        "Hey, beruhig dich. Ich schaff's auch nicht. Bin bei der Arbeit eingeschneit."
        "Was? Du musst heute arbeiten?!"
        "Naja, also eigentlich ... eigentlich hat Luci mich nur eingeladen ne Übertragung von Jesus' Geburtstagsparty mit anzuschauen."
        "Bitte was?"
        "Bei denen ist's ja schon später, die feiern schon."
        "Das ist nicht der Teil, den ich hinterfragt habe. Du bist grad bei ... Luzifer?"
        "Yep."
        "Hi, Cale."
        "Ah! Äh. Was ... ich ... äh ... und, äh, ihr ... schaut also diese Feier an?"
        "Wir haben zumindest die Bescherung angeschaut. Luci wollte einfach Jesus' Gesicht sehen, wenn der sein Geschenk auspackt. Er kann ja nicht mal eben rüber nach Sancta, und seit er beim Kamasutra-Fiasko nicht dabei sein konnte, besteht er auf ne Webcam-Übertragung."
        "Das ... wirft nur noch mehr Fragen auf."
        "Hatte ich das nicht erzählt? Jesus hat 'ne besonders schöne Ausgabe vom Kamasutra geschenkt bekommen und genau in dem Jahr hat der Papst mitgefeiert. Was hätte ich gegeben, um da dabei zu sein ..."
        "Ich glaube, wenn du das erzählt hättest, würde selbst ich mich daran erinnern. Jedenfalls fällt Heiligbend also aus?"
        "Sieht so aus. Aber wir können ja nachfeiern. Lässt's sich im Einkaufszentrum denn aushalten?"
        "Ich denk schon. Die Weihnachtsmusik ist ziemlich penetrant und die Luft grausig, aber es gibt gratis Sandwiches und Tee. Und die Waffeln und der Glühwein kosten nur die Hälfte."
        "Und René und Charlie sind zu Hause?"
        "Ich denk schon. Waren sie zumindest, als ich losgegangen bin. Ich bezweifle, dass sie seitdem rausgegangen sind, aber ich schreib ihnen gleich."
        "Na dann ist doch alles gut. Genieß deinen Glühwein, aber trink nicht zu viel davon. Wir sehen uns dann, wenn dieses Mistwetter nachlässt. Oh, und hast du im Einkaufszentrum WLAN?"
        "Zum Glück ja. Bis jetzt zumindest. Wieso?"
        "Ich muss dir das Video von dieser Feier schicken. Du wirst es lieben."
        C10H12N2O

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        • #5
          "Pack deine Sachen und vergiss die Badehose nicht!"
          Wie bitte? Es waren nur noch wenige Stunden bis zur Bescherung und sie wollte verreisen? Ruben ließ sich ihre Worte noch einmal durch den Kopf gehen, während er den gehackten Chili vom Schneidebrett zu dem Knoblauch in den Mixer schob und sich danach gründlich die Hände wusch. Badehose. Unmöglich. Sicherlich hatte er sich verhört.
          "Ruben? Bist du noch dran?"
          "Ja."
          "Packst du nun?"
          "Gibt es Probleme?", fragte er zurück.
          "Nei-nein, gar nicht!"
          "Das heißt, du hast noch Hominy bekommen?"
          Stille. Ein Rascheln am anderen Ende der Leitung, dann eine vorsichtige Frage: "Geht es auch ohne?"
          "Hm." Ruben schüttelte Kakaopulver und Kreuzkümmel hinzu. Der Geruch erinnerte ihn an seine Kindheit, und diese Erinnerung wollte er eigentlich mit ihr teilen. Auch wenn es am Ende zu einer Pampe wurde, nicht nur Mineralien und Vitamine gingen durch den Magen, sondern auch …
          "Es tut mir leid", brachte sie leise hervor und unterbrach ihn dabei, sentiemtal zu werden. "Also, nicht dass ich im Stau stehe, sondern … meine coole Aktion."
          Ihre Ausdrucksweise brachte ihn zum Lachen. "Mit Dosen zu jonglieren und sie fallen zu lassen, ist eine coole Aktion?"
          "Ich sagte doch schon, es tut mir leid …"
          "Ist schon okay, Mia. Komm nach Hause."
          "Nein."
          "Nein?"
          "Ja."
          "Wie ja?"
          Tamia antwortete nicht. Stattdessen hörte er Autotüren sich öffnen und zuknallen. Hupen. Erboste Rufe. Turnschuhe auf dem Asphalt.
          "Mia! Das sind zwanzig Kilometer."
          "Ich weiß, ich bin in einer Stunde zurück. Und, pack die Koffer!"

          Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
          die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
          die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
          die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

          Jack Kerouac

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          • #6
            (Dafür muss ich meinen Prota wieder in seine eigene Welt versetzen, auch wenn es dort Weihnachten nicht gibt.)

            »Wein? Jetzt noch? Die Essensausgabe ist um diese Zeit geschlossen.«
            »Du schaffst das schon.«
            Es folgt ein hastiger Ritt in die umliegende Stadt. Alle Geschäfte haben schon geschlossen. Zurück in der Festung ...
            »Ich konnte keinen beschaffen.«
            Stille. Dann ...
            »Geh runter in die Küche.«
            Thaes zuckt erschrocken zusammen und weicht mit erhobenen Händen zurück.
            »Nur über meine Leiche.«
            »Ich weiß, das es nicht einfach mit ihr ist, aber wir hatten doch beschlossen, unseren Hauptmann zu überraschen.«
            »Dann geh du doch!«
            »Niemals!«
            Wieder Schweigen.
            »Thaes, du kommst besser mit ihr aus. Außerdem ...«, der Rest kommt ihm Flüsterton, »was werden unsere Kameraden sagen, wenn sie erfahren, das du nach so vielen geschlagenen Schlachten vor der Küchenmeisterin fürchtest.« (Anmerkung der Autorin: Die Glucke aus der Mittwochsfrage 146.)
            In seinem Stolz getroffen, macht sich Thaes die vielen Stockwerke auf hinab zur Küche die an die Essensausgabe grenzt. Vor der Küchentür bleibt er einige Momente stehen und zögert, bevor er klopft. Heftig schluckend hebt er die Hand und klopft gegen das Holz.
            »Ich koooomme!«
            Mit einem Ruck wird die Tür aufgezogen und vor ihm steht der Schrecken aller Festungsbewohner. Meriel.
            »Thaes, mein Junge! Wie schön dich zu sehen.« Sie hebt eine Hand und wedelt mit ihrem Zeigefinger mahnend vor seiner Nase herum. »Du lässt dich viel zu selten blicken.«
            »Ja ... äh ... tut mir leid, aber wir sind ziemlich ...«
            »Sie lassen euch viel zu hart arbeiten, nicht wahr mein Junge?« Mitleidig sieht sie zu ihm auf. »Kann ich etwas für dich tun?«
            Erleichtert es bald hinter sich zu haben, atmet er schon auf. »Wir wollen eine kleine Feier für unseren Hauptmann machen und dafür fehlt uns noch Wein.«
            »Nichts leichter als das. Komm mit rein, ich geben dir einige Flaschen mit.«
            »N-Nein, nicht nötig Meriel, ich warte hier.«
            »Nichts da. Komm rein. Ich hab den Eintopf für das Abendmahl schon fertig. Du siehst hungrig aus.«
            Mit Panik im Gesicht, bleibt ihm nichts anderes übrig, als von ihr in die Küche gezogen zu werden, während er seinen Kameraden innerlich verflucht.
            Nur wer sein Handwerk mit Herzblut ausführt, kann es gut machen, sonst ist alle Anstrengung vergeblich. Mao Shengli

