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Weltenfrage #13 - Das liebe Geld

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  • Weltenfrage #13 - Das liebe Geld


    Der Gedanke an die Steuererklärung, Bausparvertrag und Riesterrente löst bei vielen Menschen Unbehagen aus. Und diese Unfähigkeit im Umgang mit Finanzdingen merkt man leider auch vielen Autoren an. Schreibt jemand nicht gerade einen Wall-Street-Thriller, dann kann man fast darauf wetten, dass das Thema Finanzen bei der Recherche stiefmütterlich vernachlässigt wird.
    Und ehrlich gesagt: Mich stört, dass viele Autoren mit immer den gleichen Tricks versuchen, sich um dieses Thema zu drücken:

    Wir sind in einem Sci-Fi-Setting?
    Kein Problem, Bargeld wurde schon vor Jahrhunderten abgeschafft, alle zahlen nur noch mit „Credits“. Eine Transaktion wird wahlweise via Fingerabdruck, Irisscan oder DNA-Probe autorisiert. Geht das nicht (z.B. weil unser Held verfolgt wird und all seine Konten gesperrt sind) dann heuert er halt als ungelernte Hilfskraft auf irgendeinem Raumschiff an und verdient sich damit die Weiterreise.
    Oder doch ein Fantasy-Setting, das an irgendeine vergangene Epoche angelehnt ist?
    Na klar, die Leute sind arm, ein Großteil von ihnen hat eh überhaupt kein Geld und tauscht Arbeitskraft gegen Brot und Wolle. Ist doch irgendwo die Notwendigkeit für Geld, dann wird unser Held dem Wirt „ein paar abgegriffene Kupfermünzen“ auf den Tisch zählen, oder ein besonders großzügiger edler Ritter überreicht dem armen Dorfjungen „ein glänzendes Silberstück“.

    Ob und wie weit eine futuristische, bargeldlose Gesellschaft funktionieren könnte, wird derzeit heiß diskutiert.
    Und ich finde es schön, wenn Autoren, die so eine Gesellschaft in ihren Büchern einbauen, sich wenigstens ansatzweise mit den Problemen eines solchen Finanzsystems beschäftigen. Was ist, wenn man „Credits“ verleihen will, anstatt sie dauerhaft zu übertragen? Nicht selbst vor Ort sein kann, um etwas per DNA-Abgleich zu bezahlen? Gibt es noch einen Hauch von Datenschutz? Durch was werden solche Kryptowährungen gesichert und stabilisiert? Macht das Banken und Konzerne mächtiger als Regierungen?

    Bei Settings, die auf einer irdischen Vergangenheit basieren, wäre es sogar noch leichter, Recherche zu betreiben. Trotzdem wird hier noch mehr geschlampt – ich habe testweise einfach mal diverse Rollenspielsysteme angeschaut und mir angesehen, wie Geld dort umgesetzt wird. Meist gibt es drei Münzarten: Gold, Silber und Kupfer, und natürlich sind es Kurantmünzen, d.h. der Nominalwert der Münze ist gedeckt durch den Metallwert der Münze. Dennoch wird meist ein sehr vereinfachtes System der Umrechnung eingeführt, nämlich 1 Goldstück = 10 Silberstücke = 100 Kupferstücke.
    Ein hübsch vereinfachtes System, aber schlicht falsch. Reine Kurantmünzen sind in der Realität unpraktisch, weil sie sich zu schnell abnutzen und zu schwer sind. Ihre Verbreitung hängt stark davon ab, welches Metall in der entsprechenden Gegend gefördert und verarbeitet werden kann (z.B. gab es im Alpenraum im Frühmittelalter praktisch nur Silbermünzen, obwohl Gold die „offizielle Währung“ war).

    Was grundsätzlich noch zu beachten ist, egal welches Geldsystem und welche Währung man einführt, ist der Geldwert – also was ist das Geld wert, wenn man es in Arbeit bzw. Dinge umrechnet?
    Was bekomme ich denn für eine Kupfermünze? Was kostet ein Leib Brot und was der Transport von Planet A nach Planet B? Wie lange muss ein Tagelöhner schuften, bis er sich einen Topf Honig kaufen kann? Ist eine Axt so viel wert wie ein Maultier? Und wie viele Stunden muss der Arbeiter auf einem Minenasteroiden schuften, um sich die Gesellschaft einer Hologramm-Dame zu erkaufen?

    Wie macht Ihr das in Euren Büchern?
    Denkt Ihr Euch eigene Währungssysteme aus, basierend auf Münzen, Kaurimuscheln, Scheinen, Wechseln oder bargeldlos?
    Macht Ihr Euch Gedanken über den finanziellen Gegenwert einer Sache? Über Steuern, Zinsen, Abgaben und Löhne?
    Oder umgeht Ihr das Thema lieber mit den üblichen Tricks wie „mein Held hat eh kein Geld“?

    Steel for humans, silver for monsters, gold for the witcher.

