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Setting lebendig werden lassen

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    Setting lebendig werden lassen

    Nachdem ich gestern den Mittwoch verpennt habe, stelle ich jetzt einfach mal so die Frage:

    Ihr habt Weltenbau betrieben, recherchiert, seid in der Realität vor Ort gewesen oder habt die Gassen über Google Earth und ähnliches abgeschritten, Eure Zimmerwände mit Fotos und Zeichnungen und Karten gepflastert. Eure Figuren könnten loslegen.
    Aber Setting bedeutet ja mehr als eine Theaterkulisse zu sein (finde ich jedenfalls). Ein gewissen Eigenleben, ein Charakter steckt drin, der in die Story einfließt. Wie erweckt Ihr das Eigenleben Eures Settings?

    #2
    Also, das alles was du aufgezählt hast, hab ich nicht wirklich gemacht. 😅

    Zu deiner Frage
    Ich erwecke das nach Bedarf aufgebaute Setting durch die Beschreibung von Städten und Landkarten, aber auch Natur, Tieren und anderen Wesen, die in dieser Welt leben. Durch das Näherbringen von Brauchtümern, Vorgeschichten und die Reise meiner Charaktere. Durch Menschenmassen, die sie durch enge Gassen schieben oder Händler, die auf dem Markt um die Wette schreien. Durch Düfte, Wettereinflüsse und Bedürfnisse wie Hunger, Durst und Müdigkeit.
    Nur wer sein Handwerk mit Herzblut ausführt, kann es gut machen, sonst ist alle Anstrengung vergeblich. Mao Shengli

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      #3
      Ich finde, ein Setting "lebt" hauptsächlich durch die Wesen, die darin leben. Wenn die Welt um die Hauptfiguren nur Kulisse ist, wirkt sie steril. Wenn dagegen Kinder auf der Straße spielen, Schmetterlinge um Blumen fluttern, der Barkeeper eine Persönlichkeit hat statt nur ein Getränkeautomat zu sein und generell der Eindruck entsteht, dass die anderen Bewohner dieser Welt ihr eigenes Leben, mit eigenen Zielen, Wünschen und Vorlieben (oder Abneigungen) haben, dann bekommt das Setting Tiefe. Es sollte der Eindruck entstehen, dass diese Leute (und Schmetterlinge) weiterexistieren, auch wenn die Kamera mit den Hauptfiguren weitergeschwenkt ist.

      Insofern versuche ich, Nebenfiguren und Statisten mit genug Persönlichkeit und Eigenwillen auszustatten, dass dieser Eindruck entsteht. Das mag die Geschichte interessanter machen, zum Beispiel, indem es den Protagonisten weitere Hindernisse in den Weg wirft, aber das ist nicht unbedingt das Ziel dabei.
      Poems are never finished.
      Just abandoned.

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        #4
        Ich glaube, es reicht nicht nur, zu wissen, wie es irgendwo aussieht, sondern für Geschichten ist auch wichtig, den Sinn der Details zu verstehen. Orte müssen durch Handlungen und Figuren lebendig werden.

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          #5
          Das Setting wird lebendig dadurch, dass meine PoV-Figuren damit interagieren, sowohl physisch als auch emotional.
          I love deadlines. I like the whooshing sound they make as they fly by.

          Douglas Adams

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            #6
            Interaktion von Lebewesen mit dem Setting ist eine mittelbare Möglichkeit; demnach wäre der Ort tatsächlich nur Kulisse ohne Eigenstrahlkraft. Was ich meine: Müsste nicht eher der "Charme" des Settings die Handlung unterstützen und somit etwas darstellbar sein, quasi als Ort"beschreibung"?
            Wie findet oder definiert Ihr diesen Charme, unabhängig davon, dass Ihr ihn danach fin die Handlung einbindet? Verknüpft Ihr Eure Vorstellung oder Erinnerung mit Musik, mit Duft, mit Geschmack?

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            • Milch
              Milch kommentierte
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              Ein Roman ist kein Film, ein hübsches Setdesign kann viel von dem Charme eines Films ausmachen, Film ist visuell. Literatur funktioniert über die Figuren.

