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14. Türchen

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  • 14. Türchen

    Einem Kind wurde gerade der Glauben an den Weihnachtsmann genommen. Die erwachsene Person geht, das traurige/verwirrte/erschütterte Kind bleibt alle zurück.
    Deine Romanfigur spricht das Kind an. Schreibe eine kurze Szene, wie sich das Gespräch entwickelt.

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    Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
    die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
    die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
    die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

    Jack Kerouac

  • #2
    Constable Beverly Hendricks seufzte, die Acht klackte um die Handgelenke des Weihnachtsmann, der noch immer pöbelte, obwohl sie ihn mit ihrem Knie zwischen seinen Schulterblättern auf den Boden gepinnt hatte. "Mann, Mann, Mann, Santa", sagte sie und zerrte ihn hoch, was angesichts des Massenunterschieds zwischen dem Zweihundertkilomann und der ätherischen Polizistin ein bemerkenswerter Anblick war. Sie schubste ihn hinüber zum Streifenwagen.
    Remy wollte ihr gerade folgen und auf den Beifahrersitz gleiten, als er einen kleinen Jungen bemerkte, der sich hinter dem entweihten Weihnachtsbaum versteckte. Das Kind war höchstens fünf Jahre alt, und in seinem Gesicht stand das Entsetzen über den bösen Santa mit dem falschen Bart, der Alkoholfahne, der wenig huldvollen Sprache und der Grobmotorik geschrieben. Und Bev hatte auch nicht gerade elfengleich gehandelt, als sie den Weihnachtsmann niedergerungen hatte. Remy bedeutete Beverly, ohne ihn loszufahren. Er ging zu dem Jungen hinüber.
    "Hi", sagte er und hockte sich neben ihn.
    Die Augen des Jungen glänzten vor noch nicht übergelaufenen Tränen.
    "Ich bin Remy", sagte Remy. "Wer bist du?"
    Der Junge schüttelte den Kopf. Aus der Nase lief Rotz, und er unterdrückte ein Schluchzen. Noch so einer, der glaubte, man dürfte nicht weinen. Dann sollte er lieber an den Weihnachtsmann glauben.
    Remy nickte. "Weißt du, kleiner Unbekannter ... Um die Weihnachtszeit laufen viele gefälschte Weihnachtsmänner herum, die wir fangen müssen, wenn sie sich daneben benehmen. Die, die mit den Kindern brav spielen, die lassen wir laufen. Aber der echte Weihnachtsmann, der kommt nur in der Weihnachtsnacht. Wenn du fest genug an ihn glaubst. OK?"
    Der Junge schüttelte den Kopf. Die Augen standen unter funkelndem Wasser. Kein Tropfen lief über.
    "Nicht OK?" Remy nickte wieder. "Die Burschen sind schwer voneinander zu unterscheiden, nicht wahr?"
    Der Junge nickte.
    Remy neigte sich vor. "Versprichst du mir, das Geheimnis über den Weihnachtsmann für dich zu behalten?"
    Der Junge runzelte die Stirn.
    "Gut, das reicht mir als Versprechen. Der einzige echte Weihnachtsmann hat einen Mantel, der ist nicht rot, sondern aus vielen bunten Flicken zusammengenäht. Damit jede Lieblingsfarbe von jedem Kind vorhanden ist. Das wissen aber die falschen Santas nicht, und sie sollen es auch nicht wissen, damit wir sie besser auseinanderhalten können." Was für eine bescheuerte Lüge.
    "Wirklich?"
    "So wahr ich Jeremy Robert Anderson heiße." Er legte eine flache Hand auf seine Brust, über seinem Herzen, aber er hieß nicht Robert.
    "Woher weißt du das denn?"
    "Hab neulich einen Weihnachtselfen kontrolliert, der hat sich verplappert."
    Der Junge sah ihn großäugig an. Remy klopfte ihm auf die Schulter, stand auf und wollte zum Streifenwagen gehen. Doch er ging noch einmal in die Hocke. "Aber viel wichtiger: Es ist völlig in Ordnung, zu heulen, wenn einem etwas wehtut und wenn etwas einen unglaublich glücklich macht. Ich heul auch. Einmal täglich, Minimum. Jedenfalls manchmal." Viel zu selten.
    Der Junge nickte, und eine glitzernde Träne kullerte über seine Wange.

