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Mittwochsfrage #132 Gute Absicht - gut gemacht?

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  • Mittwochsfrage #132 Gute Absicht - gut gemacht?

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    Als weißer, weitgehend uneingeschränkter cis Mensch ist man gewohnt, in der westlichen Literatur in rauen Mengen repräsentiert zu sein. Die Rollen sind mal gut, mal böse, mal hübsch, mal hässlich ... wie im wahren Leben.
    Aber auch als cis white able author bin ich genervt von all white/cis/able casts und genauso von erzwungen wirkenden gemischten Besetzungen, deren Minderheiten-Figuren auch nur white/cis/able wirken oder Exotik/Knuffigkeit/Hilfsbedürftigkeit verbreiten und womöglich noch Hilfe von white/cis/able-Figuren brauchen.

    Habt Ihr Figuren aus Minoritäten unter Euren Hauptfiguren? Berührt Ihr sensible Triggerthemen? Warum?
    Wie geht Ihr an die Figur heran? Wie geht Ihr an sensible Themen heran?
    Wie denkt Ihr über das Argument, nur Angehörige der Minorität sollte POV-Träger aus der Minorität schreiben?
    Wie geht Ihr mit der Idee eines Antagonisten oder "unangenehmen" und unsympathischen Person aus der marginalisierten Gruppe um?

  • #2
    Habt Ihr Figuren aus Minoritäten unter Euren Hauptfiguren? Berührt Ihr sensible Triggerthemen? Warum?
    Habe ich. Meist geht es dabei um LGBTQ*-Minderheiten, manchmal auch ethnische Minderheiten sofern das Setting dies wahrscheinlich macht. (Grundsätzlich ist das etwas für jedes Setting, ich weiß, manche bieten sich mehr an als andere, das ist alles.)
    Der Grund? Ich habe so angefangen zu schreiben. Bereits meine allerersten Schreibversuche enthielten homosexuelle Figuren und das hat nie aufgehört. Es spiegelt meine eigene Erlebniswelt wieder und meine eigenen Vorlieben für Geschichten. Warum sollte ich nicht so schreiben?
    Je mehr ich schreibe, desto breiter wird dieser Aspekt meiner Figurengallerie. Mittlerweile schreibe ich nicht mehr nur über schwule Jungs, sondern auch lesbische Transen, taubstumme Japaner usw. In der Regel ist die Eigenschaft, die sie zum Teil einer Minorität macht, nicht Teil des Plots. Also als Beispiel: Meine schwulen Jungs müssen sich mit allen Facetten einer Liebesgeschichte auseinandersetzen, aber Homophobie ist nicht Teil der Handlung - natürlich kommt es vor, aber als Teil des Settings weil Lebensrealität, nicht als essentieller Konflikt über den sich die Figur dank Charakterentwicklung erheben soll. Diskirminierung ist ein kulturelles Problem, da kann eine einzige Figur mit ihrer Figurenentwicklung nicht viel dran ändern.

    Wie geht Ihr an die Figur heran? Wie geht Ihr an sensible Themen heran?
    Nicht in dem ich sie mir als sensible Themen vor Augen halte. Ich bastel meine Figuren alle gleich, unabhängig davon ob sie Teil einer Minorität sind oder nicht. Die wichtigen Eigenschaften sind für mich die Persönlichkeit, die nur sekundär davon beeinflusst werden, dass jemand Teil einer Minorität ist - weniger, welche genau. Aber es beeinflusst natürlich gewisse Dinge im sozialen Umfeld und in der Hintergrundgeschichte, eben weil die Lebensrealität von Minderheiten tendenziell anders aussieht als für die Mehrheit (die Kultur des Settings spielt dabei auch eine Rolle).
    Wichtig ist mir, wie oben beschrieben, dass die Handlung meiner Geschichte die Figur als Person ernst nimmt und fordert, statt sich auf das Spektakel des Minderheitenseins zu fokussieren. Und ich denke, mit so einer Herangehensweise sind sensible Themen gut schreibbar. Da mach ich mir keine großen Sorgen, ob etwas "zu heikel" ist, sondern nur ob es Teil meiner Geschichte sein sollte oder nicht.

    Wie denkt Ihr über das Argument, nur Angehörige der Minorität sollte POV-Träger aus der Minorität schreiben?
    Ich verstehe, dass es für jemanden der nicht zu einer Minderheit gehört, es manchmal schwierig sein kann die Auswirkungen zu überschauen. Diskriminierung ist nicht nur eine face-to-face Situation, wo wir uns alle Mobbing gut vorstellen können. Manche Dinge geschehen auch auf einer systematischen Ebene, die die Lebenswirklichkeit harsch beeinflussen, aber kein Gesicht haben. Da muss man als nicht betroffener Autor natürlich viel recherchieren, möchte man hier authentisch erzählen.
    Grundsätzlich denke ich, dass jeder Autor Geschichten mit Minoritäten schreiben kann und sollte. Mit guter Recherche und Empathie kann man nicht nur glaubhaft über das Leben eines Orks schreiben, sondern auch über das Leben einer Afro-Deutschen. Wüsste nicht, warum das nicht gehen sollte?
    Aber, was ebenso wichtig ist, dass Autoren, die Teil einer Minorität sind, auch gelesen und gehört werden - selbst wenn sie nicht über ihre Minderheit schreiben.
    Man sollte an die Sache als mehr so herangehen: Autoren schreiben Geschichten. Man sollte Geschichten von Autoren, die Teil einer Minderheit sind, genauso in den Vordergrund rücken, lesen und Qualität feiern, wie Geschichten von Autoren, die Teil der Mehrheit sind und empathisch qualitativ über Minderheiten schreiben.

    Wie geht Ihr mit der Idee eines Antagonisten oder "unangenehmen" und unsympathischen Person aus der marginalisierten Gruppe um?
    Muss es auch geben. Auch ein Mensch im Rollstuhl kann ein Arschloch sein. Wichtig dabei ist, dass klar wird, das diese Person ein Arschloch ist, weil die Persönlichkeit einfach scheiße ist - und nicht, weil die Person im Rollstuhl sitzt. Es muss also deutlich werden, dass der Fakt "gehört zur Minderheit" nicht das "Böse" des Antagonisten ist, sondern einfach ein Teil seines Wesens. Das heißt also, die Eigenschaften, die dazu führen zu einer Minderheit zu gehören, nicht als "böse" dargestellt werden - unabhängig davon, ob die Figur Teil der Minderheit ist oder nicht.
    In dem Film "300" wird Xerxes, der persische König, sehr eindeutig mit effemierenden (also unmännlich, schwul) Zeichen dargestellt und den maskulinen Spartaniern gegenübergestellt. Er ist der Böse, weil er unmännlich ist. Das geht nicht. Selbst wenn Xerxes wirklich schwul wäre, geht das so nicht. Denn solch eine Darstellung zeigt, dass Unmännlichkeit/Schwulsein in sich selbst böse ist. Sowas sollte man vermeiden.
    Aber grundsätzlich kann man auch jemanden aus einer Minderheit als Bösewicht haben, man muss der Figur halt eben einen guten Grund fürs Böseweichtsein geben, der nicht die Minderheit ist, und es so kodieren, dass die Eigenschaften der Minderheit nicht als "böse" dargestellt werden. Dann ist das kein Problem.
    Zuletzt geändert von In-Genius; 11-09-2019, 10:22.
    Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
    to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
    A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
    You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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    • Victoria
      Victoria kommentierte
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      Ich hab das Gefühl, dass es nicht um den Inhalt geht, sondern um eine bestimmte Wortwahl.

      Der Rassismus selbst kann nicht "gut gemeint" sein, aber die wohlgemeinte Aussage, in der Rassismus steckt.

      Ich vermute, Dodo und In-Genius betrachten den ersten Satzteil, Milch geht es um den zweiten. Und Alys nennt das Wort dafür.

    • Dodo
      Dodo kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Der Thread heißt so

    • Victoria
      Victoria kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Schlag auf den Hinterkopf!

  • #3
    Habt Ihr Figuren aus Minoritäten unter Euren Hauptfiguren? Berührt Ihr sensible Triggerthemen? Warum?
    Mein ganzer Cast besteht aus Minoritäten, wenn man es genau nimmt. Ich berühre Triggerthemen glaube ich nicht. Ich will zeigen, das Varianz Normalität ist und nichts unnormales. Ich persönlich mag auch Begriffe wie Minorität usw. nicht so wirklich, da sie für mich immer ausgrenzen - aber, das ist ja die aktuelle Realität, auszugrenzen.

