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Sind Euch Eure Protagonisten sympathisch?

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  • Sind Euch Eure Protagonisten sympathisch?

    Gerade hatte ich eine kurze Diskussion darüber ob einem der eigene Prota sympathisch ist oder nicht. Meiner ist mir durchaus sympathisch in seiner vertrottelten Verpeiltheit, aber immerhin ist er clever und hat Humor. Mir macht es somit auch spaß ihn durch meine Welt zu scheuchen und zu schauen, wie er so reagiert und handelt. Besonders spannend finde ich die Dialoge, ab und an auch Monologe von ihm.
    Wie geht man eigentlich vor, wenn einem der eigene Protagonist dann doch eher unsympathisch ist, wenn man sich selbst nicht so wirklich, gar nicht mit ihm/ihr identifizieren kann?

    Wie steht Ihr zu Eurem Protagonisten? Was findet Ihr gut an Ihm, was findet Ihr charaktertechnisch grauselig.
    Und dann war da noch ein Messer ohne Klinge, an dem der Griff fehlte…

    Kontakt: administrator@wortkompass.de

  • #2
    Sympathie ist vielleicht ein bisschen eng gefasst. Ich mag alle meine Figuren, ob Prota, Anta oder Nebenfigur. Aber es gibt Charakterzüge und Aktionen meiner Protagonisten, die ich nicht gutheiße. Die finde ich auch wichtig, den umso leichter fällt es mir, sie mal richtig auf die Schnauze fallen zu lassen. Eine Figur, die keine Fehler hat, kann sich nicht entwickeln, hat keine Zweifel, und höchstens Comichaft böse Gegner.

    Daher kann ich mir auch nicht vorstellen, dass man sich wirklich gar nicht mit seinem Prota identifizieren kann. So viele Fehler er auch hat, es muss ja irgendetwas geben, weswegen ich trotzdem seinen Weg verfolgen will. Wenn ich das als Autor nicht kann, wie soll ich dann die Energie aufbringen, eine komplette Geschichte über ihn zu schreiben? Die Einzige möglichkeit, die ich mir vorstellen kann, ist eine Tragödie, in die man eine so unsympathische Figur letztendlich in das verdiente Verderben stürzt.

    Einer meiner Protas ist z.B. überheblich und jähzornig, zwei Dinge, die mich persönlich sehr abstoßen. Um das auszugleichen, gibt es einerseits Gründe, warum er so geworden ist - nicht zur Entschuldigung, aber zur Erklärung, dass er nicht einfach nur so ein Arschloch ist. Außerdem gerät er wegen dieser Eigenschaften verdient in Schwierigkeiten und verbringt einen nicht geringen Teil seines Plots damit, diese Eigenschaften abzulegen oder wenigstens unter Kontrolle zu bringen. Vielleicht könnte man sagen, wir nähern uns aneinander an: Er reduziert seine unangenehmen Seiten, und ich lerne, den verbleibenden Rest als Charakteristik an ihm zu akzeptieren Man ist ja im realen Leben auch nicht nur von perfekten Menschen umgeben, aber je besser man sie (und auch ihre positiven Seiten) kennt, desto mehr ist man bereit, ihre Schwächen zu tolerieren.


    'Twas in another lifetime, one of toil and blood
    When blackness was a virtue the road was full of mud
    I came in from the wilderness, a creature void of form
    Come in, she said
    I'll give ya shelter from the storm -- Bob Dylan

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    • weltatlas
      weltatlas kommentierte
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      So viele Fehler er auch hat, es muss ja irgendetwas geben, weswegen ich trotzdem seinen Weg verfolgen will. Wenn ich das als Autor nicht kann, wie soll ich dann die Energie aufbringen, eine komplette Geschichte über ihn zu schreiben?
      Guter Punkt, das sehe ich genauso. Schreiben soll im gewissen Umfang auch Spaß bringen, kein durchquälen sein und Energie absaugen, schon beim bloßen Gedanken an den Ptota.

  • #3
    Doch, sympathisch sind sie mir bislang durchaus (auch wenn ich erstmal darüber nachgedacht habe). Bei manchen raufe ich mir dennoch manchmal die Haare, wenn ich denke, warum sie denn jetzt schon wieder so handeln und nicht anders, aber um einen Menschen sympathisch zu finden, muss ich ja nicht jede einzelne Seite an ihm mögen bzw. selbst so sein.

    Ich glaube, ich könnte keine Figur schreiben, die mir wirklich unsympathisch ist. Ich muss mich in die Figur hineinversetzen können und dafür braucht es zumindest ein bisschen was, das ich genau so sehe oder mit dem ich übereinstimmen kann.
    Ich komme aus Ironien.
    Das liegt am sarkastischen Meer.

