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3. Türchen

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  • 3. Türchen

    Versetzt Euch in die Perspektive einer Eurer Figuren und lass diese auf einen Weihnachtself treffen*. Schreibt einen kurzen und spannenden Dialog mit beiden Figuren.


    *Das folgende Bild dient der Inspiration.
    Zuletzt geändert von weltatlas; 03-12-2019, 12:57.
    Es ist, wie es ist.
    Kontakt: administrator@wortkompass.de

  • #2
    Jemand hämmerte gegen meine Wohnungstür. Es fühlte sich an, als würde dieser Jemand direkt gegen meinen Kopf hämmern.
    Ein Blick auf den Wecker verriet mir die unchristliche Zeit: 03:30 Uhr. Was zur Hölle sollte das?
    "Was willst du?", rief ich genervt.
    Das Klopfen endete.
    "Inspector?", hörte ich eine Fistelstimme.
    Qualvoll erhob ich mich von der Couch, knipste die Funzel auf dem Beistelltischchen an und wankte zur Tür. Das letzte Bier musste wohl schlecht gewesen sein.
    "Wer will das wissen?", hakte ich nach.
    "Ich brauche ihre Hilfe. Bitte. Es geht um die Kinder."
    "Welche Kinder?"
    "Darf ich reinkommen?"
    Ich öffnete die Tür einen Spalt, konnte aber niemanden sehen.
    "Hier unten."
    "Ist das ein schlechter Scherz?", fragte ich laut, obwohl ich es eigentlich nur denken wollte. "Ein Weihnachtself?"
    Er nickte und tippelte mit flinken Füßchen in meine Bude. Völlig perplex schloss ich die Tür. Bevor ich wieder zum Sofa ging, machte ich einen kleinen Umweg über den Küchentresen, griff mir meine Kaffeetasse und kippte mir den Rest des kalten Gesöffs die Kehle hinunter.
    "Hören Sie, Inspector. Sie müssen helfen. Das Weihnachtsfest steht auf dem Spiel."
    "Und was habe ich damit zu tun?"
    "Ich wurde zu Ihnen geschickt. Alle anderen schlafen ja auch."
    "Ach?"
    "Wie dem auch sei. Sie müssen sofort mitkommen. Aber ziehen Sie sich warm an."
    Irgendjemand musste mir etwas in meine Getränke gemischt haben. Da war ich mir sicher. "Wieso? Fliegen wir etwa zum Nordpol?"
    Der kleine Elf stutze. "Woher wissen Sie das?"
    Ich konnte nicht anders und lachte irre. "Nur so geraten, Kleiner."
    "Sie sind wirklich der Beste! Also, kommen Sie!"
    "Klar doch. Ich hole nur schnell meinen Muff."

    Kommentar


    • magico
      magico kommentierte
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      Peter Danke für diese Anregung, die kann ich gut verwenden.

    • Peter
      Peter kommentierte
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      magico

      Ist nicht auf meinem Mist gewachsen, habe ich beim "Postillon" geklaut.

      https://www.der-postillon.com/2014/0...schmerzen.html

    • magico
      magico kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Peter Der gute alte Postillon! Aber du hast mir diese Anregung vermittelt.

  • #3
    "Weihnachtself."
    "Ja, das sagte ich."
    "Ich bin ein Elf. Du bist eher ne verkleidete Ratte."
    "Es gibt uns schon viel länger als euch", sagte das Wesen indigniert. "Ihr habt euch die Bezeichnung unrechtmäßig angeeignet. Womit wir auch beim Thema wären."
    "Kulturelle Aneignung?"
    "Nein, Diebstahl. Du hast im letzten Adventskalender den Schlitten des Weihnachtsmanns gestohlen."
    "Im letzten was?"
    Das Wesen seufzte. "Wie dem auch sei, wir brauchen ihn zurück."
    "Ich habe ihn nicht. Ich nehme an, der ist längst wieder beim Besitzer."
    "Ist er nicht. Er steht in der Asservatenkammer des Polizeipräsidiums. Und sie wollen ihn nicht herausrücken."
    "Tja, dumm gelaufen. Und was soll ich da jetzt tun?"
    "Du musst ihn uns zurückstehlen."
    Scratch starrte das Wesen einen Moment lang an. "Ich soll in die Asservatenkammer des Polizeipräsidiums einbrechen und den Schlitten klauen?!"
    "Du machst solche Sachen doch dauernd", sagte das Wesen vorwurfsvoll. "Ich kenne deine Liste. Du warst sehr unartig im letzten Jahr."
    "Und jetzt soll ich im Auftrag der Weihnachtsratten noch mehr Unartiges tun?"
    "Wir brauchen ihn wirklich dringend. Und du hast ja offenbar Erfahrung mit solchen Aktionen." Das Wesen guckte etwas verlegen zur Seite. "Wenn du uns hilfst, dann wären wir dafür bereit … ein paar Punkte von deiner Liste zu streichen."
    "Ein paar Punkte von meiner Unartig-Liste?"
    "Ja."
    "Ich bin sehr stolz auf die Punkte auf meiner Unartig-Liste."
    "Wir würden genug streichen, dass du ins Plus kommst", sagte das Wesen leicht verzweifelt. "Dann würdest du auch ein Geschenk bekommen."
    "Ein Geschenk."
    "Ja."
    "Vom Weihnachtsmann."
    "Ja."
    "Der mich dann mit einem Schlitten besucht, den ich für ihn gestohlen habe."
    "Es ist sein Schlitten! Und er braucht ihn. Sonst bekommen all die Kinder dieses Jahr keine Geschenke! Willst du das auf deinem Gewissen haben?"
    Scratch überlegte eine Weile. "Ich will ihn lenken", sagte er dann.
    "Was?!"
    "Ich will ihn lenken, wenn er die Geschenke verteilt."
    "Das geht nicht! Der Schlitten ist nur für den Weihnachtsmann und seine Elfen."
    "Ich bin ein Elf."
    "Bist du nicht! Du bist … jedenfalls kein Elf."
    "Das ist mein Wunsch an den Weihnachtsmann. Soll ich einen Wunschzettel schreiben? Hier: ›Ich wünsche mir, den Weihnachtsschlitten zu lenken‹ Wenn ich ein Geschenk bekommen soll, dann muss es von meiner Wunschliste sein, oder? Und hier steht nur ein Wunsch drauf."
    Das Wesen ächzte. "Ich muss das mit dem Chef abklären."
    "Dann solltest du dich beeilen. In 21 Tagen ist Weihnachten, und ich muss noch einen Einbruch planen."
    "Na schön." Das Wesen riss ihm den Wunschzettel aus der Hand. "Bin gleich zurück." Es verschwand mit einem leisen "Puff" in einer Glitzerstaubwolke, die leicht nach Marzipan roch.
    Scratch lehnte sich mit einem zufriedenen Grinsen zurück. Ein Einbruch in die Asservatenkammer des Polizeipräsidiums, das könnte spaßig werden. Er nahm einen weiteren Zettel und begann mit der Planung. Vor allem, stellte er fest, brauchte er ein paar Rentiere.





