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Weltenfrage #19 - Magiesysteme

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  • Weltenfrage #19 - Magiesysteme





    Magie. Unersetzliches Element eines jeden Fantasy-Romans. Magie macht Unmögliches möglich, und gibt dem Autor eine ganze Schatzkiste ungeahnter Plot-Twists in die Hand.
    Genau deshalb muss aber Magie auch ihre Grenzen haben. Sonst könnte ja unser Protagonist spätestens gegen Ende von Kapitel 1 mit dem Finger schnippen, den Erzschurken wegzaubern, und wir bräuchten das restliche Buch nicht zu schreiben.

    Meist basieren Magiesysteme auf einer Philosophie, einem Aberglauben oder einer Religion (oder gerne auch aus einer Mischung aller dieser Elemente), die dem Leser irgendwie bekannt vorkommt. Amulette und Talismane, Begleittiere und Totemtiere, Voodoo-Puppen, Elementmagie und fliegende Teppiche sind alles gerne genutzte Elemente - was einerseits sehr klischeelastig ist, andererseits dem Leser aber gleich ein Gefühl von Vertrautheit gibt. Manche Autoren vermischen das alles, andere picken sich nur einen Aspekt raus und bauen z.B. ihr ganzes Magiesystem rund um das alchemistische Erschaffen von Talismanen auf.

    In den letzten Jahren hat es sich eingebürgert, fiktive Magiesysteme in „hard magic“ und „soft magic“ zu klassifizieren. Diese Benennung erfolgte analog zu „hard sciences“ und „soft sciences“, wobei die „harten“ Wissenschaften solche sind, in denen messbare und objektive Daten eine große Rolle spielen. (Physik, Biologie und Chemie sind also „harte“ Wissenschaften, während Soziologie und Psychologie „weiche“ Wissenschaften sind.)

    Soft Magic wird nicht erklärt. Es gibt keine offensichtlichen Regeln oder Grenzen, und die Magie dient vor allem dazu, für den Leser eine möglichst zauberhafte Atmosphäre aufzubauen. Der Leser soll hier einfach staunen dürfen.
    „Herr der Ringe“, die „Chroniken von Narnia“ und „Lied von Eis und Feuer“ fallen alle unter die Kategorie Soft Magic. Wir erfahren nie, welche magischen Naturgesetze ermöglichen, dass in Narnia einige Tiere wie Menschen sprechen können. Oder warum Daenerys Targaryen gegen Feuer immun ist. Aber es trägt gewaltig bei zum Flair der entsprechenden Welt.

    Hard Magic beruht dagegen auf einem präzisen System mit starren Regeln, die der Leser so gut nachvollziehen kann, dass er die Möglichkeiten und Limitationen der Magie voraussagen kann. Der Leser soll mitdenken können, und genau wissen, wozu die Magier in der Welt in der Lage sind und was sie nicht tun können.
    Gute Beispiele für Hard Magic sind alle Serien von Brandon Sanderson (Mistborn, Sturmlicht, Elantis …) und die „Dresden Files“ von Jim Butcher. Oder, um auch mal auf andere Medien als Bücher zu schauen: „Fullmetal Alchemist“. In all diesen Geschichten werden die Kosten und Grenzen der Magie zum plottragenden Element. Alphonse kann nichts Neues erschaffen, ohne dabei eine Sache von gleichem Wert zu opfern.

    Natürlich gibt es auch Mischformen: In den „Rad der Zeit“- und „Harry Potter“-Serien z.B. werden viele Aspekte der Magie erklärt, trotzdem gibt es eine große Anzahl an magischen Phänomenen, die der Leser nicht rational nachvollziehen kann.

    Brandon Sanderson ging übrigens so weit, dass er für das Schreiben von Büchern allgemein die „Drei Gesetze der Magie“ formuliert hat:

    Sandersons Erstes Gesetz:
    An author’s ability to solve conflict with magic is directly proportional to how well the reader understands said magic.
    (Die Befähigung eines Autors, (Plot-)Konflikte mittels Magie zu lösen, ist direkt proportional zum Leserverständnis dieser Magie.)