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    • #3
      "Warum weinst du?" Kid setzte vorsichtig den Rucksack ab und näherte sich dem Bett. Es war ganz still auf der Kinderstation, nur dieser Junge saß in seinem Bett und weinte leise in sein Kissen, das er vor die Brust gedrückt hatte.
      "Ole hat gesagt, dass es den Nikolaus gar nicht gibt."
      "Wer ist Ole?"
      "Mein Cousin."
      "Und woher will Ole das wissen?"
      "Er ist erwachsen. Er weiß solche Dinge."
      Kids Blick glitt über das Display am Krankenbett. "Du bist Felix, nicht war?"
      "Woher weißt du das?"
      "Ich bin erwachsen", schmunzelte Kid. "Ich weiß solche Dinge. Ich bin Kid. Komm mit, ich möchte dir etwas zeigen."
      Felix nahm zögernd die hingestreckte Hand und rutschte aus dem Bett. Kid nahm seinen Rucksack auf und führte Felix erst auf den Gang und dann ganz leise in ein benachbartes Krankenzimmer. Alle Kinder dort schliefen fest. Kid deutete auf die gefüllten Filzsocken, die am Fußende jedes Bettes hingen.
      "Wenn es keinen Nikolaus gibt, wer hat dann die Söckchen verteilt?", flüsterte er.
      Felix zuckte verunsichert mit den Schultern. "Weiß nicht. Irgendjemand."
      "ich denke, das war der Nikolaus."
      Aber den Nikolaus gibt es nicht", beharrte Felix.
      Keine Frage, da war nichts mehr zu machen. Der Glaube war zerstört.
      "Okay. Vielleicht war es nicht der Nikolaus. Aber es war jemand, der diese Kinder beschenkt hat, und der möchte, dass sie sich morgen freuen, wenn sie aufwachen. Sie werden überzeugt sein, es war der Nikolaus. Ist dieser Jemand dann nicht irgendwie ein Nikolaus?"
      Felix starrte die Söckchen an. Er nickte zögernd, aber schien ganz und gar nicht überzeugt.
      "Würdest du dich nicht trotzdem morgen freuen, wenn du so ein Söckchen am Bett findest?"
      Felix Augen füllten sich wieder mit Tränen. "Nein. Ich will keines."
      "Aber es sind Süßigkeiten drin und Lebkuchen!"
      "Das ist mir egal. Es ist einfach nicht dasselbe."
      Kid sah ihn nachdenklich an, dann fasste er einen Entschluss. "Komm mit, ich zeige dir noch etwas", sagte er und führte Felix in ein anderes Krankenzimmer. "Was fällt dir auf?"
      "Hier sind keine Nikolaussocken", stellte Felix erstaunt fest.
      "Was meinst du, warum nicht?"
      "Ich weiß nicht. Vielleicht waren die Kinder nicht brav?"
      "Aber wenn es den Nikolaus gar nicht gibt, dann kann der, der die Socken verteilt, doch auch gar nicht wissen, ob sie brav waren."
      Felix schwieg eine Weile. "Warum haben sie keine Socken?", fragte er dann.
      Kid zuckte in gespielter Gleichgültigkeit die Schultern. "Du sagtest doch, wenn sie nicht vom echten Nikolaus sind, ist es egal."
      "Aber das ist ungerecht!" Wieder stiegen Tränen in die Augen. "Sie werden morgen traurig sein, dass sie nichts bekommen haben!"
      "Findest du, sie sollten auch welche bekommen?"
      "Ja!"
      "Und möchtest du, dass sie sich morgen früh freuen?"
      "Ja!"
      "Herzlichen Glückwunsch." Kid zog lächelnd ein Bündel gefüllter Nikolaussöckchen aus seinem Rucksack. "Ab heute Nacht bist du alt genug, selbst ein Nikolaus zu sein."