    Wie geht Ihr an die Figur heran? Wie geht Ihr an sensible Themen heran?
    Da meine Geschichten immer in fiktiven Welten spielen oder in einer ungewissen Zukunft kann ich einigermaßen unverkrampft daran gehen. Es geht mir darum, zu zeigen, dass es irrsinnig ist etwas als unnormal zu bezeichnen, denn alles, was in unserer Welt vorkommt ist absolut normal. Wo will man eine Definitionsgrenze ziehen zwischen Normal/Unnormal? Wer hat das Recht zu sagen: So wie Du lebst, fühlst, denkst ist unnormal? Oder, da du aus diesem Land kommst, bist Du nicht gleichwertig?
    Einiges des Normalen bedarf vielleicht Therapie oder anderweitige Maßnahmen, um die Gesellschaft zu schützen (wenn ich an Gewalttaten denke) oder diese Person vor sich selbst. Dennoch ist jegliche Ausprägung normal, auch wenn sie weiter links oder rechts (nicht politisch) einer Normalverteilung liegt, oder völlig ausreißen.

    Wichtig für mich ist es diese Normalitäten, als normal hinzustellen. Hat eine Figur (männlich) einen Lebenspartner (männlich), dann ist es so. Ist eine Figur non-binär, dann ist es so. Fühlt sich eine weiblich gelesene Person mehr als Mann, dann ist es so. "Dann ist es so!" Ist wohl eine Art Prämisse.

    Mir geht es also nicht darum die Probleme darzustellen, das kann ich wohl kaum, weil mir die Erfahrung dafür fehlt. Da ich aber in Fantasiewelten schreibe oder in der Zukunft, ist die Gesellschaft bereits so weit, alles als Gleichwürdig anzuerkennen - und das ist eben meine Fiktion, mein Wunschtraum.

    Wie denkt Ihr über das Argument, nur Angehörige der Minorität sollte POV-Träger aus der Minorität schreiben?
    Mir wäre es wichtig, dass Minoritäten generell eine Stimme haben und ihre Themen nicht von Menschen diskutiert werden, die damit nichts zu tun haben, dennoch sollte niemand aus der Diskussion ausgeschlossen werden. Aber nur eine Minorität wird wissen, wie es sich anfühlt. Ansonsten wäre es wichtig, wenn nicht Betroffene sich solcher Themen annehmen, die Texte durch sensitivity Reader gegenlesen zu lassen.

    Wie geht Ihr mit der Idee eines Antagonisten oder "unangenehmen" und unsympathischen Person aus der marginalisierten Gruppe um?
    Da ist halt wieder das Denken: Darf ein Antagonist denn einer marginalisierten Gruppe angehören? Darf ein "schwarzer" Böse sein? Ein Schwuler ... ein ... XYZ? Ja, denn es sind Menschen. Wichtig ist, dass sie nicht böse sind weil sie schwarz oder schwul oder XYZ sind, sondern, weil Ihre Eigenschaften antagonistisch sind. Abgesehen davon ist ein Antagonist nicht zwingend "böse", er kann auch "gut" sein, nur muss das nicht immer vom Prota so gelesen werden.
    Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken. [K. Krause]

    Kontakt: administrator@wortkompass.de

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    • #4
      Ich finde, Figuren sollten menschlich sein, also mit Stärken und Schwächen, das gilt auch für Minderheiten. Der Schurke soll nicht nur böse sein und der Gute nicht nur gut. Also Klischees sind zu vermeiden.

      Jeder darf über jede Figur schreiben, sonst dürften nur Schwarze über Schwarze schreiben, nur Schwule über Schwule, nur Reiche über Reiche, Eulen nur über Eulen, Ossis nur über Ossis. Das wäre eine arme Literatur.

      Kommentar


      • #5
        Habt Ihr Figuren aus Minoritäten unter Euren Hauptfiguren?
        Minoritäten vielleicht nicht, aber auf jeden Fall of color.
        Was ich mich schon immer mal gefragt habe: Wie kommen meine Figuren rüber? Werden sie weiß gelesen? (Da frag ich explizit die Testleser*innen von daaaamals. weltatlas, Zwielicht, Dodo , Lael …)

        Yon ist gehört zu den ethnischen Minderheiten Mongoleis oder Sibirien ... die Grenzen sind verschoben
        Kay hat isrealische Wurzeln
        Eugene ist Skandinave
        Pete, Ruben und Tamia sind hispanics
        Mel ist afroamerikanisch
        Yepa indigen
        Nur registrierte Nutzer können diesen Inhalt sehen.

        Irgendwie war es für mich schon immer so bei meinen Geschichten. Lang bevor ich mir überhaupt Gedanken über Marginalisierte (sie sind ja nicht zahlenmäßig in der Minderheit, sondern werden struktuell an den Rand gedrängt) und Repräsentation gemacht habe. Vielleicht ist es ein bisschen Eskapismus. Die Vielfalt an sexueller Orientierung und Geschlecht sieht bei mir eher mager aus.

        Berührt Ihr sensible Triggerthemen? Warum?
        Ja.
        Körperliche und psychische Gewalt/Gewalterfahrungen ist für mich Alltag. Die haben natürlich Auswirkungen, und die beschreibe ich auch.

        Wie geht Ihr an die Figur heran? Wie geht Ihr an sensible Themen heran?
        Öh. Ich schreib das ganz normal wie alles andere auch.

        Wie denkt Ihr über das Argument, nur Angehörige der Minorität sollte POV-Träger aus der Minorität schreiben?
        Die Frage ist eher, was mit dieser Forderung erreicht werden soll.
        • Authetizität?
          Mit viel Recherche und Sensitivity Reading und Empathie kann mal viel erreichen. Dennoch bin ich der Meinung, dass man nicht 100 % von dem erreichen kann, wie es bei einer marginalisierten Person ist. Aber will man das? Es reichen doch 70 % oder der Fakt, dass man niemandem Schaden zufügt. Wenn man superauthentisches lesen will, dann eben von Own-Voice-Autor*innen.
        • Fairness in der Verlagswelt?
          Marginalisierte (darunter gehören auch Frauen) haben größere Hindernisse, außer sie schreiben das, was man von ihnen erwartet. BIPoC schreiben nur noch über Rassismus, trans* Menschen nur über coming-out und Transition … Wenn im Programm 1 Platz für eine LiRo mit Prota of Color ist, und alle Autor*innen gleich gute Texte liefern, wieso unbedingt die weiße Person wählen? Okay, okay, ich weiß. Das sieht auf Fotos und Lesungen schicker aus.
        • Nutshell?
          Es passiert doch leider oft, dass sich Außenstehende ein schwieriges Thema annehmen und sich dann gegenseitig abfeiern. Da hatte ich gestern ein Video gepostet. Das Lustige an dieser Satire ist, dass es generell tatsächlich so passiert. Der weiße Regisseur freut sich über seine Oscars, weil er eine Freunschaft zwischen dem weißen Retter und einem Schwarzen geschrieben hat. Ich schrieb HIER über ein Buch, das unter weißen cis Blogger*innen und auf Buchmessen abgefeiert wird, weil es so ein wichtiges Thema behandelt. Es gibt ja auch Erinnerungskulturzeug mit befreiten Herkunftsdeutschen und bösen Nazis; und dann klopft man sich gegenseitig auf die Schulter, weil man brav Gedenkstätten errichtet.
        • Repräsentation?
          Es gibt etliche Studien, die beweisen, dass man sich in den Medien widergespiegelt sehen will. Dass – wenn es nicht so ist – negative Auswirkungen hat. Ebenso, dass es negative Auswirkungen hat, wenn es eine problematische Darstellung ist. Natürlich kann man aus der Sicht einer Person schreiben, zu deren Gruppe man nicht gehört. Aber dann ist es wichtig, das man handwerklich und erzähltechnisch logisch in der Perspektive bleibt.
        Wie geht Ihr mit der Idee eines Antagonisten oder "unangenehmen" und unsympathischen Person aus der marginalisierten Gruppe um?
        Hängt von der Aussage des Romans ab.
        Wenn alle Figuren normschön und abled und weiß sind und einzig der Antagonist fett und Schwarz ist und im Rollstuhl sitzt und ihn auch die klischeehaften Einschaften, die man sich unter fett, Schwarz oder behindert vorstellt, zugewiesen werden, ist es schon arg.