    In anderen Worten:
    Wenn Dein Leser weiß, dass Deine Magier drei getrocknete Erbsen in der Tasche haben müssen, um sich teleportieren zu können, dann kannst Du die Magie auch dauernd vorkommen lassen. Der Leser hat das System verstanden, und wird nie fragen, warum der nackte Magier im Verlies sich nicht einfach herausteleportiert.
    Wenn Dein Leser aber nur wenig über Deine Magie weiß, dann solltest Du sie im Plot so spärlich wie möglich vorkommen lassen und sie damit weiterhin schön mysteriös halten. Sonst fragt der Leser nämlich irgendwann: Äh, warum ist Gandalf nicht einfach zum Schicksalsberg geflogen? Der kann doch zaubern!

    Sandersons Zweites Gesetz:
    Limitations > Power
    (Die Grenzen der Magie sind wichtiger/interessanter als ihre Möglichkeiten.)


    Deine Elfen können nicht mehr zaubern, wenn sie Alkohol getrunken haben? Dann wird die Kampfszene viel spannender, wenn ihnen jemand vorher heimlich Wein in den Traubensaft schüttet.

    Sandersons Drittes Gesetz:
    Expand on what you have already, before you add something new.
    (Erweitere das, was Du bereits erschaffen hast, bevor Du etwas Neues einführst.)


    Damit ist gemeint, dass man sich über die Konsequenzen der eigenen Magie Gedanken machen soll. In Band 1 haben Deine Magier einen Weg gefunden, alle Krankheiten der Welt zu heilen? Dann geh in Band 2 darauf ein, was das mit der Gesellschaft macht. Steht diese Magie nur den Reichen zur Verfügung? Werden dann alle Menschen unsterblich? Was für Auswirkungen hat es auf die Weltwirtschaft, wenn die Aktien der Pharmakonzerne einbrechen? Diese Fragen sind spannender, als wenn Du in Band 2 plötzlich eine neue Superkraft Deiner Magier einführst und sie jetzt auch noch durch die Zeit reisen können.

    Entwickelt Ihr eigene Magiesysteme, oder greift Ihr auf "bekannte" Systeme zurück?

    Seid Ihr Anhänger von Hard Magic oder Soft Magic?

    Was haltet Ihr von Sandersons Gesetzen für den Autor?
    Always avoid alliteration.

  • #2
    Entwickelt Ihr eigene Magiesysteme, oder greift Ihr auf "bekannte" Systeme zurück?
    Ich hab mein eigenes System, in dem magische Fähigkeiten angeboren sind, aber noch ausgebildet werden müssen. Voraussetzung für die Anwendung ist die Beherrschung der eigenen Emotionen und die Einhaltung ethischer Grundsätze.

    Seid Ihr Anhänger von Hard Magic oder Soft Magic?
    Ehrlich gesagt, hab ich mir darüber bisher kaum Gedanken gemacht. Ich finde es ganz gut, wenn man kurz anreißt, wie es geht wie z.B. in der Eragon-Reihe (Magie verbraucht genauso viel Energie, als würde man das, was man tun will, ohne Magie machen. Wenn man die Beschwörung einmal gesprochen hat, entweicht einem so lange und konsequent Kraft, bis der "Zauber" vollbracht ist, was also auch den Tod bedeuten kann, wenn er über die eigenen Kräfte geht. Daher muss man sich vorher gut überlegen, was man tut und ob die Kraft reicht). Was Daenerys Targaryen angeht: Wie viele der Leser oder Zuschauer möchten jetzt wirklich wissen, warum sie die Flammen unbeschadet verlässt und nicht wie ein Brathühnchen aussieht? Ich für meinen Teil nicht. Da gibt es andere Aspekte der Serie, die mich viel mehr interessieren. Flammen können ihr nichts? Okay. Also: Weniger ist mehr.

