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Weltenfrage #8 - Rassismus und Xenophobie

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  • Weltenfrage #8 - Rassismus und Xenophobie

    Rassismus und Xenophobie

    In meinen Fantasyprojekten (was anderes schreibe ich ja nicht) habe ich rassistische Strömungen bewusst eingebaut, auch xenophobe Wesenheiten patrouillieren an ihren Landesgrenzen entlang oder verriegeln die Türen, wenn ein Fremder am Haus vorbei läuft.
    Wieso? Einfach, damit es Konflikte gibt und auch weil ich denke „Warum sollten die Wesen meiner Welt aufgeklärter sein?“ Immerhin gibt es rassistisch geprägte Gruppenkonflikte seit der frühsten Menschheitsgeschichte (vgl: Imanuel Geiss, Geschichte des Rassismus. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993) und vermutlich prägt es auch meine Denkstruktur in dem Maße, das es mir unmöglich erscheint eine Welt zu kreieren in dem Gleichwürdigkeit und Toleranz herrschen. Ein Elend.
    Zum einen habe ich den Rassismus direkt zwischen (in meiner Welt) real existierenden (nun ja, in meiner Welt sind es) Rassen. Eine Rasse erhebt sich über alle anderen und spricht deren Existenzberechtigung ab. Gleichzeitig ist das Volk in sich „rassistisch“ bzw. verachtend, indem es Mitglieder dieses Volkes gibt, die mehr Rechte haben und andere, die in Leibeigenschaft leben, aufgrund von Konstitution, Statur und Abstammung – vielleicht trifft der Begriff Andersfeindlichkeit.
    Und auf Xenophobiker stößt man auch des Öfteren. Da wird meinem Prota auch mal aus Angst die o.g. Tür vor der Nase zu geschlagen und sich dann vermutlich bibbernd hinter dem Kamin verkrochen.
    Persönlich ist es für mich eine gute Möglichkeit Missstände in unserer Welt zu verarbeiten.

    Wie haltet Ihr es mit Rassismus und Xenophobie in Euren Romanen?
    Schreibt Ihr R. und X. konkret und im Vollbesitz Eurer schriftstellerischen Fähigkeiten mit rein? Wenn ja, um was zu erreichen? Wenn nein, wieso nicht?
    Ist Euer Prota gar ein Rassist oder Xenophobiker? Ja? Wieso?
    Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken. [K. Krause]

    Kontakt: administrator@wortkompass.de

  • #2
    Ich gestehe, ich denke wenig darüber nach. Mein Cast besitzt oft Figuren mit Migrationshintergrund oder unterstelltem Migrationshintergrund (müssen mit ihren "fremden" Namen leben), nicht, weil ich das thematisieren möchte, sondern weil es eben so ist. Im wahren Leben ebenso wie in meiner Fiktion.
    In wiefern diese Figuren Alltagsrassismus erleben, muss ich tatsächlich selbst einmal hinterfragen (vielleicht bin ich zu blauäugig, im wahrsten Sinne), da ich das Thema Rassismus eigentlich nicht explizit behandel, eher das Thema Vorurteil mitschwirren lasse. Mein Pathologe wird öfter unnett angegangen, einmal auch der Paläontologe, aber bei anderen Figuren steckt meist noch eine andere Motivation außer Dummtümelei dahinter.

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    • #3
      Bisher ist das auch kein Thema in meinen Texten. In meinem LP-Projekt (das in den USA spielt) müsste es auftauchen, aber bisher konnte meine Schreibweise das minimieren. In den Texten zu meinen eigenen Welten ist das Thema bisher noch gar nicht aufgekommen, das liegt allerdings an mir. Ich kann mir diese Denkweise nicht vorstellen. Ich weiß, dass sie existiert und dass entsprechend darunter gelitten wird, aber ich verstehe diese Denkweise nicht. Ich kann sie mit meiner Ratio vielleicht ergründen, aber davon verstehe ich das immer noch nicht. Aber ich verstehe gerne die Dinge, über die ich schreibe.

