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Weltenfrage #18 - Körperkult, Scham und Freizügigkeit

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  • Weltenfrage #18 - Körperkult, Scham und Freizügigkeit

    Im weitesten Sinne ein gesellschaftliches Thema, möglicherweise recht aktuell. Worum geht es in dieser Frage?

    Nachdem ich meine Welt kreiert hatte stellte ich bei der Ausarbeitung der Wesenheiten fest, wie viel Aufmerksamkeit ich deren Physiognomie gab. Und! Das war nicht beliebig. Als ich genauer darüber nachdachte spielt das äußere Erscheinungsbild eine wichtige gesellschaftliche Rolle und war/ist somit plottrelevant. Meine Kriegerin ist groß, gorillastark und wirkt wie ein Ork. Eine andere Figur ist klein, filigran und wirkt zerbrechlich. Andersrum könnte es nicht funktionieren. Stelle ich mir meine Kriegerin jetzt zart vor, hätte sie das sechste Lebensjahr nicht überlebt und wenn doch, wäre sie für immer eine Gemiedene.
    Das heißt, das Aussehen passt sich entweder der Gesellschaftlichen Norm an oder nicht. Wenn nicht hätte meine Figur Probleme.
    Gleichzeitig ist es in der Welt der Kriegerin wichtig das zur Schau zu stellen, was sie hat. Muskeln werden betont, es wird gepost, um bedrohlicher zu wirken etc., aber Nacktheit ist verpönt, man könnte ja körperliche Mängel sehen.
    Ganz anders in einem anderen Volk, dort ist es usus nackt rumzulaufen, aber nur mit bedeckter Nase. Als ein Geschöpf dieser Welt nun ihr Volk verlässt muss sie sich zwangsläufig verhüllen, um das Schamgefühl der Anderen nicht zu strapazieren, was wiederum einengend für sie selbst ist.






    Wie wichtig ist Euch die Physiognomie Eurer Völker, speziell Eurer Figuren?
    Spiegelt die Äußere Erscheinung/Kleidung/Frisur etc. die gesellschaftlichen Normen wieder und, wenn ja, wie?
    Wie schambehaftet und/oder Freizügig ist Eure Gesellschaft? Worin äußert sich das?
    Wie wichtig ist das Aussehen zwischen den Figuren, in deren Beziehungen/Kommunikation miteinander?
    Welchen Einfluss hat vielleicht auch die Religion?
    Wie bewusst geht Ihr in der Planung Eurer Projekte auf diese Punkte ein?
    Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken. [K. Krause]

    Kontakt: administrator@wortkompass.de

  • #2

    Wie wichtig ist Euch die Physiognomie Eurer Völker, speziell Eurer Figuren?

    Ich habe ein paar grundsätzliche Sachen festgelegt, was "übliche" Hautfarbe, Augenfarbe und Haarfarbe der Menschen in verschiedenen Regionen betriff.
    Ganz klischeehaft ausgedrückt: wie die "typischen" Leute aus Estland (helle Haut, helle Augen, dunkle Haare), Schottland/Irland (helle Haut, zur Rötung neigend, und braune bis rotblonde Haare), und Süditalien (bräunliche bis braune Haut, dunkle Haare, dunkle Augen). Wichtig ist mir dabei aber, diese Klischees auch zu durchbrechen. Es gibt ja auch dunkelhäutige Schotten und blonde Italiener.
    Aus den Erwartungshaltungen der Leute ergeben sich ein paar schöne Szenen, wenn z.B. jemand in der Kneipe blöd angequatscht wird als "der ist aber nicht von hier", nur weil er blond ist - dabei ist er wirklich ein Einheimischer. Ansonsten reite ich auf dem Aussehen der Charaktere aber nicht so arg herum.

    Spiegelt die Äußere Erscheinung/Kleidung/Frisur etc. die gesellschaftlichen Normen wieder und, wenn ja, wie?

    Ja, das auf jeden Fall. Es gibt keine vorgeschriebene Kleidung oder Haartracht, die jemand eines bestimmten Standes tragen müsste. Aber natürlich begegnet man dem zerlumpten Tagelöhner anders als der Dame in Samt und Seide.