    Ich denke, es ist nicht nötig alles zu hinterfragen, sonst hat man am Ende nichts mehr von der Geschichte. Was nicht für nachlässig oder schlecht ausgearbeitete Bestandteile der Geschichte gilt. Die schlechte Arbeit eines Autoren ist nicht dasselbe wie eine fehlende detaillierte Aufdröselung jedes vorkommenden Aspekts, den eben auch nicht jeder Leser braucht.

    Was haltet Ihr von Sandersons Gesetzen für den Autor?
    Ich halte sie für einen guten Ansatz beim Entwickeln eigener Magiesysteme. Selbst wenn es keinen 500-seitigen Regelkatalog zur Anwendung der Magie in der eigenen Welt gibt, sollte es doch ein paar Spielregeln geben. Das macht das ganze auch glaubwürdiger, besonders in Situationen, in denen die Magie nicht weiterhilft.
    Ich entwickel langsam eine Art Verfolgungswahn. Verfolgt von Ich-sollte-doch-schreiben.

    Storytelling is the power to connect people to what you care about. Anand Varma

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    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Nachtmahr, Ganz genau: Was auch immer damit gemeint ist.
      Ist er kein gebürtiger Targaryen, sondern ein Bastard? Oder ist er charakterlich ungeeignet? Haben die Götter ihn verflucht und ihm das "drachische" genommen? Hat er ein magisches Ritual nicht durchgeführt, dass sie (vielleicht unwissentlich?) durchgeführt hat? Der Spruch ist ein Indiz, aber keine Erklärung.

    • Nachtmahr
      Nachtmahr kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Ich nehme an, es hat etwas damit zu tun, das er (plus sein Charakter) nicht gut genug, seine Motive nicht selbstlos genug waren und es ihm eben nicht vorbestimmt war, "der" Targaryen zu sein.

    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      So etwas in der Richtung nehme ich auch an. Mir ging es beim Nachhaken nur darum, herauszustellen, dass wir als Leser/Zuschauer das bei einem Sof Magic-System eben nicht WISSEN können, sondern Mutmaßungen anstellen müssen.
      Und diejenigen Leser, die eben gerne über Details spekulieren, sind deshalb bei einem Hard Magic-System oft zufriedener.

  • #3
    Seid Ihr Anhänger von Hard Magic oder Soft Magic?
    Meist kommt in meinen Geschichten Soft Magic vor. Die Welt ist magisch und manche Figuren sind magisch und es gibt eine Hand voll Regeln, aber die Probleme sind menschlicher Natur und mit menschlichen Mitteln zu lösen. Die Magie dient oft dazu, Flair zu bieten und gewissen Dingen mehr Dramatik zu geben. Außerdem sind die magischen Wesen oft als Personifikation von etwas zu verstehen, um gewissen Kräften in der Welt, die uns Menschen malträtieren, ein Gesicht zu geben. Gewisse Dinge liegen außerhalb unserer Kontrolle und Magie ist ein gutes Mittel, einer Personifikation ebenfalls dieses Unkontrollierbare zu geben.
    Für mein Nomadenprojekt habe ich allerdings ein Hard Magic-System erdacht bzw eine Welt, die sich von Soft zu Hard Magic entwickelt. Ich bin sehr gespannt, wie das wird.


    Entwickelt Ihr eigene Magiesysteme, oder greift Ihr auf "bekannte" Systeme zurück?
    Ich lasse mich, wie bei allem, gerne von bestehenden Dingen inspirieren. Besonders faszinierend fand ich immer schon den Gedanke der vier (oder fünf) Elemente, so dass eine ähnliche Aufteilung oft der Rückgrat meiner Magiesysteme ist. Natürlich weiß ich Dinge über Hexen und Alchemie (europäisch wie asiatisch) und mystisch-magische Praktiken mancher Sekte und Kulte. Da ich mich sehr für Mythologie und Religion interessiere, kommen magische Elemente immer wieder vor. Das landet alles in einem Topf.
    Auf Magiesystem aus Büchern oder Serien greife ich wenig zurück bzw schaue mir nur jene genau an, die meine Eckpunkte bereits haben. Wenn ich Elementarmagie möchte, kann die Serie Avatar ein guten Anhaltspunkt geben, wie das aussehen könnte. Man sollte nur vielleicht sehen, ob man nicht den Kampfsport auswechselt