    If I could read your mind love
    What a tale your thoughts could tell
    Just like a paperback novel
    The kind the drugstore sells
    -- Gordon Lightfoot "If you could read my mind"

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    • SaKi
      SaKi kommentierte
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      Ankh ich möchte auch ne PN! Sehr unterhaltsamer Dialog

    • Jane Doe
      Jane Doe kommentierte
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      Bitte, ich möchte auch.
      Ich finde deine Scatch Storys einfach genial.
      Am liebsten würde ich den ganzen Roman einmal lesen.

    • Ankh
      Ankh kommentierte
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      SaKi und Jane Doe PNs sind raus

      Mein Roman steht im Konfetti, aber ich warne lieber vor, dass er ... anders ist als die Sachen, die ich hier für Forenaktionen schreibe. Diese Szenen sollen ja albern sein und Spaß machen, während mein Roman zwar dieselben Figuren beinhaltet, aber thematisch doch um einiges ernster ist. Also erwarte bitte nicht dieselbe Gagdichte wie in meinen Infusions- und Kalenderszenen

  • #4
    "Sag nichts!"

    Anne sagte nichts. Ihr Mund jedoch formte so etwas wie ein höchst amüsiertes und in gewissem Maße auch schadenfrohes und bösartiges Grinsen.

    "Die Flyer, die du erstellt hast, sehen toll aus." James fummelte an seinem Hals herum, an dem normalerweise der steife weiße Kragen seines Hemds eng anlag. Seine Hände berührten nur nackte Haut. "Ich bin sicher, das ganze Dorf wird zur Weihnachtsveranstaltung kommen, ganz bestimmt. Das wird ... alles sehr ..." Er räusperte sich und kratze sich am Schlüsselbein. "... toll."

    "Wo hast du die Ohren her?"

    James' Hand wanderte von seinem Hals hoch zu den aufgeklebten Ohrenspitzen. Er spürte, dass er errötete wie ein Schuljunge. "Deine Freundin Marion hat offenbar Kontakte zum Abbey Theatre."

    "Also agieren Sie hinter meinem Rücken, Pater O'Keefe", sagte Anne affektiert, und die Temperatur seiner Wangen stieg an. "Warum bist du nicht der Weihnachtsmann?"

    "Der ist ..." James zeigte nach links, "... Monty McCollough."

    Anne zeigte nach rechts, wo das Bestattungsunternehmen der McColloughs tatsächlich lag.

    "Richtig", sagte James.

    "Du bist nervös, weil du mal nicht schwarz trägst, sondern grün. Das ist süß."

    "Erinnerst du dich, als du im Sommer mal ein pinkes T-Shirt an hattest?"

    Anne zog die Ärmel ihrer durchscheinenden schwarzen Bluse lang, über der sie ein eng geschnürtes Lederkorsett mit Spitzenapplikationen trug. "Touché", sagte sie, und ihr Lächeln erhellte das hauptsächlich mit staubigen Eichenmöbeln eingerichteten Pfarramtsbüro.

    Kommentar


    • #5
      „Hallo, Njáll“, quatschte mich jemand von der Seite an und bescherte mir so kurz vor Weihnachten statt Geschenken fast einen Herzkasper.

      Auf ein ächzendes Geräusch meinerseits folgte ein unkontrollierter Ausspruch meines Mundes. „Verdammte Scheiße, was machst du hier? Und warum hast du so ein scheußliches Elfenkostüm an?“

      „Arbeiten“, erwiderte Ivan wortkarg wie eh und je, „und der Chef meinte, wir sollten Weihnachtsstimmung in der Firma verbreiten.“

      „Ach, ja?“, erwiderte ich spöttisch und ließ meinen Blick über das grüne Ungetüm bis zu den spitzen Ohren und der roten Zipfelmützen wandern. Die weihnachtliche, aber viel zu enge Verkleidung sah an dem muskulösen Zwei-Meter-Kerl absolut lächerlich aus. Und irgendwie niedlich und… Halt! Die war nur lächerlich und sonst nichts. „Ich dachte, du arbeitest mittwochs nicht“, versuchte ich in Erfahrung zu bringen, warum das Schicksal mich so sehr hasste. Ich hätte doch niemals einen Techniker herbestellt, wenn ich gewusst hätte…

      „Schnee“, gab Ivan knapp von sich und ich musste mich wirklich zusammenreißen, um ihm keinen Stoß mit dem Ellbogen zu versetzen. Als ob Schnee eine befriedigende Antwort wäre und es ärgerte mich furchtbar, dass sich trotzdem wusste, was er meinte.

      „Klar, Schnee natürlich.“ Ivan ignorierte meinen Zynismus und deutete auf meinen Laptop, der vorzeitig heilige Nacht spielte. Ich nickte.
      Während Ivan an meinem Arbeitsplatz herumfuhrwerkte, spürte ich, wie sich die Sehnsucht ein kleinwenig tiefer in mein Herz fräste. Aller Spott war mir vergangen. „Wie geht’s Nikolaus und Zimtstern?“ Ivan liebte Weihnachten und er liebte seine Katzen. Und ich liebte Ivan.

      „Vermissen dich“, erklärte er und brachte in diesem Moment meinen verstorbenen Laptop wieder zum Laufen. „So wie ich.“ Er drehte sich zu mir um und schaute mir verzagt entgegen. Das kleine Glöckchen auf seiner Mütze klingelte.

      „Du … du hast gesagt, dass ich zu unordentlich wäre“, euphemisierte ich, denn unordentlich hatte er nicht gesagt. Wir hatten ständig wegen meiner Schlamperei gestritten. Er war normal ordentlich. Ich war zu faul, um meinen Kram aufzuräumen. Seitdem wir diesen riesigen Krach hatten und ich wütend aus seiner Wohnung gestürmt war, hatte ich das erste Mal meine Wohnung aufgeräumt. Ich wollte üben und Ivan dann bitten, mir noch eine Chance zu geben.

      „Ich hätte auch bloß eine Weihnachtsmannmütze tragen können. Das Elfenkostüm war die Bedingung, dass Luna ihre Schicht mit mir tauscht.“ Von wegen Schnee! Und trotzdem war ich gerührt, dass er sich nur lächerlich machte, um mich zu sehen. „Du bist die Unordnung in persona. Lieb dich trotzdem.“ Und mein Herz erlitt beinahe einen weiteren Herzkasper.

      „Ich habe Aufräumen geübt“, erzählte ich stolz.

      Ivan grinste und berührte mich zärtlich am Arm. „Dann würde ich mich heute Abend sehr über eine Kostprobe freuen.“

      „Okay“, erwiderte ich mutig und bekam vom niedlichen Weihnachtself noch ein warmes Lächeln, bevor er aus meinem Büro verschwand. Und mir wurde klar, dass ich lieber wieder mit ihm streiten wollte, als jemand anderen zu lieben.

