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Mittwochsfrage #231: Reale Ereignisse

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    Mittwochsfrage #231: Reale Ereignisse

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    Heute mal nicht viel Vorrede, sondern gleich die Frage
    Verarbeitet ihr in euren Geschichten eure eigenen Erlebnisse oder etwas, das euch/eurer Familie/eurem Freundeskreis widerfahren ist?
    Oder schreibt ihr etwas, das bewusst ganz weit weg ist von eurer eigenen Lebensrealität?
    Ist es ein Mix?

    Und warum macht ihr das so?
    »… and he wonders if that is what people look for in a partner or a friend: the part of themselves that is missing.«
    – Rachel Joyce, Perfect

    #2
    Ja. Autobiographischen ist immer drin. Von Kleinigkeiten - ich habe mich über Wattwanderer geärgert, die mit ihren Dreckstiefeln die Hoteltreppe eingesaut haben, und meine Prota tut das auch - bis zugrösseren Ereignissen. Hin und wieder lasse ich mich auch selbst in Geschichten einfließen. 😂
    I love deadlines. I like the whooshing sound they make as they fly by.

    Douglas Adams

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    • SaKi
      SaKi kommentierte
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      Oh, du machst dich selbst zum Teil des Casts? Interessant Und warum ist bei dir etwas Autobiografisches immer drin? Nutzt du in der Regel so kleine Begebenheiten wie mit den Wattwanderern oder ist es auch mal etwas … hm, Größeres, Einschneidenderes?

    • Peter
      Peter kommentierte
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      @Saki

      Ich hatte bei Alys II. ein Beispiel.
      Aber meist sind es kleinere Sachen.

    #3
    Verarbeitet ihr in euren Geschichten eure eigenen Erlebnisse oder etwas, das euch/eurer Familie/eurem Freundeskreis widerfahren ist?
    Ja, manchmal. Es ist also ein Mix.

    Und warum macht ihr das so?
    Zur Aufarbeitung vermutlich. Aber manchmal ist es auch einfach gutes Material für Geschichten.
    Nur wer sein Handwerk mit Herzblut ausführt, kann es gut machen, sonst ist alle Anstrengung vergeblich. Mao Shengli

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    • SaKi
      SaKi kommentierte
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      Wenn du etwas in deinen Geschichten aufarbeitest, dann mit größerem zeitlichem Abstand oder am liebsten sofort? Und was wäre zum Beispiel gutes Geschichtenmaterial?

    • Nachtmahr
      Nachtmahr kommentierte
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      Ich bin für größeren zeitlichen Abstand, weil man in der Aktuphase emotional noch zu sehr drin ist. Wenn man etwas später verarbeitet, ist man objektiver (wenn auch nicht völlig) und die nötigen Erinnerungen und Gefühle kommen trotzdem zurück, um sie in die Geschichte einfließen zu lassen.

      Als allgemeine Beispiele: lustige Situationen, Schicksalschläge, ausnahmsweise schlagfertige Antworten (die hat man ja meistens nicht sofort parat), Begebenheiten, die Vorfahren erlebt haben, eigene Phobien oder so was wie "ich mag keinen Brokkoli". Man kann aber auch ungeliebte Leute und mit ihnen erlebtes verwursten. Sicher hat der/die Eine oder Andere schon mal den Chef in einer Geschichte zum Latrinen putzen oder Diener verdonnert oder ein Erlebnis verwendet.

    #4
    Private Erlebnisse nur unbewusst? Charaktere sollten ihren eigene Persönlichkeit haben und mit einem anderen Persönlichkeit passiert ihnen auch etwas Anderes.

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    • SaKi
      SaKi kommentierte
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      Was spricht dagegen, Charaktere so zu erschaffen, dass sie beispielsweise etwas durchmachen müssen, das die/den Autor:in auch beschäftigt (hat)? Es sagt ja niemand, dass man sich als schreibende Person selbst in die Geschichten einfügen muss und dass die Figur alles haargenau so erlebt, wie man es selbst erlebt hat. Das kann ja auch einen anderen Ausgang nehmen oder der Umgang mit der Situation ist besser oder schlechter. Ich glaube, dass es nicht von der eigenen Persönlichkeit abhängt, was einem passiert – oder nur zum kleinen Teil (bspw. draufgängerische Extremsportler). Es hängt in meinen Augen nur davon ab, wie man mit einem Erlebnis umgeht bzw. (nicht) umgehen kann.

