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Umgang mit Figuren der Mythologie

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  • Umgang mit Figuren der Mythologie

    Hallo zusammen,

    es heißt ja öfters, wenn man für seine eigenen Texte sehr allgemein gehaltene Wesen wie Drachen oder Dämonen benutzt, sei man sehr frei in der konkreten Ausgestaltung, keiner würde z.B. sagen: „Das ist aber kein typischer Dämon!“.

    Wie schätzt ihr die Situation bezogen auf Figuren aus Sagen und Mythologie ein? Bin ich in meinen Texten frei, z.B. Nornen oder griechische Gottheiten in einem gewissen Rahmen umzugestalten, sodass sie zu der Rolle in meinem Text passen? Und falls ja: Welcher Rahmen der Umgestaltung wäre für euch noch vertretbar?

  • #2
    Ich glaube, du verletzt keine religiösen Gefühle, wenn du da etwas veränderst. Man kann dir nur vorwerfen, dass du nicht ordentlich recherchiert hast. Im Detail werden die wenigsten sich so gut auskennen, dass sie kleinere Veränderungen bemerken, so lange du aus Mars keinen Gott des Meeres machst, kannst du mit vielem durchkommen.

    Sagen gibt es oft in mehreren Versionen.

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    • #3
      Ich glaub, da gibt es kaum Grenzen. Douglas Adams hatte auch schon Thor in die Gegenwart geholt.
      Die Originalgestalten laufen wohl schon seit einiger Zeit unter Gemeingut und werden derzeit durch unsere Erzählgewohnheiten gemangelt. American Gods. Usw.

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      • #4
        Ich finde Umgestaltungen oder Neuinterpretationen okay, allerdings solltest du dir dabei überlegen, was den Kern einer mythologischen Figur ausmacht bzw. was man (noch) braucht, um sie wiederzuerkennen. Wenn du z.B. ein Wesen mit weißen Federflügeln Dämon nennst, dann wird mich das als Leser erstmal stocken lassen. Entweder brauchst du hier eine verdammt gute Erklärung oder du nennst das Ding einfach "Engel".

        Wie weit du mit deinen Änderungen zum Original gehen kannst, kann dir hier niemand wirklich sagen. Gut gemacht kann eigentlich fast alles funktionieren. Wenn du aber auf der sicheren Seite bleiben willst, würde ich nicht allzuviele Änderungen machen.
        »Elezeis Blut schien in Aufruhr zu sein und brannte unerwartet kalt durch ihren Körper. Es war ein Gefühl, das nach Zerstörung dürstete.« – Blutgesang

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        • #5
          Danke für eure Antworten! Mit dem, was ich vorhabe, bewege ich mich demnach noch im
          Rahmen dessen, was machbar ist.

          Für alle, die es interessiert, werde ich mal etwas konkreter: Es geht in meiner Geschichte um nicht allzu prominente Sagengestalten, über die es auch bereits verschiedene, z.T. leicht voneinander abweichende Erzähltraditionen gibt. Ich würde den Einflussbereich, also die „Zuständigkeit“ etwas abwandeln, z.B. hatten die griechischen Musen ganz bestimmte Aufgaben, die ich erweitern und in der namentlichen Zuordnung verändern möchte. Außerdem würde ich die Namen z.T. leicht verändern, damit sie etwas geschmeidiger zu lesen sind.

          Auf der Basis eurer Antworten vermute ich, dass das durchaus im Rahmen ist. Mir geht es ja um eine (hoffentlich) gute Geschichte und nicht um eine Dokumentation. Ich möchte halt nur vermeiden, dass ich damit die Befindlichkeiten von Puristen verstöre.

          Was haltet ihr davon, in einem Nachwort die Abwandlungen zu erläutern? Oder würde das der Geschichte den Zauber nehmen?

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          • Julestrel
            Julestrel kommentierte
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            Du wirst es so oder so nie allen recht machen können Ich persönlich brauche als Leser kein Nachwort über Abwandlungen oder dergleichen. Ich gehe bei einem Roman sowieso davon aus, dass der Autor sich gewisse Freiheiten genommen hat.