      Kommentar


      • Amilyn
        Amilyn kommentierte
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        "Ich habe Aufräumen geübt" *dahinschmelz* <3

    • #6
      Sergej wippte in seinem IKEA Schwingsessel, als sich aus einer zarten Rauchwolke ein dicknasiger Wicht morphte.
      „Wer bist du denn?“, fragte der Wicht und sah sich hektisch um.
      „Bitte? Das sollte ich Dich wohl eher fragen. Du bist in meiner Wohnung.“
      „Ich bin ich. Und du?“
      „Okay, wenn du Du bist, bin ich ebenfalls Ich.“
      Der Wicht kratzte sich am Zinken. „Äh … ja, das sagt mir allerdings nicht, wer du bist.“
      „Na ja, nur weil Du meintest das du du bist, weiß ich ja auch nichts über Dich. Außer dass Du anscheinend keine Dissoziation hast.“
      „Immerhin! Das muss man auch erst einmal schaffen in diesen Vorweihnachtstagen.“
      „Es ist erst der 3 …“
      „Fühlt sich jetzt schon an wie der 23.“
      „Stress?“
      „Versuch du mal im Akkord Puppen, Autos, Plüschtiere, Eisenbahnen und diesen ganzen kapitalistischen Klumpert zusammen zubauen.“
      Sergej nickte. „Also bist du sowas wie ein Weihnachtself?“
      „Ja. Und, weiß Du was wirklich Dissoziativ ist?“
      „Was denn?“
      „Ich muss Holzeisenbahnen bauen! Das ist ...“ Der Elf legte seine Hände an den Kopf, ließ sie theatralisch nach oben Schießen und machte dazu BOOOOOOM.
      „Magst Du einen Becher Glühwein?“
      „Gib mir eine Flasche!“
      Es ist, wie es ist.
      Kontakt: administrator@wortkompass.de

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      • Zwielicht
        Zwielicht kommentierte
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        „Ich muss Holzeisenbahnen bauen! Das ist ...“ Der Elf legte seine Hände an den Kopf, ließ sie theatralisch nach oben Schießen und machte dazu BOOOOOOM.
        Super 😂

      • weltatlas
        weltatlas kommentierte
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        Danke!

      • Victoria
        Victoria kommentierte
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        Was Zwielicht sagt.

    • #7
      "Hey du! Bleib' mal stehen!"

      "WAS?", blaffte Miguel und drehte sich mies gelaunt um - nur um festzustellen, dass dort niemand war. Die Person schien wenigstens schlau genug zu sein, sich vor ihm zu verstecken.

      "Hier unten!"

      Verwirrt senkte Miguel den Blick und entdeckte ein kleines Männlein. Dieses winkte ihm fröhlich zu, während er die Stirn runzelte.

      "Hi. Ich bin ein Weihnachself und bräuchte deine Hilfe. Dort hinten." Der Elf deutete mit dem Daumen über seine Schultern. "Meine Kollegen und ich... nun ja..." Verlegen scharrte er mit dem roten Schuh auf dem Boden. "Wir sind leider mit dem Schlitten gecrasht und jetzt bekommen wir ihn nicht mehr aus dem Schnee. Die Rentiere werden auch schon ganz nervös und der Weihnachtsmann wird ungeduldig auf uns warten. Ich wollte ihm unbedingt zeigen, dass ich als Oberelf das mit der Lieferung hinbekomme. Er soll auf gar keinen Fall erfahren, wie sehr ich gescheitert bin. Du bist doch stark. Du bekommst den Schlitten sicher wieder in die Spur."

      "Das hast du dir so gedacht."

      "Ja, dachte ich mir so."

      "Da liegst du falsch. Such dir einen Deppen, der dir aus der Klemme hilft."

      "Hey", begehrte der Elf nun auf. "Sei doch nicht so verbohrt. Sonst... sonst bekommst du keine Geschenke!"

      "Als würde mir jemand was schenken", brummte Miguel augenverdrehend und setzte seinen angefangen Weg fort. "Such dir doch jemand, dem was an Weihnachten liegt oder beichte dem Weihnachtsmann den Missgeschick. Mal sehen, ob DU dann noch ein Geschenk bekommst."

      Miguel ließ den Elf stehen im immer stärker werdenden Schneetreiben.

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      • #8
        Dienstag, 3.12.20XX. 1516.

        Die Bank machte knarz.

        Die Person, die dieses Geräusch verursachte, machte:
        »Hallooooou!!!!«

        Ruben drehte den Kopf zur Seite, nahm wahr, wer sich neben ihm hingesetzt hatte. Zipfel in Grün, Grün, Rot-Weiß-Rot-Weiß, Zipfel in Grün. Er drehte den Kopf wieder nach vorn.

        »Hallo, sagte ich.«

        »Hallo.«

        »Willst du nicht wissen, wer ich bin?«

        »Hm.«

        »Ich bin …« Die grün-rot-weiß-zipflige Person rutschte näher und flüsterte ihm ins Ohr: »Ein Weihnachtself.«

        »Ich bin unangenehm berührt.«

        »Berührt ist schon mal gut. Das ist ja eins der Mottos der Weihnachtszeit. Aber ich bin hier, um dich positiv zu berühren.«

        Schweigen. Blicke kreuzten sich.

        »Im Herzen natürlich!«, fügte der Weihnachtslied schnell hinzu.

        »Okay. Das macht es besser.«

        »Echt? Das freut mich!« Der Weihnachtself legte sich die Hand ans Herz. »Kann ich noch etwas für dich tun? Zum Beispiel dir verraten, was sich Tamia zu Weihnachten wünscht?« Er zückte aus der Jackentasche einen zusammengerollten Katalog und breitete ihn aus.

        Tiffany? Heilige Scheiße.

        »Wie viel hat sie dir gezahlt?«

        »Ich bin ein Weihnachtself!«

        »Und ich bin der Weihnachtsmann.«

        »Echt?!«

        »Nein. Wie viel hat sie dir gezahlt?«

        »Fünfzig«, gab der fast-grüne Typ zögerlich zu.

        Ruben drückte ihm einen Schein in die Hand. »Verschwinde.«

        Der Typ erkannte die beiden Nullen sofort, sprang auf und verneigte sich tief. »War mir eine Ehre!!!!!« Dann wirbelte er herum und trat den Rückzug an. Den Katalog nahm er aber nicht mit; den hatte ihm Ruben bereits aus der Hand genommen.

        Tiffany. Er würde sich etwas einfallen lassen …
        Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
        die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
        die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
        die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

        Jack Kerouac

        Kommentar


        • weltatlas
          weltatlas kommentierte
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          "Ruben und Tamia"-Fan!! Wann gibt es Nachschub? Victoria, *wimperklimper*

        • Victoria
          Victoria kommentierte
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          weltatlas
          Meine intrinsische Motivation wird von außen angerollt.