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            • #7
              Khar und Sergej stapften durch einen verschneiten Forst. Es war finster, arschkalt und Heiligabend.
              "Einen Baum!", grunzte Khar. "Aber einer mit Nadeln ... Baum ist BAUM!"
              "Das würde der Weihnachtsmann aber anders sehen." Sergej leuchtete mit der Taschenlampe die Schonung ab.
              "Mir geht dein Weihnachtsmann am Rücken vorbei! Ich wäre lieber zu Hause geblieben, wie Lil!"
              "Ich habe Dein entwürdigendes Steinskulpturritual mitgemacht." Der Gedanke daran ließ Sergej immer noch erschauern.
              Er sah sich weiter um. Dort drüben, war ein schöner Baum. Er schritt darauf zu, klemmte sich die Taschenlampe unter den Arm und klappte die Handsäge auf. "Für mein Ritual brauchen wir nur einen Baum und den muss man sich auch nicht ..."
              Khar nahm Anlauf, sprang gegen die Tanne, es knackte und beide vielen in den Schnee.
              "Okay, so geht es auch." Sergej packte die Säge wieder weg.
              "Und jetzt?", fragte Khar und klopfte sich den Schnee ab.
              "Muss er nach Hause."
              Schweigend standen sie um den Baum herum und sahen ihn an. Schließlich schielte Sergej zu Khar. Sie schüttelte den Kopf. "Nö. Ich habe ihn schon gefällt."
              "Du bekommst auch noch eine Tasse extrastarke heiße Schokolade", versprach Sergej.
              "Mit Schokoraspeln und Zimt!", forderte sie.
              "So viel du willst."
              "Na gut." Khar umgriff den Stamm der Tanne und schleifte ihn aus den Wald. Sergej lief hinter ihr her und grinste. Jeder hatte seinen schwachen Punkt.
              Quintessenz: Bla.
              Kontakt: administrator@wortkompass.de

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              • #8
                »Was meinst du mit ›Die Weihnachtstorten sind ausverkauft‹?!«
                »Na, das, was ich sage! Komine hat keine mehr. Und die anderen Konditoreien, die ich gerade abgeklappert habe, auch nicht. Es ist wie verhext!« Jun klang wirklich verzweifelt und abgehetzt.
                Trotzdem.
                Koichi schnaubte und ließ das Booklet-Design Booklet-Design sein. »Und was soll es jetzt, deiner Meinung nach, heut Nacht geben?«
                »KFC?«
                »Ich hab keinen Bock auf totfrittierte Hühnerkleinteile.« Koichi fuhr sich müde durchs Haar und klemmte sich dann das Telefon zwischen Wange und Schulter, während er am PC die Suchmaschine öffnete und etwas ins Suchfeld eintippte.
                »Ja, ich weiß. Ich versuche es noch bei Kinomiya, aber wenn die auch nichts mehr haben, müssen wir uns was anderes überlegen.«
                »Ach, schon gut.« Koichi hatte gefunden, wonach er gesucht hatte, und kramte nach Zettel und Stift. »Kommt nachher einfach vorbei und bringt was zu trinken mit. Ich kümmer mich um den Rest. Danke trotzdem!«
                Bevor Jun auf die Idee kommen konnte, nachzufragen, legte Koichi auf und erhob sich. Kaum war die Liste fertig geschrieben, warf er sich seinen Mantel über und war auf dem Weg zum Supermarkt.
                Wenn er schon keinen Partner hatte, mit dem er den Weihnachtsabend verbringen konnte, hatte er seine Freunde und Bandkollegen zum Weihnachtsumtrunk eingeladen. Doch auch dabei durfte eine Weihnachtstorte nicht fehlen. Tradition war eben Tradition. Auch wenn ihm weder dieses Jahr noch in irgendeinem Jahr zuvor jemals diese unsäglichen Hühnerdinger ins Haus gekommen waren, die alle anderen jungen Leute so liebten. Vielleicht war er mittlerweile auch einfach zu alt für Fast Food.
                Eine halbe Stunde später stand Koichi in seiner Küche und krempelte die Ärmel hoch. Noch drei Stunden bis Jun, Gil und die anderen bei ihm aufschlagen würden. Ein prüfender Blick auf die Einkaufsliste, ob alle Zutaten da waren, dann machte er sich ans Werk. Wäre doch gelacht, wenn er so eine Weihnachtstorte nicht selbst hinbekam!
                »… and he wonders if that is what people look for in a partner or a friend: the part of themselves that is missing.«
                ― Rachel Joyce, Perfect

