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Weltenfrage #17: Infrastruktur

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  • Weltenfrage #17: Infrastruktur



    In meiner Rollenspielgruppe spielten wir vor einigen Jahren ein Abenteuer, bei dem die Spielergruppe unter anderem ein mysteriöses Bergwerk in einem Inselgebirge finden musste.
    Wir gingen logisch an die Sache ran: Wir waren in einer vollkommen unzivilisierten und nicht erschlossenen Gegend, eine Mine braucht Wasserversorgung – wir müssten also nur dem Fluss stromaufwärts folgen, und schon würden wir die Mine finden. Leider versicherten uns alle Einheimischen, dass es keinen Fluss gäbe.
    Also Plan B: Dann suchen wir eben die Straße. Ein Bergwerk, in dem Tonnen von Erz abgebaut werden, braucht eine Versorgungsstraße. Leider fanden wir auch diese nicht.
    Plan C: Wir lassen uns hinführen. Auch, wenn wir keinen offiziellen Führer finden – die Minenarbeiter brauchen etwas zu essen. Wir müssen also nur herausfinden, von welchem Markt regelmäßig große Mengen Lebensmittel ins Gebirge geschafft werden, und den Händlern folgen wir dann diskret. Tja, Ihr ahnt es: solche Großlieferungen an Nahrungsmitteln gab es nicht.
    Das ganze kostete uns mehrere Spielabende und war unglaublich frustrierend. Als wir die Mine schließlich fanden, war diese quasi im Nichts. Nicht einmal ein Trampelpfad führte dorthin. (Und diese Minenanlage plus umgebender Gebäude war eine kleine Stadt!) Nachdem wir nur zu Fuß dort hin kamen, ist mir bis heute unklar, wie das Erz von der Mine abtransportiert werden soll. Und die Bergleute (immerhin rund 70 Mann) lebten offenbar von Luft und Liebe. Ach ja, einen Bach gab es. Der schien aber nur dort lokal hinter der Küche zu plätschern und führte nirgendwo hin.

    Wie es zu dieser ganzen Situation gekommen war, ist klar: Der Autor des Abenteuers hat keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, welche Infrastruktur für den Betrieb eines Bergwerks notwendig ist. Ich verstehe, warum. Das Thema ist nicht gerade spannend. Trotzdem ist es beim Weltenbau ein notwendiges Übel, sich damit auseinanderzusetzen. Wie man an dem obengenannten Beispiel schön sieht: schlampige Infrastruktur führt sehr schnell dazu, dass der Leser eine Welt als unrealistisch ansieht.

    Bis zu einem gewissen Grad kann das trotzdem funktionieren. Wer erinnert sich an nur eine echte Straße im „Herr der Ringe“? (Ich gebe zu, ich habe hier die Filme vor Augen. Aber ruft sie Euch nochmal ins Gedächtnis: Minas Tirith steht mitten in einer vertrockneten Graslandschaft, und nicht einmal zum Haupttor führt eine Straße. Selbst das gigantische Schwarze Tor von Mordor steht einfach so in der Landschaft herum – Gollum muss Frodo und Sam führen, weil ein Weg dorthin nicht offensichtlich erkennbar ist.) Ich denke, man verzeiht diese Ungenauigkeiten bei Tolkien, weil der „Herr der Ringe“ in anderen Dingen, die Tolkien gut konnte, so toll ausgearbeitet ist. Wer Tolkien liest, der schwelgt in Liedern, Sprache und ansprechenden Landschaftsbeschreibungen.