        • weltatlas
          weltatlas kommentierte
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          Juchhu!

      • #9
        Öhm, ja. Kurz. Ähem. Wenn der Text zu lang ist, dann akzeptiere ich eine Disqualifizierung, aber ich hatte so einen Ohrwurm von Elf's Lament und es hat sich einfach angeboten. ^^

        Luzifer empfand sofort Mitleid, als sein sein vor kurzem angekündiger Besucher sein Büro betrat. Man hatte seine Kleinwüchsigkeit schamlos ausgenutzt und ihn in ein Augenkrebs verursachendes kotzgrünes Weihnachtskostüm gesteckt. Noch größer war aber seine Sorge darüber, was dieser Typ bei ihm wollte.
        "Ahem, guten Tag, mein Name ist Buddy -"
        "Ich hab Rosita doch gesagt, sie soll keine Vertreter hochschicken."
        "Ich bin auch kein Vertreter. Zumindest nich im herkömmlichen Sinne, auch wenn ich schon stellvertretend für ..."
        "Ja ja. Das sagen sie alle. Ich hab es die Jahre davor schon gesagt und sag es wieder, ich kaufe nichts und mache keine Werbung. Ihr verdient doch schon genug mit diesem Scheiß."
        "Das ist es ja gerade, das tun wir nicht. Genaugenommen hab ich seit dreihundertvierundsiebzig Jahren kein vernünftiges Gehalt mehr bekommen."
        "Ich weiß, ich weiß, ich versuch seit Jahren, den Mindestlohn hochzukriegen, wenn die Idioten aus'm Himmel nicht ..."
        "Nein, nein, darum geht es mir nicht. Da wo ich herkomme, gibt's keinen Mindestlohn."
        "Ah, verstehe. Du bist nicht aus Beelz City. Also, ein internationales Gesetz in der Hölle durchzukriegen wird schwer sein, aber wenn du mir sagst, wo du herkommst, kann ich ..."
        "Vom Nordpol."
        "Was?"
        "Ich bin vom Nordpol."
        "Ist es nicht etwas spät für Aprilscherze?"
        "Ich wünschte, es wäre ein Scherz, aber es ist mein voller Ernst." Buddy seufzte und kratzte sich über eines der überdimensionierten spitzen Ohren. Bei genauem Hinsehen sahen diese Ohren auch gar nicht so sehr wie ein Kostüm aus. Sie zuckten hin und wieder und schienen doch sehr fest mit seinem Kopf verwachsen.
        "Du bist also tatsächlich ein Elf."
        "Bin ich."
        "Ein Weihnachtself."
        "Richtig."
        "Also falls du hier bist, um mich wegen Geschenken zu stressen, ich hab schon ein Geburtstagsgeschgenk für meinen Bruder." In seiner Schublade befand sich seit Monaten die Buggre Alle This Bibel, über die Jesus sich sicher freuen würde. Das Original natürlich. Für Jesus besorte er nur die besten und wertvollsten Geschenke.
        "Was? Nein, das ist es nicht."
        "Was dann?"
        "Das versuch ich doch schon die ganze Zeit zu erklären! Ich bin stellvertretend für die Gewerkschaft der Weihnachtselfen hier. Die ... es für unseren Boss gar nicht gibt. Aber, jedenfalls, wir sind hier, weil wir deine Hilfe brauchen. Es ist nämlich so ... wir hatten ja noch nie die besten Arbeitsbedingungen. Keine Urlaubstage, regelmäßige Überstunden, minimales Gehalt ... weißt du eigentlich, wie schwer es ist, Weihnachtsgeschenke für die Kinder aller Erstweltländer herzustellen? Ein Jahr ist dann plötzlich eine verdammt kurze Zeit."
        "Aller Erstweldländer? Würde es nicht mehr Sinn machen -"
        "Mein Boss ... ich meine Santa sagt, das würde zu sehr auffallen. Außerdem kommen wir auch so schon kaum durch! Stell dir mal vor, wir müssten die ganze Welt beliefern!"
        "Guter Einwand."
        "Und jetzt hat er auch noch Teile des Himmels und der Hölle auf die Liste gesetzt! Wir sind jetzt schon völlig ausgebrannt. Aber mehr Arbeiter einstellen will er natürlich nicht, er hat ja sowieso schon Monsterschulden! Wir wurden seit fast vierhundert Jahren nicht bezahlt."
        "Das ist schlimm."
        "Und das bei achtzehn Stunden Arbeit am Tag. Mein Cousin wurde letztens ins Krankenhaus eingeliefert, weil er so lange nicht geschlafen hat, dass er eine Psychose entwickelt hat. Und jetzt muss er noch mehr arbeiten, um die verlorenen Stunden auszugleichen!"
        "Bitte? Aber das wiederspricht doch dem Arbeitsrecht. Könnt ihr nicht einen Anwalt ..."
        "Arbeitsrecht, ha! Die einzigen Gesetze am Nordpol sind die, die Santa macht."
        "Verstehe. Die Sorte kenne ich." Luzifer verzog das Gesicht. Er hatte mehr als genug Erfahrungen mit Leuten von dieser Sorte gemacht.
        "Und deshalb sind wir hier. Wir haben beschlossen, uns das nicht mehr gefallen zu lassen. Dieses Jahr boykottieren wir Weihnachten und gehen auf die Straßen! Uns allein wird Santa nur nicht unbedingt ernst nehmen. Deshalb haben wir eine Petition ..."
        "Wird unterschrieben und verbreitet. Aber ich kann dir gleich sagen, dass das nicht reichen wird."
        Buddy seufzte.
        "Das ist alles, was wir tun können. Wir sind sowieso schon überarbeitet und ..."
        "Ich denke aber, dass es nicht schwer sein wird, die Sympathien der meisten Höllenbewohner zu gewinnen. Wenn ihr ein paar Tage wartet und es klug anstellt, sollten sich ein paar Millionen Demonstranten mobilisieren lassen. Bis dahin sollten auch Notfallunterkünfte für euch in Beelz City eingerichtet werden können, nur für den Fall dass Santa euren Streik ... nicht gut auffasst. Ich sorge persönlich dafür, dass jedem Nordpolbewohner Asyl gewährt wird. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass eine schlecht vorbereitete Rebellion nicht gut endet."
        "Ich ... wirklich? Ich weiß nicht, was ich sagen soll."
        "Natürlich. Und ich werde mich mal mit Mr. ... Claus?" Buddy nickte. "... mit Mr. Claus in Verbindung setzen. Ich habe nie darum gebeten, von ihm ihm beliefert zu werden, und unter diesen Umständen verweigere ich auch jegliche Geschäfte mit ihm."
        Als Buddy nach einer umschweifenden Dankesrede sein Büro verlassen hatte, seufzte Luzifer und legte erschöpft den Kopf auf den verschränkten Armen ab.
        "Idiot", murmelte er. "Du bist ein verdammter sentimentaler Idiot." Dass er auch einfach nicht nein sagen konnte, wenn ihn etwas zu sehr an seinen Vater erinnerte! Nun kamen also noch mehr Kosten und Arbeit auf ihn zu. Aber es half ja doch nichts. Er hatte Buddy bereits seine Hilfe versprochen, und wenn er ehrlich mit sich war, dann wollte er daran eigentlich auch nichts ändern. Irgendwer musste sich ja darum kümmern, und dann doch lieber er als die Snobs im Himmel. Die würden es bestimmt auch nicht halb so gut verstehen.
        C10H12N2O

        Kommentar


        • Lia Roger
          Lia Roger kommentierte
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          zickzack Stimmt Im Vergleich zu einem Roman ist das sogar sehr kurz.