    #5
    Es ist ein Mix. Manche Autor*innen machen ja direkt einen Sport daraus, so viel wie möglich aus der eigenen Biographie einfließen zu lassen (Michel Houellebeq z.B.), das mache ich nicht. Aber solche kleinen selbst erlebten Szenen, wie Peter sie oben beschrieb, baue ich auch gerne ein. Gerade, wenn es um Sinneseindrücke oder Stimmungen geht. Ansonsten greife ich bei Nebencharakteren gerne auf Leute aus meinem entfernten Bekanntenkreis zurück, aber große biographische Ereignisse habe ich bis jetzt (glaube ich ...?) noch nicht verarbeitet.
    Always avoid alliteration.

    Kommentar


    • Peter
      Peter kommentierte
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      Wir haben uns einen alten Schulbus an der Uni in South Carolina gekauft und sind damit nach Guatemala gefahren.
      Meine Protagonistin ist auf der Flucht und taucht bei einer Gruppe Stidis unter, die sie in ihrem alten Bus in Richtung Süden mitnehmen. Klar denkt sie daran, ob sie was mit dem coolen deutschen Austauschstudenten anfangen soll. 😀

    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Peter Das gefällt mir sehr gut. 😁 Ist bisschen wie die Mini-Auftritte von Hitchcock oder Tarantino in ihren Filmen.

    #6
    Ich vermeide das tatsächlich eher. Eigene Erfahrungen sind mir zu nah und auch zu festgelegt, als dass ich sie direkt einbauen will. Möglicherweise verarbeite ich beim Schreiben Dinge, aber niemals auf einer direkten Ebene, sondern eher metaphorisch oder sonstwie von meinen eigenen Erlebnissen distanziert.
    Poems are never finished.
    Just abandoned.

    Kommentar


      #7
      Verarbeitet ihr in euren Geschichten eure eigenen Erlebnisse oder etwas, das euch/eurer Familie/eurem Freundeskreis widerfahren ist?
      Oder schreibt ihr etwas, das bewusst ganz weit weg ist von eurer eigenen Lebensrealität?
      Ist es ein Mix?
      Und warum macht ihr das so?


      Also, ich bau ständig Auto- und Fremdbiographisches ein. Anders geht es doch gar nicht, wenn man auf die emotionale/sinnliche Ebene möchte? Oder?
      Ich muss kein Mörder sein, um jemandem im Buch kaltblütig umzulegen, da greife ich z B auf Momente zurück, in denen ich Eiseskälte oder Leere in den Augen eines anderen (eines ganz bestimmten Menschen) gesehen habe. Ich muss kein Pilot sein, um meinen Piloten in Schweiß zu baden, wenn das Flugzeug nicht auf die Landebahn passt. Ich muss nur selbst schonmal vor Anspannung geschwitzt haben (oder jemandem dabei zugesehen haben ).
      Das heißt, ich übertrage meine eigenen Erfahrungen, ob ich sie nun selbst gemacht oder nur miterlebt habe, nicht 1:1, sondern nutze das Repertoire, das ich im Laufe meines Lebens so angesammelt habe, um näher oder weiter entfernt liegende Analogien in schriftstellerischen Situationen anzuwenden.
      Trauer, Liebe, Verzweiflung, Lust, Albernheit, Hass, Wut, Schlagfertigkeit, Angst, Panik, Resignation, das alles kann man natürlich theoretisch von anderen oder aus einem Psychologielehrbuch abschreiben, aber selbst unmittelbar oder mittelbar erlebt, ist es ein Schatzkästlein. Einiges davon natürlich nicht in der konkreten Situation, aber im Nachhinein kann man es nutzen, so grausam die Situation auch war. Ich habe mein Erleben des schlimmsten Moments meines Lebens mal verwendet. Vielleicht um die reale, zerstörende Wucht dahinter in etwas Kreatives (für eine im Vergleich nur halb so schlimme Situation) zu wandeln.
      Dinge, an denen man (irgendwer) mich identifizieren könnte, würde ich nicht so gern schreiben. Nicht einmal in der Pathologenstory kommt eine Anekdote aus meinem Leben zum Tragen. Aber ein paar reale Situationen. Wie SaKi schrieb: Es sagt ja niemand, dass man sich als schreibende Person selbst in die Geschichten einfügen muss und dass die Figur alles haargenau so erlebt, wie man es selbst erlebt hat.
      Richtig als Cameo habe ich allerdings mal meine Familie reingeschrieben, für einen Auftritt als Zaungast. Aber völlig wurscht. Nur ein Spaß für mich.
      Und ich habe eigentlich immer zwei echte Personen aus meiner Umgebung in die Persönlichkeiten irgendwelcher Figuren verwurstet, um diesen auf einfache Weise einen unverkennbaren Charakter zu verleihen, ohne dass ich groß grübeln muss; aber natürlich sind sie nicht zu erkennen. Die Originale sind so ein Quell an Inspiration, selbst retrospektiv (die eine habe ich seit Jahren nicht gesehen oder gesprochen).
      Hm. Das qualifiziert wohl als "Mix"?