      Sie schlichen nacheinander in die Krankenzimmer, und Felix hängte die Socken an die Betten, die Kid ihm reichte. Zuerst etwas zögerlich, doch bald begann es ihm sichtlich Spaß zu machen. Seine Augen leuchteten und ein breites Lächeln lag auf seinem Gesicht, als Kid ihn schließlich zurück ins Bett brachte.
      "Ich habe hier noch einen Socken übrig", sagte Kid und zog ihn aus dem Rucksack. "Willst du ihn nicht doch?"
      "Nein." Felix wickelte sich zufrieden in seine Decke. "Ich bin heute der Nikolaus. Der ist für dich."
      Er klang so entschlossen, dass Kid den Socken wieder einsteckte. "Na gut. Danke. Weißt du, ich habe schon lange nichts mehr vom Nikolaus bekommen."
      "Aber es ist genauso schön, selber der Nikolaus zu sein, nicht wahr?" Felix blinzelte verschmitzt aus dem Kissen zu ihm auf. "Ich freue mich so auf morgen, wenn sie die Socken finden!"
      Kid lächelte und strubbelte durch sein Haar, bevor er seinen Rucksack aufsetzte und zur Tür ging.
      "Kid?"
      "Ja?"
      "Bist du ... sind wir jetzt wieder ganz normale Menschen?"
      Kid schüttelte den Kopf. "Nein. Wir können immer ein Nikolaus sein und jemandem heimlich eine Freude machen, so oft wir wollen. Die Beschenkten werden vielleicht nicht denken, dass es der Nikolaus war, aber freuen werden sie sich doch."
      "Wirst du dann morgen wieder Geschenke verteilen?"
      "Nein", Kid grinste vor sich hin, als er durch die Tür trat. "Morgen werde ich einem Freund helfen, den Schlitten vom Weihnachtsmann anzuspannen."
      If I could read your mind love
      What a tale your thoughts could tell
      Just like a paperback novel
      The kind the drugstore sells
      -- Gordon Lightfoot "If you could read my mind"

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      • #4
        Das Kind saß weinend auf der Treppe vor Sergejs Wohnung, als er nach Hause kam.
        "Darf ich mal?", fragte Sergej und drängte sich an dem Kind vorbei, während er seinen Schlüssel aus dem Rucksack kramte.
        "Hm.", schluchzte das Kind und rückte etwas zur Seite. "Sag mal?"
        "Mal."
        Das Kind überging den saloppen Einwurf und sah Sergej jetzt direkt an. "Den Weihnachtsmann gibt es doch, oder?"
        "Mich würde wundern, wenn es ihn nicht gäbe."
        Die verheulten Kinderaugen klarten etwas auf. "Woher weißt du das?"
        "Ich habe Pai Pais gesehen, Cro Matoks, Gnome, Zwerge und Apoi ... der Weihnachtsmann klingt da doch viel realistischer, oder?" Sergej steckte den Schlüssel in das Schlüsselloch.
        "Stimmt", nickte das Kind. "Wo hast du das gesehen?"
        "Ähm ... in meinem Auslandsjahr." Er schloss die Tür auf und verschwand in seiner Wohnung. Von draußen hörte er ein: "Okay." und danach hüpfende Schritte, die nach oben liefen.
        Quintessenz: Bla.
        Kontakt: administrator@wortkompass.de

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        • #5
          Na ja. Wenigstens waren ein paar Kinder gekommen. Eines stand sogar noch vor der Tanne mit den hübsch aufgerollten Wunschzetteln und starrte. Seinem Blick folgend sah Anne, wie Monty McCollough gerade die rote Mütze und den weißen Bart abnahm. Verflixt!

          "Äh, hi, Kleines", sagte sie und hockte sich vor das Mädchen, direkt in sein Blickfeld. Anne lächelte, blies dann die Backen auf und ließ die Luft mit einem Seufzen entweichen. "War das ein Tag, was? Mit dem Weihnachtsmann und allem ..."

          Sofort füllten sich die Augen des Mädchens mit Tränen. Anne sah sich um. Wo war denn bloß die Mutter dieses Kindes, um Himmels Willen?