            • Dodo
              Dodo kommentierte
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              Das sehe ich zwar ähnlich, aber meine Interpretation für die Literatur (und auch Filmkumst) ist eine andere. Ich selbst bin ein extrem visueller Mensch, und die besten Bücher erzeugen in meinem Hirn etwas, was ich als Bild oder Film interpretierte. Und wie ein gut ausgestatteter (!) Film regt ein gut gesettetes Buch auch die Vorstellung meiner anderen Sinne an.
              Der Film hat es einfacher, den visuellen Anteil zu übermitteln. Oft genug ist der Effekt einer Buchverfilmung, dass sie "nicht stimmt" und damit meine ich nicht Abweichungen inhaltlicher Art, sondern dass der Film das beim Lesen individuell geschaffene Bild des Settings nicht trifft.
              Bei philosophischen Texten kantscher Art merke ich dagegen, dass meine Hirnleinwand verzweifelt nach Filmrollen sucht und dann frustriert an andere Bereiche abgibt.

            #7
            Okay, dann nochmal. 😁

            Zuerst muss ich wohl etwas erklären. Wenn ich zu Schreiben beginne, versetze ich mich in meinen Protagonisten, so wie beim Method Acting. Das mach ich durch Musik, dadurch, das ich ihn mir vorstelle usw. Es ist also schon durchaus vorgekommen, das ich in der U-Bahn unterwegs war, Musik hörte und Text in mein Handy tippte und dabei recht grimmig geschaut habe. Einfach weil ich gefühlsmäßig gerade in meinem Protagonisten war.

            Das bedeutet auch, sobald mein Protagonist einen Fuß in eine Stadt setzt, schließe ich innerlich die Augen und betrete sie mit ihm. Und lasse sie mit jedem seiner Schritte weiterentstehen, sehe sie mit seinen Augen. Hier ploppt ein Markt auf, wo Lärm herrscht, Ware angepriesen wird, Mägde mit Körben in der Armbeuge umhereilen und der Geruch von faulem Obst und andere Gerüche in der Luft liegen. Wo er im Gedränge einen Ellbogen zu spüren bekommt oder sein Magen laut knurrt, wenn er hungrig an Ständen mit Käse, Brot oder Früchten vorbeiläuft. Oder er gerät beim Betreten einer anderen Stadt in Festlichkeiten und wird von einer fröhlichen Menschenmasse weitergeschoben, wobei er Gaukler, Musiker und Verkäufer von Speisen to go entdeckt und es liegt der Duft von Spießbraten, Bier und gerösteten Esskastanien in der Luft. Gemeinsam mit ihm, nehme ich die Gerüche und Eindrücke wahr und schreibe sie auf.

            Das heißt ich verknüpfe seine fiktive Welt, mit meinen Erfahrungen der realen Welt.
            Nur wer sein Handwerk mit Herzblut ausführt, kann es gut machen, sonst ist alle Anstrengung vergeblich. Mao Shengli

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            • Dodo
              Dodo kommentierte
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              Eine schöne Methode! Gleichzeitig lernst Du die Figur besser kennen, auf was sie achtet, worauf sie Wert legt. Erinnert mich an die Spaziergänge von Captain Mumm, der durch Ankh-Morpork läuft und mit den Stiefeln den Weg wahrnimmt.

            • Nachtmahr
              Nachtmahr kommentierte
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              Es geht so weit, das du nach dem Schreiben beinahe glaubst, an derselben Stelle Schmerzen zu haben wie er eben noch. Hinterher brauch ich einen ordentlichen Schuss Realität, um mich wieder abkoppeln zu können.

            • Dodo
              Dodo kommentierte
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              Whoa, das ist krass. Method Writing.
              Ich teile beim Schreiben nicht die Gefühle meiner Figuren, sonst würde ich bestimmte Szenen gar nicht oder nur schreiben. Nein, für mich ist das alles Arbeit, mal mehr, mal weniger anstrengend. Ich renne meinen Figuren eher wie ein Chronist hinterher und bin gelegentlich Steuermann, um Kursabweichungen zu korrigieren. Für das Setting muss ich stehenbleiben und durchatmen. Aber ich werde mal mit meiner Hauptfigur durch den Ort wandern.