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        #8
        Hmmm, sicherlich kommt das vor, aber da muss es schon sehr passen. Wenn ich mich über etwas generell ärgere und es ist irgendwie ein Thema oder ein Randthema in der Geschichte, dann kann da schon mal persönlicher Erfahrungswert mit reinspielen.

        Klar, auf emotionaler Ebene muss ich das Gefühl entweder gekannt haben und das dann aus einer Erfahrung herausziehen (obwohl das bei sehr starken doch etwas schwierig werden kann) oder es zumindest auf gewisser Weise nachempfinden oder zumindest meine Figur verstehen, warum sie so empfindet, dass sie so oder so handelt. Das ist für mich eigentlich auch der wichtigste Punkt, dass eine Figur bei mir funktioniert. Wenn ich sie selber auf emotionaler Ebene nicht verstehe, dann kann ich auch nicht über sie / mit ihr schreiben.

        Bei meinen Figuren finde ich eher Inspiration in anderen Geschichten oder Filmen / Serien (wenn ich mich denn dazu aufraffe mal was zu gucken) und weniger an meinen persönlichen Umfeld. Denn entweder sind mir die Personen zu nah, als dass ich sie in einer meiner Geschichten sehen möchte oder es sind halt nur Bekannte, wo ich vielleicht sogar froh bin, dass ich sie nicht ständig vor der Nase habe (was auch daran liegen könnte, dass ich nicht so der gesellige Typ bin.)

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          #9
          Ich behaupte, es geht gar nicht anders. Wir sind die Summe unserer Erfahrungen, über was sollten wir sonst schreiben? Es ist sicherlich nicht so, dass wir Erlebnisse 1:1 immer übertragen, aber schon die Beschreibung, wie eine Melone riecht oder wie das Dämmerlicht in einem Nadelwald ist, ist ja eigene Erfahrung. Man kann das zwar von außerhalb übernehmen, also Emotionen aus zweiter Hand, aber im Grunde verbieten wir uns das. Ansonsten wäre es Strickmuster-Literatur ohne Eigenanteil. Falls wir extreme Geschichten schreiben, in denen ein paranoider Piratenkapitän des 18. Jahrhunderts 200 Morde begeht, Liverpool in Brand steckt und anschließend zum Gouverneur von Kapstadt aufsteigt, so haben wir zwar wenig eigene Erfahrungen, aber wir schreiben das ja "aus uns". Auch unsere Vorstellung, wie dieser Typ handeln könnte, beruht auf Erfahrungen.

          Schlagfertigkeit ist etwas, worauf man erst 24 Stunden später kommt.
          Mark Twain

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          • Milch
            Milch kommentierte
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            Man muss schon was wissen, um darauf zurückzugreifen, aber das ist eine Binse.
            Besser ist es noch, Framings zu kennen. Wie kann man die Welt sehen? Ich gebe zu, ich blättere ganz gern mal in der Psychologie heute.

