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Sag mir, wie du aussiehst, und ich sage dir, wer du bist!

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  • [Handwerk] Sag mir, wie du aussiehst, und ich sage dir, wer du bist!

    Die Genetik funktioniert in Romanen anders als im realen Leben.

    Im Leben ist es Zufall, welche Gene man vererbt bekommt, in Romanen sind es immer die schlechten, die der Hauptfigur zufallen. Der Körperbau ist zu kräftig, das Gesicht zu gewöhnlich, die Augen zu groß, der Teint zu dunkel oder zu blass, während der Rest der Familie natürlich überirdisch schön ist.



    Die Mutter ist eine hochgewachsene, schlanke, elegante, ruhige Frau, die ihre Stärke nur im Ernstfall zeigt. Sie hat hohe Wangenknochen und zarte Gesichtszüge, der Teint ist porzellan-, elfenbeinfarben oder erinnert an Alabaster. Oft ist die Mutter auch schon verstorben oder stirbt im Laufe der Geschichte am oben genannten Ernstfall. Aber vor allem ist Mama in den Augen der Protagonistin immer die Schönste und Klügste.

    Ich nehme ein beliebiges Buch aus meinem virtuellen Bücherregal und finde sofort das erste Beispiel: Tris‘ Mutter (Veronica Roth. Die Bestimmung). „[…] würde meine Mutter als hübsch bezeichnen. Ihre Wangenknochen sind hoch und ihre Wimpern lang, und wenn sie nachts ihr Haar offen trägt, fällt es lockig über die Schultern.“ Wahrscheinlich ist es die gleiche Frau wie bei Romina Russels Zodiac „Mom fielen ihre langen, hellen Locken über den Rücken, und die Sonne schimmerte auf ihrer elfenbeinfarbenen Haut und den großen, runden Augen.“ Auch im dritten Buch, das ich wahllos aus meinem Schrank ziehe, finden wir das gleiche Mamaprofil: „[…] eine klassische Tearschönheit, hochgewachsen, blond und schlank“ (Erika Johansen. Die Königin der Schatten). Die genannten drei Titel sind Bestseller. Die neusten Hypes (gewesen).
    Ich will nicht meckern, denn es ist recht praktisch, wenn die Charaktere eh alle gleich sind. Man braucht nur einmal das Hirn dazu zwingen, ein Bild von einer Mutter zu erzeugen. Danach kann man die Fantasie wieder wegsperren. Falls die Mutter eine Schlüsselrolle spielt, kann man sich gewiss sein, dass sie ihre zarten Fassade fallen lassen und die toughe Powerfrau zeigen wird. Das geschieht in der Szene, in der sie ihrer Tochter, der Protagonistin, die wahren Kräfte zeigt … und draufgeht.
    Ihr schüttelt den Kopf, weil ihr meint, dass Mütter nicht immer hochgewachsen und elegant sind? Stimmt. Es gibt noch die Mütter-Mütter. Das sind diese liebevollen, warmen, meist etwas beleibteren Frauen. Diese existieren aber nur in Romanen, in denen es nicht das Kindermädchen gibt, das diese Rolle übernimmt.

    Ältere Schwestern sind wie die Mütter, jüngere Schwestern sind zerbrechlich und oft auch kränklich, damit sie beschützt werden können. Katniss muss ihre kleine Schwester Prim beschützen (Suzanne Collins. Die Tribute von Panem), und im gleichen Genre und in der gleichen Konstellation Kay ihre kleine Schwester Marcie (Katharina Groth. Centro). Ich frage mich, was passiert, wenn die Protagonistin irgendwann Mutter wird. Setzt sie sich Schönheitsoperationen aus oder überlässt sie diese Rolle ihrer großen eleganten Schwester?

    Nun zu den Männern. Brüder und Väter sind auch immer gutaussehend. Aber das sagt die Progagonistin meist nicht offen, da es ansonsten Inszest-Vorwürfe geben kann. Nichtsdestotrotz findet zum Beispiel Tris ihren eigenen Bruder ziemlich heiß. Ein Gedanke, den ich nicht verstehen kann.