          "Warum ist Onkel Monty der Weihnachtsmann?", piepste das Mädchen.

          "Ja, also ..." Anne suchte fieberhaft nach irgendeiner dämlichen Erklärung für die Wahrheit. Wenn sie mal ein Kind haben würde, hatte sie geglaubt, würde sie ihm ihm niemals solch einen Unsinn erzählen mit dem Weihnachtsmann und irgendwelchen albernen Wichteln und Elfen (selbst, wenn sie sexy waren ...). Allerdings war das, bevor sie ein kleines pausbackiges Mädchen mit fingerdünnen Zöpfchen angesehen hatte, als habe sie Onkel Monty nicht lediglich ohne Rauschebart sondern auch ohne Hose gesehen. Also bis vor schätzungsweise zwanzig Sekunden.

          Das Mädchen kämpfte gegen die Tränen an, doch lange würde es nicht standhaft bleiben.

          "Warst du schon mal in Dublin?", fragte Anne.

          Das Mädchen nickte.

          "Das ist ganz schön weit weg, richtig? Da fährt man doch mindestens eine Stunde, oder?"

          Wieder nickte das Mädchen.

          "Ja, und die Kinder in Dublin wollen Geschenke haben, genau wie du. Die in Cork auch, weißt du? Und auch die in anderen Ländern. Das schafft der Weihnachtsmann nie im Leben an einem einzigen Tag. Und deshalb hat er überall auf der Welt Helfer. Die verkleiden sich ein bisschen und tun so als ob. So wie Onkel Monty. Und dieser Weihnachtself mit den spitzen Ohren", Anne senkte die Stimme zu einem Flüstern, "ist in Wirklichkeit Pater O'Keefe."

          Jetzt machte das Mädchen große Augen. Eine der Tränen, die sich darin angesammelt hatten, fiel dabei auf ihre runde Wange, doch der Ausdruck in ihrem Gesicht war jetzt ein ganz anderer. "Wirklich?", hauchte es.

          Anne nickte. "Und weil Onkel Monty und Pater O'Keefe ja nicht wirklich der Weihnachtsmann und ein Elf sind, müssen sie sich ein bisschen verkleiden. Aber das muss unter uns bleiben. Die anderen Kinder dürfen das nicht wissen, sonst sind sie vielleicht enttäuscht. Oder sie würden es nicht glauben."

          Eine Zeitlang schien das Mädchen, gründlich darüber nachzudenken. Ein letzter Rest Skepsis lag auf seinem Gesicht. Schließlich fragte es: "Bist du auch nur verkleidet?"

          Ein Windhauch umspielte Annes kahlrasierte Kopfseiten. Wie immer, wenn sie unsicher war, berührte ihre Zunge wie von selbst die beiden Ringe, die links und rechts in ihrer Unterlippe steckten - erst die eine, dann die andere. Sie dachte an die Tunnel in ihren Ohrläppchen, die Ringe, die darin hingen. An den Haarreif aus schwarzen Stoffrosen, aus denen Stachel herausragten und über den sie heute morgen eine geschlagene Stunde mit James diskutiert hatte ("Ich fühle mich von deinem weißen Kragen auch belästigt", hatte ihn schließlich kapitulieren lassen).

          Ganz zart spürte Anne die Bewegung, die ihre Mundwinkel zu einem Lächeln formte. "Ja", sagte sie. "Ich bin auch nur verkleidet."