          • SaKi
            SaKi kommentierte
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            Mir ging es primär um Erlebnisse, Aussagen und Gedanken, die man selbst hatte und die man dann als Autor:in die eigenen Figuren erleben oder sagen oder denken lässt. Drastisches Beispiel: Vor kurzem ist ein nahes Familienmitglied der_des Schreibenden gestorben. Um das zu verarbeiten lässt er_sie eine Figur dasselbe erleben (unabhängig davon, ob die Figur gleich oder ganz anders reagiert, oder ob der Figur (nicht) geholfen wird oder was auch immer). Oder man hat sich mit einer guten Freundin im Café getroffen und in der Unterhaltung mit ihr sind ein paar Aussagen gefallen, die die_der Autor:in dann auch in der Geschichte verarbeitet. Oder, oder, oder. Andererseits könnte man sich ja auch entscheiden, etwas komplett anderes zu schreiben – beispielsweise steckt man selbst gerade in einer düsteren Lebensphase, aber schreibt lustige Urban Fantasy Kurzgeschichten, um der Realität zu entfliehen. Oder man ist bei einem IT-Unternehmen angestellt, aber in den eigenen Geschichten kommen keine IT-Figuren vor, weil man das selbst langweilig findet – stattdessen schreibt man blutrünstige Horrorgeschichten oder Abenteuerromane oder Geschichten, in denen die Figuren total spannende Berufe haben, die man vielleicht selber gern gelernt hätte oder was weiß ich. Für eine Beschreibung, wie ein Nadelwald im Dämmerlicht aussieht, sollte man mal einen gesehen haben, ja. Mir ging es zumindest in der Eingangsfrage aber eher darum, ob die Figur überhaupt in einen dämmrigen Nadelwald ginge, wenn man selbst das gern/sehr ungern macht oder einem mal in einem dämmrigen Nadelwald ein gruseliger, sehr schlanker Mann hinterher gerannt ist.

          • Badabumm
            Badabumm kommentierte
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            Im Grunde kann man das nur für Geschichten postulieren, die im Jetzt und Hier spielen. Man kann ja eine Fahrt mit einer Hansekogge (außer auf historischen Schiffstreffen) nicht erlebt haben. Es geht also erstmal um die Trennung zwischen der Situation, die auch früher hätte stattfinden können und der Zuordnung zu einer Zeit oder Ort. Man kann im 16. Jahrhundert durch einen Wald gelaufen sein, aber auch heute. Das Ereignis des „Durch-den-Wald-Laufens“ kann ich natürlich aus eigener Erfahrung mit einbringen, die Situation wäre 1600 aber eine andere.

            Ich hatte oben nur darüber fabuliert, ob es überhaupt eine Trennung zwischen selbst Erlebtem und aus zweiter Hand Erlebtem gibt. Deshalb der lange Text. Es gibt nämlich das Phänomen, dass mein Gehirn irgendwann nicht mehr unterscheidet, ob ich das selbst erlebt habe oder nicht. Zu diesem Fall hatte eine Psychologin in einem Experiment anderen Menschen einen Mord in ihr Gedächtnis eingeredet, den sie nie begangen hatten (oder eine andere, weniger kriminelle Situation, z.B. ein Schulerlebnis). Gruselige Vorstellung, aber leider realistisch. Wenn viele Menschen mir weismachen, ich hätte etwas erlebt, so kommen tatsächlich Zweifel, vor allem dann, wenn es durchaus möglich und plausibel wäre.

            Ich würde diese Frage also auf einen Zeitraum auf ca. 10 zurückliegende Jahre beschränken, weil bei den Meisten für Zeiten davor das Gedächtnis echt löchrig wird.

          #10
          Autobiographischen "Kleinkram" baue ich natürlich ein, z.B. Anekdoten (siehe Peters Beispiel) oder Emotionsbeschreibungen in bestimmten Situationen. Stimme da auch einigen anderen hier zu, dass das wahrscheinlich gar nicht anders geht bzw. sogar halbwegs automatisch stattfindet.

          Was ich bewusst gar nicht mache: Eigene "größere" Erlebnisse, Erfahrungen oder sogar Traumata zu thematisieren. Ich schreibe nicht über mich und auch nicht um Erlebtes zu verarbeiten, sondern um zu unterhalten. Und dazu taugt mein eigener Kram nicht, weil auf der einen Seite zu alltäglich und auf der anderen zu persönlich.
          and it's not what we think
          rather the opposite
          it's staring at the end of you.

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