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    • #4
      Ich würde sogar soweit gehen, dass mir jede Charakter auch meien Antagonisten sympatisch sein würden, damit ich Spaß am schreiben habe.
      Dabei muss ich mich nicht mit dem Charakter an sich identifizieren können, noch dejenigen sympatisch besonders auf zwischenmenschlicher eben finden, aber jeder Charakter braucht etwas, das ihn für mich spannend macht. Ein Aspekt reicht mir meistens, da kann der Rest so ätzend sein, ich mag sie trotzdem.

      Am wichtigsten ist, dass der Charakter für einen selbst nachvollziehbar ist, nicht dass man Dinge genauso machen würde, noch dass man ihn im echten Leben mögen würde.

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      • weltatlas
        weltatlas kommentierte
        Kommentar bearbeiten
        aber jeder Charakter braucht etwas, das ihn für mich spannend macht.
        Jab und ich denke, das es dann eben auch für den Leser spannend ist.

    • #5
      Wie meine Vorrednerinnen schon gesagt haben, ist es in meinen Augen notwendig, dass da ein Grundmaß an Sympathie zu meinen Charakteren besteht - ansonsten würde ich nicht aus ihrer Sicht schreiben. Irgendetwas muss mich an ihnen faszinieren. Die Charaktere, bei denen das nicht der Fall ist, habe ich auf kurz oder lang fallen lassen.
      Die Sympathie kann unterschiedlich geartet sein: Einer meiner PoVs ist mir von seiner Wesensart eigentlich regelrecht zuwider, deswegen habe ich versucht, seine Charakterzüge ins Schrullige zu verzerren. Dadurch macht er mir mehr Spaß und er hat wieder etwas Sympathisches, nämlich Humor (wenn auch unabsichtlich).
      Ansonsten hege ich seltsamerweise sehr große Sympathien für diejenigen Charaktere, die eigentlich schlechte Eigenschaften haben, unmoralisch sind oder, wenn ich ihnen auf der Straße begegnen würde, mich vermutlich nicht allzu nett behandeln würden. Aber irgendeine Faszination üben sie aus, irgendetwas reizt mich an ihnen und auch wenn es nicht Sympathie im klassischen Sinne ist, so empfinde ich doch etwas in diese Richtung für sie.
      Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. - Franziska Alber

      So nah, so fern.

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      • #6
        Mein Prota ist mir zumindest nicht unsympathisch.
        Es ist jetzt nicht so, dass ich ihn für einen super tollen Menschen halte, aber ich mag ihn und würde ihn in der Realität wohl auch mögen, auch wenn ich - wie viele hier schon angemerkt hatten - nicht alles gut finde, was er so tut.
        Ich habe allerdings tatsächlich schon Protagonisten geschrieben, die mir extrem unsympathisch waren, also mit Absicht Eigenschaften hatten, die ich an anderen Menschen nur sehr schwer ertragen kann. Und es hat dennoch verdammt viel Spaß gemacht. Ich kann nicht behaupten, den Charakter zu mögen, aber ich konnte mich in ihn hineinversetzen und es war ein interessantes Experiment. Es geht also, einen unsympathischen Protagonisten zu schreiben. Allerdings gibt es auch Charaktere, mit denen ich gar nicht klarkomme. Ich hatte auch schon einige Versuche mit Protagonisten, in die ich mich einfach nicht hineinversetzen konnte (z.B. einen sehr kühlen, emotional distanzierten, pragmatischen Charakter; hat als Prota oder PoV gar nicht funktioniert) Ich hatte Schwierigkeiten, so zu denken wie sie und sie nachvollziehbar handeln zu lassen. Mir hat also bei diesen Charakteren die Empathie gefehlt. Und wenn das der Fall ist, hilft meiner Erfahrung nach gar nichts mehr.
        Für mich steht Sympathie für den Protagonisten also nicht an erster Stelle. Aber reinversetzen können, muss ich mich irgendwie schon.

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        • #7
          Meine erste VÖ war eine KG für eine Antho. Ich konnte den Prota nicht leiden (Gott, wie ich den heute noch hasse!), aber genau das wollte ich. Ich glaube, in gewisser Weise werden auch die wenigsten Leser diesen Prota mögen, aber letztlich trotzdem schlucken, wenn der Prota erkennt, was er alles falschgemacht hat, und schließlich stirbt. Schlucken war jedenfalls die Reaktion, als ich die Geschichte in einer Gruppe in der Reha vorgelesen habe. Aber ich wurde anschließend sogar von Leuten auf den Gängen angesprochen, die nicht dabei gewesen waren und mit denen ich noch nie gesprochen hatte. In gewisser Weise können absolut unsympathische Protas also auch fesseln, wobei ich glaube, dass es nicht für einen kompletten Roman reichen würde.