        Es ist wichtig für einen Roman, dass Menschen/Humanoide/als Menschen Gelesene existieren. Mit Ziel und Konflikt und alles was dazugehört. Und wenn es so ist, und wenn Marginalisierung einfach existiert und auf problematische Klischees verzichnet werden, ist es egal welche Funktion die Marginalisierten einnehmen, ob Prota, Deutera, Anta, Mentor …

        Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
        die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
        die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
        die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

        Jack Kerouac

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        • Dodo
          Dodo kommentierte
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          Äh ... "meinen"?

        • Victoria
          Victoria kommentierte
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          Okay. Das war nicht so ersichtlich.

        • weltatlas
          weltatlas kommentierte
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          Ich habe keinem eine Ethnie zugeordnet. Kay war für mich Kay, ich habe da nie einen israelischen Hintergrund reingedacht. Einige Namen lassen auf eine Ethnie schließen aber *Schulter zuck*. Für mich bekommen Figuren farben, wenn sie handeln. Ich kann sagen das Yon ein kräftiges Orange hat, Kay ist für mich schwach rot, Eugene bläulich ... usw. Also ... für mich haben Romanfiguren eh _immer_ fraben - Wie der Regenbogen ... aber, das liegt nicht an der Herkunft, außer Eugene wäre tatsächlich ein Schlumpf ...

      • #6
        EDIT: Mir ist gerade aufgefallen, der Beitrag ist doch sehr lang geworden. Also Vorsicht, Wall of Text. ^^'

        Habt Ihr Figuren aus Minoritäten unter Euren Hauptfiguren? Berührt Ihr sensible Triggerthemen? Warum?
        Ich habe einige nicht-weiße, nicht-europäische/nordamerikanische Figuren, die in unserer Gesellschaft Minoritäten sind, es jedoch weder in der Gesellschaft waren, in der sie aufgewachsen sind, noch in der sind, in der sie jetzt leben (die sehr heterogen ist und nicht wirklich eine ethnische Mehrheit hat). Dazu habe ich auch einige LGBTIQ*-Charaktere (äh, hab ich das Akronym richtig hingeschrieben? Ich hab grad selbst keine Ahnung ...). Eigentlich sind sogar die Mehrheit meiner Charaktere nicht hetero, und bisher ein einziger nicht cis.
        Triggerthemen berühre ich so halb. Sie sind kein zentrales Thema der Geschichte und kein allzu kontroverses Thema in dem Umfeld, in dem die Charaktere jetzt leben. (Wunschenken? Vielleicht.) Aber ich versuche schon, mir bewusst zu machen, dass es sich auf ihre Charakterentwicklung und Persönlichkeit auswirkt, wenn ein Teil ihrer Identität in ihrem früheren Umfeld als "andersartig" angesehen wurde. Bei meiner Transfrau, ein noch recht frischer Charakter, bin ich noch dabei, einen character arc zu basteln, der ihr gerecht wird, und da ist es so, dass die Tatsache, dass sie transgender ist, natürlich präsent ist: sie hat aus diversen Gründen erst seit kurzem die Möglichkeit, als Frau zu leben und kann evtl. noch keine Hormontherapie machen, und natürlich wirkt sich das auf sie aus - sie geht nicht völlig ohne einen einzigen Gedanken daran durchs Leben, und sie hat lange Zeit als Mann leben müssen und nicht sie selbst sein können. Das wirkt sich auf ihr Fühlen und Denken aus. Allerdings soll es auch nicht omnipräsent sein, denn das zentrale Thema der Geschichte ist nicht ihr Geschlecht, und es gibt deutlich mehr, was sie ausmacht. Es ist ein Teil von ihr und ihrem Leben, der weder die ganze Geschichte einnehmen, noch völlig ignoriert werden soll, und nicht ihre Hauptrolle in der Geschichte. Da muss ich noch die richtige Balance finden - hat aber auch noch Zeit, da sie erst im zweiten Teil richtig vorkommen wird, und bis dahin hat sie Zeit, in meinem Kopf zu reifen.
        EDIT: Ich habe mich hier jetzt speziell auf sensible Themen bezogen, die direkt mit der Tatsache zu tun haben, dass die Figur einer Minderheit angehört (zum Beispiel Diskriminierung, Ausgrenzung, etc.), da das das Thema des Eingangsposts ist - diese mache ich tatsächlich nicht zum zentralen Thema der Geschichte. Aber da ich gerade in anderen Beiträgen hier davon gelesen habe: andere Triggerthemen (insbesondere Depression, Suizidgedanken, emotional abuse, Traumatisierung mit akuter Belastungsreaktion sowie PTBS) sind aber durchaus zentrale Themen, ist mir gerade so aufgefallen. Vielleicht sollte ich da echt mal über eine kleine Warnung am Anfang nachdenken, ich hab nämlich vor, bei den Depressions- und PTBS-Symptomen durchaus ins Detail zu gehen ...

        Wie geht Ihr an die Figur heran? Wie geht Ihr an sensible Themen heran?
        An die Figur gehe ich so ran, wie an alle. Irgendwann sind sie einfach da, und dann hör ich Musik und überleg mir Geschichten mit ihnen. Yep, ich tagträume viel. Mit der Zeit reifen sie dann heran und ich bekomme immer mehr Ideen zu ihrer Biographie und ihrer Persönlichkeit, und wie ihre Biographie ihre Persönlichkeit geformt hat, und dann bekomme ich Ideen zu ihrem character arc, wo sie sich in der Geschichte hinbewegen sollen und auf welchen Wegen. Und dann nehme ich eine etwa 20-30 Minuten lange Sprachnachricht für eine Freundin auf, die das schon kennt , und laber relativ ungeordnet über die Figur. Ein paar Tage später reicht mir das dann nicht und ich hab neue Ideen und nehm eine etwas geordnetere Nachricht auf, und irgendwann entsteht so dann ein character arc. Das dauert natürlich - aber ich bin auch unprofessionell und langsam. Wenn ich genug spontane Inspirationen hatte, kann ich mir aber auch gezielt Gedanken machen und bewusster Entscheidungen zu dem Charakter treffen, die sich nicht nach Tokenism oder allgemein völlig erzwungen anfühlen.
        Bei sensiblen Themen hab ich kein systematisches oder ideales Vorgehen und es macht mir selbst noch ein Bisschen Angst, dass ich Leser unfreiwillig verletzen könnte. Am liebsten lese ich Texte von Leuten, die sich direkt mit dem Thema auskennen, oder schaue YouTube-Videos von Leuten, die sich auskennen/selbst betroffen sind. Und dann versuche ich, mir das Erleben meiner eigenen Figur zusammenzubasteln, sodass es zu ihrer Persönlichkeit passt. Das wird aber dadurch erleichtert, dass YouTube-Videos von allen möglichen Leuten zu schauen, die aus ihrem Leben plaudern (nicht Vlogs sondern eher mit bestimmten Themen) sowieso zu meinen Hobbies gehört.

        Wie denkt Ihr über das Argument, nur Angehörige der Minorität sollte POV-Träger aus der Minorität schreiben?
        Ich kann es zumindest verstehen. Wenn eine Minderheit sowieso schon mit Stigmatisierung und Anfeindungen zu kämpfen hat, dann ist es völlig verständlich, nicht auch noch negativ oder falsch in Geschichten dargestellt werden zu wollen, und die Gefahr ist nun mal größer, wenn die Geschichte von jemandem stammt, der womöglich selbst mit Vorurteilen aufgewachsen ist und keine Ahnung davon hat, wie es einem Mitglied dieser Bevölkerungsgruppe ergeht.
        Allerdings dürfte nach dieser Logik eigentlich jeder nur über sich selbst und seine eigenen Erlebnisse schreiben, wenn man das ganze weiterdenkt. Ich dürfte als weiße Frau nur über weiße Frauen schreiben, nur über Probleme, die ich selbst erlebt habe, Dinge, die ich selbst kenne. Kaum ein Autor tut das - man muss sich, wenn man nicht gerade eine Autobiographie schreibt (und evtl selbst dann), immer in Leute hineindenken, die nicht die gleichen Erfahrungen gemacht haben wie man selbst. Das wäre für mich auch sehr langweilige Literatur und m.M.n. auch eher nachteilig. Das Schreiben und Lesen über Charaktere, die anders sind als man selbst, ist doch eine wunderbare Art, diese als Individuen wahrzunehmen und über Vorurteile (die irgendwo ja jeder hat) hinwegzukommen.
        Und als Nicht-Hetero und vor allem nicht-monogame Person freu ich mich immer nen Keks, wenn ich Leute in Geschichten seh, die ähnlich ticken. Ernsthaft, ich würd mehr Geschichten mit polyamoren Charakteren und Beziehungsanarchisten feiern, und mir wär's sowas von schnuppe, ob der Autor jetzt mono oder poly ist.
        Dazu kommt, dass es auch nicht immer so viel aussagt, ob man nun einer Minderheit angehört. Ich bin beispielsweise nicht hetero und habe in meinem ganzen Leben noch nie mit Diskriminierung deswegen zu tun gehabt - um darüber zu schreiben, müsste ich also recherchieren, mir Berichte von Leuten anhören oder durchlesen, die damit zu tun gehabt haben. Dafür gibt es sicher Heterosexuelle, die in einem homophoben Umfeld Diskriminierung beobachten konnten, also mehr Erfahrung damit haben, als ich. Und mangelnde eigene Erfahrungen kann und sollte man eben immer mit Recherche ausgleichen.