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          • #6
            Conny schaute fassungslos den düsteren Mann mit den schulterlangen, schwarzen Haaren nach, welcher wütend davon stapfte und das Mädchen weinend zurückließ. Ihr erster Impuls war es, dem Mann nachzueilen und ihm zur Rede zu stellen, damit er nicht seine Frustration an weiteren unschuldigen Kindern ausließ. Aber sie konnte das Kind unmöglich weinend zurücklassen, denn nirgends waren ihre Eltern zu sehen.
            Das brünette Mädchen saß auf einer steinernen Treppe und würde sich eine Blasenentzündung holen, wenn es nicht bald aufstand. Dicke Tränen kullerten aus ihren Augen, aber sie gab keinen Laut von sich. Als wäre sie in einer Schockstarre.
            Vorsichtig kam Conny näher, kniete sich neben das Kind und sagte leise: „Hi.“
            Untröstlich schaute das Mädchen auf und brachte kein Wort über die bebenden Lippen. In ihren blauen Augen spiegelte sie sich Angst. Bestimmt befürchtete sie, dass Conny genauso gemein wie der Mann war.
            „Nimm dir die Worte von ihm nicht so zu Herzen. Er war… frustriert und du hast das leider abbekommen. Das war nicht richtig und er hätte das nicht sagen dürfen.“
            Die Kleine wischte sich mit ihren Handschuhen über die Augen. „Aber… aber stimmt das denn? Gibt es den Weihnachtsmann nicht? Ist es Onkel Sam, der sich nur verkleidet? Und ist Geschenke bekommen…“ Sie überlegte einen Moment, um sich an seine Worte zu erinnern. „…Irrsinn… über… übertriebener Konsumrausch? Ist Weihnachten nicht das, was man mir sagt?“
            „Das sind aber viele Fragen auf einmal“, bemerkte Conny und wusste nicht, was sie so recht sagen sollte. Sie kannte den Umgang mit Kindern nicht, wusste nicht wie man die Kleine am besten tröstete. Würde es reichen, wenn sie ihr etwas Süßes kaufte? Aber war das nicht verkehrt, da sie eine Fremde war? Und würde sie es sich damit nicht zu leicht machen?
            „Weißt du“, Conny legte ihr einen Arm um die Schultern und drückte sie sanft nach vorn, damit das Mädchen aufstand und nicht länger Gefahr lief, krank zu werden. „Wenn du älter bist, wirst du das Weihnachtsfest anders sehen als jetzt und jemand wie er hatte anscheinend nicht so glückliche Erfahrungen, dass er so eine negative Einstellung zu einem so besinnlichen und schönen Fest hat. Weihnachten ist der beste Anlass, dass die gesamte Familie zusammenkommt, dass man sich auf das Wesentliche besinnt und die Geschenke zeigen jeden einzelnen Familienmitglied wie lieb man ihn hat.“
            „Aber gibt es den Weihnachtsmann überhaupt?“
            „Natürlich. Irgendjemand muss doch die Geschenke bringen. Deine Familie kauft sie und gibt dem roten Mann den Auftrag, sie dir zu bringen.“
            „Und… und es nicht Onkel Sam? Der wohnt nämlich nicht am Nordpol.“
            „Über den Weihnachtsmann gibt es so viele Geschichten und Legenden. Niemand weiß, wer er wirklich ist oder ob er wirklich am Nordpol wohnt. Aber ist das wirklich wichtig? Wichtig ist doch, dass du zu dieser Zeit bei deiner Familie bist und dich über das freust, was du bekommst.“
            „Hmmm“, nachdenklich runzelte die Kleine die Stirn. Ihre Tränen waren versiegt. „Wahrscheinlich haben Sie Recht. Danke.“
            Damit setzte sie sich in Bewegung. Conny hoffte, dass sie das Mädchen wenigstens ein Bisschen getröstet und die richtigen Worte gefunden hatte. Sie seufzte, während sie sich vorstellte, wie das Mädchen mit ihrer Familie zusammen Weihnachten verbrachte. Jeder andere hätte ihr wohl mehr über das Fest erzählen können und wie toll es war. Conny vergrub sich in den letzten Jahren zu dieser Zeit immer in Arbeit, da es bei ihr keine Familie mehr gab, mit der sie das Fest feiern konnte. Sie hatte nur noch die Erinnerungen an bessere Tage aus ihrer Kindheit, als sie mit Mama und ihren Vater Weihnachtslieder vor der geschmückten Tanne gesungen hatten.

