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Das Ziel deiner Figur

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  • [Handwerk] Das Ziel deiner Figur


    Der Protagonist hat ein konkretes Ziel, das mit dem Plot verknüpft ist. Das Ziel zu verfolgen ist die Haupthandlung des Romans. Der Leser fiebert mit, er will wissen, ob es die Figur es schafft. Doch damit die Figur trotz aller Konflikte und Hindernisse für dieses Ziel kämpfen will, braucht sie einen triftigen Grund hat. Das ist die Motivation.

    Unserer Figur hat das Ziel, einen Einser-Durchschnitt im Abitur zu haben. Doch warum will sie gute Noten haben? Um sich an der Uni bewerben zu können? Um es sich selbst zu beweisen? Um die Eltern zufriedenzustellen? Und welches Bedürfnis steckt hinter dem Warum, hinter dieser Motivation? Wünscht sich die Figur vielleicht bloß die Anerkennung und Liebe der Eltern (jupp, sehr klischeehaft, funktioniert aber immer wieder)?

    Es gibt Bedürfnisse, die nach außen getragenen werden: Die Figur steht offen dafür, und die Mitmenschen bekommen ihre (Lebens-)Einstellung mit. Den inneren Bedürfnissen hingegen sind sich die Figur oft selbst nicht einmal bewusst. Besonders interessant wird es, wenn sich die Ziele und Bedürfnisse widersprechen.

    Nehmen wir die Figur von oben und nennen sie … Amelia. Amelia ist nun eine erwachsene Karrierefrau. Durch ihre Eltern geprägt, ist ihr Leistung sehr wichtig, denn wie will anerkannt werden (Bedürfnis). Sie kämpft, um im Job aufsteigen (Ziel). Ihr Mann will sie verlassen (Konflikt), weil er damit nicht klarkommt, dass sie mehr als er verdient – noch schlimmer – seine Chefin geworden ist. Zudem sind ihre Kollegen männlich, und sie hat mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass eine Frau nicht für diesen Job geschaffen wäre (Konflikt). Sie will es den Kollegen beweisen (Motivation), müsste dafür aber ihre kleine Tochter den ganzen Tag in der Kita lassen. Ferner möchte Amelia ihren Eltern zeigen (Motivation), dass sie sowohl Karriere machen kann, als auch eine gute Mutter sein. Beides hängt wieder mit dem Bedürfnis nach Anerkennung zusammen.

    Wenn ihr euch eine Figur mit verschiedenen und scheinbar widersprüchlichen Zielen baut und diese mit dem Plot verwebt, werdet ihr neben einer rasanten Geschichte auch noch eine Figur mit Konflikt und Entwicklungsmöglichkeiten haben.


    [Sonderaufgabe]
    In dem Ideen-Thread könnt ihr euch eine Plot-Idee zusammenbasteln (oder ihr fragt um Erlaubnis, auf eine vorhandene Idee zurückzugreifen). Das Ziel des Protagonisten wird höchstwahrscheinlich bereit enthalten sein.
    Baut auch die anderen Ziele der Figur aus und verwebt sie mit dem Plot. So habt ihr neben einer rasanten Geschichte auch noch eine Figur mit Konflikt und Entwicklungsmöglichkeiten.
    Zuletzt geändert von VickieLinn; 30-09-2017, 16:37.
    Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
    die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
    die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
    die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

    Jack Kerouac

  • #2
    Ziele und Bedürfnisse...Genau so baue ich meine Hauptfiguren auf. Sie bekommen ein externes Ziel (want) und dann noch ein internes Ziel (need), dass den Endpunkt ihrer Charakterentwicklung darstellt. Manchmal sind beide Ziele zu vereinen, manchmal nicht und dann hat man ein interessantes Dilemma, wie bei Amelia.

    Ziele und Bedürfnisse wähle ich aber nicht einfach so, sondern ich leite das Ziel aus der "Wunde" aus.

    Die Wunde, manchmal auch Geist genannt ist ein Aspekt der Vergangenheit (häufig ein tragisches Ereignis), dass die Figur emotional/psychisch so schlimm verletzt hat, dass sie eine dauerhafte Wunde davon getragen hat, die seit dem ihr Handeln prägt. Das "Bedürfnis" ist quasi die Umkehr dieses Aspekts. Jemand, der betrogen wurde, muss wieder vertrauen lernen, jemand der Schuld auf sich geladen hat, muss sich Rehabilitieren, jemand der ausgegrenzt wurde, braucht das Gefühl, dazu zu gehören. So in der Art,

    Die Figur versucht sich natürlich davor zu schützen, noch einmal auf diese Art verletzt zu werden. Das wirkt sich auf ihr Verhalten und oft auch auf das externe Ziel aus, wie Amelia, die befördert werden will, weil sie meint, sich nur so vor dem Gefühl der Wertlosigkeit schützen zu können, dass sie in ihrer Kindheit erfahren hat.