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                • #9
                  Ihr habt 24h Zeit zu liken.
                  Quintessenz: Bla.
                  Kontakt: administrator@wortkompass.de

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                  • weltatlas
                    weltatlas kommentierte
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                    Ausnahmsweise

                  • Jane Doe
                    Jane Doe kommentierte
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                    Uff, danke

                  • Dodo
                    Dodo kommentierte
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                    Und wieder zu wenige

                • #10
                  Genervt trommelte M. auf das Lenkrad. Wann ging hier endlich wieder etwas weiter? Wie es schien hatte halb Wien gerade beschlossen sich ins Auto zu schmeißen und durch die Stadt zu fahren. M fingerte am Radio herum, um den Verkehrsfunk herein zu bekommen. Chancenlos. Sämtliche Radiosender hatten sich offenbar zu einer Synchronbeschallung mit "Last Christmas" verabredet.
                  Und jetzt fing es auch noch an zu schneien! Und wie es schneite - in riesigen dicken Flocken.
                  Wann, zum Teufel, hatte es das letze Mal am 24. Dezember in Wien überhaupt geschneit? Musste Jahre her sein, Jahrzehnte eher.
                  Jahr für Jahr hatte er darauf gehofft. Auf Schnee, Glatteis, eine Schlammlawine. Irgendetwas, dass auch in den Augen seiner Mutter einen überzeugenden Grund dargestellt hätte, diesem Trauerspiel von Familienweihnachtsfeier fern zu bleiben.
                  Hatte es da auch nur einmal geschneit? Auch nur ein winziges Flöckchen?
                  Aber heuer - als seine Mutter, auf wundersame Weise, zu dem Schluss gekommen war, man könne Nachbarn, Freunden und Bekannten viel besser vormachen, was für ein wundervolles Leben man führte, wenn man auf Weihnachtskreuzfahrt ging, anstatt das Fest im Schoße der Familie zu zelebrieren - heuer, da schneite es?
                  Im ersten Jahr, in dem er endlich, von Beginn an, mit seinen Freunden feiern konnte, und nicht erst nachdem der letzte der sieben endlosen Gänge des grauenvollen Weihnachtsmenüs seiner Mutter beendet war.
                  Nun würde er wieder zu spät kommen. Nur weil er so dämlich gewesen war anzubieten die Kerzen zu holen.
                  Für ihn hätten es auch elektrische Lichter getan. Er war es nicht anders gewöhnt. Und S. besaß ja nicht diese Monstrositäten von falschen Kerzen, die bei seinen Erzeugern den Zwerg von einem Baum geziert hatten.
                  Sie hatte eine wunderbare Galaxie-Lichterkette, die ihrem Namen alle Ehre machte, und den Baum unter tausenden Sternen erstrahlen ließ.
                  Aber S. wollte zusätzlich unbedingt echte Kerzen. Und als B. heroisch wie immer, angeboten hatte schnell los zu fahren und welche zu kaufen, hatte er natürlich seinen Mund nicht halten können. Weil er auch mal ein Held hatte sein wollen? Ein Kerzen kaufender Held? Er, der sich aus Weihnachten nicht einmal etwas machte.
                  Wenn sich hier nicht bald etwas bewegte, machte der Laden ohnehin zu.
                  M. warf einen Blick aufs Navi, rammte den Wagen in einem waghalsigen Manöver in einen Schneehaufen, der einmal ein Parkplatz gewesen war, und sprang aus dem Auto.
                  Wenn er sich beeilte, konnte er es noch schaffen ...
                  Zuletzt geändert von Jane Doe; 09-01-2020, 00:08.
                  Ich bin nicht die Signatur, ich putze hier nur...