    Ich habe mal gehört, dass man sich nicht in Menschen verlieben kann, mit denen man seit dem Kleinkindalter aufgewachsen ist, da es ein natürlicher Schutz ist, um Inzest zu vermeiden. Mir käme es nie in den Sinn, den eigenen Bruder oder die Schwester sexy zu finden. Ich kann zwar verstehen, dass andere Menschen über die beiden so empfinden, aber diese Empfindung kann ruhig bei den anderen bleiben.
    Deshalb finde ich es so unrealistisch und seltsam, wenn in Romanen die Geschwister wie aus den Augen eines Liebhabers beschrieben werden. In Das Orchideenhaus von Lucinda Rileyheißt es: „Alicia [Protagonistin] war immer beeindruckt von ihrer Schönheit [Julia]. Julias fein geschnittenes Gesicht wurde eingerahmt von einer dichten Mähne mahagonifarbenen Haares, und ihre mandelförmigen, bernsteinfarbenen Augen und hohen Wangenknochen traten jetzt, da sie ein paar Kilo abgenommen hatte, noch deutlicher hervor“. Wieder eine dünne, zerbrechliche Frau mit hohen Wangenknochen. Die stellen selbst die edelsteinfarbigen Augen in den Schatten …

    Die Protagonistin mittelmäßig aussehen zu lassen, ist ein toller1 Kniff der Autorinnen. Erstens können sich Leserinnen anscheinend besser mit Frauen Macken und Makeln identifizieren, zweitens kann man damit verschleiern, dass die Protagonistin eigentlich eine Mary Sue ist und drittens kann eine „Charakterentwicklung“ stattfinden (von mittelmäßig zu hübsch). Besonders in Liebes- oder Entwicklungsromanen wird sie am Ende erkennen, dass Sommersprossen, kurze Haare, ein sportlicher und braungebrannter Körper, eine zerbrechliche oder eine sehr weibliche Figur ebenfalls attraktiv sein kann.

    Die Charakterentwicklung ist wichtig. Je nach Genre ist sie der Haupthandlung gleichgestellt oder übergeordnet. Das ist gar nicht so schwer: Brille absetzen, den Dutt lösen und voilà, das hässliche Entlein hat sich in einen Schwan verwandelt.



    Das Aussehen kann benutzt werden, um die Charaktereigenschaften, aber auch die Einstellung der Figur zu unterstreichen.
    Schiefe und schlecht geputze Zähne weisen darauf hin, dass sich die Figur nicht so sehr um ihr Äußeres und um ihre Gesundheit kümmert – oder dass sie kein Geld und keine Zahnzusatzversicherung hat. Eine bestimmte Moderichtung kann auf eine Gesinnung deuten; oder dass die Figur ein Mitläufer ist.

    [Aufgabe]
    Beschreibt das Äußere einer Figur und lasst den User unter euch raten, wie diese Figur tickt, bzw. eine kleine Szene schreiben.


    Ich geb was vor!

    Jimmy (Mädchen). Schulterlange ungekämmte Haare, zu großes Flanellhemd, kurzgeschnittene, ausgefranste Jeans, blickdichte zerrissene Strumpfhose, Stiefel.
    Zuletzt geändert von VickieLinn; 03-01-2018, 12:09.
    Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
    die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
    die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
    die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

    Jack Kerouac

  • #2
    Nett, dass du es jetzt hier reingestellt hast. Kann man nicht kommentieren???

    Mit "Jimmy" hast du echt einen Charakter erwischt, den ich gerade für ein Adventure zusammenbastele... Das zu große Flanellhemd ist inzwischen auch Kult / Klischee... ( dank Jennifer Lawrence und Saoirse Ronan in diversen burschikosen Filmen...).

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    Ich überleg mir was. Zur Zeit muss ich noch programmieren...

