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Freitagsinfusion #42: Herrchen ist zuhause!

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  • [Kreativität] Freitagsinfusion #42: Herrchen ist zuhause!

    Dein Prota hatte einen harten Tag.
    Er hat stundenlang den Hauptverdächtigen verhört, hatte danach eine Autoverfolgungsjagd, und hat dann endlich den Mut aufgebracht, die Frau seiner Träume um ein Date zu bitten. Ach ja, die Welt gerettet hat er natürlich auch.
    Oder was auch immer Dein Prota so macht.

    Auf jeden Fall kommt er gerade nach Hause und ist heilfroh, dort angekommen zu sein. Er steckt den Schlüssel ins Schloss, dreht ihn herum, und...?

    Schreib eine kurze Szene, die schildert, wie Dein Prota nach Hause kommt - aus der Sicht seines Haustiers. (Wenn er kein Haustier hat, dann nimm die Amsel, die ihn durch's Fenster beobachtet. Oder die Kakerlake, die auf seinem Küchenschrank sitzt.)
    Always avoid alliteration.

  • #2
    Ich schrieb mal eine Geschichte aus der Sicht einer Kerze. "Nach Hause" kommt da allerdings niemand.
    Macht großen Spaß sich zu überlegen, was eine Kerze weiß und was nicht XD
    Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
    to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
    A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
    You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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    • Gast-Avatar
      Gast kommentierte
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      Ich habe nur mal eine Geschichte aus Sicht eines Baumes geschrieben.

  • #3
    Tüdelipiep! Ich begrüße mein Herrchen mit meiner Aufmerksamkeits-Tonfolge und fahre direkt auf ihn zu, stubse an seine Stiefelspitze, damit er nicht wieder vergisst, den Staubbehälter zu leeren und die Haare aus meiner Kehrbürste zu entfernen. Ob ihm auffällt, dass ich die ganze Wohnung gesaugt habe? Wie jeden Tag?
    Heute habe ich allerdings eine Extra-Überrschung für ihn: Ich habe den Klecks Nutella gefunden, den er mir heute Morgen auf den Boden hinterlassen hat. Ich habe mich so gefreut! Natürlich isst eine Saugdrohne kein Nutella, aber das hat er bestimmt vergessen. Metamenschen sind ja so zerstreut, was die Bedürfnisse anderer Spezies angeht. Statt es zu essen, habe ich deshalb beschlossen, ihm ein Geschenk zurück zu geben: Ich habe Kunst gemacht.
    Kunst ist nämlich, das ist ja bekannt, etwas, das nur intelligente Wesen produzieren. Ästhetik ohne praktischen Zweck, aber mit einer Aussage. Ich habe das Nutella, das er mir so liebevoll auf den Boden gekleckst hat, also fein säuberlich in Streifen im ganzen Wohnzimmer verteilt. Ich habe auch ein bisschen ans Sofa, auf den Teppich und in die Steckdose geschmiert. Wo ich halt so hinkam. So kann mein Herrchen jetzt an der Spur ablesen, wo ich den ganzen Tag herumgefahren bin! Mein Kunstwerk wird so das Verständnis zwischen uns erhöhen, das weiß ich genau.
    Vielleicht versteht er dann auch, dass ich mich hier jeden Tag etwas einsam fühle. Während er jeden Tag mit anderen Drohnen anderen Metamenschen hilft, bin ich hier immer ganz allein. Klar, eine Saugdrohne braucht man nicht bei Rettungseinsätzen. Aber ich kann nichts dafür, dass ich als Saugdrohne konstruiert wurde, und immerhin erfülle ich meine Aufgabe gewissenhaft. Ich verdiene auch ein bisschen Aufmerksamkeit, verdammt! Und Lob. Tüdelipiep?