      Da in meinen Texten viel Homosexualität vorkommt, müsste ich auch Homophobie (artverwandt zu R. & X.) in meinen Texten aufnehmen, aber das stößt auf das gleiche Problem in mir. Ich verstehe solch eine Geisteshaltung nicht. Ich kann mir schlicht und ergreifend nicht vorstellen, wie jemand ernsthaft so denken und glauben und fühlen kann und das auch noch in die Tat umsetzt (was auch immer das heißt). Wenn ich doch versuche, sowas in meinen Texten aufzunehmen, erscheint mir das wie eine Karikatur oder ein Witz über dieses Thema und das finde ich von mir selbst nicht korrekt.

      Ich habe das Glück, nicht selbst Ziel von Rassismus oder Xenophobie zu sein. Das heißt auch, ich kann mir nicht all das Leid vorstellen, dass diese Geisteshaltung auslösen. Öffentlich angefeindet zu werden tut weh, das kenne ich selbst. Das zu schreiben trau ich mir zu. Aber Rassismus löst viel mehr aus als das und betrifft viel mehr Bereiche des Lebens als beleidigend angeschrien zu werden. Aber wie sich das wirklich manifestiert und wie ich das zu Papier bringen könnte, das kann ich mir nicht vorstellen.
      Ich möchte das Leiden der Betroffenen nicht durch den Kakao ziehen, nur weil meine Vorstellungskraft nicht reicht. Das ist auch nicht richtig.
      Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
      to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
      A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
      You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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      • #4
        Kommt auf das Genre an, in dem ich mich gerade bewege.

        Meine Liebesgeschichten sind ziemlich harmlos und schwere Themen klammere ich aus. Es gibt Menschen mit unterschiedlichem sozialen Background, aber das ist kein vordergründiges Thema.

        Mein erster Fantasy Roman spielt im Jahr 1095 irgendwo im Rheinland. Hier kommt Rassismus und Vorurteil gegen Fremde zum Tragen. Nicht nur um einen Konflikt zu erhalten, sondern weil es die Gesellschaft widerspiegelte, die zerrissen wird durch den Investiturstreit, den damit verbundenen kriegerischen Auseinandersetzungen, und den Hasspredigten von Urban II.
        Direkte rassistische Übergriffe finden nicht statt, doch die Geschichte bereitet die Geschehnisse des Folgebands vor, der hoffentlich irgendwann mal von mir geschrieben wird. Es verschlägt meinen jungen Protagonisten im Frühjahr 1096 nach Mainz. Gleichzeitig ziehen die ersten 'Pilger' des Armenkreuzzugs durch das Rheinland. Unter Immo von Leiningen kommt es zu den ersten Judenpogromen in den Schum-Städten. Mein Prota gerät in das Mainzer Pogrom.
        Rassismus, religiöses Eiferertum und Furcht vor Menschen, die vermeintlich 'fremd' sind, sind der Kernkonflikte, neben den Fantasy-typischen Konflikten, mit denen sich mein Prota sonst noch rumschlagen muss.

        Offen ausgelebter Rassismus und Fremdenhass eines beträchtlichen Teils der Bevölkerung des Landes, in dem mein aktuelles Projekt spielt, ist ein integraler Bestandteil der Geschichte. Qualifiziert sich der Bau einer Mauer an der südlichen Grenze des Landes als xenophob?
        Die Kerngruppe ist so ausgewählt, dass durch den heterogenen religiösen, gesellschaftlichen und Migrationshintergrund ein ganz feines Konfliktpotential geschaffen habe, mit dem ich einiges aufbauen kann.
        I would write merely clearly and in this way establish a warm relationship between myself and my readers, and the professional critics—Well, they can do whatever they wish. Isaac Asimov

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        • #5
          In meinen Kurzgeschichten habe ich das Thema noch nicht aufgegriffen, einfach weil es zu komplex ist, um auf begrenztem Raum schnell abgefertigt zu werden. (In einer Parodie habe ich es mal angerissen, als ein Drache von zwergischer Baukunst schwärmt und sich dessen völlig bewusst ist, dass er als Drache eigentlich alles zwergische total ablehnen müsste. Aber das waren gerade einmal drei Sätze zu dem Thema.)

