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Mythologiefrage: woher kommt die Assosziation, dass Metall Magie behindert?

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    Mythologiefrage: woher kommt die Assosziation, dass Metall Magie behindert?

    In vielen Settings* gilt es als gesetzt, dass Magie durch Metall, meist Eisen oder Silber, behindert wird. Und da frage ich mich: warum eigentlich? Woher kommt das?

    Ich habe da schon ein wenig herumrecherchiert und bin bisher nur darauf gestoßen, dass die ältesten diesbezüglichen Überlieferungen wohl die sind, dass Eisen ein "Hausmittel" gegen Elfen sei - also Elfen im Sinne von The Fair Folk, wie sie im keltischen (speziell irischen/schottischen) Volksglauben überliefert sind. Oft heißt es, Kontakt mit Eisen sei schmerzhaft oder brennend für die Elfen, und würde sie am Zaubern hindern. Aber woher kommt dieser Glauben? Was ist die tiefere Wurzel davon? Und warum Eisen und Silber? Weiß da wer was?

    *Nachtrag, Beispiele zu den "vielen Settings":

    - so gut wie jedes Rollenspiel, egal ob online, PC, Playstation, LARP, Pen'n'Paper etc. erlaubt magiebegabten nicht, eine Metallrüstung zu tragen, ohne dabei ihre magischen Fähigkeiten zu verlieren
    - Werwölfe können traditionell nur durch eine Silberkugel getötet werden
    - Sapkowskis Hexer tötet Monster mit einem Silberschwert
    - in der Bartimäus-Welt sind können Geister nur durch Eisen und Silber verletzt werden
    - Im Grimm'schen Märchen "Die zwei Brüder" kann die Hexe nur durch Silber getötet werden
    - Pratchetts Elfen fürchten Eisen
    - in den Dresden Files fürchten Elfen jedes Metall, und Metall in ihre Welt zu bringen ist ungefähr so höflich, wie jemandem ins Wohnzimmer zu pinkeln. Und Werwölfe können mit Silber (in dem Fall: Silber, das man geerbt hat) getötet werden.
    - Blade tötet Vampire mit Silberpfählen
    - In der Rad der Zeit-Serie kommt ebenfalls ein elfenartiges Folk vor, dass man durch Eisen "binden" kann
    - der Aberglaube, dass man durch ein Hufeisen an der Türe böse Geister abhält (v.a. im nordeuropäischen/skandinavischen Raum verbreitet)
    - abgeleitet: Superman verliert seine Kräfte durch Kryptonit
    - parodiert: der Wallace and Grommit-Film "Curse of the Were-Rabbit" verlangt nach Gold ("24 carrot gold") um das Wer-Kaninchen zu töten
    Always avoid alliteration.

    #2
    Nicht, dass dies der Ursprung wäre, aber alchemistische Traditionen halfen bestimmt diese Verbindungen zu festigen. Alchemie ist oft stark verbunden mit Mythologie, Mystizismus und Philosophie etc. und es gibt verschiedenen Konzepte, was die einzelnen Metalle bedeuten oder können (zB Quecksilber als Heilmittel).
    Ich denke, in diesen alten Konzepten und Theorien kann man Spuren davon finden, was Menschen an Metallen so fasziniert (hat).
    Und es ist vielleicht auch Teil des Hintergrundes, warum in modernen Geschichten Magie weiterhin mit Metallen zusammenkommt.
    Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
    to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
    A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
    You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Es gibt ja auch den gegenteilligen Ansatz, dass Magie bzw. übernatürliches Handeln sehr eng mit Metallen verknüpft ist (Fullmetal Alchimist, Sandersons Allomancy-System). Insofern könnte eine Fazination für Metall (ist ja auch geradezu "magisch", wenn es schmilzt und plötzlich ganz anders aussieht) da gut mit reinspielen.

    • In-Genius
      In-Genius kommentierte
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      Ich bin ziemlich sicher, dass Menschen bereits sehr lange fasziniert von Metallen sind. Gerade auch, da Fortschritte in Metallurgie oft dazu führten, besser ausgerüstet zu sein als der Nachbar. Man vergleiche antike Schlachten, wo Kulturen mit Bronze und Kulturen mit Eisen aufeinander trafen und der Unterschied im Metall eine große Rolle spielte. Da verstanden Menschen garantiert, dass hier "Macht" innewohnt. Genauso wie Magnetismus sicher auch Interesse und Neugier in Menschen geweckt hat und ähnliches.
      Heute können wir tolle wissenschaftliche Artikel lesen, warum sich Metalle verhalten wie sie es tun und dass es keine "Magie" ist - aber als Laie ist "Magie" oft eine genauso gute Erklärung

      Es wäre sicher auch interessant, die verschiedenen Alchemie-Traditionen zu vergleichen: Griechenland, Indien, Islamische/arabische Welt, China und seine Nachbarn und so weiter. Dieser Bezug zwischen "Magie" und Metallen ist weit verbreitet und sehr alt. Jedenfalls, ich denke dass kann eine gute Quelle für die Spurensuche sein.