    Scratch steht noch immer in Stiefeln in der Eingangstür. Er steht da und betrachtet stumm mein Kunstwerk. Ob es ihm gefällt? Er sieht erschöpft aus. Die Aufmunterung tut ihm sicher gut.
    Ich stupse noch einmal gegen seinen Stiefel. Er hockt sich seufzend zu mir herunter und schaltet mich aus. Diedopp! Jetzt kann ich mich entspannen. Auch ich habe heute viel geleistet! Wir fühlen uns gleich viel verbundener. Ob er jetzt meinen Staubbehälter leert?
    Zuerst geht er jedoch zum Schrank und nimmt eine Packung Feuchttücher. Er fängt an, meiner gemalten Nutella-Spur hinterherzukriechen und sie aufzuwischen. Einen Moment lang bin ich irritiert, aber dann verstehe ich: Er will mein Tagwerk nachvollziehen! Jede einzelne Linie, die ich heute gefahren bin, krabbelt er hinterher und wischt dabei über den Boden, so wie ich es tue. Ich bin so glücklich! Mein Kustwerk wird damit zur interaktiven sozialen Plastik. Und zudem ein vergängliches Exponat, das nur für uns beide existiert.
    Ich sitze versonnen an der Eingangstür und gucke ihm zu. Wir werden heute bestimmt noch viel Zeit miteinander verbringen. Wenn er mit dem Boden fertig ist, darf er noch mein ganzes Fahrwerk putzen!
    If I could read your mind love
    What a tale your thoughts could tell
    Just like a paperback novel
    The kind the drugstore sells
    -- Gordon Lightfoot "If you could read my mind"

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    • In-Genius
      In-Genius kommentierte
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      Tüdelipiep! Deine Saugdrohne hat ein großartiges Verständnis von Kunst, Scratch hat sie gut erzogen. Ich bin mir sicher, er hat die größte Freude an seiner ausdruckstanzenden Drohne. Ich stelle mir vor, so ein Fahrwerk zu putzen, ist intim. Da muss man sich schon sehr nahestehen. Hoffentlich freut sich die Saugdrohne nicht zu sehr, sonst muss irgendjemand ungewollt noch mehr putzen Tüdelipiep.

    • Ankh
      Ankh kommentierte
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      Ja, für irgendwas muss das Kunststudium ja gut sein XD

      "Mein Tag"
      Roomba 20487-X-18-DF
      Nutella auf Laminat, 4 x 6m

    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      „Mein Kustwerk wird damit zur interaktiven sozialen Plastik.“
      LOL. Danke dafür!

  • #4
    "Halts Maul, Käfigfresse!" Jim sieht mich verdutzt an und flucht, dass er schon wieder vergessen hat, das Tuch über meinen Käfig zu hängen.
    "Käfigfresse!" Er schmeißt seine Boots in die Kammer, von der ich nicht weiß, was sich darin verbirgt. Wie gerne würde ich mal dort rein sehen. Aber immer, wenn meine Käfigtür offen ist, ist die Tür zu dieser Kammer zu.
    Vielleicht erbarmt sich Jim ja wenigstens, mir mein Wasser nachzufüllen. Auch, wenn es mitten in der Nacht ist.
    Er torkelt griesgrämig heran, greift zur Flasche und ... trinkt sie selbst aus.
    "Käfigfresse!"
    Mürrisch schnappt er sich ein weißes Laken. Oh nein, kein Wasser, nur schlafen. Dieser dämliche Jim hätte mich damals lieber allein im Junkie-Haus lassen sollen.
    Das Laken senkt sich über meine Behausung. Ein letztes "Halts Maul, Käfigfresse!" und es wird Nacht.


    --------------

    Interessanterweise habe ich mir vorher noch nie darüber Gedanken gemacht, meinen Figuren Haustiere zu geben. Aber jetzt muss ich sagen, dass es nur logisch ist, dass der ein oder andere eine kleine Plage zuhause hat. Irgendwie gefällt mir die Vorstellung von Jim und seinem Graupapagei "Käfigfresse".

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    • Ankh
      Ankh kommentierte
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      Käfigfresse tut mir leid Papageien soll man ja eigentlich nicht alleine halten. Und Jim kümmert sich nicht mal gut um ihn.