        • Zwielicht
          Zwielicht kommentierte
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          Luzi ist so ein Herzchen 😊

        • Lia Roger
          Lia Roger kommentierte
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          Zwielicht Hehe ^^ Das darf er nicht hören ... aber er kann die Elfen eben wirklich zu gut verstehen. ^^

      • #10

        Kell schlich durch den Schatten des Hauses Kupfer. Sein nackter Rücken rieb über die Mauer, während er sich voran tastete. Wo steckte Nails, diese Ratte?

        Mit einem 'Puff' erschien eine zwergenhaft Gestalt aus dem Nichts, keine drei Schritte neben ihm. Sie hüpfte von einem Bein auf das andere und rief: "Halli hallo."

        Kell stieß einen Fluch aus, bei dem sogar der Teufel errötet wäre. Wo kam dieses Ding her? Mit dem Lärm machte es noch die Unterweltwächter auf ihn aufmerksam. "Sshhhh, sei still."

        Das Wesen trug eine Zipfelmütze mit einer Glocke, die hell klingelte, während es weiter herumhüpfte. "Heute ist dein Glückstag."

        "Bei der dreiäugigen Unheilsgöttin, was willst du?"

        "Der Weihnachtsmann schickt mich."

        "Wer?" Kell drückte sich die Hand auf die Stirn. Die spitzen Ohren erinnerten ihn an eine Geschichte, die ihm sein Vater erzählt hatte. Sie handelte von Elfen, die in den Grausteinwäldern lebten, zusammen mit Gnomen und einem Einhorn. "Wer oder was ist der Weihnachtsmann?"

        "Er sorgt dafür, dass Menschen auf der ganzen Welt lächeln." Das Männchen sprang hoch und schlug in der Luft die grünen Schnabelschuhe zusammen. "Ich bin Norbert, ein Weihnachtself, und ich habe ein Geschenk für dich. Willst du wissen, was es ist?"

        "Warte", sagte Kell, während er versuchte, seine Gedanken zu ordnen. "Er macht Menschen glücklich? Lebendige Menschen?"

        Der Elf hörte auf zu zappeln. Er klemmte sich einen Finger in den Mund und blickte nachdenklich zu Boden. "Eigentlich schon."

        "Und sobald du dein Geschenk abgeliefert hast, kehrst du zurück zu diesem Weihnachtsmann?"

        "Ich bin sein treuester Helfer." Norberts Brust schwoll an.

        "Das heißt, du bist gar nicht tot?"

        "Pfft." Norbert macht eine wegwerfende Handgeste. "Wir leben durch die Liebe, welche die Menschen in ihren Herzen tragen."

        Kells Herz begann so laut zu hämmern, dass er fürchtete, die Wächter könnten es hören. "Bitte, ich brauche deine Hilfe. Meine geliebte Lana schwebt wahrscheinlich in Lebensgefahr. Kannst du mir helfen, an die Oberfläche zu gelangen?"

        "Tut mir Leid. Aber ich habe etwas, das dich bestimmt aufmuntert." Der Elf klatschte in die Hände, und aus dem Nichts erschien eine stattliche Zuckerstange. Mit einem Grinsen von einem Ohr zum anderen warf er sie Kell zu. "Dein Geschenk."

        Kell spürte einen Stich, als er die Stange auffing. Seit der Daumen nachgewachsen war, brannte er wie Feuer.

        "Die Liebe meines Lebens ist bedroht, und du schenkt mir Zucker?", fragte er. "Bist du sicher, dass du nicht zum Teufel gehörst?"

        Doch der Elf antwortete nicht. Er drehte sich mit erhobenen Armen im Kreis, immer schneller, bis er plötzlich schrumpfte und in einem Punkt am Boden verschwand.

        Kell musterte die Zuckerstange. Die letzten Ausläufer des Fackelscheins leckten über die roten-weißen Streifen. Was zum Henker sollte das denn? Sich nähernde Schritte brachten ihn zurück zu der Aufgabe, die vor ihm lag. Er hängte die Stange an seinen Lendenschurz. Vielleicht ließ sich damit bei Gelegenheit einer der Wächter bestechen.

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        • #11
          Das Geräusch tapsender nackter Füße auf Parkett ließ M aufwachen. Hatte er etwa gestern Abend eine Tussi abgeschleppt? Er konnte sich nicht mehr erinnern.
          "Zum Glück, du bist wach", quäkte eine Stimme aus dem Dunklen.
          "Äh, naja …", entgegnete er vorsichtig. Wenn sie so aussah, wie sie klang, dann gute Nacht!
          "Ich muss dringend mit dir reden!", piepste die Stimme, und viel zu grelles Licht flammte auf.
          M kniff die Augen zusammen. "Mach das Licht aus!"
          "Ich muss dringend mit dir reden", wiederholte die Stimme, ohne das Licht anzurühren, "es geht um den Geist der Weihnacht!"
          "Der Geist von Weihnachten? Hast du sie noch alle?" Was hatte die denn für ein Problem?
          "Natürlich. Mich um den Geist der Weihnacht zu kümmern ist meine Aufgabe als Elf!"
          "Du bist also … ein Elf?"
          "Natürlich bin ich ein Elf! Ein Weihnachtself um genau zu sein. Was denn auch sonst? Etwa der Weihnachtsmann?", die Stimme verlor sich in einem Lachanfall. "Hierzulande ist das Christkind zuständig. Das weißt doch nun wirklich jedes Kind!"
          "Christkind, sicher …", M zwang seine Augen auf, um zu sehen, wen er sich da nach Hause geholt hatte.
          Im Türrahmen stand tatsächlich – ein Elf!
          "Wie auch immer", der Zwerg trippelte von einem Bein aufs andere, "es geht um den Geist der Weihnacht und – "
          "Hör mal Kleiner", unterbrach ihn M, "ich sag's dir gleich, ich hab keine Lust auf den Scheiß. Ich bin hundemüde - und immer noch ziemlich voll, wie's scheint - also zieh Leine."
          Der Elf macht kugelrunde Augen, wie Dobby, als Harry ihm die Socke geschenkt hatte, nur in Trauerkloßversion.
          "Bitte?", setzte M versöhnlich hinzu.
          "Aber der Geist der Weihnacht …", quengelte Weihnachts-Dobby.
          M seufzte, und unterdrückte ein Augenrollen. "Ok, dann sag schon. Was ist mit dem 'Geist der Weihnacht'?"
          "Du musst ihn wiederfinden!", antwortete der Kleine ernst.
          "Wusste nicht, dass ich ihn wo liegenlassen hab", M zuckte mit den Schultern.
          Der Elf sah ihn an, wie früher der Mathelehrer, wenn er behauptet hatte, seine Schwester hätte seine Hausaufgaben versteckt.
          "Du hast ihn verloren", Weihnachts-Dobby presste die Lippen zusammen, reckte die Nase in die Luft, und verschränkte demonstrativ seine knubbeligen Ärmchen vor der Brust.
          "Das war nicht meine Schuld", verteidigte sich M automatisch.
          "Ich weiß", erwiderte der Elf, sehr zu Ms Überraschung, "aber du hast auch nicht mehr danach gesucht!"
          "Hab ihn nicht vermisst", grummelte M.
          Der nächste Mathelehrer-Blick.
          "Und was willst du jetzt von mir?"
          Der Elf streckte ihm seine winzige Hand entgegen.
          "Gehen wir, ihn dir wiederholen!"