    Obwohl ich ein Fan vom „Herr der Ringe“ bin finde ich aber, dass die Geschichte durch gute Infrastruktur noch gewonnen hätte.
    Nehmt als Gegenbeispiel einmal die „Rad der Zeit“-Serie. Hier sind die Trollocs einer der Hauptgegner - eine Art Orks, die Menschen überfallen. Das Komische dabei ist: die Menschen wissen genau, wie lange es dauert, dass ein Heer von Punkt A nach Punkt B marschiert. Sie haben ein gut ausgebautes Straßennetz, schicken Boten aus, und warnen sich gegenseitig. Aber die Trollocs tauchen immer dort auf, wo sie eigentlich gar nicht sein dürften. Sie sind offenbar nicht an normales Reisen über Land gebunden, und genau das ist unerklärlich und verstört die Menschen zutiefst.
    Ein anderes, schönes Beispiel finde ich aktuell bei George R. R. Martin, der Infrastruktur sehr bewusst einsetzt. Viele derjenigen, die den Eisernen Thron wollen, haben gute Chancen darauf. Die spannende Frage ist, wer seine Armee in die Nähe der Hauptstadt bringt – und in welchem Zustand diese Armee dann noch sein wird. Ausgezehrt vom Marsch und ausgehungert? Oder geschwächt von wochenlanger Seefahrt auf kleinen Schiffen, mit seekranken Pferden? Und ganz nebenbei steht da noch die Frage im Raum, ob diese große Mauer aus Eis, die seit Jahrhunderten nicht richtig gewartet wurde, gegen den Feind aus dem Norden halten wird.

    Macht Ihr Euch bei Euren Romanen Gedanken über Infrastruktur wie Straßen, Wasserwege, Brücken, Energieversorgung, Fernwärme, Busverbindungen u.s.w?
    Gibt es in Euren Städten Abwasserwege und Müllentsorgung?
    Geht Ihr vielleicht sogar noch weiter und entwickelt Ihr Grundzüge von sozialer Infrastruktur, also Gesundheitssystem, soziale und kulturelle Einrichtungen, Bildungssystem, Sport- und Freizeitanlagen?


    Always avoid alliteration.

  • #2
    An deinen letzten Beispielen sieht man gut, dass gerade Armeen und Krieg Infrastruktur benötigen und vorantreiben. Man denke nur an das Straßennetz der Römer.
    Auch die Ägypter sind ein gutes Beispiel, die zum Aufbau ihrer großen Pyramiden Arbeiterdörfer drumherum hatten und die Pyramiden stehen dort, wo sie stehen, aufgrund der Bodenbeschaffenheit und benötigten Transportwege. Gerade riesige Bauten wie Paläste kann man nicht einfach irgendwohin bauen und dann ist da nichts drumherum.

    In meinem PloMo-Projekt geht es um einen Stamm Nomaden. Die haben natürlich weder festgebaute Städte noch steinerne Straßen. Umso wichtiger allerdings sind Transportmittel wie Pferde oder Kamele und die Landschaft selbst wie Flüsse und Berge etc. Wer sein ganzes Hab und Gut auf wenigen Wagen verstaut, ist zwar sehr mobil, aber ohne eine Brücke kann ein Fluss zu einem unüberwindbaren Hindernis werden. Da wird man sich zweimal überlegen, ob man das Risiko eingeht sein Haus in der Strömung zu verlieren.
    Darüber mache ich mir natürlich Gedanken. Genauso wichtig ist die Lage der einzelnen Orte meiner Geschichte. Wie weit liegen sie für jemandem mit einem Pferd auseinander? Wie weit zu Fuß? Wie beeinflusst diese Distanz die Machtausübung des Herrschers? Es gibt Gründe, warum die Römer in Britannien und Germanien nie alles einnahmen, der lange Weg von Rom aus gehört dazu. Wenn Informationen und Menschen nur so schnell reisen können wie ein Pferd, hat das einen großen Einfluss auf entfernte Gebiete.

    Bisher allerdings spielten meine Geschichten noch nicht in einer zeitlichen und örtlichen Dimension, wo Infrastruktur von großem Belang war oder sie spielten in einer modernen, westlichen Stadt, wo ich einfach meine Erfahrungen extrapolieren konnte. Mit kommenden Projekten wird diese Frage wesentlich spannender, da ich von meinem PloMo-Projekt ausgehend eine ganze Welt mit eigener Historie entwickeln will, die schlussendlich in einer "modernen Gesellschaft" ankommen soll. In den Geschichten auf dem Weg dorthin werden Fragen zur Infrastruktur noch von großer Bedeutung sein.
    Aber alles nach einander. Ich komme dann wieder hierher, um von meinen Erfahrungen zu berichten
    Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
    to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
    A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
    You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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    • Alvias
      Alvias kommentierte
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      Bitte bessere mich aus wenn ich falsch liege, aber der lange Weg von Rom war nicht wirklich ein Grund ... die Nordküste Galliens lag wesentlich weiter weg als diese barbarischen Länder jenseits der Alpen und des Rheins. Die Ostgrenze des Römischen Reiches war auch viel weiter entfernt ... dass man Germanien nicht eingenommen hat, lag wohl eher am Widerstand seiner Bewohner, in Britannien war es ähnlich ... irgendwann hatte man kein Interesse mehr daran, über dieses Land zu herrschen ... man konnte ja nicht alle mit der Zivilisation beglücken ;-) oder habe ich das falsch in Erinnerung?