    Schlagfertigkeit ist etwas, worauf man erst 24 Stunden später kommt.
    Mark Twain

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    • #3
      • Bevorzugt ihr schöne, markante oder unscheinbare Protagonisten (welches Genre?)
      Tatsächlich bevorzuge ich ziemlich überzeichnete Charaktere, ob als Autor oder als Leser. Mag daran liegen, dass ich eine leichte Prosopagnosie habe und mit allzu "normalen" Gesichtern nix anfangen kann. Im realen Leben wie auch im Roman ist es also hilfreich, wenn ich ein oder mehrere auffällige Merkmale habe, die ich mit einem Charakter verbinden kann: Ausgefallene Frisuren, Körperformen oder Narben sind da genauso hilfreich wie bestimmte Bewegungs- und Sprachmuster. Also auf alle Fälle markant, gerne schön (weil die auch oft markant beschrieben sind), und bitte keine Allerweltsgesichter. Dann lieber gar keine Beschreibung, dann mach ich mir nämlich selbst ein Bild zurecht
      • Soll das Aussehen den Charakter widerspiegeln?
      Insofern es realistisch ist, ja. Also ein Mensch (oder Elf), der nicht gerade gesund lebt, dürfte auch nicht einen vor Gesundheit strotzenden Körper haben. Jemand, der muskulös ist, trainiert auch viel. Ein Mensch, der im Leben viel gelacht hat, hat im Alter eher Falten in den Augenwinkeln als senkrechte auf der Stirn etc.
      Allerdings halte ich nicht viel davon, wenn ein Protagonist einem Menschen auf den ersten Blick ansieht, ob er vertrauenswürdig oder zwielichtig ist, nur weil die Augen schmal sind oder sowas. Ganz abgesehen davon, dass sowas in einem Buch die Spannung killt, ist es auch unrealistisch.

      Ted Bundy.jpg"Hi there!"
      • Soll man vermeiden den Charakter im Aussehen widerspiegeln zu lassen, und geht das überhaupt?
      Siehe oben. Dinge, die sich im Gesicht oder Körper (oder Verhalten oder der Sprache) abzeichnen, sollte man natürlich darin spiegeln. Damit kann man eine Menge Charakterisierung rüberbringen (womit wir wieder beim Show, don't tell wären). Aber warum die Bösewichte immer schwarze Haare haben müssen oder die Zicken immer blonde versteh ich nicht. trotzdem ist das inzwischen so fest verankert, dass z.B. Rowling im Falle von Snape damit sicher bewusst gespielt hat, um einen falschen Eindruck zu erwecken (äh, Spoiler? Ich hoffe nicht). In diesem Sinne kann es durchaus hilfreich sein, sich mit solchen Klischees vertraut zu machen und mit ihnen zu spielen. Mir zumindest macht das Spaß, aber das passt sicher auch besser, weil meine Figuren sowieso sehr bewusst überzeichnet sind.
      If I could read your mind love
      What a tale your thoughts could tell
      Just like a paperback novel
      The kind the drugstore sells
      -- Gordon Lightfoot "If you could read my mind"

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      • Gast-Avatar
        Gast kommentierte
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        In der Bild-URL steht Mongolei.
        Haha ... super!

      • Badabumm
        Badabumm kommentierte
        Kommentar bearbeiten
        Hätte auch auf Mongolei getippt. Beim Kleineren ist es noch deutlicher als bei dem Mädchen. Aber nur aus Gefühl, erklären könnt' ich's nicht.

      • Maggi
        Maggi kommentierte
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        Das man Gesichter anderer Ethnien nicht so gut auseinander halten kann, liegt daran, dass unser Gehirn unwichtige Fähigkeiten aussortiert, wenn die Neuronen absterben (was sie ja von Geburt an tun). Man spezialisiert sich. Das Gehirn konzentriert sich auf die Gesichstypen, die im eigenen Leben besonders häufig vertreten sind.
        Bei Kleinkindern ist das noch nicht so. In der Dokumentation die ich zu dem Thema gesehen habe, konnten die sogar noch Gesichter von Schimpansen auseinander halten.

    • #4
      Kreativaufgabe:

      Sie wirft ihre Umhängetasche, Öko mit Fransen, auf den Nachbarhocker, Buttons klimpern, und sie erklimmt die Sitzfläche rechts an der Wand. Vielleicht fällt ja etwas heraus, denkt Roland, und sie wird den Beutel deshalb auf den Boden stellen. Das ergäbe dann eine Bresche in ihrer linken Verteidigung, ein schwarzes Fleckchen von rundem Leder, auf dem er sich ranpirschen könnte. Aber nichts dergleichen geschieht, schlapp hängen Jute und Trageriemen herunter. Mit einer ungeübten Handbewegung streift sie die Kapuze ihres Pullovers ab und ein Haselnussbusch von Haaren explodiert hervor. Das Licht glüht magenta auf ihr mageres Gesicht. Sie ist jung, sehr jung. Das Mädchen lehnt wie eine schlaksige Stoffpuppe am Tresen, rutscht unruhig auf ihrem abgeribbelten Jeans-Höschen hin und her und die knochigen Knie baumeln in schwarzen, löchrigen Strumpfhosen. Das Aufreizen will ihr nicht gelingen und ist doch so wirkungsvoll. Ihre Hände versucht sie zu wärmen, indem sie die langen Pulloverärmel weit herunterzieht. Unter dem Pullover trägt sie ein Holzfällerhemd, eines von der kernigen Männer-Sorte, das ihr fünf Nummern zu groß ist. Dabei ist es stinkend heiß. Aber sie kommt ja von draußen, dort ist der Schnee zwei Zentimeter hoch. Deshalb die Stiefel, sie sehen verboten aus. Ihr wird schon noch warm werden, denkt Roland und wettet mit sich, wie lange sie den Pullover aushalten wird. Dann bemerkt sie, wie er sie mustert und zieht das Hemd hastig über ihren runden Hintern. Mit keckem Näschen spielt sie erwachsen, schließlich ist das hier eine verruchte Bar, oder etwa nicht? Roland überlegt sich seine Strategie.

      „Für dich gibts nur Cola oder Wasser“, sagt der Barmann, stellt sich vor sie hin und stützt beide Arme auf.

      „Dann Cola“, sagt sie.

      „Hast du Geld?“ fragt der Barmann.

      „Ja.“

      „Sag nie, dass du Geld hast“. Grinst väterlich-weise und stellt ihr das Getränk hin. Während sie hastig trinkt, beobachtet Roland sie schlitzäugig.

      Sie bezahlt mit etwas Klimpergeld. „Kennst du ein billiges Zimmer für ein, zwei Nächte?“ fragt sie den Barmann und verlangt danach eine zweite Cola. Nervös stapelt sie die drei Bierdeckel vor sich zu einem Haufen und rückt die Kanten gerade.

      Der Barmann überlegt künstlich lange, dann zuckt er mit den Schultern. „Nein. In dieser Gegend nicht.“

      Und Roland steht auf und geht zum Tresen. Zeit zur Jagd.
      Zuletzt geändert von Badabumm; 10-08-2016, 17:02.

      Schlagfertigkeit ist etwas, worauf man erst 24 Stunden später kommt.
      Mark Twain

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      • Badabumm
        Badabumm kommentierte
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        Das hier sind ja nur so Storyfetzen. Unausgegoren. Ohne Anfang und Ende. Also, Serienkiller ist er nicht, aber lautere Absichten hat er tatsächlich nicht, soweit stimmt's. Ansonsten habe ich mir keine weiteren Gedanken gemacht, wie's weitergeht. Das steht hier ja auch nicht zur Diskussion.

      • Badabumm
        Badabumm kommentierte
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        Oh - habe gerade den nächsten Post entdeckt. Hm, ja. Klassischer Serienkiller.
        Mein nächster Vorschlag hatte nichts mit der ersten Geschichte zu tun. Magico war schon nah dran.

      • Dodo
        Dodo kommentierte
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        Dachte ich mir. Passte trotzdem. Und dass mir die Fantasie durchgeht ... ist halt so. Ständiges Kopfkino. Ich lache auch an unpassenden Stellen.

    • #5
      Mann mit Glatze, weiß, Ende 40. Hager, aber nicht knochig. Verschlissener Laborkittel, ansonsten verwaschenes Hemd mit Weste, dunkelblaue unmoderne Sportschuhe, die nicht dazu passen. Karo-Strümpfe.