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          • #8
            Ich hab gemerkt, dass es nicht Sympathie sein muss, sondern ein gewisser Zugang. So wie mir (fast) kein Mensch egal ist, reicht mir genau dieses Gefühl der Nicht-Gleichgültigkeit.
            Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
            die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
            die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
            die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

            Jack Kerouac

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            • #9
              Meine Charaktere treffe ich nicht zufällig, sondern sie sind von mir zusammengemischt worden, Designerkinder sozusagen. Ob Frankenstein seine Schöpfung sympathisch fand? Gute Frage.Das ist so ein wenig wie mit Kindern, manchmal kann man sie echt nicht leiden, aber man liebt sie trotzdem.
              Ich kann keine Kurzgeschichten, daher muss ich mindestens ein Jahr mit ihnen leben. Da ich gerne Serien schreibe, meist noch deutlich länger. Das würde ich nicht wollen mit einem Protagonisten, den ich nicht leiden kann.

              Ich gebe allen Hauptfiguren, also auch dem Antagonisten, einige Qualitäten mit, die ich wertschätze, selber gerne hätte oder faszinierend genug finde, um sie länger um mich haben zu wollen.
              I would write merely clearly and in this way establish a warm relationship between myself and my readers, and the professional critics—Well, they can do whatever they wish. Isaac Asimov

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              • weltatlas
                weltatlas kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                Ankh, es geht allerdings nicht nur um Macken in diesem speziellen Fall, sondern um eine komplette Persönlichkeitsstruktur. Da gibt es eben welche, mit denen ich mich nicht auseinandersetzen möchte, da sie Energie ziehen.

              • Ankh
                Ankh kommentierte
                Kommentar bearbeiten
                weltatlas verstehe. Aber entweder erschaffe ich automatisch keine so toxischen Persönlichkeiten, oder es wirkt eben anders auf dem Papier als im echten Leben, weil ich einerseits mehr Verständnis für meine Eigenschöpfungen habe und andererseits mich ja leichter zurückziehen oder sie abmildern kann. Ich habe jedenfalls noch nie erlebt, dass ich einen Charakter erschaffen habe, der mich so abgestoßen hat, dass ich mich nicht mit ihm befassen wollte.

              • Peter
                Peter kommentierte
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                @Ankh
                Geht mir auch so.

                Wenn ich derart 'toxische' Charaktere entwerfe, dann muss mich irgendetwas an ihnen faszinieren. Ein Aspekt, über den ich mehr erfahren will. Eine Erfahrung an meiner persönlichen Grenze.

                Auf dem Papier können wir uns mit den widerwärtigsten Geschöpfen befassen, weil wir die uneingeschränkte Macht haben, es jederzeit zu beenden, ohne die Sicherheit unseres Arbeitszimmers verlassen zu müssen.

            • #10
              Also wenn mir eine Person unsympathisch ist, könnte ich nicht aus ihrer Sicht schreiben. Weil ich wahrscheinlich nicht hundertprozent nachvollziehen könnte, warum sie so unsympathisch handelt. Vermutlich fehlt mir das Einfühlungsvermögen in solche Kotzbrocken und ich könnte sie gar nicht so kotzbrockerisch handeln lassen, wie sie es vermutlich tun würden. Deshalb müssen meine Protas zumindest irgendetwas haben, womit ich mich identifizieren kann, sonst kann ich ihre Beweggründe nciht richtig nachvollziehen und könnte ihr volles Potential vermutlich gar nicht ausschöpfen. Reizen würde es mich allerdings schon, mal so eine komplett konträre Person zu skizzieren, aber ich traue es mir (noch) nicht zu.
              Meine aktuelle Prota ist sehr schüchtern und schon fast kriecherisch, was ich auch nicht gutheißen kann, aber solche Handlungsweisen kann ich wenigstens ein bisschen verstehen und ich finde es jetzt auch nicht abgrundtief unsympathisch.