      Aber ansonsten muss ich dir Recht geben ... Infrastruktur ist extrem wichtig und spielt eine große Rolle, vor allem für den Plot

    • In-Genius
      In-Genius kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Alvias Wie vieles im Leben hat es natürlich mehrere Gründe, die zusammenspielen. Ich bin allerdings sicher, dass der lange Weg zwischen Rom und seinen Grenzen dazu beigetragen hat, gewisse Landstriche nicht einzunehmen. Germanien hat sich nur teilweise gewehrt. Viele germanische Stämme an der Grenze hatten auch Abkommen mit den Römern - die aber genauso oft gebrochen wurden. Es ist schwieriger, Abkommen oder Gesetze dort durchzusetzen, wo die Macht nicht spürbar ist. Je weiter weg dieser Ort vom zentralen Geschehen ist, desto schwieriger ist es die Macht spürbar zu machen (in Zentralstaaten).
      Umso schwieriger natürlich Macht an einem weit entfernten Ort zu halten, den man nur als mäßig wichtig ansieht. Ich mein, was will man als Römer in Britannien? Mauer bauen, London behalten und fertig.

      Bei der Ostgrenze ist sicherlich zu beachten, dass es von Konstantinopel aus regiert wurde, nicht von Rom aus. Das Östliche Römische Reiche hielt ja auch weithinein bis ins späte Mittelalter an, während Westrom schon lange gefallen war. Ich möchte vermuten, dass die relativ gute Erreichbarkeit vieler Provinzen per Seeweg geholfen hat, die Macht besser zu festigen. Während Kontinentaleuropa zwar durch Flüsse gut vernetzbar ist, aber das bietet sich zum Bewegen von Armeen und vor allem Handel leicht schlechter an.

      Wie gesagt, die Gründe sind vielerlei, warum welche Landstriche erobert werden und welche Reiche fallen, aber die Beweglichkeit und Schnelligkeit von Informationen/Menschen in einem Reich ist zu beachten in Erklärungsmodellen.

  • #3
    Die Infrastruktur ist mir tatsächlich sehr wichtig, obwohl (oder gerade weil?) mein Setting eine fiktive Großstadt ist.

    Ich glaube, es ist auch das einzige am Weltenbau, für das ich wirklich Zeit investiere, bevor ich mit dem Schreiben loslege. Da ich discovery writer bin, kommt es zwar gerne trotzdem mal vor, dass ich vor einer (sich ergebenden) Verfolgungsjagd innehalten muss, um die Umgebung zu entdecken, aber zumindest gönne ich mir diese Phasen. Denn jemanden zu verfolgen macht ohne Straßenkenntnisse, ggf. ÖPNV und ein Gefühl für Entfernungen wirklich wenig Sinn ...
    Ich halte mich dabei aber ebenfalls an meine eigenen Erfahrungen.



    Alles ist Gift. Es kommt nur auf die Dosis an. (Paracelsus)

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    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Großstadt hat wirklich den Vorteil, dass wir da instinktiv vieles richtig machen und eigene Erfahrungen haben. Da wäre man ja doof, wenn man das nicht nutzt. Wir haben ein Gefühl dafür, wie oft ein Taxi vorbeikommt, und wie viele Bäcker, Apotheken und Blumenverkäufer es gibt.
      Hast Du für Deine fiktive Stadt eine konkrete Großstadt als Basis genommen, oder sie komplett selbst entwickelt?

    • Lael
      Lael kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Als ich die Geschichte angefangen habe (so um 2002 rum), habe ich mich von der Größe her an Berlin orientiert, da ich innerstädisch Wegstrecken von 2 h+ überbrücken wollte und mir die Multikulturalität entgegenkommt. Aber im Prinzip könnte es fast überall sein.