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      Mark Twain

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      • #6
        "Scheiße, kurz vor Sechs!" Er blickte von seiner Armbanduhr aus dem Automaten auf und maß gedanklich die Strecke zur Tierhandlung.
        Wenn er es heute wieder nicht schaffen würde, läge morgen Abend sicherlich die Kündigung in seinem Spint.
        Er nahm die Beine in die Hand, hastete die Bahnhofstraße entlang. Seine offene moosgrüne Daunenweste flatterte hin und her.
        Die Indiana Jones-Umhängetasche behinderte ihn in seiner Wendigkeit. Erst nahm er den Spiegel eines zu dicht am Bürgersteig geparkten Autos mit, dann das Verdeck eines Kinderwagens. "He!", hörte er, doch er musste sich beeilen. Nur kurz hatte er sich nach der rufenden Frau umgedreht, als er mit jemandem zusammenprallte.
        Ein Strauß Blumen, eine 12er Toilettenpapierpackung und eine paar Suppendosen verteilten sich weiträumig unter den Arkaden.
        "Trottel!", keifte die quadratisch gebaute Frau um Flanellhemd, als sie sich wie eine Schildkröte auf dem Rücken wand.
        "Entschuldigung." Das war der Super-GAU. Er würde es niemals mehr schaffen, die Ratten für die nächsten Testreihen zu besorgen. Er war seinen Job so was von los, aber nun war es auch egal. "Tut mir leid", sagte er und reichte der Gefallenen seine Hand.
        Sie war zu schwer, als dass er sie hätte hochziehen können und so passierte das Gegenteil. Er fiel auf sie drauf und landete mit seiner Nase in ihrem Dekolleté.
        "He, Sie ...!", war alles, was die korpulente Dame hervorbrachte.
        Die ersten Schaulustigen hatten sich dazugesellt.
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        • Bevorzugt ihr schöne, markante oder unscheinbare Protagonisten (welches Genre?)
        Markante ... also zumindest meistens. Auch in Filmen kann ich diese 0815-Lappen nicht ausstehen.
        • Soll das Aussehen den Charakter widerspiegeln?
        Nicht zwangsläufig. Ich mag es, wenn sich Charaktere ein wenig undurchsichtig und inkonsistent verhalten.
        • Soll man vermeiden den Charakter im Aussehen widerspiegeln zu lassen, und geht das überhaupt?
        Nicht auf Biegen und Brechen. Es ist wie im wahren Leben. Manch einem sieht man (zumindest grob) seinen Charakter förmlich an der Nasenspitze an (z.Bsp. spitzbübisch, schelmisch) und bei anderen entpuppt sich genau das Gegenteil vom zu erwartenden Charakter.


        So ... für die nächste Kreativaufgabe:

        Männlich, klein, kugelrund, meist Trekkingsandalen und eine überdimensionierte Umhängetasche. Immer eine Zigarette in der Hand, die er mit weit gespreizten Fingern hält. Fast immer den Mund zu einem stummen "O" geformt. Brille mit etwas dickerem Rand.

        Kommentar


        • Mona
          Mona kommentierte
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          Ein blinder Tourist, der sich gern in Fußgängerzonen aufhält. Und ein bisschen ein Genussmensch ist er auch ...
          Zuletzt geändert von Mona; 13-08-2016, 03:12. Grund: Um diese Uhrzeit fallen klare Sätze schwer ^^.

      • #7
        Bevorzugt ihr schöne, markante oder unscheinbare Protagonisten (welches Genre?)
        Ich mags lieber hübsch ^^ Zumindest aber neutral. Wahnsinnig nervig finde ich die von dir beschrieben negativ durchschnittlichen bis hässlichen Charaktere, die das auch noch betonen. Sie können ja gerne hässlich sein, aber dann bitte nicht drauf rumreiten. Lieber von außen mitteilen (dass der Typ beim Date z.B. sagt "Ich kann mir dich ja noch schöntrinken" oder so).
        Meine eigenen Charaktere sind meistens hübsch bis sehr schön Tendenziell finde ich, gibt es solche Menschen nämlich mehr als hässliche. Wenn man an den richtigen Orten ist.

        Soll das Aussehen den Charakter widerspiegeln?
        Auf keinen Fall. Also bis zu einem gewissen Grad bedingt sich das wohl. Ein verruchter Mann, wird vielleicht auf ein verruchtes Äußeres achten. Ein ordentliches Mädchen wird gekämmte Haare haben. Aber grundsätzlich finde ich es langweilig, wenn der hässliche Gnom böse ist und der hübsche Jüngling die tanzende Tugend.