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              • #11
                "Sympathisch" - ich würde es auch eher als "zugänglich" bezeichnen. Mir reicht dafür schon eine gute oder schlechte Eigenschaft, entlang der ich die Figur agieren lassen könnte; das muss gar nicht in der Geschichte vorkommen, sondern einfach für mich die Tür zu der Figur öffnen. Die mir sympathischen Figuren haben eben mehrere dieser Türen. Meistens sind das gute oder schlechte Charakterzüge, die ich an mir oder einer anderen Person studieren - oder fantasieren - kann oder konnte.
                Zuletzt geändert von Dodo; 12-11-2017, 22:40.

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                • #12
                  Ich mag meine beiden derzeitigen Protagonisten. Trotz ihrer ... mitunter etwas seltsamen Art *hust*.

                  An meiner derzeitigen Prota mag ich wohl am meisten ihren sensiblen Kern und ihren Hang zur Gerechtigkeit (dass das manchmal in Radikalität kippt, nun ja ... ^^)
                  Außerdem muss ich beim Schreiben immer wieder mal über ihre pissige Laune schmunzeln (teilweise mit dem männlichen Prota gemeinsam ^^).

                  Und jo ... an meinem männliche Prota -- der irgendwie polarisiert -- mag ich wohl, dass er nicht nur andere, sondern auch sich selbst mal auf die Schippe nimmt. Und dass er in mancher Hinsicht nur schwer zu erschüttern ist. Und dass er gleichzeitig gar nicht erst vorgibt, der ach so perfekte Superdom zu sein ^^.

                  Wobei ich sagen muss, dass ich auch einen meiner Antagonisten nicht total unsympathisch finde. Ich glaub, ich kenne ihn und seine Schwächen schon zu gut, als dass ich ihn gänzlich verabscheuen könnte.

                  Und irgendwie mag ich auch die Fehler meiner Charaktere, das macht sie für mich lebendig und realistisch.

                  Und das ist der Punkt: Ich glaube, man kann aus der Sicht eines unsympathischen Protas schreiben, wenn man seine Schwächen genau kennt und nachvollziehen kann. Dann kann man entweder analytisch vorgehen (und beim Schreiben dadurch Distanz waren), oder man findet den Charakter dadurch "menschlicher" und kann sich besser in seine Perspektive reinversetzen (was ja noch lange nicht heißt, dass man sie auch nur annähernd als Autor befürworten muss).
                  "Doch inmitten der Rohheit unserer Zeit existiert Trostreiches:
                  das Gute, die Unschuld, das Licht – unbefangen, lieblich und hingebungsvoll." -- Das gefallene Mädchen (c) Waldner

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                  • #13
                    Na ja ... man muss hier sicher unterscheiden, ob einem der Protagonist als literarische Figur sympathisch ist oder wie es im wahren Leben wäre. Da würde die Sache nämlich ganz anders aussehen. Also ... gaaanz anders!
                    Neuester Blog-Artikel (24.01.17) auf http://laterno-magico.blogspot.de/ : Das-Gut-Mensch-Experiment 2.0 und die Dynamik einer Anthologie

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                    • weltatlas
                      weltatlas kommentierte
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                      Deshalb steht da ja "Protagonist" und nicht Kumpel, Freund oder Buddy.

                    • magico
                      magico kommentierte
                      Kommentar bearbeiten
                      Was ist denn der Unterschied zwischen Kumpel und Buddy?

                      Sympathie ist für mich etwas mit Bezug zum realen Leben, daher kann ich den Begriff nicht auf meine Figuren anwenden. Aber ich mag sie als Typen mit all ihren Eigenschaften. Am meisten mag ich allerdings die nicht eindeutig zuordenbaren Charaktere. Diejenigen, die selbst hin- und hergerissen sind oder zwischen den Fronten stehen.

                    • weltatlas
                      weltatlas kommentierte
                      Kommentar bearbeiten
                      Vermutlich der deutsche vs. anglizistische Ursprung.

                      Sympathie hat immer etwas mit der eigenen Realität zu tun. Ich bin ja meine Bezugsquelle, mein Wertemaßstab an dem ich festmache ob ich etwas sympathisch finde oder nicht. Etwas mögen beinhaltet für mich auch Sympathie - eine gefühlsmäßige Zuneigung, also ein Mögen. Aus diesem Grund kann ich zumindest über meine Figur sagen: Ich finde sie durchaus sympathisch.

                      Generell mag ich ebenfalls lieber die Vielschichtigen Charaktere.

                  • #14
                    Manche Persönlichkeitsmerkmale meiner Figuren sind mir sympathisch, andere nicht.
                    Zuletzt geändert von Milch; 13-11-2017, 16:15.

                    Kommentar


                    • magico
                      magico kommentierte
                      Kommentar bearbeiten
                      Is'n Ding!
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