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                  • #11
                    Wie viel Uhr ist es bei euch in Deutschland gerade? *hust* Ok, ich gebs zu, ich bin nicht in einer anderen Zeitzone... ich bin nur zu spät dran. Daher außer Konkurrenz.


                    "Shiiit! Shiiit! Shiiit! Shiiit! Shiiit!" Der karge Sandsteinboden nahm rasant an Fahrt auf. Unglücklicherweise in Umashankars Richtung. Die Kontrolle über seinen fliegenden Teppich hatte der junge Inder nun vollständig verloren, der Aufprall war nur eine Frage der Zeit. Umashankar begann das Lied zu summen, dass ihm seine Großmutter vorgesungen hatte, immer wenn er als Kind Angst gehabt hatte. Die Wirkung setzte auch diesmal zuverlässig ein. Der Abgrund kam immer noch schnell näher, doch Umashankar hatte diese Tatsache bereits akzeptiert und war von einer inneren Ruhe beseelt. Während er noch einmal das vom Mottenfraß herrührende Loch in seinem Teppich inspizierte, das wieder größer geworden zu sein schien, bereitete er sich mental auf Onh Palet vor. Die abrupte Bremstechnik war in der Teppichflugschule seine Lieblingsübung gewesen - beherrschte man sie, fühlte man sich wie der König der Lüfte. Ob sie unter der veränderten Aerodynamik des beschädigten Teppichs funktionieren würde, war jedoch fraglich. Umashankar entschied sich für Optimismus.

                    Er konnte den staubigen Weg nach Kojabi nun gut erkennen, die Bäume am Wegesrand. Er schloss die Augen und begann wieder zu summen. Dann, volle Konzentration: der Griff vorne links, die Beugung nach vorne, das Gewicht auf dem rechten Knie und...

                    Dunkelheit. Schmerzen.

                    Seine linke Gesichtshälfte brannte. Das hätte besser laufen können. Aber auch schlechter. Abgesehen von den Schürfwunden im Gesicht und der wahrscheinlich ausgekugelten Schulter war Umashankar relativ heil geblieben. Nicht so wild also. Nichts, was Aesha nicht mit einem Lächeln heilen konnte. Da er einige Meter von seinem Teppich entfernt lag, musste es ihn ganz schön herumgeworfen haben. Aber das iPhone war intakt geblieben. "Komme später, Schatz. Bin wieder abgestürzt. Smiley" Die kurze Nachricht würde Aesha vielleicht nervös machen. Umso glücklicher würde sie sein, wenn er vor ihrer Tür stünde und sie in ihre Arme schloss. Wahrscheinlich würden sie nun ohne ihn zu essen beginnen, aber das war ok, solange sie mit den Geschenken warteten. Die Geschenkübergabe war sein Lieblingsmoment, auf den er sich schon den ganzen Tag gefreut hatte.

                    Nur gut, dass ihm Mansur kürzlich von dieser App erzählt hatte. Mit "Uber" konnte man sich einen Teppich bestellen, der einen gegen kleines Geld ein Stück mitnahm. Ein paar Clicks, fertig. Der bestellte Teppich erschein auch bereits kurz darauf. Als sie wieder in die Lüfte stiegen, begann Umashankar unwillkürlich zu lächeln. Weihnachten war die Zeit, dankbar zu sein. Sein Gesicht würde bald wieder ok sein. Und wer weiß, vielleicht hatte Aesha ihm den neuen Teppich besorgt, den er sich gewünscht hatte. Bestimmt hatte sie das. Sie war schließlich um seine Gesundheit besorgt. Aesha war einfach die Beste.
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