        • #6
          Mythen sind dazu da, wiedererzählt zu werden. Sie werden seit jeher genommen und neu-interpretiert, um sie der aktuellen Kultur und Botschaft anzugleichen. Oft hast du bereits mehrere Version aus "alten Zeiten" überliefert, weil diese Dinge relativ lose verbunden sind. Deswegen gibt es auch einen römischen Isis-Kult, der mit ägyptischen Tradition vergleichbar wenig zu tun hatte. Oder wie schon damals versucht wurde Odin mit Jupiter zu vergleichen, weil sie beide als Himmelsväter gedacht sind - auch wenn sonst nicht viel übereinstimmt. Oder die verschiedenen Stammbäume für griechische, nordische und ägyptische Götter, je nachdem welcher überlieferten Tradition man folgen will. Das ist nicht einheitlich und damit ist viel Platz sie neu zu denken.

          Darüber hinaus natürlich das bestehende Interesse an diesen überlieferten Figuren und Geschichten, vgl Disney oder Marvel. Da sagt auch niemand was, wenn deren Darstellung mit den "wahren Mythen" auch nicht das meiste gemein haben. Warum sollte man auch? Mythen sind anpassungsfähig, nur so überleben sie Jahrtausende.

          Überlege dir, was deine Geschichte braucht und welchen Kern des Mythos du hervorheben willst. Schau dir vllt auch an, was andere im Laufe der Zeit mit diesem Mythos getan haben und mit welchen Elementen noch klar ist, dass du diesen Mythos meinst (statt einen anderen ähnlichen).
          Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
          to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
          A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
          You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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          • Kelpie
            Kelpie kommentierte
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            Haarspalterei, aber: Odin wurde mit Merkur gleichgesetzt, nicht mit Jupiter. Jupiter-Zeus entspricht Týr.

          • In-Genius
            In-Genius kommentierte
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            Kelpie Von mir aus auch das. Punkt ist, es wurden Vergleiche angestellt, die nur so mäßig gut passen.

        • #7
          Ich schließe mich Julestrel an, solange der Kern der Figur irgendwie erkenntbar ist, habe ich nichts gegen Neuinterpretationen.

          z.B. hatten die griechischen Musen ganz bestimmte Aufgaben, die ich erweitern und in der namentlichen Zuordnung verändern möchte.
          Erweitern in dem Sinne, dass du neuere Kunstformen integrierst: fände ich nur logisch.
          Namentliche Zuordnung ändern, indem du die "Jobs" von zwei Musen tauschst: Hier würde ich mich als Leser fragen, warum? Sofern du das nicht innerhalb der Geschichte irgendwie erklärst (die beiden haben aus Langeweile getauscht, um mal was Neues zu machen, oder weil die eine unbedingt einen bestimmten Künstler betreuen wollte oder sowas) würde ich annehmen, du hast nicht richtig recherchiert. Das würde mir also ohne weitere Erklärung eher negativ auffallen.

          Außerdem würde ich die Namen z.T. leicht verändern, damit sie etwas geschmeidiger zu lesen sind.
          Würde mich nicht stören, solange die Namen noch zuzuordnen sind, und wenn es offensichtlich der Lesbarkeit dient, sowieso.
          Im Comic "Oh! My Goddess" wurde die Norne Verdandi in "Belldandy" umbenannt. Warum erschließt sich mir nicht so ganz, aber es hat mich beim Lesen auch nicht sonderlich gestört.

          Was haltet ihr davon, in einem Nachwort die Abwandlungen zu erläutern? Oder würde das der Geschichte den Zauber nehmen?
          Wie gesagt, ich finde es prinzipiell eleganter, die Änderungen innerhalb der Geschichte zu begründen. Wenn das nicht geht, solltest du dich fragen, warum du das Bedürfnis hast, deine Änderungen erklären oder gar rechtfertigen zu müssen. Entweder die Gründe sind offensichtlich (siehe Lesbarkeit oder bestimmte Kunstformen sind nicht abgedeckt) oder du tust es einfach aus künstlerischer Freiheit, dann solltest du aber auch so selbstbewusst da rangehen, dass es keiner Erläuterung bedarf. Ich finde, ungefragte Erklärungen wirken immer wie eine Präventivverteidigung. Wogegen musst du dich verteidigen, wenn du von dem überzeugt bist, was du da tust?
          If I could read your mind love
          What a tale your thoughts could tell
          Just like a paperback novel
          The kind the drugstore sells
          -- Gordon Lightfoot "If you could read my mind"