            #8
            "Charme" ist vielleicht nicht das richtige Wort Der Ort kreiert Atmosphäre. Und die soll natürlich unterstützen, was da sonst in der Geschichte passiert bzw. einen Hintergrund bilden, vor dem das alles passiert.

            Entsprechend versuche ich Orte so zu beschreiben, dass sie gleichzeitig die Stimmung vermitteln, die ich erzeugen will. Es gibt ein paar klischeehafte Bilder (nicht nur visuell, sondern alle Sinne betreffend), die dabei helfen, das Gehirn des Lesers richtig einzustellen. Meine eigene Vorstellung rege ich allerdings nicht mit Musik und Düften und Collagen und ähnlichem an, jedenfalls nicht absichtlich; es kann allerdings durchaus vorkommen, dass mir eine Liedzeile oder ähnliches auf einmal starke Bilder erzeugt, sodass ich dann versuche, die zu verwenden.
            Poems are never finished.
            Just abandoned.

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            • Dodo
              Dodo kommentierte
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              Oh ja, über Liedzeilen komme ich manchmal auch sehr weit. Lyrik / Lyrics helfen sehr gut, eine Atmosphäre in Worten zu kondensieren. Was man dann als Prosaautor in die eigenen Interpretationen verwandeln kann.

            #9
            Eine Frage, auf die ich selbst noch keine zufriedenstellende Antwort für mich gefunden habe. Es fällt mir schwer, das Setting zu beschreiben. Beim Schreiben selbst kommen daher nur die wichtigsten Punkte des Settings in die Geschichte rein. Für mehr habe ich in dem Arbeitsschritt irgendwie keine Kapazitäten frei. Erst beim Überarbeiten findet das Setting wirklich in meine Geschichte hinein, indem ich die Figuren damit interagieren lasse oder es auch wirklich einfach nur mal beschreibe. Das erfordert jedoch mehrere Arbeitsdurchgänge und selbst dann habe ich das Gefühl, dass noch vieles der Fantasie des Lesers überlassen bleibt.

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            • Dodo
              Dodo kommentierte
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              Wahrscheinlich böte sich für mich ein ähnliches Vorgehen an; ich hab nur die Sorge, dass ich dann denke: och, geht doch so. Deswegen versuche ich, zumindest eine "Atmosphärensaat" auszustreuen, die später aufgehen kann - das kann einfach eine Notiz in Papyrus am Rand sein, wo Stichworte wie "Tanz der Vampire" oder "hit by a beam of light" stehen. Gibst Du eventuellen Einfällen dann schon nach oder setzt Du völlig auf die ÜA-Runden?

            • Earu
              Earu kommentierte
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              Dodo Ich habe einen sehr strengen Testleser. Ich kann mir zwar denken, dass das schon so geht, aber er wird mich eines besseren belehren, wenn es doch nicht so ist.
              Wenn ich beim Schreiben schon etwas beschreiben kann, tue ich das. Es gibt genug Gelegenheiten, bei denen ich schon gleich weiß, wie ich das Setting in meiner Geschichte zur Geltung bringen kann. Ich gehe wegen Ideen allerdings nicht zurück, wenn mir später noch etwas einfällt. Das reicht also definitiv nicht. Für den Rest setze ich auf die Überarbeitungen und eben meinen Testleser.

            #10
            Um das Setting lebendig werden zu lassen, muss man es fühlen können. Geht mir zumindest als Leserin so, also versuche ich auch so zu schreiben. D.h. ich beschreibe Sinneseindrücke. Bei einer Verhörszene im Verlies wären es wahrscheinlich die Kälte, die von den Wänden ausgestrahlt wird, und das Hallen der Stimmen im Raum. Beim Besuch bei Tante Emma im Altersheim der dicke Flokatiteppich am Boden, der jedes Geräusch schluckt, und der Geruch nach Veilchenparfüm und Kukident.