        Wie geht Ihr mit der Idee eines Antagonisten oder "unangenehmen" und unsympathischen Person aus der marginalisierten Gruppe um?
        Hm, ich habe nicht wirklich viele unangenehme Charaktere aus marginalisierten Gruppen (bzw nur Fantasy-Minderheiten), glaube ich - das liebt aber daran, dass ich keinen meiner Charaktere als unangenehm empfinde und keiner so richtig gut oder böse ist. Meiner Meinung nach. Mal schauen, wie's am Ende für den Leser rüberkommt.
        Grundsätzlich denke ich, jeder kann "gut" oder "böse" sein - also eher angenehm oder unangenehm und antagonistisch, unabhängig davon, ob er/sie einer Minderheit angehört. Mir ist es aber etwas unangenehm, wenn alle Protagonisten einer Mehrheit angehören und alle "Bösewichte" einer Minderheit. Natürlich kann sowas genauso vorkommen wie jede andere Konstellation und die Antagonisten müssen auch gar nicht so dargestellt sein, als wären sie deshalb böse, aber ... ugh. Nein, für mich persönlich hat das einen unschönen Beigeschmack.
        Und ich mag es persönlich auch nicht, wenn Teile der Identität der Charaktere als böse dargestellt werden - beispielsweise Bi- oder Pansexualität als Resultat davon, dass der Charaktere allgemein gierig ist, Grenzen nicht achtet und es ihm auch egal ist, ob er nur Männer, Frauen oder alle belästigt. Also das Klischee vom depraved bisexual (das auch noch impliziert, dass viele Seualkontakte oder ein starker Sexualtrieb - Stichwort gierig - negativ/unmoralisch sind). Ihr wisst schon, was ich mein. Wenn beispielsweise die sexuelle Orientierung so dargestellt wird, als sei sie eher ein Teil von dem bösen, gefährlichen Knacks, den der Antagonist hat, und am besten dann noch niemand sonst mit dieser sexuellen Orientierung vorkommt, sowas in der Art würde ich als Autor auch lieber vermeiden.
        That being said, das ist natürlich auch mein persönlicher Geschmack und ich mag keinem Autoren böse Absichten unterstellen. Ich habe meine eigenen Präferenzen und Grenzen bei den Geschichten, die ich lese/schaue/höre, und die sind natürlich nicht allgemeingültig und keine Universalregeln für Autoren. Und ich bin absolut dagegen, Geschichten und Autoren komplett zu verteufeln und in ihrem Schaffen zu bremsen, weil sie ja Gefahr laufen, rassistisch, sexistisch, homophob, etc. zu sein, und im Zweifelsfall gehe ich lieber davon aus, dass mir etwas komisch vorkommt, weil es mir persönlich missfällt und in mir persönlich gewisse Assoziationen hervorruft, nicht weil der Autor das so geplant hatte oder entsprechende Überzeugungen hatte. Nur wenn viele Leute ähnliche Bedenken äußern, dann würde ich mir als Autor vielleicht nochmal Gedanken darüber machen, was ich mit meiner Geschichte rüberbringen will und was tatsächlich rüberkommt.
        Zuletzt geändert von Lia Roger; 11-09-2019, 23:24.

        Kommentar


        • Victoria
          Victoria kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Sehe ich auch so. Besonders das mit den Antagonisten.

          (Meine poly Figuren habe ich damals wieder geändert, wel es nicht so gut ankam. Es ist halt negativ behaftet. Seitdem hab ich über ein halbes Jahrzehnt Handwerk dazugelernt. Vielleicht kriege ich es heute gut umgesetzt.)

        • Lia Roger
          Lia Roger kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          VickieLinn *hust* Ich hab Skyfall so in Erinnerung. Aber der Soundtrack ist super.

          Hach, wenn du wüsstest, wie ich früher geschrieben hab ... *schauder* Und diverse Beziehungskonstrukte und -label und Labelfreiheit bau ich erst seit kurzem ein (bzw plane es nach einer langen Schreibpause), und das obwohl ich selbst nicht der Norm entsprechend tick. Ich denke, da durchläuft jeder so seine Entwicklungen und ich hab auch noch ne Menge zu lernen. ^^

          Aber: du schreibst eine Geschichte mit poly Figuren? Will lesen!

      • #7
        Habt Ihr Figuren aus Minoritäten unter Euren Hauptfiguren?

        Das kommt darauf an, ob Drachen und Werwölfe als Minoritäten zählen. Aber ich denke, der Thread zielt eher auf unterschiedliche Ethnien oder abweichende sexuelle Orientierungen ab. Da muss ich leider verneinen. Warum? Salopp gesagt waren Dinge wie Hautfarbe und sexuelle Orientierung in meinen Geschichten bisher nie plotrelevant. Warum sollte ich etwa eine lesbische Figur einbauen, wenn ihre Orientierung für die Handlung völlig unwichtig ist? Ich kann mich auch nicht erinnern, jemals die Hautfarbe meiner Figuren erwähnt zu haben. Die darf sich jeder Leser selbst ausmalen.
        Anders sieht es natürlich bei Geschichten aus, die sich zum Beispiel mit Rassismus in der realen Welt befassen. Aber wie gesagt, das ist nicht meine Domäne.

        Wie denkt Ihr über das Argument, nur Angehörige der Minorität sollte POV-Träger aus der Minorität schreiben?

        Mit Verlaub gesagt, das ist Unfug. Eine gute Figur erlaubt es dem Leser oder der Leserin, etwas von ihr zu lernen oder sich gar in ihr wiederzufinden - unabhängig von Ethnie, Kultur oder Geschlecht. Es geht um universelle Aussagen. Als Kind mochte ich zum Beispiel die Figur des schrulligen Erfinders. Dabei war es mir egal, ob es sich um einen Schwarzafrikaner handelte, einen typischen 'weißen Mann' oder eine mutierte Ninja-Schildkröte. Ich sehe keinen Grund, warum in so einem Fall Ethnie/Geschlecht/Was-auch-immer von Figur und Verfasser übereinstimmen sollte. Und nein, es muss auch kein schrulliger Erfinder sein, denn schrullige Erfinder sind in der Regel nicht die besten Autoren.
        Zuletzt geändert von Flossenschwinge; 11-09-2019, 12:51.

        Kommentar


        • Dodo
          Dodo kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Siehst Du denn beim Schreiben einen entsprechenden Hintergrund bei Deinen Figuren, auch wenn es für den Plot keine Rolle spielt?

          Bei mir ist es so. Bisher habe ich vieles davon, weil ich es für nicht-plotrelevant gehalten habe, einfach weggelassen, aber inzwischen denk ich: Wieso eigentlich? Wenn da ein schwules Pärchen mitspielt, dann kann ich das auch zeigen, ohne es (klischeehaft oder in unnötiger Ausführlichkeit) vorzuführen. Einfach als Normalität etablieren, unter dem von Vickie und Lia genannten Repräsentanz-Aspekt. Auch nicht als Quoten-BAME*, sondern als ... normal. Nicht pseudo-weltoffen wie in Vickies Buchbeispiel als Sprungbrett für irgendwas, sondern als weltatlas' "ist so".
          Zuletzt geändert von Dodo; 11-09-2019, 16:07.

        • Flossenschwinge
          Flossenschwinge kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Siehst Du denn beim Schreiben einen entsprechenden Hintergrund bei Deinen Figuren, auch wenn es für den Plot keine Rolle spielt?
          Bisher habe ich zum Beispiel noch nie einen homosexuellen Hintergrund für eine Hauptfigur festgelegt. So wie es sicher auch Autoren gibt, die in keine ihrer Geschichten einen schrulligen Erfinder als eine Hauptfigur eingebaut haben.