    #3
    Es ist, wie du schon auflistest, vornehmlich Silber und Eisen, dem diese magischen (oder antimagischen) Fähigkeiten zugesprochen werden.

    Das ist eine sehr alte Vorstellung, die usprünglich vermutlich auf die Seltenheit und den entsprechenden Wert dieser Materialien begründet ist (interessante Lektüre ggf. hier) und die sich dann im Laufe der Zeit mit anderen mystischen Theorien verknüpft hat, wie zum Beispiel die Zuordnung bestimmter Metalle zu Himmelskörpern wie zum Beispiel Silber und Mond, womit es irgendwie logisch wird, dass ein Werwolf, der vom Mond beeinflusst wird, auch von Silber beeinflusst wird.

    Die modernen Settings bedienen sich einfach an diesen tradierten Vorstellungen, wie sie es auch in vielen anderen Aspekten tun.

    Poems are never finished.
    Just abandoned.

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    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Danke für den Link!

    #4
    Ich kann da nur ein weiteres Setting liefern. Im Film "Maleficent" verursacht Eisen der namensgebenden Fee Verbrennungen. Eine Erklärung für den Glauben an solche und ähnliche Wirkungen hab ich leider nicht.
    Nur wer sein Handwerk mit Herzblut ausführt, kann es gut machen, sonst ist alle Anstrengung vergeblich. Mao Shengli

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    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Trotzdem danke für das weitere Setting. Dieses Klischee, Trope, wie auch immer man es nennen mag, ist wirklich weit verbreitet. Ähnlich wie Salz oder Knoblauch als Mittel gegen gewissen Un-Wesen.

    #5
    Hm. Weil Metalle irgendwie abschirmen; gegen Sachen, die nicht so sichtbar sind. Bleiwesten gegen Strahlen. Aluhüte gegen Denken. Außerdem ist Gold und Silber schön elegant. das würde ich auch bei meinen magischen Geschichten benutzen.
    Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
    die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
    die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
    die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

    Jack Kerouac

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    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Ja, irgendwie macht das vom Gefühl her absolut Sinn. Aber ich frage mich, woher dieses Gefühl kommt. Konzepte wie kosmische Strahlung kennen wir ja, kulturell gesehen, erst seit realativ kurzer Zeit, aber dieses magische Denken der Abschirmung ist viel älter.

    • Nachtmahr
      Nachtmahr kommentierte
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      Alys II.
      Vielleicht hängt es damit zusammen, wie diese Metalle verarbeitet werden. Meistens kann man das nicht einfach so, es braucht Feuer, Werkzeuge und Wissen. Auch hab ich schon einige Geschichten gelesen, in denen bei der Verarbeitung des Metalls noch Beschwörungen gemurmelt und Zauber in das Werkstück zB einen Talisman eingewoben werden. Und auch wenn Metalle unterschiedliche Härtegrade haben, fällt mir gerade doch keins ein, das man im unverarbeiteten Zustand einfach wie eine Kugel aus weicher Knete zerdrücken kann. Die Härte und Beständigkeit könnte also auch in diesen Schutzglauben einfließen. Und da fällt mir noch ein Setting ein. Captain Americas Schild aus (fiktivem) Vibranium. Unzerstörbar, hält alles ab, sogar schwere Artillerie.

    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Nachtmahr Ja, diese Verarbeitungsidee passt auch zu dem, was weltatlas unten sagte - denn Metall wird oft zu Rüstung, Schutz, und Waffen etc. verarbeitet. Selbst Metall-Werkzeuge haben den Aspekt, dass sie irgendwie "gewaltig" wirken (Nagel wird in Holz getrieben, Pflug reißt den Ackerboden auf).