          Ich bin nicht die Signatur, ich putze hier nur...

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          • #12
            Der Wind tobte um die Gemäuer des Klosters und Regen prasselte gegen die rissigen Fensterläden, die weder den Wind noch die Kälte aus der Kapelle des Siechenhauses hielten. Jonah stand auf und warf einige Kräuter auf das Eisengestell über dem mickrigen Feuer. Rauch stieg auf, der die üble Luft vertreiben sollte. Hustend ging er zurück auf die harte Bank und zog die Kutte enger um sich. Die Mönche waren zum Nachtgebet in der Kirche und hatten ihn alleine zurückgelassen, die Totenwache für Meister Henslin zu halten.
            "Du da."
            Er sprang auf und sah sich erschrocken um. "Wer ist da?" Er griff nach dem Rohrstock, den Meister Melchior liegengelassen hatte.
            "Hier drüben." Die dünne Stimme konnte nur zu einem Kind gehören, einem schwindsüchtigen, wie sie sich anhörte. Bei allen Heiligen. Etwas Kleines, Grünes hockte am Ende der Totenbahre. Er packte den Stock fester und näherte sich zögerlich. Irgendein heidnischer Zauber, was sollte es sonst sein?
            Er hob die Kerze an und atmete erleichtert aus. "Wer hat die Ratte in die Kleider gesteckt?", murmelte er, und es fielen ihm einige Mistkerle ein, denen er den Schabernack zutraute, wenn sie zu viel vom Messwein gesoffen hatten.
            "Ich bin keine Ratte", rief das Wesen. Beinahe hörte sich die Stimme empört an. Er schüttelte den Kopf. Es musste versehentlich einige der Kräuter, die Jorge von den fremdländisch aussehenden Fernhändlern eintauschte, und die einem in den Kopf stiegen, auf das Feuer geworfen haben.
            "Ich rede nicht mit Hirngespinsten."
            "Verstehe ich gut, aber ich bin real, und schon gar keine Ratte."
            "Wenn du keine Ratte bist, dann mach dich von Meister Henslin runter."
            "Wäre ich eine Ratte, dürfte ich auf der Leiche hocken bleiben?"
            "Nun, das ist wozu der Herr Ratten geschaffen hat, sich an Aas zu laben."
            "Nun ja, ich bin keine Ratte, sondern ein Weihnachtself, damit du es weißt."
            Jonah näherte sich, den Rohrstock schlagbereit in der Hand. "Was soll das sein, ein Elf?"
            "Wir sind die Helfer des Weihnachtsmanns, Dummkopf."
            "Weihnachten kenne ich wohl. Aber keinen Weihnachtsmann. Das ist ketzerisches Gerede. Du bist ein Zwergenteufel, der mich verwirren will."
            "Der Weihnachtsmann bringt die Geschenke an Heiligabend."
            Der Rohrstock schoss pfeifend durch die Luft und klatschte auf ein Bein des Leichnams. Der kleinwüchsige Teufel hatte sich mit einem wilden Sprung in Sicherheit gebracht. "Immer friedlich", rief er. "Ich habe mich nur verlaufen." Das Wesen brabbelte etwas von temporären Verschiebungen. Sein teuflischer Verstand musste verwirrt sein.
            "Es gibt keinen Weihnachtsmann, nur das heilige Christenkind. Lass dein ketzerisches Geschwätz."
            Inzwischen hockte des merkwürdige Wesen auf dem Lesepult der Kapelle und ließ die Beine über den Rand baumeln.
            "Ich muss zurück zum Nordpol", begann es erneut sein unverständliches Geschwätz.
            "Noch nie von einem Land gehört, das Nordpol heißt. Oder soll das eine Stadt sein?"
            "Das ist kein Land. Die beiden Pole sind die Endpunkte der Achse durch die Erdkugel."
            Jonah stockte der Atem. "Erdkugel", wiederholte er fassungslos, dann begann er laut zu lachen. Nicht er, sondern das merkwürdige Wesen, hatte zu tief in den Bierkrug geschaut. "Nur Gaukler können auf einer Kugel laufen, wir anderen fallen herunter. Das müsste doch sogar ein Dummkopf, wie du, verstehen."
            Das Tier kratzte sich am Kopf und seufzte laut. Das musste vom Bier kommen. Jonah packte die Gelegenheit, fasste blitzschnell zu und schnappte den Teufel. So sehr er auch zappelte, Jonah ließ ihn nicht mehr los. Mit der linken Hand öffnete er eine Kiste und ließ ihn hineinfallen. Der Deckel klappte zu und Jonah legte einen der schweren Türstopper darauf.
            Morgen bringe ich ihn in den Wald, wo eine Ratte hingehört, und lasse ihn laufen. Wenn die Mönche sein unchristliches Gebrabbel hören, landet er sonst noch auf dem Scheiterhaufen. Zufrieden setzte er sich auf die Bank. "Eine Kugel", murmelte er und kicherte bei der Vorstellung, wie sie allesamt herunterpurzelten.
            I would write merely clearly and in this way establish a warm relationship between myself and my readers, and the professional critics—Well, they can do whatever they wish. Isaac Asimov