    Wie schambehaftet und/oder Freizügig ist Eure Gesellschaft? Worin äußert sich das?

    Wenig freizügig in der Kleidung, das liegt aber am kühlen Klima. (In den Badehäusern ist Nacktheit aber kein Problem.) Die Gesellschaft ist weder besonders prüde noch besonders sexualisiert. Es gibt Bordelle und Straßendirnen, und letztere erkennt man an ihrer Kleidung, die eine "anständige" Frau nie anziehen würde.

    Wie wichtig ist das Aussehen zwischen den Figuren, in deren Beziehungen/Kommunikation miteinander?

    Da sich zwischen den Protagonisten eine Romanze entwickelt, ist es natürlich wichtig, dass sie sich gegenseitig attraktiv finden. Mir als Schreiber war es aber ein Anliegen, dass sie sich nicht wegen ihrem Aussehen verlieben.
    Ansonsten spiele ich noch ein bisschen mit einem Makel/Stigma, das ein Charakter hat. Deshalb schrecken viele Leute erstmal vor ihm zurück, was ihm die Kommunikation natürlich manchmal erschwert.

    Welchen Einfluss hat vielleicht auch die Religion?

    Man erkennt die Anhänger verschiedener religiöser Orden an ihrer Tracht. Und die Religion hat natürlich einen gewissen Einfluss auf die generelle gesellschaftliche Moral, und damit auch auf die Freizügigkeit der Menschen. Darauf gehe ich aber nicht sehr ein.

    Wie bewusst geht Ihr in der Planung Eurer Projekte auf diese Punkte ein?

    Gar nicht mal so sehr, weil es für den Hauptplot nicht so wirklich relevant ist.
    Es gibt einzelne Szenen, wo die Physiognomie einer Person wichtig ist, da muss ich das natürlich planen - der dürre, unsportliche Bibliothekar wird sich nicht aus dem Fenster abseilen können, und der dickliche, ältere Bürger wird einem flüchtenden Dieb nicht hinterherrennen.
    Oder Szenen, in denen die Moral/Freizügigkeit/Sexualität dann doch wichtig wird. Wenn die bedrohte Dame nicht will, dass sich ein Leibwächter bei ihr im Schlafzimmer aufhält - weil das moralisch unangemessen wäre, obwohl es unter dem Sicherheitsaspekt absolut sinnvoll wäre.
    Always avoid alliteration.

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    • #3
      Wie wichtig ist Euch die Physiognomie Eurer Völker, speziell Eurer Figuren?
      Sie ist nicht unwichtig. Größe, Farben, Anteil an Muskeln Kleidung - all das sind Kommunikationswege. Das ist in jeder Kultur der Fall, nur was die einzelnen Dinge bedeuten (lange Haare = Schönheit oder = Weisheit?) ändert sich von Ort zu Ort und von Zeit zu Zeit. Aber auch da gibt es allgemeingültige Aspekte, die überall gleich gelesen werden.
      Entsprechend notiere ich mir Haar- und Augenfarbe, die allgemeine Körperform wie Größe, Muskelanteil etc. und auch den bevorzugten Kleidungsstil. Dabei versuche ich jeder wichtigen Figur eine individuelle Note zu geben, sodass bestimmte körperliche Merkmale zur Identifikation genutzt werden können und das Bild auch für den Leser plastischer machen.
      Allerdings beschreibe ich meine Figuren meist nicht, wenn sie das erste Mal auftreten, sondern streue diese Informationen irgendwann irgendwo im Text ein, wenn sie am meisten Sinn machen.

      Wenn ich mir eigene Wesen ausdenke, ist die Physiognomie noch wichtiger als bei normalen Menschen. Wir alle wissen, wie Menschen aussehen und bestimmte körperliche Eigenschaften müssen nicht extra erklärt werden. Wenn ein Mensch 2,20 Meter groß ist, wissen wir einfach, dass das selten ist. Bei selbst erschaffenen Wesen/Völkern sieht das anders aus. Es braucht Mittelwerte um dann das Besondere angehen zu können. Wenn man ein bestimmtes Bild durch diese Wesen transportieren will oder ihnen bestimmte Eigenschaften als Gesamtmenge zuordnen will, hilft gutes Design viel weiter.