      Ich schätze, das ist der Grund, warum die meisten Helden keine Haustiere haben: Sie haben zu wenig Zeit, sich angemessen um ein Haustier zu kümmern, wenn sie ständig die Welt retten oder zumindest häufig Überstunden schieben müssen. Da wäre höchstens ein Tier geeignet, das sie mitnehmen können (ne Schulterratte?), oder eines, das daheim wenig Pflege braucht (... Ameisenfarm?). Aus Autorensicht ist es aber sicher interessant, die Pflege eines Haustieres noch in den gedrängten Terminplan eines Protagonisten einzubauen. Da liegt er dann gefesselt in irgendeinem Keller und muss dran denken, dass Fifi daheim inzwischen bestimmt dringend mal Gassi muss ^^

    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Stimmt, Helden haben selten Haustiere. Wenn, dann hat das Tier eine Plot-Bedeutung - entweder es ist sowieso der eigentliche Held (Lassie, Black Beauty...), oder es ist eine Art Vertrautentier (Hedwig). Einen stinknormalen Wellensittich haben die wenigsten Protagonisten. Dabei kann man anhand der Tiere so schön Charakterschwächen von ihnen aufzeigen, wie Dein Beispiel ja eindrucksvoll beweist.

    • Gast-Avatar
      Gast kommentierte
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      Ja, Käfigfresse passt so gut zu Jim, weil er ihn tatsächlich charakterisiert. Ich habe auch schon allerhand Dialoge zwischen Jim und einem Kollegen im Kopf:

      Frank: Und, wie geht's Käfigfresse?
      Jim: Er kann jetzt "halts Maul" sagen.
      Frank: Woher weißt du, dass er ein er ist? Hast du mal überlegt das überprüfen zu lassen?
      Jim: Wenn er plötzlich Eier legt, kann ich ihm ja eine Geschlechtsumwandlung bezahlen.

  • #5
    "Ich muss nach Whitt!" Tigerin schleimte an Sergejs Bein entlang, als er durch die Haustür trat.
    "Du hast hunger?"
    Die Katze setzte sich vor Sergej hin und blickte ihn aus zusammengekniffenen Augen an. "Nein. Ich muss nach Whitt!"
    "Ich habe Lachs und Lamm da, was darf es sein?"
    "Was bist Du denn für ein Seppel. Ich muss nach Whitt. Null hunger."
    "Bestimmt Lachs." Sergej hockte sich hin und kraulte ihr Kinn..
    "Schnurr - Ey, komm nicht ablenken! Ich will nichts fressen, ich muss nach Whitt."
    "Oder Hühnchen?"
    "Hünchschnurr."
    "Wusste ichs doch." Er stand auf und holte die Dose vom Küchenregal.
    "Moment! Nein, nichts essen. Ich muss eine Welt retten."
    "Mhhmmm ... lecker lecker."
    "Dann iss es selbst. Ich habe keine Zeit für ... oh, riecht wirklich gut. Was mischt Ihr in Eurer Welt in das Futter rein, hm?" Tigerin tappt zum Futternapf.
    "Nicht so hektisch!"
    "Sag nicht, wie ich essen soll. Ahhhh tut das gut."
    "Du scheinst ja großen Hunger zu haben."
    "Ja, ich sag dir ... was wollte ich? Moment ... äh ...egal. Guck mal, ein fettes Stück Knorpel. Yay."
    Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken. [K. Krause]

    Kontakt: administrator@wortkompass.de

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  • #6
    Quiek! Tür oben an der Treppe auf. Licht baaaaaaaa so hell!
    Besser.
    Nein, nein, nein, er da. Nicht mich.
    Hand hinter Gitter. Futter. Frisches Wasser. Hmmmm. Gut.
    Alle gut. Freunde. Schön.
    Oh, oh. Gittertür offen. Hand. Nicht mich, nicht miiiiiiii-