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            • #13
              Thaes: »Was ist das denn?«
              Orell: »Sieht wie ein Grünling aus dem Moor im Norden aus.«
              Thaes: »Bist du dir sicher?« Runzelt skeptisch die Stirn.
              Weinachtself: »Hallo Freunde! Ich bin Nicki der Weihnachtself!«
              Beide weichen erschrocken einen Schritt zurück.
              Thaes: »Ein Grünling!? Glaub ich kaum.« Zieht sein Schwert und hält es dem Elf entgegen.
              Der Elf sieht es aus großen Augen an.
              Thaes: »Jaa, das will ich dir auch raten, vor Angst zu erstarren.«
              W.elf: »Ist das aus unserer Produktion?«, sagt er in geschäftsmäßigem Ton und beäugt das Schwert genauer und will gerade danach greifen ...
              Thaes: »Finger weg du grüner Gnom!«
              Orell: »Ich glaube, du hast Recht Thaes. Das ist kein Grünling. Was bist du, kleiner Mann?«
              W.elf: (mit Fistelstimme) »Ich bin ein Weihnachtself!« Hopst freudig in die Luft.
              Thaes: »Ein Elf?« Schaut Orell überrascht an. »Dann ist er von deiner Sippe?«
              Orell: »Nein ist er nicht.« Knirscht mit den Zähnen.
              Thaes: »Aber wenn er doch sagt ...«
              Orell: »Wir. Sind. Nicht. Verwandt!«
              Thaes: »Aber ...«
              Orell: Funkelt ihn böse an. Thaes verstummt, die Zweifel sind ihm aber anzusehen.
              W.elf: »Meine Herren?«
              Beide sehen ihn stirnrunzelnd an.
              W.elf: »Wart Ihr dieses Jahr brav?«
              Thaes sieht Orell fragend an. Der zuckt mit den Schultern.
              Thaes: »Darüber muss ich genauer nachdenken, da war nämlich eine ganze Menge ...« Setzt sich in Denkerpose hin und beginnt zu grübeln. Orell tut es ihm gleich.
              Beide: »Weißt du noch, die Schlacht am Schnellwasser? Da hab ich vier Mann auf einen Streich niedergerafft. - Ja und die Kämpfe an der Schwarzbucht! - Die waren furchtbar, das reinste Blutbad!«

              Das Gesicht des Weihnachtselfen nimmt einen immer entsetzteren Ausdruck an und von den beiden in Erinnerungen versunkenen Männern unbeachtet, verschwindet er unauffällig.
              Ich entwickel langsam eine Art Verfolgungswahn. Verfolgt von Ich-sollte-doch-schreiben.

              Storytelling is the power to connect people to what you care about. Anand Varma

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              • #14
                »Was, zur Hölle, bist du denn?«
                »Wonach seh ich denn aus?«
                »Keine Ahnung, ein grüner Gartenzwerg mit seltsamen Schuhen?«
                »Bitte?!«
                »Oder ein Kobold auf der Suche nach dem verschollenen Regenbogen.«
                »Also wirklich! Ich bin ein Elf! Ein Weihnachtself!«
                »Bestenfalls ein Elfchen.«
                »Pah. Ich geh gleich wieder!«
                »Warum bist du überhaupt hier? Und wie hast du es geschafft, zu klingeln?«
                »Ach, das ist leicht, wenn man fliegen kann. Guck!«
                »Alter! Stell deine Füße sofort wieder auf festen Boden!«
                »Wie du willst. Vielleicht sollte ich aber auch einfach in der Luft schweben bleiben, damit du nicht mehr so auf mich herabblickst, Johannes.«
                »Woher weißt du, wie ich heiße?«
                »Na ja, was meinst du, warum ich bei dir geklingelt habe? Du stehst auf der Liste. Auch wenn ich überhaupt nicht mehr verstehen kann, warum.«
                »Was für eine Liste?«
                »Na, die Liste. Was meinst du, was es für ein Aufwand ist, über sieben Milliarden Leute zu kategorisieren und sich dann auch noch zu merken, ob sie gut oder böse waren.«
                »Ach … die Liste.«
                »Du siehst nicht aus, als hättest du das verstanden.«
                »Und du siehst nicht aus, als wärst du mehr als eine Einbildung meines überarbeiteten Hirns. Vielleicht hätte ich letzte Nacht nicht durchmachen sollen für diese dämliche Hausarbeit, dann würde ich mir jetzt nicht irgendwelche grünen Kobolde einbil… aua! Wieso hast du mich getreten?!«
                »Ich bin keine Einbildung! Vielleicht merkst du das so.«
                »Ich dachte immer, Elfen müssen immer freundlich sein.«
                »Es gibt Grenzen. Und jetzt lass uns das endlich über die Bühne bringen, ich muss heut noch an fünfhundertdreiundvierzigtausendzweihundertsiebenu ndsechzig anderen Türen klingeln.«
                »Klingt nach 'ner langen Nacht.«
                »Die längste des Jahres. Und das nicht nur dank der Zeitdehnung, die wir anwenden. Ich brauch danach unbedingt bis zu den Heiligen Drei Königen Urlaub.«
                »Also, weshalb bist du denn nun eigentlich hier?«
                »Hier.«
                »Was ist das denn? Und wo hast du das grade hergeholt?«
                »Einigen wir uns einfach auf ›aus meinem magischen Jutesack‹, alles andere würde jetzt den Rahmen sprengen. Und das ist dein Geschenk.«
                »Mein Geschenk?«
                »Du weißt schon, was für ein Tag heute ist?«
                »Der 24. Dezember.«
                »Genau. Der Tag, an dem alle lieben Kinder ein Geschenk bekommen.«
                »Bringt das nicht eigentlich der Weihnachtsmann?«
                »Der ist erkältet.«
                »Und deswegen bist du hier?«
                »Exakt.«
                »Und was ist da drin?«
                »Das, was du dir gewünscht hast.«
                »Ich hab mir nichts gewünscht.«
                »Oh doch, das hast du.«
                »Jojo? Wer ist denn da an der Tür?«
                »Äh … ähm … nur … also, … nur die alte Nachbarin von unten, sie wünscht uns frohe Weihnachten, Rob!«
                »Ach so, frohe Weihnachten! Kommst du gleich in die Küche? Die Gans ist fertig. Oder will Frau Maier mitessen? Es reicht auch für drei.«
                »Äh, nein, nein, sie muss gleich wieder los, sie wollte uns nur ein frohes Fest wünschen.«
                »Alles klar. Dann hol ich schon mal die Klöße aus dem Wasser.«
                »Ja, danke, ich komm gleich!«
                »So, so. Frau Maier.«
                »Ich kann ja wohl schlecht sagen, dass ich mit einem grünen Elfchen mit 'nem magischen Sack über Zeitdehnung rede.«
                »Auch wieder wahr. Aber das war mein Stichwort. Ich muss weiter. Viel Spaß mit deinem Geschenk und frohe Weihnachten.«
                »Warte mal! Was ist das denn nun? Ich habe mir wirklich nichts gewünscht!«
                »Du hattest doch keine Idee für ein Geschenk für deinen Freund und keine Zeit mehr, im Unistress noch etwas zu besorgen. Also, nichts außer das notdürftig in Geschenkpapier eingewickelte Päckchen Socken im untersten Schubfach deiner Kommode.«
                »Stimmt … deswegen dachte ich …«
                »›Ich wünschte, es würde einfach ein schönes Geschenk für Rob vom Himmel fallen.‹«
                »Genau.«
                »Vom Himmel gefallen bin ich zwar nicht, aber Wunsch ist nun mal Wunsch. Und sei froh, dass du dieses Jahr mehr Punkte auf deinem Gut-Konto hattest. Letztes Jahr hätte ich dir bestenfalls 'ne Rute gebracht.«
                »Letztes Jahr hatte ich gar keinen überirdischen Besuch.«
                »Siehste. Denk mal drüber nach. Na dann, ich muss. Ho ho ho und fröhliche Weihnachten – oder so!«
                »Danke. Dir auch fröhliche Weihnachten. Bis nächstes Jahr dann.«
                »Das hängt von dir ab.«
                ねぇ みのっち、寂しくないのかな?
                —Hey Minocchi, bist du nicht einsam?