      Spiegelt die äußere Erscheinung/Kleidung/Frisur etc. die gesellschaftlichen Normen wieder und, wenn ja, wie?
      Bei meinen Nomaden im PloMo hatte ich das gerade erst, wo eine der wichtigen Figuren durch ihre äußere Erscheinung ein bestimmtes Bild von sich projizieren will/muss, um den gesellschaftlichen Normen zu entsprechen, denen sie eigentlich nicht entspricht. Das heißt, diese Figur macht sich dezidierte Gedanken über diese Dinge in genau diesem Rahmen.
      Ansonsten ist die äußere Erscheinung, wie oben gesagt, ein Kommunikationsweg, dem sich niemand entziehen kann. Beim anlegen meiner Figuren überlege ich daher, welchen gesellschaftlichen Status ihnen zugesprochen wird und wie sich das in Kleidung etc. äußern würde. Das ist meist relativ einfach, wenn die Geschichte in moderner, westlicher Kultur spielt. Es ist ein bisschen weniger einfach, wenn man andere Zeiten oder Orte als Setting hat oder sich gleich selbst eine Kultur ausdenkt, da man sich über dieses Verhältnis und was als Ausdruck für was und warum gilt, erst überlegen muss - und es sehr leicht ist, an dieser Stelle in Stereotype zu treten, die vielleicht nicht nötig wären. Zum Beispiel was Farbe als Ausdruck für Luxus bedeutet: je nach Zeit und Ort ist das eine andere Farbe (von Gold einmal abgesehen) und das aus anderen (oft herstellungstechnischen) Gründen. Auch können religiöse Hintergründe die Bedeutung von Farbe beeinflussen.

      Wie schambehaftet und/oder Freizügig ist Eure Gesellschaft? Worin äußert sich das?
      In meinen RPGs ist das oft ein Thema, wenn wir in einem nicht modernen Setting spielen - meist bedeutend, dass die "neue" Gesellschaft offener mit gewissen Dingen umgeht, weil wir als Spieler bestimmte kulturelle Taboos der Jetztzeit für unsinnig halten.
      In meinen Geschichten passiert das allerdings weniger.

      Wie wichtig ist das Aussehen zwischen den Figuren, in deren Beziehungen/Kommunikation miteinander?
      In der Regel habe ich einen sehr kleinen Cast, wo es mehr auf die Persönlichkeiten ankommt und das Aussehen nur eine romantische Relevanz im Sinne des Schwärmens hat.
      Das liegt allerdings an meiner Weltsicht, die Äußerlichkeiten für irrelevant auf persönlicher Ebene hält. Gesellschaftlich ist das Äußere ein Kommunikationsweg, aber zwischen besten Freunden ist das nicht wirklich relevant. Wenn meine Cast größer werden und die persönliche Ebene zwischen Figuren reduziert wird, würde das wohl eine größere Rolle spielen.

      Welchen Einfluss hat vielleicht auch die Religion?
      Im Moment noch keine. In unserer Welt haben bestimmte Religion einen großen Einfluss auf das Äußere ihrer Gläubiger, allerdings ist Religion in meinen Geschichten bisher nicht von solch einer alltäglichen Wichtigkeit.
      In RPGs kommt das allerdings schonmal vor, gerade was religiöse Taboos angeht.

      Wie bewusst geht Ihr in der Planung Eurer Projekte auf diese Punkte ein?
      Wie gesagt, das Aussehen wichtiger Figuren ist mir wichtig und wird in bestimmten oder besonderen Punkten festgehalten. Da spielen auch kulturelle Normen und gesellschaftliche Erwartungen eine Rolle, um mit dem Aussehen der Figur genau das Bild zu transportieren, dass es transportieren soll. In der Regel ist es aber kein Punkt, der ein Thema der Geschichte ist, weshalb ich dies zwar bewusst plane, aber eher marginal in die Geschichte einbaue.
      Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
      to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
      A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
      You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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