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            • #7
              Ich hab mal die Szene, in der dem Kind sein Glaube genommen wird, mal in nen Spoiler gepackt, weil lang. Falls ihr keinen Bock habt, die zu lesen, es handelt sich um den Nachbarssohn, auf den meine Protagonistin aufpasst. ^^

              "Lorenzo, bleib in der Nähe, ja? Wenn ich dich suchen muss, haben wir nachher keine Zeit mehr um Pizza essen und deine Eltern machen mir die Hölle heiß."
              "Geht klar!"
              Rosita seufzte erleichtert, als der Sohn ihresr Nachbarn sich zwar von ihrem Tisch entfernte, aber nur wenige Meter entfernt an einem Maltisch stehen blieb. Das örtliche Einkaufszentrum war zu einem Kinderparadies umfunktioniert worden, wodurch es für sämtliche Erwachsenen dort noch weniger paradiesisch war als sonst. Das laute Kindergeschrei, das Wiehnachtsgedudel, die Menschenmengen ... wenn es nach ihr ginge, konnte die gesamte Weihnachtszeit ein für allemal gestrichen werden.
              "Du machst dich wirklich gut. Auch, wenn ich immer noch nicht glauben kann, dass du freiwillig babysittest." Cale lachte neben ihr und bestellte zwei extra starke Kaffees, als sich ein Kellner näherte. Rosita war unglaublich dankbar dafür, dass ihr bester Freund sie begleitete. Allein hätte sie bei den Massen an gestressten Erwachsenen und hyperaktiven Kindern schon längst einen Nervenzusammenbruch bekommen. Aber Lorenzo wollte nun mal unbedingt hierherkommen um mit einem unterbezahlten, als Weihnachtsmann verkleideten Fremden zu reden, und den Wunsch konnte sie ihm kaum ausschlagen.
              Die Weihnachtsmusik und das Kindergeschrei schwollen zu einem ohrenbetäubenden Dröhnen an, als besagter Fremder seinen Auftritt hatte. Mit einem nur etwas undeutlichen "Ho ho ho!" trat ein von oben bis unten in Rot gekleideter Mann mit falschem Bart in Erscheinung. Aufgeregte Kinder eilten zu ihm, Lorenzo unter den ersten von ihnen.
              "Ho ho ho!", machte "Santa" erneut und rülpste dann laut. Rosita hob eine Augenbraue. Diesmal klang es eindeutig gelallt. Der Weihnachtsmann schwankte deutlich, als er die Kinderscharen vor sich betrachtete. Dann ging plötzlich alles ganz schnell. "Santa" stolperte beim Versuch, sich auf seinen Stuhl zu setzen, über seine zu großen Stiefel und verfing sich in der Weihnachtsdekoration. Lametta, Lichterketten und künstliche Tannenzweige fielen auf die Kinder herab, während der betrunkene Weihnachtsmann mit den Armen wedelnd an Lorenzo vorbeistolperte und dann direkt neben einem kleinen Mädchen auf dem Boden aufkam, welches ihn entsetzt anstarrte. "Santa" beachtete sie gar nicht, sondern richtete sich mühsam und unkoordiniert auf, wobei er Lorenzo nun doch anrempelte.
              "Verfickte Scheiße nochmal!", begann er dann laut zu schimpfen. "Jedes Jahr. Jedes Jahr muss ich mir diese Scheiße hier antun." Sein Blick fiel auf das Mädchen, auf dem er fast gelandet wäre. "Was starrste so? Huh? Weissu eigentlich wie beschissen anstrengend das hier ist? Den ganzen verschissenen Tag darf ich mir euer Gegröle und Gejaule anhören, und für was? Nen Hungerlohn!" Mit einem Ruck riss er sich den falschen Bart und die Mütze herunter und warf sie in einer filmreifen Geste auf den Boden.
              "Santa?", fragte Lorenzo zögerlich. Rosita spannte sich an und bedeutete Cale, mitzukommen.
              "Santa, Santa, alle wollense Santa. Wenn's den gäbe, müsste ich mir diesen Mist hier nicht antun. Ich kündige!"
              Rosita zog Cale mit sich, als sie sich ihren Weg durch die Massen von verstörten Kindern und empörten Erwachsenen bahnte. Sie hörte Eltern und Babysitter panisch auf ihre weinenden Kinder einreden, dass der falsche Weihnachtsmann ja nur gelogen habe, andere versuchten, besagtem Weihnachtsmann ihre Meinung zu geigen. Mit einer knappen Aufforderung, mitzukommen, packte sie den Lorenzo an der Hand und verschwand auf dem schnellsten Weg aus den Menschenmassen zu einer etwas abseits gelegenen Bank.