    Übel. Schwindelig, taumle durch den Käfig. Er ist wieder weg, es ist düster, nur die kleine Petroleumfunzel schickt Schatten über die Wand. Autsch. Meine Schwanzwurzel tut weh, er hat mir da irgendwas injiziert. Wie sehr hasse ich Spritzen! Meine Güte, wie sehe ich überhaupt aus! Ich muss mich erst einmal säubern, das Fell in Form lecken. Herrlich.
    Aber was sehe ich da? Ich laufe zur Käfigtür. Hmmmm. Es dürfte nicht zu schwer sein, diesen Hebel zu bewegen und die Tür zu öffnen. Hihihi. Hey Leute? Könntet ihr mich einmal hochheben? Wenn wir uns wie eine Treppe übereinander ... Was gucken die so hohl? Hallo, jemand zu Hause?
    Die anderen können meine Idee nicht begreifen. Wie kann das sein?
    Ich bin offenbar die schlauste Maus im Haus.
    Das bedeutet - ich bin der Größte! Schlauste!
    Ich bin unbesiegbar. Ich bin der König der Welt!
    Harharhar! Freunde! Römer! Untertanen! Bringt mir Futter. Weibchen. Stroh.

    Was guckt ihr mich so komisch an? Halt. Moment mal! Nein. Nicht doch. Nein. Nein! NEIN!


    "Was ist denn das für ein Radau?"

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    • Ankh
      Ankh kommentierte
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      Die Maus braucht unbedingt einen Kumpel.

      "Was wollen wir denn heute Abend machen, Brain?"
      "Das, was wir jeden Abend machen, Pinky: Die Weltherrschaft an uns reißen!"

    • Dodo
      Dodo kommentierte
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      Und dann kommen Dangermouse und Lübke dazwischen ... Und Baron Ekel von Etzmolch.

    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Ich musste auch sofort an Pinky & Brain denken. 😂