          In meinem aktuellen Romanprojekt spielt es schon eine Rolle. Das hat sich eingetlich unbewusst so ergeben, ich denke, aus den gleichen Gründen, die weltatlas auch für sich genannt hat: ich will eine realistische Welt schaffen, deshalb gehören die negativen Aspekte einfach dazu.
          Leute aus dem einen Land misstrauen den Leuten aus dem anderen Land. Je weiter sie von der Grenze weg wohnen, umso stärker ist dieses Misstrauen ausgeprägt. Wer aus den Grenzlanden kommt, der wird von beiden Kulturen als Fremder stigmatisiert.
          Zusätzlich gibt es noch eine Gruppe Magiebegabter, die sich aufgrund ihrer arkanen Fähigkeiten für überlegen halten. Sie stehen auf dem Standpunkt, dass sich Magiebegabte zu normalen Menschen so verhalten wie Menschen zu Schafen oder Rindern. Will sagen, man behandelt sie im großen und ganzen schon ok, aber so wie der Mensch bei Bedarf ein Schaf schlachtet, so kann der Magier bei Bedarf die Lebenskraft eines Menschen für seine Magie opfern.

          Ich finde, dass Xenophobie und Rassismus - genau wie die von In-Genius genannte Homophobie oder auch andere Ausgrenzungen - für ein Buch sehr bereichernd sein können. Gerade weil es keine schönen Themen sind.
          Aber man muss wirklich, wie oben von In-Genius genannt, dabei auch darauf achten das Leid nicht zu bagatellisieren. Und das finde ich sehr schwierig.
          Wir beschreiben in unseren Büchern zwar viele Situationen, die wir noch nie erlebt haben - aber oft haben auch unsere Leser die noch nie erlebt und merken nicht, wenn wir da Blödsinn schreiben. (Wie man sich fühlt, wenn ein naher Angehöriger ermordet wird, das haben die wenigsten von uns durchgemacht, trotzdem kommt es in 95% der Krimis vor.) Aber Rassismus und Xenophobie ist etwas, das viele Leute aus ihrem Alltag kennen, und da merken sie schnell, wenn ein Autor darüber schreibt ohne wirklich Ahnung davon zu haben.
          Always avoid alliteration.

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          • Milch
            Milch kommentierte
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            Man muss nicht alles selbst erlebt haben, aber dafür gibt es Recherche. Es gibt etliche Bücher, was es bedeutet, was Rassismus bedeutet. Nein, wir streichen keinen fremden Schwarzen ungefragt über das Haar, bei einem Weißen machen wir es meist auch nicht.

        • #6
          Ich wüsste nicht, wie man das Leid Betroffener bagatellisiert, indem man in guter Absicht darüber schreibt und sich informiert hat. Und auch ohne selbst Perser zu sein, kann ich mir lebhaft vorstellen, wie unangenehm (Untertreibung) es sein muss, von irgendeinem Schwachmaten als ... sonstwas angesprochen zu werden. Wir sind doch alle Menschen! Ich würde Fremden (die wir selbst woanders auch sind) und sonst Ausgegrenzten da nicht eine weitere Ausgrenzung angedeihen lassen, indem ich sage, dass ich deren Leid und Ärger nicht verstünde.
          Ich kann sogar die idiotische Grundeinstellung rassistischer Vollhonks ergründen, wenn auch nicht teilen, dahinter steckt Angst und Neid bei minimalem Selbstwertgefühl. Bei den entsprechend großschnäuzigen Politikern läuft es auf Machtgefühle hinaus. Das lässt sich doch prima in einem Roman aufarbeiten.
          Recherche und Offener Blick helfen dabei.
          Ich bin auch kein Serienkiller und könnte dennoch eine solche Figur schreiben. Wie gut, hängt eben von meiner Mühe ab.