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              Lorenzo war ein kleines Häufchen Elend. Der Junge saß, in sich zusammengesackt, auf der Bank, ließ die Füße baumeln und betrachtete schweigend den Boden. Seit der betrunkene falsche Weihnachtsmann, immer noch laut pöbelnd, von Securityleuten weggebracht worden war, hatte er kein Wort gesagt. Seine Augen glänzten verdächtig und ab und zu schniefte er und fuhr sich über die Nase.
              "Alles okay?", fragte Rosita etwas unsicher. Sie mochte einige Stärken haben, aber kleine Kinder zu trösten gehörte definitiv nicht dazu.
              "Es gibt ihn echt nicht, oder?"
              "Wen? Santa?"
              Lorenzo schniefte erneut und nickte. Rosita verzog das Gesicht und versuchte fieberhaft, sich zu überlegen, was sie sage sollte. Einige der Eltern, an denen sie vorbeigegangen war, hatten sich ganz brauchbare Lügen überlegt, doch nun bekam sie keine einzige davon zusammen. Schließlich seufzte sie und beschloss, einen anderen Weg zu gehen.
              "Nein, es gibt ihn wirklich nicht", erwiderte sie und legte Lorenzo eine Hand auf die Schulter. Dieser begann daraufhin zu schluchzen. Rosita strich ihm über den Rücken und wartete eine Weile ab, bis er sich ein Bisschen beruhigt hatte.
              "Weißt du", begann sie dann, "Ich kann wirklich gut verstehen, dass dich das traurig macht. Aber soll ich dir ein Geheimnis verraten?"
              "Hm?" Lorenzo zog die Nase hoch und schaut sie aus großen, rotgeweinten Augen an.
              "Du brauchst den Weihnachtsmann gar nicht, um richtig tolle Weihnachten zu haben."
              "Nicht? Aber die Geschenke ..."
              "Die kommen nicht vom Weihnachtsmann, nein. Aber dafür sind sie alle von Leuten, die dich wirklich lieb haben. Deine Eltern, deine restliche Familie, deine Freunde ... Leute, die dich gern haben und sich Gedanken darüber machen, was dir gefallen könnte. Und ist das nicht viel schöner?"
              "Hm." Lorenzo wirkte noch nicht ganz überzeugt. "Aber mein Freund Cem hat gar keine Eltern. Kriegt er dann nichts?"
              "Naja, er ... es gibt ja sicher auch andere Leute, die ihn gern haben und an ihn denken."
              "Und was wenn nicht?" Wieder füllten Lorenzos Augen sich mit Tränen.
              "Weißt du was? Die gibt es auf jeden Fall. Du hast ihn nämlich gern, nicht wahr? Was hältst du davon, wenn wir ihm jetzt ein richtig schönes Geschenk kaufen und danach in deine Lieblingspizzeria gehen?"
              Daraufhin hellte Lorenzos Miene sich endlich auf.
              "Oh, aber dann muss ich Andy auch ein Geschenk kaufen, der ist nämlich auch mein Freund. Und Gina. Und Pedro, aber dem nur ein kleines, der hat mich gestern geärgert."
              "Immer mit der Ruhe. Erstmal suchen wir etwas für Cem, und dann sehen wir weiter, ja?"
              "Na gut. Aber ich will's aussuchen."
              "Das hast du wirklich gut gemacht", meinte Cale später, als sie im Spielzeugladen darauf warteten, dass Lorenzo sich ein Geschenk aussuchte. Rosita hoffte inständig auf einen zweistelligen Preis. "Und du sagst immer, du kannst nicht gut mit Kindern." Lorenzo nahm ein besonders teures ferngesteuertes Rennauto in die Hand und Rosita spürte bereits ihren Geldbeutel leichter werden.
              "Spar dir die Kommentare."
              Lorenzo legte das Auto zurück und griff stattdessen nach einem noch teureren Flugzeug.
              "Ich mein's ernst. Du warst eben fantastisch. Richtig mütterlich."
              "Halt die Fresse."
              C10H12N2O

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              • #8
                Thaes sieht ein kleines Mädchen, dessen Eltern versuchen es zu trösten. Stirnrunzelnd geht er auf die Kleine zu, ihre Eltern sehen auf und zucken bei seinem Anblick erstmal zusammen. Mit einem leisen Lächeln geht er vor dem Mädchen in die Hocke.