    Und mal was ganz anderes:
    Ziele sind, finde ich, nicht nur auf Plot, sondern auch auf Szenenebene wichtig. Eigentlich sollte eine Figur in jeder Szene irgendetwas wollen, sonst hat sie ja keinen Grund zu handeln und eine Figur, die nicht handelt, ist langweilig.

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    • #3
      Zitat von Maggi Beitrag anzeigen
      Ziele und Bedürfnisse wähle ich aber nicht einfach so, sondern ich leite das Ziel aus der "Wunde" aus.

      Die Wunde, manchmal auch Geist genannt ist ein Aspekt der Vergangenheit (häufig ein tragisches Ereignis), dass die Figur emotional/psychisch so schlimm verletzt hat, dass sie eine dauerhafte Wunde davon getragen hat, die seit dem ihr Handeln prägt. Das "Bedürfnis" ist quasi die Umkehr dieses Aspekts. Jemand, der betrogen wurde, muss wieder vertrauen lernen, jemand der Schuld auf sich geladen hat, muss sich Rehabilitieren, jemand der ausgegrenzt wurde, braucht das Gefühl, dazu zu gehören. So in der Art,
      Schöne Anmerkung!

      Ich hab irgendwann mal mein Figur-O-Gramm entwickelt, wo ich all die Ziele, Bedürfnisse und die Wunden (ich nenne es Traumata), aber auch die dadurch resultierenden positiven und negativen Charaktereigenschaften, das (falsche) Selbstbild, die selbst geschaffenen Hindernisse und die notwendige Entwicklung, um das Ziel zu erreichen, verknüpfe. Ich bin nie wirklich fertig geworden, weil das Papier leider nur zweidimensional ist …

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      Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
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      Jack Kerouac

      Kommentar


      • #4
        Woah, schön! Bei so etwas geht mir ja das Herz auf.
        Ich finde diese beiden hier ganz gut:
        Character Pyramid
        Reverse Backstory Tool

        Ich finde diese kleinen Schaubilder sind 100x nützlicher bei der Charaktererschaffung als diese eeeeendlosen Fragebögen, die man immer ausfüllen soll. Gott, ich hasse diese Fragebögen.

        Vielleicht sollte ich auch mal so ein Flow-Chart basteln. Alles wird besser mit Flow-Charts,

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        • Amilyn
          Amilyn kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Ok, also ich schreibe z. B. den Namen meines Protagonisten auf und fange an, aufzuschreiben, was seine Ziele, Wünsche, Eigenschaften usw sind, besondere äußerliche Merkmale oder so und leite davon ab, was die Konsequenzen daraus sind und immer weiter und immer weiter? Also, z. B. Jimmy hat einen Klumpfuß, wurde deshalb in der Schule gehänselt, hat sich deshalb von seinen Mitmenschen isoliert, hat deshalb nie eine Freundin gefunden, ist deshalb mit Mitte 30 noch Jungfrau usw...?

        • after eight
          after eight kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Ja, so würde ich es auch machen. Ich denke mal so ist es viel leichter, den Überblick zu behalten, als beim Charakterbogen.

        • Ankh
          Ankh kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          @Amilyn: So ist das auf jeden Fall besser, als wild Streichhölzchen zu ziehen, ob der Prota eher ein Hunde- oder ein Kaktustyp ist. Man sollte aber auch versuchen, nicht alles überzuanalysieren. Manchmal hat man einfach eine Lieblingsfarbe, ohne dass sie aus irgendeinem bedeutsamen Trauma der Kindheit resultiert. Man kann also acuh willkürlich ein paar Dinge festlegen, sollte aber schauen, ob sie zu den anderen Dingen passen und ob sie selbst vielleicht wieder Ausgangspunkt für eine Reihe Charakteristiken sind, z.B Lieblingsfarbe weiß -> hat viele weiße Möbel und Kleider -> hat einen leichten Reinigungsfimmel und mag keine Haustiere

      • #5
        Der Nachteil bei den Charakterbögen ist eben, dass sie nicht erfordern, dass da irgendwas verknüpft ist. Sie halten dich dazu an, Eigenschaften auszusuchen, aber woher die Vorlieben und Abneigungen kommen und was für Auswirkungen sie aufeinander haben, das zeigen sie nicht. Theoretisch kannst du "Ängste: Höhenangst" und "Hobbies: Gleitschirmfliegen" reinschreiben. Und dich dann hinterher wundern, dass du eine Figur mit einer Latte an Eigenschaften hast, aber keinen Charakter, der sich real anfühlt.