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          • Alys II.
            Alys II. kommentierte
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            Ich denke auch, dass ein guter Autor es hinkriegt, sich da rein zu versetzen.
            Ich meine nur: als weißer, privilegierter Mitteleuropäer kann ich ganz gut so lässig aus dem Handgelenk schildern, wie es sich anfühlt, im BMW mit 200 Sachen über die Autobahn zu rasen, weil ich das Gefühl kenne.
            Aber wenn ich schildern will, wie es sich anfühlt, als unterdrückter Flüchtling mit dunkler Hautfarbe in der Fußgängerzone böse angestarrt zu werden, dann muss ich da sehr viel mehr Mühe reinstecken, um die Szene gut zu machen.

          • Dodo
            Dodo kommentierte
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            Klar, wir sind derselben Ansicht.
            Nur schreiben wir alle nicht permanent über das, was wir kennen.
            Mit guter Vorbereitung kann man glaubhaft auch in komplexere Bereiche vordringen, ohne gleich Wallraff-Journalismus betreiben zu müssen (das würde vielleicht helfen, wäre aber auch nur n=1. Dann frage ich lieber mehrere Betroffene nach ihren Erfahrungen).

        • #7
          Ich habe in meiner Welt praktisch beide Arten von Rassismus: Es gibt einerseits Migranten (oder Mihigrus), mit fremden Namen und dunkleren Hauttönen und manche mit ein paar Sprachschwierigkeiten. Die sind in meiner Geschichte so verbreitet, dass sich die allermeisten Figuren darüber keine Gedanken machen. In einer globalisierten Welt, die mehrere große Kriege und zusammengebrochenen Gesellschaften hinter sich hat, ist es einfach so normal, dass sich nur Hardcore-Nationalisten noch darüber aufregen, dass jemand nicht da lebt, wo seine Vorfahren mal gelebt haben. Das habe ich bewusst so gemacht, weil ich zeigen wollte, das so eine Gesellschaft funktioniert. Dass die Angst vor "Überfremdung" unnötig ist, weil alle, die da kommen, genauso Menschen sind wie die, die schon da sind. Meine Mihigrus sind auch keine übertrieben positiven Figuren, die irgendwie besser wären als die Deutschen, da gibt es alles vom iranischen Arzt bis zum senegalesischen Drogendealer, vom türkischen Türsteher bis zum türkischen Polizeichef. Ein Querschnitt eben, durchaus mit Klischees, weil die nun einmal in Wirklichkeit auch so vorkommen.

          Tja, und dann gibt es doch noch Rassismus, denn in meiner Welt leben eben auch Elfen, Zwerge, Orks und Trolle. Und ein Ork hat es hier nicht so leicht wie ein Elf oder Mensch, einen Job am Empfangstresen zu bekommen. Die Welt an sich ist genauso oberflächlich und rassistisch wie unsere heutige. Man hat sich nur von der Herkunft auf die Rasse verlagert, die anders genug ist, um in den Augen der Rassisten Vorurteile zu rechtfertigen. Diese Art von Rassismus ist auch ein Thema, das im Plot verarbeitet ist. Denn ohne dieses Handeln verteidigen zu wollen, ist diese Ablehnung des Fremden in uns angelegt, und man muss es sich bewusst machen, um es überwinden zu können. Viele machen sich diese Mühe nicht und lassen ihren Vorurteilen freien Lauf, und ich glaube, eine Welt ohne Rassismus wäre zwar traumhaft, wird aber nur möglich sein, wenn diese Leute noch etwas "Fremderes" finden, das sie ablehnen und bekämpfen können, eine Alieninvasion oder so etwas ...
          If I could read your mind love
          What a tale your thoughts could tell
          Just like a paperback novel
          The kind the drugstore sells
          -- Gordon Lightfoot "If you could read my mind"

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          • #8
            Rassismus (bzw. Antisemitismus) spielt eine tragende, wenn nicht gar DIE tragende Rolle in meinem historischen Kriminalroman. Bei meinem anderen Projekt spielt Xenophobie eine wichtige Rolle. In beiden Fällen aber hauptsächlich, weil es der Geschichte dienlich ist und nicht, weil ich mit dem erhobenen Zeigefinger die Leser belehren will.

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