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          • Elementargeist
            Elementargeist kommentierte
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            Für mich klärt sich das jetzt: Innerhalb meiner Geschichte wird vermutlich alles in sich schlüssig sein. Von daher gibt es tatsächlich keinen Rechtfertigungszwang. Ich denke, ich kann an das Thema so selbstbewusst herangehen, dass ich die Überlieferung als eine weitere unter den verschiedenen bereits existierenden Erzähltraditionen darstelle. Zudem übertrage ich die mythologischen Wesen auf die Gegenwart, was dann auch den Kern der Geschichte ausmacht. Danke für die hilfreichen Antworten!

          • Victoria
            Victoria kommentierte
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            OT:
            Weil die japanische Sprache aus Moren besteht und zudem nicht zwischen L und R; und V und B unterschieden wird (wurde). Phone mit i werden auch mit demselben Zeichen geschrieben, egal ob es y, i oder ie ist.

            "Verdandi" wird ベルダンディー (be ru da n di) geschrieben . Das Anglizismus "bell" wird auch ベル (be ru) geschrieben. Vielleicht hat jemand voreilig übersetzt. Oder "Bell" klingt einfach hübscher und man hat sich die Freiheit genommen, es neu zu interpretieren.

            Das Gleiche ist auch bei Dragon Ball passiert. Die Figur ブルマ wurde mit Bulma transkribiert, obwohl "bu ru ma" von bloomer, also der Unterhose, stammt. Ihr Sohn heißt ja auch Trunks und ihre Mutter Panchi (パンチー), also Panty.

          • Ankh
            Ankh kommentierte
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            Victoria Danke für die Erklärung In dem Fall ist es also wohl eher ein Übersetzungsfehler als eine bewusste Änderung duch den Autor.

        • #8
          Ich finde alle bisherigen Antworten schon super und schließe mich dem an.

          Überlege aber auch, inwieweit sich die original Sagengestalten, Mythologiegestalten bereits verändert haben. Zurückblickend sind es mehrere tausend Jahre des erzählens, so dass ich mir vorstellen kann, dass die Deutung dieser Figuren und auch deren Auslegung je nach gesellschaftlichen, religiösen Kontext so oder so mal mehr mal weniger vom original abwich.
          Abgesehen davon, wenn man die Idee weiterspinnt, dass bspw. nur ein winizigkleiner Apsket dieser Figuren transportiert wurde, kann es ja durchaus sein, dass da noch mehr in diesem mythischen Wesen steckt - was Du jetzt eben rausholst.

          Die Idee es zu begründen finde ich generell auch gut.
          Quintessenz: Bla.
          Kontakt: administrator@wortkompass.de

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          • #9
            Generell stimme ich dem bisher gesagten zu. Ich will nur eines hinzufügen, auch wenn es gerade nicht so klingt, als wäre das ein Thema für dein aktuelles Projekt:

            Bei indigenen Mythologien sollte man vorsichtiger vorgehen als beim "Mainstream". Am besten vorher informieren, ob eine Aneignung und/oder Abwandlung der Mythologie von dem Betroffenen eher akzeptiert oder abgelehnt wird.

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            • Elementargeist
              Elementargeist kommentierte
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              Ja, guter Hinweis. Das ungefragte Entlehnen der Mythologie von Naturvölkern ließe sich wahrscheinlich schon als Ausbeutung verstehen. Das habe ich allerdings auch gar nicht vor.

          • #10
            Neuinterpretationen finde ich gut. Wobei ich es in der Geschichte eingebunden haben will, weshalb deine Figuren so sind, wie sie sind. Im Nachwort ist es zu spät.