          Aber vielleicht mache ich es irgendwann mal. Man weiß ja nie
          Zuletzt geändert von Flossenschwinge; 11-09-2019, 20:30.

      • #8
        Ich hab mich entschieden, Unteres nicht als Kommentar zu schreiben, weil es nicht direkt an Flossenschwinge gerichtet ist, sondern von den Gedanken angestoßen wurde:

        Warum sind automatisch alle Figuren heterosexuell, wenn es keine Rolle spielt? Warum sind sie alle erstmal weiß?
        Vielleicht spielt es keine Rolle für den Plot, aber für die Atmosphäre. Es ist vielen gar nicht so bewusst, wie heterosexuell (wenn man hetero ist … aber wenn nicht, vielleicht selbst dann?) oder allosexuell die eigenen Gedanken sind und wie viel davon in den Text mit einfließt. Da fragt mal die alte Oma von nebenan, ob "die beiden" ein Paar sind oder wann sie Kinder haben wollen, da schaut eine Figur dem anderen Geschlecht hinterher. In Unterhaltungen fällt: "Wie geht's deiner Frau/deinem Mann?" oder "Grüß deinen Freund/deine Freundin von mir" ... Ebenso verhält sich auch eurozentristisches Denken. Es ist gar nicht so ungewöhnlich, dass ich ein Fantasy-Manuskript auf dem Tisch habe und die fiktive Welt und das Denken der Figuren vom Christentun geprägt sind. Dass bestimmte Ethnien mit kolonialem Blick beschrieben werden. (Ganz interessant finde ich "orcing".)

        Wenn es darum geht, dass man am liebsten das schreibt, womit man vertraut ist. Gerne. Das ist völlig legitim und das sollte man sich auch nicht ausreden lassen. Hat man den Anspruch Diversität einzubringen, weil die Welt auch nicht nur aus "weißen normschönen gesunden Heteros" besteht, kann man sich überlegen, ob man für die Atmosphäre nicht einfach eine wichtige Figur mit durchdachtem Plot einer marginalisierten Gruppe zuweist.


        Es ist nachgewiesen, dass nicht jede Person sich in jede gute Figur hineinversetzen kann. Gerade bei Kindern und Herabwachsenden ist es wichtig, zu sehen, dass es Figuren wie sie gibt. Harry Potter macht es vor mit Brillenträger und Nerd-Kinder, die mit Intelligenz etwas erreichen. Oder eben schrullige Erfinder, weil sie mit ihren Macken irgendwie sympathisch sind und intelligent sind sie auch – und ja, ich will auch mit meinen Macken gemocht werden und keine Cinderella sein müssen. Putzen ist eh doof. Es ist eben absolut wichtig, dass in es Büchern für Kleinkinder auch Polizistinnen und Feuerwehrfrauen und Astronautinnen gibt; dass das Aussehen der Figuren bunt gemischt ist.

        Diese Notwendigkeit abzustreiten finde ich nicht richtig. Natürlich kann man sagen, dass als (Hobby-)Autor*in keinen Bildungsauftrag hat; oder dass man gar nicht so viel Reichtweite und Verantwortung hat; oder dass man vor allem für sich und eine bestimmte Zielgruppe schreibt. Die einen demonstrieren freitags, die anderen bleiben zu Hause – alles prima. Nicht prima: Die Sachen, die man nicht tut oder nicht tun will, abwerten.
        Zuletzt geändert von Victoria; 11-09-2019, 14:49.
        Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
        die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
        die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
        die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

        Jack Kerouac

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        • Ankh
          Ankh kommentierte
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          In-Genius Das hat doch hier gar niemand anders behauptet. Es ging darum, wie man sich spontan eine Figur vorstellt, von der man nicht mehr weiß als zum Beispiel den Namen, nicht darum, dass man aufgrund des Namens Personen automatisch Eigenschaften unterstellt, die sie ganz offensichtlich und im Kontext klar benannt nicht haben. Wenn du vom schwarzen Rapper XY schreibst, kommt wohl keiner auf die Idee zu sagen "nee, der muss weiß sein, ist besser so", nur weil er keinen eindeutig ethnischen Namen hat.

        • Dodo
          Dodo kommentierte
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          Wenn wir beim Schreiben Namen auswählen, können wir damit eine Menge Assoziationen (erinnerungsgetriggert, vorurteilsbedingt oder unbedachtes Klischeedenken) hervorrufen, die wir allein mit dem Namen nicht in jede intendierte Richtung steuern können. Eine Person an den Namen zu hängen, wäre ein guter Anfang
          Genauso mit Figuren aus einer marginalisierten Gruppe, da sollte eben auch mehr hinter stecken als nur diese Herkunft/Zugehörigkeit/Zuordnung.

        • Milch
          Milch kommentierte
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          Ich habe ja auch nicht geschrieben, dass Schwarze nur schwarze Namen tragen, sondern dass manche Namen eher von schwarzen Eltern vergeben werden. Ich habe auch nicht geschrieben, dass schwarze Eltern nur schwarze Namen nehmen. Hier wurde gefragt, warum wir unbewusst davon ausgehen, dass die Figuren weiß sind.
          Und wenn wir ehrlich sind, kategorieren wir alle nach Erfahrungswerten ein. Namen sagen schon etwas über die Person aus. Manche Namen sind auch typisch ostdeutsch wie Ronny zum Beispiel. Oder Yamato typisch japanisch.
          Wenn der Autor will, das wir wissen, dass ein Friedrich nicht weiß ist, soll er es schreiben. Wenn ein Günther heute jung sein soll, dann muss der Autor es sagen.
          .

      • #9
        Habt Ihr Figuren aus Minoritäten unter Euren Hauptfiguren?

        Kommt auf das Genre an.
        Meine historische Fantasy spielt im Rheinland im Jahr 1095. Die einzige Minorität, die vorkommt, ist die jüdische Gemeinde in Mainz, und die rückt auch erst in Band 2 in den Fokus. Der Rest ist weiß und christlich.

        Meine klassische Fantasy orientiert sich stark an Tolkien und dem europäischen Mittelalter. Der Großteil des Casts besteht aus weißen Menschen, ein paar Hexen und magischen Bäumen. Von den 4 Hauptfiguren ist nur eine eine PoC. In einer der ersten Rezensionen, die ich erhalten habe, wird auch darauf hingewiesen, dass die üblichen Verdächtigen, also Werwölfe, Vampire, Feen, etc. fehlen.
        Bei George Martin waren wohl die englischen Rosenkriege das Vorbild des Settings und bei mir der Investiturstreit des 11. Jahrhunderts. Das war eine bewusste Entscheidung und dieser Richtung werde ich die Welt weiter aufbauen, was auch einen Einfluss auf die Diversität hat.
        Da meine Dystopie in der (sehr) nahen Zukunft spielt, orientiert sich die Hauptgruppe in etwa an der heutigen Gesellschaft in bezug auf Geschlecht, Abstammung, Religion und sexuelle Orientierung. Das Gleiche gilt auch für meine Urban Fantasy Geschichten. Allerdings setze ich mich nicht beim Plotten hin und überlege mir, was ich noch brauche, um die gesellschaftliche Diversität zu spiegeln.


        Berührt Ihr sensible Triggerthemen? Warum?

        Ich schreibe keine Triggerwarnungen in meine Buchbeschreibung, allerdings finden sich dort Hinweise auf Themen (Ritzen, Krebs, etc.), von denen ich denke, dass sie für einige Menschen sensibel sein könnten. Wenn ich die Wiki Def. nehme, ist ein Trigger ein Auslöser für eine psychische Reaktion. Prinzipiell möchte ich ja, dass meine Geschichten positive Reaktionen auslösen. Aber ich fürchte, es ist mir unmöglich eine Geschichte zu schreiben, die nicht bei irgendjemandem auch eine negative psychische Reaktion auslösen kann/wird.
        Letzte Woche wurde zwei Highschool Schülerinnen der Gewinn einer Schwimmmeisterschaft aberkannt, weil sie zu "freizügige" Badeanzüge trugen, die bei einigen Zuschauern Unbehagen auslösten, Harry Potter und LGBTQ Literatur werden in öffentlichen Büchereien auf den Index gesetzt, da sich konservative und religiöse Menschen daran stören, etc. Die Liste lässt sich noch deutlich fortsetzen.
        Wenn ich alles eliminieren will, das jemanden in seinem psychischen Wohlbefinden stört / stören kann, muss ich mit dem Schreiben aufhören.
        Ich - nicht meine Figuren - versuche so rücksichtsvoll wie möglich mit Themen, die ich persönlich für sensibel halte oder erkenne, umzugehen, mehr kann ich nicht versprechen.