                Thaes: »Was ist passiert?«
                Mädchen: Sieht zu ihm und Orell auf, aber lässt sich von ihrem martialischen Auftreten nicht verschrecken. »Der Mann dort«, sie deutet mit ihrer kleinen Hand auf jemanden in einer grauen Jacke, der sich zügig entfernt, »der hat gerade gesagt, das es den Weihnachtsmann gar nicht gibt!« Schon wieder rollen Tränen ihre geröteten Wangen hinab.
                Thaes: Sieht dem Fremden finster hinterher, dann streckt er eine Hand aus und wischt ihr die Tränen weg. »Hör nicht auf ihn. Den Weihnachtsmann gibt es.«
                Mädchen: »Wirklich?« Macht große Augen.
                Thaes: »Sicher. Diesen Bogen hier«, er deutet auf seinen Rücken, »hat er mir gebracht. Meiner ist nämlich vor einer Weile zerbrochen. Orell hatte sich auch etwas gewünscht, aber er hat mir bisher nicht gesagt, ob er es bekommen hat.«
                (Anmerkung der Autorin: Nein, hat er von mir nicht bekommen, weil die Strapazierung seiner Geduld ein elementarer Bestandteil der Geschichte ist. Der Bogen geht in Ordnung.)
                Orell: Runzelt die Stirn, schweigt aber ansonsten.
                Mädchen: »Woher weißt du, das der Bogen vom Weihnachtsmann ist? Vielleicht ist er von deinen Eltern? Genauso wie meine Puppe von Mama und Papa ist, wie der Mann gesagt hat.«
                Thaes: Zuckt leicht zusammen. »Nein, von meinen Eltern ist der Bogen nicht.«
                Mädchen: »Sicher?«
                Thaes: »Ja.«
                Mädchen: Sieht zu Mutter und Vater auf. Beiden wirken zwar etwas irritiert, nicken ihrer Tochter aber ermunternd zu, die sich wieder Thaes und Orell zuwendet. »Ich glaube dir.« Kurzes Schweigen, dann fragt sie traurigem Blick, »Aber warum hat er mir dieses Weihnachten nicht gebracht, was ich mir gewünscht habe?«
                Thaes: »Was hast du dir denn gewünscht?«
                Mädchen: »Eine kleine Schwester.« Die Eltern zucken zusammen.
                Thaes: Grinsend. »Die hätte ich auch gern gehabt, aber vielleicht kann er sie dir ja nächstes Jahr bringen.«
                Mädchen: »Ganz bestimmt!« Fällt Thaes strahlend um den Hals, der sie behutsam umarmt. Sie drückt ihm einen Kuss auf die Wange und geht ihre Eltern an den Händen haltend, mit ihnen fort.
                Orell: »Du wolltest eine Schwester haben?«
                Thaes: Sieht ihn an. »Ja. Aber ... du weißt ja ...«
                Orell: »Ja, ich weiß.« Klopft Thaes auf die Schulter. Beide setzen ihren Weg fort.
                Nur wer sein Handwerk mit Herzblut ausführt, kann es gut machen, sonst ist alle Anstrengung vergeblich. Mao Shengli

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                • #9
                  Dann mögt euch mal.
                  Quintessenz: Bla.
                  Kontakt: administrator@wortkompass.de

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                  • weltatlas
                    weltatlas kommentierte
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                    Victoria, ja, oder?

                  • Lia Roger
                    Lia Roger kommentierte
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                    Aaahhh, wieso nur drei?! Die haben alle ein Like verdient ...

                  • Victoria
                    Victoria kommentierte
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                    weltatlas
                    Ja.
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