    Was haltet Ihr von Sandersons Gesetzen für den Autor?
    Finde ich sehr praktisch. Es geht vor allem darum herauszufinden, wofür man die Magie in seiner Geschichte braucht und wie viel der Leser darüber wissen muss, um der Geschichte gut folgen zu können. Wenn sich der Leser am Ende fragt, wie der Konflikt gelöst wurde und die Antwort ist: "Keine Ahnung, ein Zauberer war's", dann kann sich das schnell sehr billig anfühlen und sollte vermieden werden.
    Als ich mein Hard Magic-System für meine Nomaden erdacht habe, habe ich mir Sandersons Gesetze auch durchgelesen und Nachforschungen über Magiesysteme angestrengt. Für Hard Magic ist das wichtig, eben weil der Autor die Regeln vorher gut und simpel erklären muss, damit es hinterher zur organischen Konfliktlösungen kommen kann. Dafür muss man als Autor natürlich selbst erst einmal verstehen, wie die Magie funktioniert, was sie kann und was nicht und was der Preis dafür ist. Wie bei jedem McGuffin.
    Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
    to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
    A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
    You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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    • #4
      Ich bin ein großer Fan von Hard Magic Systems. Ich entwickele eigentlich immer ein neues System, wobei ich oftmals in eine Mischung aus Hard und Soft gehe. Einfach weil ich gar nicht die Zeit habe alles zu erklären, selbst wenn ich das vorher planen würde.
      Ich tendiere aber immer eher zu Hard Magic weil es mich wirklich ärgert, wenn Dinge nicht erklärt werden. Besonders wenn es um Magie geht. Ich brauche einfach feste Regeln und Erklärungen. Auch denke ich, dass alles Grenzen hat und da sollte Magie, wenn möglich, keine Ausnahme sein.
      Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich einen großen Faibel für Modellbildung habe und deshalb auch Magie ihre festen Naturgesetze braucht.

      Wenn ich Entwickele arbeite ich meist sehr losgelöst von bekannten Systemen, wobei auch hier natürlich immer mal etwas Bekanntes einfließt. Oder wie im Anfangspost erwähnt, man nimmt sich eine Grundidee, die man kennt und baut drum herum. Mein eines Magiesystem habe ich zum Beispiel wie viele andere (u.a. das wunderbare System aus Avatar, dass ich da noch nicht kannte) in Elemente aufgeteilt, doch mitterweile hat es viele Fein- und Eigenheiten bekommen, wie man vielleicht sonst nicht kennt. Ich unterscheide zum Beispiel in ein und dem selben System zwischen Elementar und "hoher" Magie, wobei die Grenze dazwischen wieder verschwindet, da alles den gleichen Ursprung hat und für den betrachter anders aussieht. Auch finde ich es super spannend, zu überlegen, wie die Menschen in der Geschichte die Magie erforschen und Stück für Stück erklären. Sie entwickeln also auch Theorien, die sich teilweise wiedersprechen, neue Erkenntnisse machen das System granularer, usw.

      Die Gesetze kannte ich noch gar nicht. Und auch Brandon Sanderson kannte ich nicht, bevor ich ihn mal zum Interview getroffen habe. Der weiß was er tut
      Da steckt viel wahres drin in seinen Aussagen. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es da noch mehr gibt als die drei Sätze. Es ist aber sicher ein guter Leitfaden, dass die ganze Magiesache nicht ausufert und alles durch Magie gelöst wird und andauernd was Neues aus dem Hut gezaubert wird.

      Für mich würde auf jeden Fall fehlen: Benutze reale Wissenschaftliche Begriffe für die Erklärung von Magie nur, wenn du weißt, was sie bedeuten.

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