  • #2
    Meine Dystopie spielt in der (sehr) nahen Zukunft. Das Finanzsystem ist identisch zu dem heutigen, es wird etwas mehr mit Handy bezahlt und weniger mit Bargeld.

    Der historische Fantasy Roman spielt im 11. Jahrhundert im Rheinland. Mein Prota ist ein Knecht in einem Kloster und hat zu Geld keinerlei Bezug. Entlohnt wird er mit Kost und Logis. Ansonsten übernehme ich das damalige Währungssystem, soweit das bekannt ist. Wobei das allerdings keine große Rolle spielt. Auf seinen Reisen nutzt mein Prota die Klöster an seinem Weg, die damals Reisenden, Armen und Pilgern Essen und einen Schlafplatz als Gebot der christlichen Nächstenliebe anboten, soweit möglich. Ansonsten ist er im Besitz von Empfehlungsschreiben, die ihn mit allem Notwendigen ausstatten.

    In bezug auf Preise und Wertigkeit einiger Güter, halte ich mich grob an Werte, die in Geschichtsbüchern oder Internetseiten aufgelistet sind.
    Hier zum Beispiel: http://www.mittelalter-server.de/Mit...er_Preise.html

    In meinem reinen Fantasy Roman halte ich mich an das gängige Klischee der Gold-, Silber- und Kupfermünzen, die es von verschiedenen Quellen, in verschiedenen Gewichten und Reinheiten gibt. Näher gehe ich darauf nur ein, wenn es für den Fortschritt des Plots entscheidend ist, was bisher noch nicht vorgekommen ist. Ansonsten wird höchstens mal in einem Nebensatz erwähnt, wie teuer die Schweine wieder geworden sind.
    I would write merely clearly and in this way establish a warm relationship between myself and my readers, and the professional critics—Well, they can do whatever they wish. Isaac Asimov

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    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Genau die Liste habe ich mir auch mal gespeichert.

  • #3
    Mein Hauptprojekt spielt in der Jetzt-Zeit in den USA, da lässt sich Geld leicht recherchieren und ohne viel kreativen Kraftaufwand einbringen. Aber ich behandelt Geld hier und sonst auch eher stiefmütterlich, da mir Geld persönlich sehr unwichtig ist.

    Für mein Piratenprojekt hab ich allerdings wirklich versucht, mir ein Währungssystem zusammen zu basteln. Ich hab mich dabei an alte ostasiatische Währungen gehalten was die Einteilung und der vermutliche Wert ist und es nur leicht an mein Setting angepasst. Mittlerweile allerdings liegt das Projekt sehr brach und wenn ich das in ein paar Jahren schreibe, werde ich alles nochmal neu machen. Konsistenz und so.

    Bei meinen Nomaden gibt es noch kein Geld, ob nun als Münze, Stein oder Muschel. Aber natürlich gibt es dort Handel und Reichtum. Auch hier halte ich mich an realen Vorlagen ähnlicher Gesellschaften, um nicht kompletten Unfug zu erzählen. Trotzdem gilt auch hier: Geld/Reichtum spielt keine große Rolle, weil ich das Thema persönlich langweilig finde.
    Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
    to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
    A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
    You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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    • #4
      Geld hatte in meinen Geschichten auch nie einen großen Stellenwert. Entweder man hat es oder man hat es nicht. Und wenn man es nicht hat, wird eben geklaut (wenn ich so nachdenke, wird in meinen Geschichten extrem viel geklaut und zwar in allen Gesellschaftsschichten - vom Straßenjungen über den professionellen Trickdieb bis hin zum kleptomanisch veranlagten Anwalt mit einem Schrank voller Diebesgut war schon alles dabei).

      Mir fällt jetzt nur eine Geschichte ein, in der Geld wichtiger war, weil die Protagonisten mit einem bestimmten Betrag so weit wie möglich kommen mussten. Als ich die Uraltgeschichte neulich mal wieder gelesen habe, kam richtig Nostalgie auf. Die haben nämlich noch in DM bezahlt und Telefonkarten benutzt. Und dass die Deutsche Bahn einem ganz schön das Geld aus der Tasche zieht, wurde auch moniert

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      • #5
        Wie macht Ihr das in Euren Büchern?
        Denkt Ihr Euch eigene Währungssysteme aus, basierend auf Münzen, Kaurimuscheln, Scheinen, Wechseln oder bargeldlos?

        Ich hatte (in meinem leicht futuristischen Setting) schon ähnliche Fragen: Wie drückt man einem Barkeeper virtuelles Geld in die Hand, wenn man von ihm Informationen will? Wie gibt man einem Straßenmusikanten ein paar virtuelle Münzen? Wie steckt man einer Stripperin virtuelles Geld ins Strumpfband? Manche Szenen lassen sich ohne Bargeld schlecht vorstellen.