            Was ich nicht gut finde, sind (scheinbar) wahllose Entlehnungen, vor allem, wenn sie innerhalb deiner Welt nicht stringent sind.
            Ein Beispiel: Wenn man eine griechisch-mythologische Welt hat, und plötzlich hüpft eine Amaterasu zwischen den Göttern herum, die aber nicht wie eine Sonnengöttin beschrieben wird, sondern wie eine Mischung aus Persephone und Demeter … dann braucht man auch keine Amaterasu. Es wirkt so, als würde man bloß den Namen schön finden, sich aber weder mit der Recherche beschäftigen, noch die Figur sinnvoll in den Plot puzzeln zu wollen. (Wenn Amaterasu im High-School-Jahr einen Austausch machen möchte und im griechischen Internat landet, ist es wieder was anderes. )
            Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
            die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
            die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
            die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

            Jack Kerouac

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            • Alys II.
              Alys II. kommentierte
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              ... uuuuud Plotbunny für Kurzgeschichte eingefangen. Schüleraustausch zwischen zwei Schulen für Götter in Ausbildung. Danke, hab ja noch nicht genug geplante Schreibarbeit. LOL

          • #11
            Im Detail werden die wenigsten sich so gut auskennen, dass sie kleinere Veränderungen bemerken, so lange du aus Mars keinen Gott des Meeres machst, kannst du mit vielem durchkommen.
            Sich auf die Unwissenheit anderer zu verlassen, würde ich niemandem empfehlen. Denn die wenigen, die Ahnung haben, werden sich ärgern und im schlimmsten Fall herumposaunen, welche Fehler dem Autoren unterlaufen sind. Ich finde, es ist generell kein gutes Fundament "wird schon niemandem auffallen".

            Darüber hinaus natürlich das bestehende Interesse an diesen überlieferten Figuren und Geschichten, vgl Disney oder Marvel. Da sagt auch niemand was, wenn deren Darstellung mit den "wahren Mythen" auch nicht das meiste gemein haben. Warum sollte man auch? Mythen sind anpassungsfähig, nur so überleben sie Jahrtausende.
            Ich sehe das ein bisschen anders, gerade in denjenigen Kreisen, in denen sich die Leute mit der tatsächlichen nordischen Mythologie beschäftigen, ist Marvel ein rotes Tuch. (Und völlig zurecht, *grummel, fluch*.)
            Ich denke, da ist Marvel-Nordische Mythologie keine Ausnahme.


            Eine gewisse künstlerische Freiheit ist jedem gegeben, ein paar Änderungen vorzunehmen, ist vollkommen in Ordnung. Aber wie bereits gesagt wurde, sollte das in einem bestimmten nachvollziehbaren Kontext passieren. Klassische Eigenheiten einer mythologischen Figur aufzugeben, finde ich beispielsweise schwierig. Und mitunter hat künstlerische Freiheit halt auch ganz üble Folgen. Um auf die nordische Mythologie zurückzukommen: Dank Wagner "künstlerischer Freiheit" kursieren bis heute Vorstellungen über Walküren den Mainstream, die mit den Tatsachen nichts zu tun haben. Gleiches gilt für Schildmaiden u.Ä.
            Wenn Kunst also dazu führt, dass mythologische Themen nur noch "falsch" gekannt werden, dann lehne ich das ab.
            Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. - Franziska Alber

            So nah, so fern.

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            • Elementargeist
              Elementargeist kommentierte
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              @Victoria
              Das sehe ich auch so wie du. Meine Modifikationen malen nur aus und ergänzen. Der bei weitem überwiegende Teil der mythologischen Figur bleibt ja erhalten.

            • Badabumm
              Badabumm kommentierte
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              Das Problem ist, dass es selbst bei buchstabengetreuer Übernahme extrem schwierig ist, nicht was Eigenes hinzudichten. Die historischen Filme aller Dekaden sind das beste Beispiel dafür. Wenn man "Troja" mit Brad Pitt ansieht, dann stimmen vielleicht 60%, 40% aber kaum oder gar nicht. Als Zuschauer geht man mit einem falschen Bild wieder hinaus.

              Man kann natürlich behaupten, dass Phantasiegestalten kein "richtig" oder "falsch" kennen, weil sie beliebig formbar seien, aber das imaginäre Weltbild steht beim Menschen über der Realität, also stimmt das so nicht.