        Ich finde es übrigens gut, wenn die Figur nicht alle ihre Ziele erreicht bzw das eine für ein anderes opfern muss. Solche Figuren bleiben länger bei mir hängen, nachdem das Buch fertig ist, als wenn nach einem Happy End alles erledigt ist. Man will sie nicht verlassen, weil es ihnen eben noch nicht perfekt geht und noch Ziele und Wünsche offen sind, und spinnte im Geiste die Geschichte weiter oder um.
        If I could read your mind love
        What a tale your thoughts could tell
        Just like a paperback novel
        The kind the drugstore sells
        -- Gordon Lightfoot "If you could read my mind"

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        • Maggi
          Maggi kommentierte
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          Diese Charakter-Pyramide z. B. bringt mir nüschts
          Das bringt glaube ich auch nur was, wenn man die Gedanken hinter den Begriffen kennt. Ich kann das Konzept bei Gelegenheit hier im Forum mal vorstellen.

        • after eight
          after eight kommentierte
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          Das wäre super, Maggi!

        • Amilyn
          Amilyn kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Gerne, Maggi, wenn Du die englischen Begriffe alle schon ausgetüftelt hast
          @after eight: Oh Gott, diese 100 Fragen... aber ich hatte auch schon mal vor einen sehr viel kürzeren Steckbrief aus dem Schreibratgeber von Elizabeth George gestanden wie der Ochs' vorm Berg.
          Also, diese Flow-Sache finde icb gerade echt gut

      • #6
        Zitat von Ankh
        Ich finde es übrigens gut, wenn die Figur nicht alle ihre Ziele erreicht bzw das eine für ein anderes opfern muss. Solche Figuren bleiben länger bei mir hängen, nachdem das Buch fertig ist, als wenn nach einem Happy End alles erledigt ist.
        Happy Ends finde ich grundsätzlich ein wenig dröge. Ich mag Charaktere, die vielschichtig sind, nicht immer alles erreichen (was ohnehin völlig irreal wäre) und deren Motive ein wenig undurchsichtig scheinen. Es gibt Motive, die nicht einfach zu erfassen sind, die möglicherweise in den Tiefen des Unterbewusstseins generiert wurden. Wichtig ist aber, dass alles nachvollziehbar/authentisch bleibt.

        Kommentar


        • #7
          Ich muss mir Vickies Figur-O-Gramm später noch mal genau ansehen.
          Der Screenshot ist so unscharf. Ich habe es klein gemacht, weil erstens nicht alles raufpasst und es zweitens noch unfertig ist.


          Zitat von Maggi
          Das bringt glaube ich auch nur was, wenn man die Gedanken hinter den Begriffen kennt. Ich kann das Konzept bei Gelegenheit hier im Forum mal vorstellen.
          Gerne auch alle beide Konzepte … und dann auch meins als drittes.

          Hast du Lust, mir bei meinem Flussdiagramm zu helfen? In diesem ist die Pyramide und das andere Flow-Chart enthalten.
          Ich will nämlich das ultimative Allumfassende schaffen un könnte jemanden mit kritischem Blick gebrauchen.
          Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
          die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
          die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
          die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

          Jack Kerouac

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          • #8
            Also, wenn Ihr beiden da mal was auf die Beine stellen würdet, wäre das echt ein Traum. Wie gesagt, ich habe meine Figuren immer sehr lebhaft im Kopf, aber ich habe nichts in der Hand sozusagen. Ich hab's ja auch schon mal bei meiner Vorstellung angesprochen, dass ich so auch Gefahr laufe, dass mir die Charaktere abdriften können. Das ist mir beim NaNo im November passiert, und es war grässlich. Wenn ich gedanklich einfach nicht so intensiv in der Story bin, dann der Zeitdruck, ich hatte natürlich auch nicht geplottet (war also ganz im NaNo-Gedanken des Einfach-drauflosschreibens geblieben), da sind mir direkt mal alle 3 Hauptcharaktere flöten gegangen.

            Ich hatte es für mein aktuelles Projekt übrigens mit einer Art "Charakter-Interview" versucht, was eigentlich auch ganz cool war. Ich als Autor habe quasi ein Interview mit den Charakteren geführt. Hab ich aus irgendeinem Schreibratgeber. Das wäre vielleicht was für jemanden, der nicht so auf Tabellen, Diagramme und "buntiges" (also farbenfrohes ) Zeug steht. Aber ich bin für so was immer zu haben (ich Mädchen ). Bei so einem Interview führt natürlich auch eins zum anderen. Man stellt eine Frage an seinen Charakter, bekommt die Antwort, was zu einer weiteren Frage führt usw. Der Nachteil ist da einfach, dass man sich ggf. alles noch mal durchlesen muss, aber, wie bei einem Spickzettel, behält man es so vielleicht auch etwas länger im Kopf.

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            • Ankh
              Ankh kommentierte
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              Ich stelle mir interessant vor, wenn jemand anderes dieses Interview führt, der deinen Charakter noch nicht kennt, z.B. hier im Forum. Derjenige stellt vielleicht Fragen, über die du dir noch nie Gedanken gemacht hast Wenn man selbst die Fragen auswählt, bleibt man ja eher auf sicherem Terrain.
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