        Wie denkt Ihr über das Argument, nur Angehörige der Minorität sollte POV-Träger aus der Minorität schreiben?

        Finde ich schwierig zu beantworten. Hieße das nicht im Umkehrschluss, dass Angehörige einer Minorität nicht mehr über alte, weiße, abled, neurotypische, heterosexuelle und christlich/atheistische cis Männer schreiben dürfen? Fände ich schade.

        Ich schreibe über alle Menschen, Aliens und von mir aus auch Orks, über die ich genügend Basiswissen verfüge, ausreichend recherchieren und mich empathisch einfühlen kann.

        Bestimmte Minoritäten lasse ich aus, weil mir der Zugang fehlt. An einen hochtalentierten, schwarzen Jazz Musiker, der in den 30ern in Mississippi gelebt hat, traue ich mich nicht ran.

        Wie geht Ihr mit der Idee eines Antagonisten oder "unangenehmen" und unsympathischen Person aus der marginalisierten Gruppe um?

        Habe ich kein Problem mit, solange klar wird, dass er/sie/es unangenehm, unsympathisch und marginalisiert ist, nicht dass er so ist, weil sie aus dieser Gruppe stammt.
        Bei genauerer Überlegung stimmt das nicht wirklich. Ich merke, dass ich zögere, den Antagonisten aus einer Minorität zu wählen, sondern lieber einen weißen cis Menschen nehme.
        Zuletzt geändert von Peter; 11-09-2019, 17:05.
        I would write merely clearly and in this way establish a warm relationship between myself and my readers, and the professional critics—Well, they can do whatever they wish. Isaac Asimov

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        • Victoria
          Victoria kommentierte
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          Welche Themen hohes Triggerpotenzial haben ("Trigger" so wie die Wikidef es vorgibt), kann man mit ein bisschen Menschenverstand und Sensibilität erkennen. Du selbst hast ja auch von dir aus SVV und Krebs genannt. Das kann man auch kurz auf die Seite mit dem Impressum oder beim Vorwort oder Unterm klappentext hinschreiben. Es geht ja nicht darum, dass Leute es unangenehm finden (mein Onkel hielt uns Kinder bei Kussszenen im Fernsehen die Augen zu. Ich glaub, ihm war es unangenehmer als uns), sondern dass es bei Betroffenen tatsächlich Panik, Angst, Ohnmacht, Zittern, Überkeit … auslöst. Mit "content notes" können sie sich zumindest entscheiden, an "schlechten" Tagen das Buch nicht zu lesen.


          Hieße das nicht im Umkehrschluss, dass Angehörige einer Minorität nicht mehr über alte, weiße, abled, neurotypische, heterosexuelle und christlich/atheistische cis Männer schreiben dürfen?
          Der Unterschied ist, dass ein Ungleichgewicht besteht. Sowohl historisch gesehen als auch in den Medien. Die Auswirkungen auf die entsprechenen Gruppen bei einer falschen/problematischen Darstellung anders ist. Es wird für den weißen heterosexuellen cis Mann nicht benachteiligend oder gefährlich. Es geht nicht um Einzelfälle, sondern um struktuelle Benachteilungen und Stigmatisierungen.

        • Peter
          Peter kommentierte
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          VickieLinn

          Ich hatte geschrieben, dass ich keine (expliziten) Triggerwarnungen schreibe, aber das diese Themen (SVV, Krebs) in der Buchbeschreibung Eingang finden.
          Wenn ich von der krebskranken Dawn, die nur noch wenige Monate zu leben hat, spreche oder davon, dass Agnes sich beim Ritzen zu tief geschnitten hat und in der Notaufnahme gelandet ist, finde ich das als Hinweis auf den Inhalt des Buchs ausreichend.

          Ich erkenne mit Sensibilität und einem bisschen Menschenverstand sicherlich Themen, denen ich persönlich ein hohes Triggerpotential zurechne, und vermerke das auch in der Buchbeschreibung.
          Auch wenn es für mich persönlich völlig irrelevant ist, würde ich unterschiedlich sozialisierten Menschen nicht absprechen, dass manche Themen / Aussagen für ihre Weltbild ausgesprochen verstörend sind / sein können.


          Bei der Frage hätte ich wohl expliziter dazuschreiben müssen, dass es sich um eine rhetorische Frage handelte.

      • #10
        Habt Ihr Figuren aus Minoritäten unter Euren Hauptfiguren? Berührt Ihr sensible Triggerthemen? Warum?
        Puh, was sind jetzt genau sensible Triggerthemen? Ist das nicht sehr individuell? Wenn ich Geschichten schreibe, sind die Hauptcharaktere überdurchschnittlich oft männlich, homo-/bi-/asexuell (letzteres wird nicht thematisiert), Japaner, Deutsche oder Russen, nicht religiös, spirituell angehaucht/abergläubisch oder für ihren Kulturkreis normal-religiös (jedenfalls nicht tief religiös, aber bestimmte Feste werden eben gefeiert), manchmal geht es um Vergewaltigung, Drogen (inkl. Alkohol), psychische Probleme, Vorurteile, Prostitution, Tod/Suizid, Kindesmissbrauch, Obdachlosigkeit, körperliche/geistige Einschränkungen etc. Warum? Weil das einfach das ist, worüber ich schreibe. Ich mache mir nicht konkret Gedanken wie »Darüber will/sollte ich mal schreiben«, sondern schreibe einfach, was mir in den Sinn kommt. Aus meinem Kulturkreis breche ich nur selten aus – wenn ich japanische Charaktere habe, sind die in der Regel in ihrem eigenen Kulturkreis unterwegs, also nicht unbedingt in Europa oder Amerika etc. Ich will auch nichts einbringen, nur weil halt noch ein schwarzer Charakter fehlt oder ein muslimischer oder eine Transperson oder jemand im Rollstuhl. Wenn es sich ergibt, bringe ich solche Themen aber auch mal mit unter. Abgesehen von muslimischen oder jüdischen Charakteren, weil ich da einfach unfassbar wenig Wissen habe und an Religion an sich nicht wirklich interessiert bin in meinen Geschichten.

        Wie geht Ihr an die Figur heran? Wie geht Ihr an sensible Themen heran?
        Vermutlich wie an andere Themen auch. Ich habe da schreiberisch wenig Berührungsängste, zumindest bei bestimmten Themen (s. oben). Selbstverständlich bemühe ich mich, mit solchen Themen nicht nach Aufmerksamkeit zu heischen, sondern sie halbwegs feinfühlig unterzubringen. Entweder mit Konfliktpotenzial oder als Selbstverständlichkeit.

        Wie denkt Ihr über das Argument, nur Angehörige der Minorität sollte POV-Träger aus der Minorität schreiben?
        Halte ich eigentlich für Quatsch. Ich muss kein männlicher homosexueller Rollstuhlfahrer aus dem Iran sein, um einen schreiben zu können. Das erfordert dann eben ein hohes Maß an Empathie, im Idealfall auch einige Gespräche mit Angehörigen der Minorität und Recherche. Natürlich gibt es auch Dinge, die man sich nicht aus der eigenen Vorstellung, Gesprächen und Büchern/dem Internet zusammenreimen kann, es fehlt womöglich das letzte Quäntchen Wissen – das Selbst-Erlebt-Haben –, um eine 100% glaubwürdige Figur zu erschaffen. Und es ist natürlich nach außen hin glaubwürdiger, wenn die Geschichtenschreiber selbst Ähnlichkeiten mit ihren Figuren aufweisen. Aber dann wäre die Literaturlandschaft für mich auch zu langweilig.