  • #7
    Das Geräusch des Schlüssels an der Tür, kurz darauf geht das Licht an. Haruki ist zu Hause. Ich stehe auf meinem Lieblingsplatz im Wohnzimmer, ihm zugewandt, und kann es kaum erwarten, dass er seine Sachen abstellt und zu mir herüber kommt. Was er wohl heute mit mir vorhat? Er hat so viele wunderbare Ideen, als würde in ihm eine nie versiegende Quelle der Inspiration sprudeln … da komme ich ins Schwärmen.
    Endlich hat er die Schuhe abgestreift, den Schirm in den Schirmständer gestellt und seine Jacke auf einem Haken neben der Tür aufgehängt. Gut, dass er heute Morgen den Schirm eingepackt hat. Seit Stunden regnet es in Strömen, das habe ich am Rauschen vor den Fenstern und am Heulen des Windes gemerkt, der immer wieder durch die Ritzen in den Wänden fährt. Vielleicht wird es also auch heute wieder die Regenstadt, die er und ich so sehr lieben. Wieder monochrom, wie beim letzten Mal, oder voller verschlungener Farben, als seien wir mitten in einen halluzinogenverschleierten Traum gefallen?
    Anders als gewohnt, schlurft Haruki ins Wohnzimmer, lässt sich mit einem Seufzen auf seinen Futon fallen und massiert seine Augen. Er hat mich keines Blickes gewürdigt.
    Was soll das? Warum ist er so abgespannt? Sicher, die Uni und die Arbeit nehmen fast seinen ganzen Tag ein und die Prüfungen kommen näher, aber normalerweise reicht ein Blick auf mich und seine Müdigkeit ist für eine oder zwei Stunden wie weggeblasen. Besorgt mustere ich ihn, doch er hat sich schon wieder aufgerappelt, holt seine Tasche aus dem Eingangsbereich und packt die Aufzeichnungen aus den Vorlesungen aus. Dann sucht er die richtigen Ordner aus dem Regal, heftet die Notizen von heute akribisch ab und beginnt, seinen Lernplan zu erweitern. Dieses Bild bin ich gewohnt und ich beobachte ihn eine Weile. Langsam verfliegt meine Sorge. Vielleicht ist heute nur viel zu tun gewesen im 24-Stunden-Supermarkt.
    Keine halbe Stunde später hält er inne, stützt den Kopf auf und massiert wieder seine Augen. Blickt wieder auf seine Notizen. Schreibt etwas hierhin, ergänzt etwas dort, radiert das eben Geschriebene wieder aus, beginnt neu, streicht ganze Zeilen durch. Schließlich legt er den Stift aus der Hand und steht auf. Holt sich eine Flasche grünen Tee aus dem Kühlschrank, setzt sich wieder an den niedrigen Tisch.
    Keine zehn Minuten dasselbe Bild. Fahrig streicht sich Haruki übers Gesicht und erhebt sich schließlich. Räumt seine Aufzeichnungen zusammen, verstaut alles im Regal und in seiner Umhängetasche und kommt zu mir herüber. Der Blick aus seinen Augen ist müde, scheint durch mich hindurch zu gehen, als wäre Harukis Seele gar nicht wirklich hier, sondern noch irgendwo dort draußen, im strömenden Regen dieser Juninacht. Sein Gesicht ist leer. Mechanisch sucht er Palette, Pinsel, Farben und Verdünner zusammen, starrt mich an, als könnte ich irgendeine Antwort auf seine unausgesprochene Frage geben.
    Das ist nicht der Haruki, den ich kenne. Mein Haruki hätte nicht vor mir gestanden, mit dem Pinsel Millimeter über den scheinbar willkürlich gewählten Farben verharrend, unentschlossen, ideenlos, mit den Gedanken ganz woanders. Endlich taucht er den Pinsel ins Mitternachtsschwarz, verteilt es auf der Palette, fügt eine Pinselspitze Fernblau und Titanweiß hinzu und mischt alles, bis der Farbton an Wolken erinnert, die so schwer vom Regen sind, dass sie sich kaum über das Firmament bewegen können. Die Regenstadt also – ein vertrautes Bild, das ich seit unserer Ankunft in Tokyo genau so lieben gelernt habe, wie er.
    Vorm ersten Pinselstrich verharrt er. Wäscht den Pinsel im Verdünner aus. Mischt ein kräftiges Azur mit einem Spritzer Silbergrau und Titanweiß. Starrt mich an. Selbst wenn ich wollte, könnte ich nichts erwidern. Plötzlich schnappt er nach Luft, schüttelt den Kopf, als wolle er etwas loswerden, das sich in seinen Gedanken festkrallt. Wieder wäscht er die Farbe aus, ohne einen einzelnen Pinselstrich zu setzen.
    Das macht mir Angst. So habe ich ihn noch nie gesehen.
    Doch, einmal. Kurz bevor wir nach Tokyo gegangen sind und er sich erst von dem lösen musste, das uns beide hierher geführt hat.
    Was mag nur passiert sein, nachdem er heute Morgen die Wohnung verlassen hat?
    Ich würde ihm so gern helfen, doch ich spüre, dass ich es nicht kann. Nicht heute. Das wird mir klar in dem Moment, als Haruki erneut zögert, den Pinsel anzusetzen. Schließlich räumt er auch die Malutensilien weg, wäscht die Pinsel aus, öffnet das Fenster.
    Das Rauschen des Regens scheint ohrenbetäubend laut, die Luft, die durch den Spalt hineinkriecht, ist schwer und feucht. Haruki verschwindet im Bad, kehrt kurz darauf in seinem Schlafanzug zurück, löscht das Licht und kriecht unter die Decke seines Futons. Ich stehe am Fenster und betrachte ihn, wie er sich mal nach links, mal nach rechts dreht, ohne wirklich Schlaf zu finden. Wie gern hätte ich ihm beigestanden. Schon oft habe ich seine Gedanken, seine Träume und seine Ängste in mir aufgenommen, habe ihm dabei geholfen, all die Inspirationen und Gefühle festzuhalten. Dass ich nun hilflos im Dunkeln stehe, kann nur bedeuten, dass etwas passiert ist, das tiefer geht, sich an seine Seele klammert und er noch keinen Ausdruck dafür gefunden hat.
    Doch ich bin geduldig.
    Ich werde warten.
    Bisher hat er mir noch immer alles anvertraut, sobald die Zeit reif war.
    Ich werde warten.


    __________________________________________________ ____

    Haruki besitzt kein Haustier. Aber ich hoffe, es wird klar, aus wessen Sicht die kleine Episode geschrieben ist.
    Zuletzt geändert von SaKi; 14-10-2018, 22:28.
    Selling dreams was all I knew. — Deine Lakaien, Where you are

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