        Soll man vermeiden den Charakter im Aussehen widerspiegeln zu lassen, und geht das überhaupt?
        Denke schon, dass das geht, insbesondere bei den Augen. Die spezielle Farbe für einen speziellen Charakter. Die sanften blauen/braunen Augen für den Schatz der Prota. Wenn man das verwendet, dann allerdings mit Bedacht. Gerade die spezielle Farbe nervt mich, wenn es nicht einen plausiblen Grund dafür gibt, dass einer plötzlich lila Augen hat. Ansonsten, die Frisur beispielsweise kann der Charakter ja selbst bestimmen und sich bewusst dafür entscheiden.
        Grundsätzlich finde ich es aber besser, wenn Charakter und Aussehen im Gegensatz stehen. Sanfte Augen und warmes Lächeln bei einem verlogenen Verräter z.B.
        Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. - Franziska Alber

        So nah, so fern.

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        • Ankh
          Ankh kommentierte
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          Kelpie aber hältst du dann nicht auch Abstand von Leuten, die zwar die Äußerlichkeiten teilen, aber ansonsten völlig harmlos sind? Man weiß ja nicht von jedem gleich, wie er drauf ist, und Pädophile erzählen das erst recht nicht.

          Mohnmuffin Ich entwerfe Menschen als Menschen. Niemand ist einfach böse. Entweder ist jemand gestört, oder er hat Motive, die ihn zu bösen Handlungen verleiten. Also gib deinen Bösewicht einen guten Grund für seine Handlungen, gib ihm interessante Hobbies und ein markantes, aber nicht zu ungewöhnliches Aussehen, bzw eines, dass zu seinem Lebensstil passt. Im Grunde genauso, wie du einen Protagonisten entwickelst, nur dass seine Ziele denen deines Protagonisten entgegenstehen.

        • Mohnmuffin
          Mohnmuffin kommentierte
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          Ich vertrete ebenfalls die Ansicht, dass es kein "gut" und "böse" im klassischen Sinne gibt, man definiert sich durch sein Handeln (während meine Mutter beispielsweise denkt, die Fähigkeit zu morden ist etwas, mit dem man tief in sich drinnen geboren wird, da bin ich anderer Meinung).
          Hm, aber natürlich kann man jeden Menschen auf der Straße in eine Schublade stecken. Rein evolutionstechnisch ist das auch sinnvoll, um möglichen Gefahren aus dem Weg zu gehen - besser zehn Mal jemanden aus Vorurteilen meiden als einmal höflich sein und gemeuchelt zu werden. Soll natürlich kein Aufruf zum Schubladendenken sein, das ist nur die Art, wie unser Gehirn funktioniert. Aber ich denke, Ankh liegt da nicht schlecht, Kelpie, ist eigentlich eine sehr gute Antwort. Das Aussehen entspricht dem Lebensstil. Und wenn es sich um einen gewaltbereiten Mann mit patriarchalichen Ansichten handelt, wird der wohl nur in seltenen Fällen Haare bis zur Brust und Röhrenjeans tragen. Das passt nicht in sein Weltbild. Und ich weiß, was du meinst mit "Gesinnung ablesen", aber ist das dann nicht doch eher die Ausnahme?

        • Kelpie
          Kelpie kommentierte
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          Die Art wie man Charaktere erschafft - da stimme ich Ankh zu.
          Die "Fähigkeit zu morden" ist m.E. in jedem drin. Unterschiedlich ist eher der Umgang damit, wenn man es tun würde. Man muss ja auch ehrlich zugeben, dass die heutige Einstellung zu Mord anerzogene Moral ist, während es bei den meisten Völkern früher völlig normal war, Menschen zu töten.

          Ankh, sicher ist es möglich, dass man von Menschen Abstand hält, die eigentlich ganz nett sind, aber wie Mohnmuffin sagt, lieber ein bisschen zu vorsichtig als ein bisschen zu unvorsichtig. Ich gehe auch nicht her und verurteile jeden, der mir auf der Straße entgegen kommt, aber wenn mir so jemand auffällt, dann beobachte ich ihn halt genauer.
          Ich erinnere mich gerade an ein Gespräch aus dem TK, wo wir auch über Äußerlichkeiten und Oberflächlichkeiten diskutiert haben, aber ehrlich gesagt - so fehlgeleitet hat mich das bisher nicht. Wie gesagt, es geht nicht um Hässlichkeit oder Schönheit, aber meiner Erfahrung nach sieht man vielen Menschen an, wie sie im Groben ticken.