        Wie geht Ihr mit der Idee eines Antagonisten oder "unangenehmen" und unsympathischen Person aus der marginalisierten Gruppe um?
        Bei dieser Frage war mein erster Impuls tatsächlich »Puh, das finde ich schwierig.« … Aber warum eigentlich? Es gibt in jeder Gruppe eben Arschlöcher und gute Menschen. Weil Unsympathie und negative Eigenschaften nun mal nicht einer bestimmten Gruppe vorbehalten sind, sondern jedem Mensch zu eigen sein können. Wichtig ist nur, dass deutlich wird, dass nicht die Zugehörigkeit zu Gruppe XY den Antagonisten zum Antagonisten oder das Ekelpaket zum Ekelpaket macht, sondern seine Charaktereigenschaften und seine Geschichte.
        Selling dreams was all I knew. — Deine Lakaien, Where you are

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        • Victoria
          Victoria kommentierte
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          Puh, was sind jetzt genau sensible Triggerthemen? Ist das nicht sehr individuell?
          Beim Thema Trigger wird gern der Allergievergleich herangezogen. Man will ja gern vorher wissen, was in den Zutaten ist, um auf die Speise verzichten zu können. Es können nicht alle Allergene fett ausgezeichnet werden, aber bei den häufigsten wie Nuss, Milch- oder Glutenhaltiges wird es getan.

          Hier eine Liste von Alpakawolken: https://alpakawolken.de/die-triggerdebatte/
          Suizid, Suizidversuche und suizidales Verhalten von Figuren
          Selbstverletzendes Verhalten (selbst, wenn dieses innerhalb von bspw. magischen Ritualen passiert)
          Depressionen
          Vergewaltigungen und sexueller Missbrauch
          Gewalt (eventuell spezifiziert durch „Gewalt an Kindern“, „Gewalt an Frauen“, „Gewalt an Tieren“ etc.)
          Tod
          Krieg
          Krankheiten (erneut eventuell spezifiziert, wenn es um weit verbreitete Krankheiten wie „Krebs“ geht, die für Betroffene nicht schön zu lesen wären)
          Mobbing
          Kindesmissbrauch
          Drogen, Alkohol & Suchtverhalten allgemein
          Sexismus
          Rassismus
          LGBTQ* feindliches Verhalten

      • #11
        Den Begriff 'orcing' kannte ich noch nicht. Vielen Dank für den Hinweis, VickieLinn

        Zitat von VickieLinn Beitrag anzeigen
        Warum sind automatisch alle Figuren heterosexuell, wenn es keine Rolle spielt? Warum sind sie alle erstmal weiß?
        In meinem physischen Umfeld sind nun mal die meisten Menschen 'weiß' und durchwegs alle heterosexuell. Ist es denn wirklich so schlimm, wenn es in einem Roman genauso ist, etwa bei einem mittelalterlichen Fantasy-Setting? In meiner Kindheit habe ich Eastern geliebt, vor allem Filme mit Jackie Chan und Jet Li, in denen oft nur Asiaten vorkamen (Die Schlange im Schatten des Adlers, Tai Chi etc.) Das hat mich kein bisschen gestört, im Gegenteil. Die rein asiatischen Filme haben mir am besten gefallen.

        Zitat von VickieLinn Beitrag anzeigen
        Es ist eben absolut wichtig, dass in es Büchern für Kleinkinder auch Polizistinnen und Feuerwehrfrauen und Astronautinnen gibt; dass das Aussehen der Figuren bunt gemischt ist.
        Das verstehe ich nicht. Warum ist das so wichtig? Was passiert mit den Kindern, wenn die Figuren nicht bunt gemischt sind? Wenn etwa in einem Eastern nur Asiaten vorkommen und folglich darin keine anderen Ethnien Kung Fu ausüben?

        Zitat von VickieLinn Beitrag anzeigen
        Nicht prima: Die Sachen, die man nicht tut oder nicht tun will, abwerten.
        Das ist eine gute Einstellung. Wenn ich keine Geschichten mit homosexuellen Figuren oder anderen Minoritäten schreiben möchte, will ich schließlich auch nicht abgewertet werden.

        EDIT: Tut mir Leid, das hätte eigentlich ein Kommentar zu #8 werden sollen

        Kommentar


        • Lia Roger
          Lia Roger kommentierte
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          Welche Gründe würdet ihr denn bei mir vermuten?
          Spontan würde ich, deinen bisherigen Postings nach zu urteilen, sagen, es ist persönlicher Geschmack. Vielleicht sagen dir heterosexuelle Subplots mehr zu, genauso wie ich Bi- und Pan-Charaktere super find. Oder es fällt dir leichter, Charaktere zu schreiben, die du so ähnlich auch in deinem Umfeld erlebst.
          Oder deine Geschichten sind gen (also ganz ohne romantische Beziehungen), wodurch die sexuelle Orientierung eh offen bleibt und so unwichtig ist, dass sie nie erwähnt wird.

          Mir würden rein theoretisch noch mehr Gründe einfallen, warum man solche Charaktere vielleicht nicht einbauen will (also nicht bloß Homophobie - das seh ich bei dir eh nicht ), aber ich hab keine Ahnung, was nun auf dich zutrifft, deshalb frag ich.
          Grundsätzlich muss es aber auch keine Gründe geben - manchmal entsteht eine Geschichte, wie sie entsteht und man kann sie nicht begründen.

          Und awww, danke. Ich find die nicht mal so toll ausgearbeitet ... aber mal schauen. ^^'

        • Flossenschwinge
          Flossenschwinge kommentierte
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          Ich musste erst darüber nachdenken, denn es ist gar nicht so einfach, die Sache aufzudröseln. Fest steht jedenfalls, dass es den einen Grund nicht gibt. Dass es mir leichter fällt, Charaktere zu schreiben, die so ähnlich in meinem Umfeld vorkommen, spielt sicher mit rein. Vielleicht auch, dass ich generell ein skeptischer Mensch bin und Trends erst mal kritisch und abwartend gegenüberstehe.

          Andere Gründe sind intimer Natur, deshalb möchte ich nicht allzu detailiert darauf eingehen. In gewissen Aspekten gehöre ich ebenfalls Minderheiten an. LGBTQ*-Charaktere erinnern mich meist an meine eigene Andersartigkeit. Bei einzelnen Fremdwerken ist das kein Problem. Wenn ein Autor oder eine Autorin sich mit einer Minorität befasst und sie mal so ordentlich in das Rampenlicht rückt, ist das eine tolle Sache. Ich möchte diesen Umstand nur nicht dauernd vor Augen haben. Das kann bisweilen sogar schmerzhaft werden. Und eigene Hauptfiguren sind halt etwas, das einen relativ lange begleitet. Deshalb möchte ich keine Hauptfiguren aus Minoritäten schreiben, auch nicht aus jenen, zu denen ich selbst gehöre.

        • Lia Roger
          Lia Roger kommentierte
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          Flossenschwinge Danke für die Erklärung.
          Das ist natürlich absolut nachvollziehbar und du hast recht, die eigenen Charaktere begleiten einen ziemlich lange, da ist es wichtig, dass man sich mit ihnen wohlfühlt.

      • #12
        Habt Ihr Figuren aus Minoritäten unter Euren Hauptfiguren? Berührt Ihr sensible Triggerthemen? Warum?
        Ob ich eine Minorität unter meinen Hauptfiguren habe... könnte durchaus sein, bewusst meines Wissens nicht. Gerade, was die sexuelle Orientierung angeht, spreche ich das nicht immer deutlich an, wenn diese nicht gerade einen Partner haben. Ich mache es nicht bewusst, weil ich nicht bewusst eine Figur entwerfe, sondern diese sich bei mir im Schreiben entwickelt und wenn eben eine dunkelhäutige Homosexuelle passt, dann schreibe ich es auch so.
        Durchaus berührere ich auch mal sensible Themen, entweder da ich sie schlicht weg spannend finde oder weil ich mich persönlich damit auseinansetzen möchte. Beispielsweise hatte ich im näheren Familienkreis vor Jahren einen Krebsfall und ich gehe den Thema nicht aus dem Weg, sondern konfrontiere mich lieber damit, da es mich ja sonst nie loslassen wird. Auch war ich früher von einer leichten Art des Mobbings betroffen. Das greife ich gerne mal auf, wenn meine Gedanken aus welchen Gründen auch immer intensiver darum kreisen. Alles was mich nur unnötig belasten würde, schreibe ich lieber auf Papier, als dass es für ewig in meinen Kopf bleibt.

        Wie geht Ihr an die Figur heran? Wie geht Ihr an sensible Themen heran?
        Genauso wie ich an andere Figuren und Themen herangehe. Da ich ja für mich selbst schreibe, habe ich weniger den Stress, dass ich mit meinem Schreiben jemand anderen verletzen kann, was allerdings auch nicht heißt, dass diese Themen für mich nun Freiwildzonen sind.