  • #4
    Zur Tolkien-Thematik:

    Bei Tolkien gab es sehr wohl Straßen, auch wenn das im Film zugunsten der romantisierten Atmosphäre etwas vernachlässigt wurde. Auf den Karten sind die großen Handelswege sogar eingezeichnet (Nord-Süd-Straße, Harad-Straße, Große Oststraße etc.) und sie führen sowohl nach Minas Tirith als auch zum Morannon.
    Aber auch im Film kommen sie ab und zu vor. Bspw. als die Hobbits das erste Mal von einem der schwarzen Reiter verfolgt werden, ruft Frodo sogar: "Runter von der Straße!" Ihnen wird auch geraten abseits der Wege zu gehen. (sicher auch eine Erklärung)
    Der Ferd had fier beiner
    an jede seite einer
    und hatt er mal keiner
    umfallt

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    • Nachtmahr
      Nachtmahr kommentierte
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      Nicht weit von Minas Tirith befindet sich Osgiliath, durch die der Anduin führt. Man könnte sich also zurechtreimen, das die Bewohner Gondors sich durch ihn, vielleicht mit einem Leitungs- oder Kanalsystem mit Wasser versorgt haben. Aber wie du schon sagtest, wenn man sich über solche Kleinigkeiten den Kopf zerbricht, hat man nicht mehr viel von der Geschichte.

    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Peter, und Nachtmahr, ich merke schon, ich hab HdR eine Weile nicht mehr gelesen. Früher war das Pflichtlektüre in jedem Skiurlaub, aber seit diese Urlaube nicht mehr jährlich gesichert stattfinden ... (Alles Ausreden, ich weiß. )

    • Nachtmahr
      Nachtmahr kommentierte
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      Och, ich hab den Herrn der Ringe auch schon länger nicht mehr gelesen, aber das liegt daran, das er mir manchmal zu schwere Kost ist. Ansonsten, kommt eigentlich schon viel Infrastruktur in Tolkiens Geschichten vor, finde ich. Da gibts ja noch die diversen Wege. Die Nordstraße die später Grünweg genannt wird, Elbenweg usw. Aber darauf achte ich beim Lesen gar nicht, auch wenn ichs unbewusst abspeicher. Und so wird es wohl den meisten Lesern gehen. Und in den Filmen ist trotz aller Überlänge einfach kein Platz, um auf sowas genauer einzugehen.

  • #5
    Das Setting meiner Geschichten sind meist Städte (fiktiv oder real) aus der jetzigen Zeit.

    Infrastruktur spielt eine große Rolle. Im letzten Band haben meine Figuren Greater New York durch selektive Zerstörung den Strom abgestellt und ich habe mich durch die New Yorker Hochwasser Evakuierungszonen gearbeitet. Generell sind meine Protas gerne mit Fahrrad oder U-Bahn unterwegs.

    In den Fantasysachen ist Infrastruktur nicht sonderlich bedeutend. Ein paar Straßen und befahrbare Flüsse reichen mir zur Zeit. Im ersten Band sind die Figuren an für sich stationär in einem kleinen Nest irgendwo im Rheinland. Das ändert sich in den nächsten Bänden, wenn sich das Kreuzfahrerheer auf den Weg nach Osten begibt. Dann muss ich mir um Straßen, Seewege und Versorgung mehr Gedanken machen.


    I would write merely clearly and in this way establish a warm relationship between myself and my readers, and the professional critics—Well, they can do whatever they wish. Isaac Asimov

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    • #6
      Infrastruktur sind ja die Venen/Adern eines Lades, einer Zivilisation. Also ja, es spielt für mich eine Rolle. Aber keine dramatisch. Es hat nur Fortbewegungswert, mal besseren, mal schlechteren.
      Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken. [K. Krause]

      Kontakt: administrator@wortkompass.de

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      • #7
        Macht Ihr Euch bei Euren Romanen Gedanken über Infrastruktur wie Straßen, Wasserwege, Brücken, Energieversorgung, Fernwärme, Busverbindungen u.s.w?
        Ja
        Gibt es in Euren Städten Abwasserwege und Müllentsorgung?
        Ja
        Geht Ihr vielleicht sogar noch weiter und entwickelt Ihr Grundzüge von sozialer Infrastruktur, also Gesundheitssystem, soziale und kulturelle Einrichtungen, Bildungssystem, Sport- und Freizeitanlagen?
        Ja

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