    #6
    Meine erste Assoziation war: Es ist robust, haltbar und schmiedbar. D.h. ich kann daraus Waffen und Rüstungen herstellen, die abschirmen vor schädlichen Attacken. Desweiteren sind Metalle selten und nicht leicht abzubauen. Würde man jede Kreatur mit Laubblättern töten können, hätte es viel Mystik verloren - denn man bräuchte sich nur im Wald verstecken. Silber war auch lange Zeit deutlich wertvoller als Gold. Wertvoll = Besonders.

    Generell werden aber allen "Dingen" aus dem Boden, welche nicht offensichtlich und leicht zugänglich sind magische Fähigkeiten zugesprochen. Mineralien ebenfalls.
    Nein das war ich nicht.
    Ach so, das!
    Ja, das war ich.

    Kontakt: administrator@wortkompass.de

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    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Ah, das ist die ältere Herleitung des Gedankens "Abschirmen" - vgl. das, was ich gerade bei Vickies Post geschrieben habe!
      Hast Du Beispiele für Mineralien, die mit magischem Denken belegt sind? Da fällt mir gerade nur Salz ein. Oder meinst Du die angebliche Heilkraft von Edelsteinen?

    • weltatlas
      weltatlas kommentierte
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      Vielleicht ist das etwas? https://www.br.de/mediathek/podcast/...ologie/1519212

      Ansonsten ist der Bergkristall seit der grichischen Antike ein magischer Stein und sollen die Tränen von Lysithea sein. In Indien - Hinduismus - versinbildlicht der Stein den Regenbogen - 7 Farben, 7 kosmische Strahlungen.
      Der Jaspis ist in der Bibel als erster Stein genannt - die hatte die Herrlichkeit Gottes; ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall. Und ist "Grundstein" des neuen Jerusalems.
      Wie der Achat gehört auch der Türkis zum „Panzers der Gerechtigkeit“ vgl. Buch Exodus: „Und du sollst sie besetzen mit vier Reihen von Steinen. Die erste Reihe sei ein Sarder, ein Topas und ein Smaragd, die andere ein Rubin, ein Saphir und ein Diamant, die dritte ein Lynkurer, ein Achat und ein Amethyst, die vierte ein Türkis, ein Onyx und ein Jaspis; in Goldgeflecht sollen sie gefasst sein.“

      ect.pp

    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Oh verdammt, du hast mir gerade mit all den Steinen eine weitere Detail-Idee für's Setting eingeflüstert. Ich hab ja bisher viel zu wenige. (Ironie! Ich seh den Plot vor lauter Welt nicht mehr.)

    #7
    Ich habe gerade in einem Sachbuch über germanische Mythologie nachgeschlagen und da steht, Metall stehe für die Geheimnisse der Erde und Unterwelt. In ihnen ist das Feuer enthalten, das allein sie schmelzen kann, und sie symbolisieren das versteckte Wissen der Götter. Aus diesem Grund sind sie auch besonders mit mächtigen Wesen verbunden, etwa die berühmten Drachen, die auf Gold sitzen und es bewachen, oder die Zwerge, die Schmiedemeister sind.

    Ich vermute mal, aus diesem Grund könnten die Metalle als Mittel gegen Böses angewendet werden.
    Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. - Franziska Alber

    So nah, so fern.

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    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Das mit den Geheimnissen der Erde und der Unterwelt kann ich mir gedanklich gut herleiten, da Metalle ja meist aus der Erde/Unterwelt stammen. Auch das mit dem Feuer kann ich gut nachvollziehen. Die Verbindung mit Drachen und Zwergen schaffe ich auch noch, Berghöhlenbewohner passen zu Sachen, die aus Bergstollen kommen. Metall generell als Schutzdingens gegen das Böse kann ich mir so gut herleiten. Aber gegen Magie? Gerade in Kulturen, die Magie nicht unbedingt als böse empfinden?
      Sehr spannend, das alles. Danke für den Hinweis, ich werde bei den Germanen auch nochmal weiter recherchieren.

    • Kelpie
      Kelpie kommentierte
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      Zumindest in der germanischen Mythologie kommt die Magie von den Göttern oder zumindest den "anderen" Wesen. Negativ in dem Sinne ist sie nicht, es gibt ja auch Schutzzauber und -formeln. Ich denke, hier spielt v.a. das Konzept "Geheimnisse der Welt" bzw. "Wissen der Götter" rein. Nicht im negativen Sinne, sondern ganz allgemein.

      (Vor allem, da die Germanen nicht so deutlich zwischen gut und böse unterscheiden.)

      (... Germanen hier nur als Sammelbegriff.)
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