            Das ist aber nichts, was ich beim Schreiben der Rohfassung hinkriege. Da beschreibe ich seitenlang und langweilig-penibel, wie die genauen Abmessungen des Verhörraums sind oder welche Bilder Tantchen Emma an der Wand hat. Das brauche ich für mich, um mich selbst in die Szene hineinzuversetzen. Das wird beim Überarbeiten dann alles gnadenlos gelöscht und durch wenige Sinneseindrücke ersetzt.
            Always avoid alliteration.

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            • Dodo
              Dodo kommentierte
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              Im Grunde wird ja alles gefiltert durch unsere Sinne bzw. beleuchtet "in the headlights of my justice" (S. Colbert).
              Nimmst Du dann für das Erfassen des dem Setting eigenen Charakters die Filterung durch die handelnden Figuren weg und beleuchtest es ohne POV-Träger oder spiegelst Du es von vornherein "in the headlights of the protagonist's justice"?

            • Alys II.
              Alys II. kommentierte
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              Dodo In der Rohfassung schreibe ich jeden Müll, der mir einfällt, und springe wild zwischen diversen POVs plus noch ein bisschen allwissender Erzählstil dazu. In der überarbeiteten Version soll dann alles streng nach POV der agierenden Person gefiltert sein.

            #11
            Ich drehe es mal um: Wann wirkt ein Ort wie ein Bühnenbild? Für mich entsteht der Eindruck vor allem, wenn Kausalität fehlt. Sowas wie: Prota betritt den Basar von Fantasiestadt und sieht Kobolde in Käfigen und dreiköpfige Hunde am Spieß und und und. Das wirkt nur einen Moment lang kreativ, danach denke ich mir: "Ok da könnte ich aus dem Stegreif noch 5 Dinge hinzufügen."
            Konkret würde ich sagen: Wenige Gedanken/Elemente, die mehrere Konsequenzen nach sich ziehen, die man dann in der Welt beobachten kann.







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            • Dodo
              Dodo kommentierte
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              Meine Frage zielte auf den spezifischen Charakter eines Settings. Dass man Kulissen fürs Storytelling mit Leben und Kausalität (= Plot) füllen muss, ist klar.
              Interessant der Aspekt des inneren "Plots" eines Settings, dass die Details eine eigene Geschichte haben, die man nicht erzählen muss, aber spürt bzw vermitteln kann. Notiert! Das hilft dabei, Ballast bzw Infodump zu reduzieren.

              Ich kann es noch weiter konkretisieren, weil ich gestern "Herr der Ringe" zu sehen begonnen habe, mit Gänsehaut des Grauens.
              Nehmen wir das: Auenland-Setting.
              Welche Atmosphäre strahlt es aus? Alle Hobbits mal rausgenommen, null Action, nur die Kulisse. Wie fangt Ihr diese Atmosphäre ein? Oder ist keine da?
              Für mich existiert da eine eigene Atmosphäre (eine ganz schreckliche, Unwohlsein hervorrufende, bei mir; ähnlich wie die Kulisse der Teletubbys; sorry für den Vergleich ).
              Und die könnte ich durchaus in Worte fassen, ohne dass ich auch nur eine Handlung oder Figur bräuchte. Oder ich könnte sie für mich beim Schreiben visuell heraufbeschwören. Bei anderen Settings die Erinnerung an eine bestimmte Situation; eine Liedzeile, ein Gedicht. Poesie ist oftmals Setting pur.

            • Stef
              Stef kommentierte
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              Ok also Gedanken/Melodien/ Gefühle in Orte zu packen mache ich wohl über Asssotiationen. Entweder fallen mir da direkt passende Dinge ein oder ich muss mir darüber den Kopf zerbrechen, was es denn genau ist, das ich da in das Setting zu bauen versuche. Wenn ich es dann halbwegs benennen kann (zB. das äußerlich höfliche, aber innerlich kleinkarierte und auch Öde des Auenlandes) würde ich dann eben Elemente einbauen, die den Leser zu diesen Gefühlen leiten, zB hier ein perfekt gemähter Rasen.

              Ich nehme an, du machst das sowieso schon so, ich wüsste nicht, wie das anders klappen sollte.
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