        Dann habe ich mich mit ein paar Leuten aus anderen Ländern unterhalten, wo bargeldlose Zahlungen bereits viel alltäglicher sind als im rückständigen Deutschland. Und siehe, da stellen Straßenmusikanten einfach ein Pappschild mit ihrer Kontonummer auf, wohin man per Handy Geld überweisen kann. Ein Barkeeper könnte ebenfalls eine virtuelle Trinkgeldkasse haben, die man vor seinen Augen füllen kann. Und für Stripperinnen gibt es extra Scheine, die man sich an einer Kasse kaufen kann, damit man was zum in die Kleidung fummeln hat. Mit ein bisschen Kreativität lassen sich virtuelle Euros also genauso unters Volk bringen wie Bargeld.

        Weil ich aber das Prinzip von Bargeld auch ganz nett finde (es ist eben eindrucksvoller, wenn man Zahlungsmittel auf den Tisch legt, als wenn man nur auf seinem handy rumdrückt), habe ich mir für eine Geschichte auch eine eigene Währung ausgedacht, die aus Kristallen ebsteht. Die Dinger kann man auseinanderbrechen für keinere Werte, und wenn man sie zusammenlegt, verschmelzen sie zu größeren Werten. Dabei wechseln sie je nach Wert auch die Farbe.

        Macht Ihr Euch Gedanken über den finanziellen Gegenwert einer Sache? Über Steuern, Zinsen, Abgaben und Löhne?
        Oder umgeht Ihr das Thema lieber mit den üblichen Tricks wie „mein Held hat eh kein Geld“?

        Ja, natürlich mache ich mir da gedanken. Für Fantasy- und Historienwährungen habe sogar ein ganzes Buch darüber, wie viel verschiedene Waren in den verschiedenen Epochen der Menschheit gekostet haben.

        Und klar ist es wichtig, wie viel geld meine Figuren so zur Verfügung haben und wie sie damit im gesellschaftlichen Durchschnitt dastehen. Allerdings finde ich es für den Leser eher uninteressant, konkrete Summen zu nennen und den Haushalt der Figur vorzurechnen. So etwas zeige ich lieber an Bespielen, wie lange Figur A braucht, um seine Krankenhausrechnung abzustottern oder welche Nahrungsmittel sich eine Figur auf Dauer täglich von seinem Gehalt leisten kann.
        If I could read your mind love
        What a tale your thoughts could tell
        Just like a paperback novel
        The kind the drugstore sells
        -- Gordon Lightfoot "If you could read my mind"

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        • Ankh
          Ankh kommentierte
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          Alys II. Das ist ein altes RPG-Quellenbuch: http://www.icewebring.com/ICE_Produc...10_ft_Pole.php

        • Alys II.
          Alys II. kommentierte
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          Danke! (Es hat sogar Renaissance als Unterkapitel, nicht nur Middle Ages... Squee!)

        • Ankh
          Ankh kommentierte
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          Es geht von Steinzeit bis Informationszeitalter.

      • #6
        Ob und wie weit eine futuristische, bargeldlose Gesellschaft funktionieren könnte, wird derzeit heiß diskutiert.
        Und ich finde es schön, wenn Autoren, die so eine Gesellschaft in ihren Büchern einbauen, sich wenigstens ansatzweise mit den Problemen eines solchen Finanzsystems beschäftigen. Was ist, wenn man „Credits“ verleihen will, anstatt sie dauerhaft zu übertragen? Nicht selbst vor Ort sein kann, um etwas per DNA-Abgleich zu bezahlen? Gibt es noch einen Hauch von Datenschutz? Durch was werden solche Kryptowährungen gesichert und stabilisiert? Macht das Banken und Konzerne mächtiger als Regierungen?
        Nicht nur das. Gerade schau ich ein schlaues Video und da kommt die Frage auf: Was ist mit den Menschen, die nicht bei einer Bank sind oder sein können? Illegale Immigranten, Flüchtlinge, Obdachlose, Menschen, denen die Schufa absagt etc. Ein Bankkonto zu haben, ist das normalste auf der Welt für die meisten Menschen, aber nicht alle haben eines. In einer bargeldlosen Gesellschaft kommen diese Menschen noch mehr zu kurz als sowieso schon.
        Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
        to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
        A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
        You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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        • Alys II.
          Alys II. kommentierte
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          Seit 2016 hat in Dtl. genau deswegen jedermann, einschließlich Obdachloser, das Recht auf ein kostenloses Basiskonto. (Gilt für EU-Bürger.)

          Zugegebenermaßen hapert es noch mit der praktischen Umsetzung, denn es sind zwar die Banken verpflichtet, solche Konten anzubieten - aber wenn sie dann doch einem Obdachlosen die Einrichtung eines solchen Kontos verweigern, dann trifft sie im Allgemeinen keine Strafe. Und welcher Obdachlose klagt sich da schon durch mehrere Instanzen, um sein Konto zu bekommen? Trotzdem war es ein Schritt in die richtige Richtung.
          https://de.wikipedia.org/wiki/Jedermann-Konto

        • In-Genius
          In-Genius kommentierte
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          Alys II. Das ist natürlich eine gute Sache, um solch einem Problem aus dem Weg zu gehen.
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