              Ich habe ja geschrieben, dass bei "toten" Mythologiegestalten eigentlich keine Änderung mehr möglich ist. Durch "Troja", "Kampf der Titanen", "Erik der Wikinger" oder "Thor" entstehen jedoch neue Götterbilder, die die Originale langsam verdrängen. Wir kennen "Arielle" als kleine Meerjungfrau, aber wer kennt noch Andersens Originalmärchen ohne Happy-Ending? Man muss das Götterbild als vor und nach der Hollywoodisierung verstehen. Und das betrifft Literaturverfilmungen oder Nachfolgebände genauso. Die Eigenschaften ändern sich also auch, genauso wie sich Kirche und Wissenschaft ändern. Es gruselt mich selbst vor einem Zeus mit Smartphone und Ferrari, aber der jüngeren Generation ist das schnuppe.

              Wir müssen akzeptieren, dass solche Gestalten nur aus einem rauhen Mix aus Assoziationen und Halbwissen bestehen. Wir glauben, drei Dinge von Zeus oder Achill zu kennen, ermöglicht uns bereits den Zugang zur Figur. Thor ist der mit dem Hammer und lebt in Walhalla und hat den Loki als Gegenspieler - peng, mehr wissen wir nicht. Alles andere darf sich Marvel ausdenken. Die Originalquellen antiker Sagen kennen nur Historiker, und auch den Schwab, der bereits eine mundgerechte Aufarbeitung war, hat kaum einer gelesen...

            • Badabumm
              Badabumm kommentierte
              Kommentar bearbeiten
              Auch moderne Mythologie verändert sich. Habe kürzlich gelesen, dass „Muggel“ für Geocaching-Spieler eine ganz eigene Bedeutung hat...

          • #12
            Ich habe die Marvel-Helden immer als freie Interpretation ohne tiefen geschichtlichen Hintergrund verstanden. Etwa so, als schreibe man eine Biografie über berühmte Persönlichkeiten, setzt nur ein paar Eckdaten ein, erfindet aber alles andere. Letztlich wird es überall so gemacht, und in Filmen ganz besonders. Da stimmt fast nie was oder schrammt so nah an der Wirklichkeit vorbei, dass man glaubt, es müsse so richtig sein (wie das Wagner-Beispiel zeigt). Historisierende Romane, Filme oder Opern erfinden immer.

            Allerdings möchte ich zwischen konkreten Figuren und anderen Phantasiefiguren unterscheiden: Zeus ist klar umrissen - was tut er, mit wem ist er verbandelt, was sind seine Stärken und Schwächen und wen hat er alles geschwängert... - aber ein Dämon ist nicht konkret. Die griechischen oder germanischen Götter hörten auf, sich zu entwickeln, als der Glaube an sie verschwand, deshalb stagnieren sie quasi, sind eingefroren, und alles über sie lässt sich in der einschlägigen zeitgenössischen Quelle nachschlagen.

            Was sich in den Jahrhunderten verändert, so wie Engel, Vampire oder Einhörner, hat hingegen keine umrissene Definition mehr.
            Dasselbe geschah während des klassischen Altertums übrigens auch mit den Göttern, nur kennen wir nur die heutige Endphase, nämlich das, was uns am Schluss erhalten geblieben ist.

            Deshalb sind Elfen oder Teufel amorph und jeder darf ihnen die Flügel geben, die er mag. Dass Engelsflügel bei Teufeln unpassend sind, ist nicht festgelegt (außerdem waren sie mal Engel, jedenfalls einige...). Man muss die Abweichung aber erklären, sonst ist der Leser wahrscheinlich irritiert.

            PS Star Trek z.B. definiert seine eigenen Gestalten auch neu. In den neuen Episoden stimmen nur einige Eckdaten, aber es wurde quasi ein "Reset" gemacht, das heißt, virtuelle Figuren, von denen wir Verhalten und Geschichte erlernt haben, sind plötzlich anders.
            Phantasiegestalten lassen sich sowieso immer leichter verändern als reale Figuren, da sie ja nur virtuell existieren. Auch wenn sie eine Geschichte, ein Aussehen, ein Universum haben, so sind sie doch nur eine Übereinkunft - und die lässt sich umkrempeln.

            Schlagfertigkeit ist etwas, worauf man erst 24 Stunden später kommt.
            Mark Twain

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