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                • Lyriksoldatin
                  Lyriksoldatin kommentierte
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                  Aww, Jojo und Rob (´∀`)♡

              • #15
                Remy klopfte gegen das Seitenfenster des Fahrers. "Führerschein und Fahrzeugpapiere", sagte er, während er schnell die rotgrüne Plane auf der Ladefläche des Pickups anlupfte. Darunter stapelten sich Pakete und Päckchen, die mit edlem Weihnachtspapier und eleganten goldnen Schleifen eingewickelt waren. Verdammt viele Geschenke. Der Fahrer musste eine große Familie haben. Remy wandte sich wieder dem Pickup-Fahrer zu. "Haben Sie den Weihnachtsmann überf... Whoa!"
                Am Steuer saß ein runzeliger Knilch mit einer Visage wie aus Pappmaché, getoppt von Narrenkappe und Idiotenkostüm in dunkelgrünem Glanzsamt. Er trug spitze Ohren, ganz gut gemacht, trotzdem dämlich. Seinen roten Wängchen nach zu urteilen, hatte er vorgeglüht. Endlich ließ er die Seitenscheibe runter. Eine Duftwolke mit Gummibärchenaroma entkam der überheizten Kabine und kondensierte in der arktischen Kälte. Die Luft schien kurz lindgrün aufzuleuchten. Remy schüttelte verdutzt den Kopf. Mit schnellen Blicken vergewisserte er sich, dass in dem Fahrzeug keine Waffen offen herumlagen. Kekskrümel auf den Sitzen, ein Duftbaum am Rückspiegel, offene und zerdellte Limonadendosen (Energy Drinks mit Waldmeistergeschmack).
                Der Kerl am Steuer war offenbar nur einer der ausgefalleneren Bekloppten.
                "Was meinse mit Führerschein und Fahrzeugpapieren, Officer?", sagte der Typ mit belegter Stimme.
                Was meinte er mit Was meinse mit Führerschein ... Remy atmete tief durch. Das konnte ein längeres Gespräch werden. "Ich meine Ihre Berechtigung, dieses Fahrzeug zu steuern."
                "Oh das!" Spitzohr griff erleichtert in eine gut getarnte Brusttasche und reichte Remy mit entspanntem Grinsen eine Karte.
                Santa Claus
                North Pole H0H 0H0
                Canada.
                O Mann. Remy verlagerte sein Gewicht auf den anderen Fuß und blickte kurz auf die umgebenden schneebedeckten Berge, als könnte er dort Geduld für den Umgang mit Scherzbolden zusammenklauben. "Weiß ... Santa ... dass Sie mit seinem Fahrzeug unterwegs sind?"
                "Ja."
                Pause.
                "Ach so. Dieses Fahrzeug meinse?" Der Typ legte die Nase kraus. "Yeah, sagen wir mal so, wäre schön, wenn das unter uns bliebe, Officer."
                "Und warum sollte es das?"
                "Das ist eine unangenehme ... Also ... Ich brauch diesen Job. Die Kröten. Aber mir is da ein Missgeschick passiert. Ich hab den Rentierschlitten beim Ausparken gegen einen Eisberg gesemmelt, Rudi, Blitzen, Vixen, Dasher, Prancer, Dancer, Cupid und Comet und natürlich Donner, alle ham sich schön 'ne Halskrause umlegen lassen, Arbeitsunfall, krankgeschrieben bis Weihnachten, aber ich muss natürlich trotzdem schon die Geschenke bereitlegen, damit der Alte sie gemütlich durch die Schornsteine werfen und die Socken abgreifen kann. Nächstes Jahr arbeite ich woanders, da könnse Gift drauf nehmen. Vielleicht bei Amazon. Weniger Stress." Die Mundwinkel des komischen Kerls zuckten, als würde er gleich anfangen zu weinen.
                Remy spähte erneut misstrauisch durch das Fenster. Der Typ war kleiner als gedacht, ein Sitzriese. Um an die Pedalen zu kommen, hatte er sich Kuchenformen unter die Füße gebunden, die in tannengrünen Filzpantoffeln mit Glöckchen steckten. Remy spürte einen Anflug von Mitleid. Diese ganzen Kurierfahrer und Paketlieferanten waren arme Schweine.
                Die Verkehrssicherheit ging dennoch vor. "Ich kann Sie so nicht weiterfahren lassen. Keine Papiere. Backformen an den Füßen. Wo müssen Sie denn noch ganz hin?"
                "Na hier. Ist mein letzter Ort."
                Remy seufzte. "OK. Rücken Sie mal auf den Beifahrersitz. Ich fahr Sie rum."
                Spitzohrs Mund klappte auf, so weit, dass sich alle Runzeln und Falten in seinem Gesicht glätteten und er hundertdreißig Jahre jünger aussah. "Im Ernst?"
                "Na sicher. Ich will nicht riskieren, dass die Kinder hier zu Weihnachten ohne Geschenke dastehen."
                Spitzohr schnallte sich ab, hüpfte auf den Beifahrersitz und strahlte wie ein Stern.
                Na dann. Frohe Weihnachten.

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                • Nachtmahr
                  Nachtmahr kommentierte
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                  Ich würd dir am liebsten 10 Likes geben. *rumkugel vor Lachen*

                • Dodo
                  Dodo kommentierte
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                  Danke.
                  Es freut mich, wenn ich jemandem zum Grinsen oder gar Lachen bringen kann.

                • Victoria
                  Victoria kommentierte
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                  H0h 0h0

              • #16
                Weihnachtself: Liken!
                Weltatlas: Das sage ich normalerweise.
                Weihnachtself: Tja ... zu spät.
                Es ist, wie es ist.
                Kontakt: administrator@wortkompass.de

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                • Dodo
                  Dodo kommentierte
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                  Heute war es noch schlimmer. Ehrlich, ich hätt gern alle geliket.

                • Zwielicht
                  Zwielicht kommentierte
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                  Die Entscheidung war Schwerstarbeit!

                • Zwielicht
                  Zwielicht kommentierte
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                  So, Shortlist-Likes nachgeholt.
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