          Thaha, hey, und so falsch lag ich ja damals bei deinem Kollegen auch nicht!

      • #8
        • Bevorzugt ihr schöne, markante oder unscheinbare Protagonisten (welches Genre?)
        Sowohl als auch. Mir ist alles recht. Was mir aber auf die Nerven geht ist diese Sorte Protagonistin, die von sich selbst immer wieder behauptet, sie wäre unattraktiv, obwohl ihr alle Männer sabbernd hinterher rennen.
        Außerdem hätte ich in Liebesromanen gerne mal richtig unattraktive Figuren. Einfach so zur Abwechslung und für den Realismus (Nicht nur hübsche, gesunde Menschen zwischen 20 und 40 verlieben sich).

        • Soll das Aussehen den Charakter widerspiegeln?
        Also tierisch auf die Nerven geht es mir, wenn Haarfarben oder Augenfarben Charaktermerkmalen zugeordnet werden. Der feurige Rotschopf. Kalte graue Augen. Die Farbstoffverteilung in Augen und Haaren hat nichts mit Charaktereigenschaften zu tun. Hmpf!

        • Soll man vermeiden den Charakter im Aussehen widerspiegeln zu lassen, und geht das überhaupt?
        Ich finde eher andersherum wird ein Schuh draus. Das Aussehen bestimmt bestimme Persönlichkeitsmerkmale. Wie man von der Außenwelt behandelt wird, prägt ja schon das Innenleben und die äußere Erscheinung spielt da schon eine Rolle. Es gibt ja zig Studien, die zeigen, dass hübsche Kinder mehr Zuneigung bekommen oder das attraktive Männer für kompetenter gehalten werden. Solche Dinge meine ich.

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        • #9
          Ich kann mir Menschen und Charaktere ohnehin nicht genau vorstellen. Empfinde ich einen Charakter als sympatisch sieht er für mich oftmals in meinen Augen gut aus. Ich finde aber auch durchschnittlich hübscher, als gängige Schönheitsideale. Deshalb denke ich, ich bevorzuge unscheinbare Protagonisten? Mir ist das Aussehen ziemlich wuppi. Wie andere schon schrieben, es nervt nur, wenn auf dem Aussehen herumgeritten wird, egal in welcher Richtung.

          Für mich ist das Aussehen eh immer durch die Rolle und damit auch durch den Charakter der Figur geprägt. Wie schon im Einleitungsartikel, erfüllt die Figur den Zweck Mutter zu sein, dann haben wir ne Vorstellung. Ist es die beste Freundin, dann sieht die Person aus, wie unsere Vorstellung der stereotypen Freundin.
          Man kommt gar nicht drum rum, das Aussehen mit der Rolle zu verknüpfen. Selbst der gutaussehende Bösewicht erfüllt ja seine Rolle.
          Wenn wir jemanden treffen, hat der eine Wirkung auf uns. Als Autor kann ich deshalb nur diese Wirkung einfangen, die ist nunmal geprägt, durch die Aufgabe, die diese Person in der Geschichte hat und diese Aufgabe ist natürlich durch ihren Charakter geprägt.
          Ich mag keine offensichtlichen Klischees, aber man wird nicht drum rum kommen, dass die Eigenschaften des Charakteres beeiflussen, wie der Leser und auch ich ihn mir vorstelle. Ein intelligenter Charakter muss zum Beispiel keine Brille haben, ich werde mir aber dennoch ein Gesicht vorstellen, dass ich mit Intelligenz verbinde, z.B. geradere, definiertere Züge. Weil ich keinen Grund habe, ihn mir anders vorzustellen. Warum sollte er für mich dümmlich aussehen, wenn er klug agiert?
          Meine Vorstellung möchte die Muster, die ich erlebt habe einfach wieder anwenden und wenn eine Figur Macken im Charakter hat, dann würde ich mir auch automatisch keine rundum perfekte Figur vorstellen.

          Mit Klischees kann man spielen und ich mag es, wenn man damit Unsinn treibt. Der erste Eindruck eines Charakters ist nämlich nicht immer der richtige, wie auch bei Personen. Man macht sich immer ein Bild, dieses aber zu erweitern und zu brechen, ist wichtig damit der Charakter interessant bleibt. Da spielt auch das Aussehen mit.

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