        Wie denkt Ihr über das Argument, nur Angehörige der Minorität sollte POV-Träger aus der Minorität schreiben?
        Ich kann den Gedanken dahinter verstehen, weil man schreibt ja am liebsten über Inhalte über die man sich selbst am besten auskennt, aber warum sollte es grundlegend so sein? Warum sollte nicht ein weißer cis Mann auch über Minoritäten schreiben, wenn er sich mit dem Thema eingehend beschäftigt hat, er Interesse daran hat und wenn er selbst seinen Beitrag zu dem Thema machen möchte? Warum sollte man ihm das verwehren? Natürlich kann ein Angehöriger aus der Minorität wohl am authentischsten darüber schreiben, aber ich glaube, dass auch jeder andere es ebenfalls gut hinbekommt, dass man sich nicht daran stößt.

        Wie geht Ihr mit der Idee eines Antagonisten oder "unangenehmen" und unsympathischen Person aus der marginalisierten Gruppe um?
        Als recht normal. Warum sollte nicht ein Homosexueller der Mörder sein oder ein Rollstuhlfahrer ein unangenehmer Kerl? Ich würde es als echt seltsam empfinden, wenn man das grundsätzlich ausschließen würde. Ich selber habe jetzt noch keinen Anta aus einer Minorität genommen, hätte aber grundlegend nichts dagegen das zu ändern, genauso wie ich es bewusst ändern könnte eine Minorität als Hauptfigur zu machen.

        Kommentar


        • #13
          Ich muss dazu sagen, dass ich seit längerem keine neuen Figuren habe und in der Vergangenheit nicht so extrem divers aufgestellt gewesen bin (halbwegs, ich habe ein Projekt, das in Japan spielt und überwiegend Japaner drin hat, aber ich würde das aufgrund des Settings nicht unbedingt als divers bezeichnen). Und gleichzeitig nicht ganz davon entfernt war, dennoch ist weitaus mehr möglich. Da ich vor allem im letzten Jahr durch eine intensive Selbstfindungsphase gegangen bin und noch längst nicht fertig mit den Fragen an und über mich bin, sehe ich Dinge weit anders und möchte in Zukunft auch noch breiter aufstellen. Daher kann ich aber gerade eher mit "möchte ich" statt "mache ich" antworten.

          Habt Ihr Figuren aus Minoritäten unter Euren Hauptfiguren? Berührt Ihr sensible Triggerthemen? Warum?
          Bei mir ist das LGBTQ*-Spektrum am meisten vertreten. Hinzu stelle ich fest, dass gewisse missbräuchliche Strukturen, die mir während des Schreibens aber gar nicht klar definiert bewusst waren, vorkommen. Also ja, teilweise schon, aber bislang überwiegend auf meinen eigenen Erfahrungshorizont bezogen, aus dem ich mich langsam weiter heraus wagen will.

          Wie geht Ihr an die Figur heran? Wie geht Ihr an sensible Themen heran?
          Da ich eben überwiegend aus persönlichen Erfahrungen oder denen meines Umfeldes heraus rantaste, recht unbefangen. Wie viele Fehler und damit auch Verletzungen entstehen können, ist für mich aber auch noch recht neu, dementsprechend steht für mich im weiteren Verlauf neben der obligatorischen Recherche viel mehr Kontakt zu betroffenen Personen auf dem Plan, lesen lassen, Austausch usw.

          Wie denkt Ihr über das Argument, nur Angehörige der Minorität sollte POV-Träger aus der Minorität schreiben?
          Nein. Sehe ich nicht so, aber ich denke, das geht den meisten von uns so. Es ist vielleicht - wirklich vielleicht, nicht auf jeden Fall - für Menschen, die erst mit dem Schreiben anfangen, einfacher, aber auch hier denke ich, das hängt von jeder_jedem selbst ab. Denn einerseits gibt es empathischere und weniger empathische Menschen. Andererseits hat di_er eine vielleicht ein breitgefächertes Minoritätenumfeld und daher eine Menge Einblick, ein_e andere_r ist bislang gar nicht mit Minoritäten direkt in Berührung gekommen. Letztere_r hat es vielleicht schwerer. Das bedeutet dennoch nicht, dass si_er nicht in der Lage ist, empathisch damit umzugehen.

          Wie geht Ihr mit der Idee eines Antagonisten oder "unangenehmen" und unsympathischen Person aus der marginalisierten Gruppe um?
          Mal abgesehen davon, dass ich der überwiegenden Meinung hier zustimme, dass es kein Problem ist, wenn klar ist, dass die Figur nicht deswegen böse ist, weil sie einer marginalisierten Gruppe entstammt, zählt für mich darüber hinaus auch der Aspekt, ob sie die einzige marginalisierte Figur ist. Gibt es wenige davon, ziehe ich tatsächlich cis white abled Figuren dafür vor. Weil die Bösen oft die Andersartigen sind, davon gibts bereits mehr Geschichten als genug.
          Ich komme aus Ironien.
          Das liegt am sarkastischen Meer.

          Kommentar


          • #14
            Habt Ihr Figuren aus Minoritäten unter Euren Hauptfiguren?
            Ja, aus weiß-cis-hetero Sicht gesehen, relativ viele sogar.
            Einziges, wo ich mir noch schwer tue, sind nicht-neurotypische Figuren. Ich hatte früher in meinen Teenager Jahren mal eine Phase wo ich sehr gerne über psychische Erkrankungen geschrieben hab, und das natürlich sehr klischeehaft, weil ichs nicht anders kannte ... peinlich & problematisch ... Wenn ich mich also wieder an neuroatypischen Figuren versuche, will ich es richtig machen. Bisher hab ich mich noch nicht "getraut".

            Berührt Ihr sensible Triggerthemen? Warum?
            Eher weniger.
            Da meine Geschichten fast immer in anderen Welten spielen, baue ich diese möglichst inklusiv auf. Die Figuren dürfen an allen anderen Stellen leiden, durch externe Einflüsse oder eigene dumme Entscheidungen, aber bevorzugt nicht daran, in welchen Körper sie geboren wurden. Also ... ja, aber nur wenn ich wirklich muss.

            Wie geht Ihr an die Figur heran? Wie geht Ihr an sensible Themen heran?
            So wie an alles: mit viel Empathie, und noch mehr Recherche.

            Wie denkt Ihr über das Argument, nur Angehörige der Minorität sollte POV-Träger aus der Minorität schreiben?
            Da stimme ich mit VickieLinn 's Kommentar voll überein.

            Wie geht Ihr mit der Idee eines Antagonisten oder "unangenehmen" und unsympathischen Person aus der marginalisierten Gruppe um?
            Eigentlich ist es relativ einfach: wenn der Antagonist der einzige Schwule, der einzige Lateinamerikaner, etc. ist, dann ist es wahrscheinlich eine scheiß Idee.
            Wenn der Cast divers ist, und sich der Autor dort schon genug Gedanken gemacht hat, wird der Antagonist wohl auch in Ordnung sein.

            Kommentar


            • #15
              Habt Ihr Figuren aus Minoritäten unter Euren Hauptfiguren?
              Ja. Ohne das bewusst geplant zu haben, ist die generelle Vielseitigkeit bei meinen Figuren immer mehr geworden und ganz nach Gefühl/Inspiration entscheidet sich dann bei Neulingen, ob und wie sie einer Minorität zuzuordnen sind.

              Berührt Ihr sensible Triggerthemen? Warum?
              Ja. Ich lege es nicht auf bestimmte Themen an, aber wenn sie sich beim Schreiben ergeben, lasse ich sie auch nicht weg.

              Wie geht Ihr an die Figur heran? Wie geht Ihr an sensible Themen heran?
              Mit/nach Gefühl, wie bei allem, was ich schreibe. Wenn ich mich mit der Materie nicht auskenne, recherchiere ich. Bei sensiblen Themen versuche ich nichts runterzuspielen, und nichts zu glorifizieren. Wenn ich etwas thematisiere, soll das in einem angemessenen Rahmen geschehen.

              Wie denkt Ihr über das Argument, nur Angehörige der Minorität sollte POV-Träger aus der Minorität schreiben?
              Wenn es anständig recherchiert und nachvollziehbar geschildert ist, gibt es keinen Grund für mich, dass auch Nichtangehörige darüber schreiben. Natürlich gehört da dann ein sensibler Umgang dazu und es muss insgesamt glaubwürdig sein.

              Wie geht Ihr mit der Idee eines Antagonisten oder "unangenehmen" und unsympathischen Person aus der marginalisierten Gruppe um?
              Einen Antagonisten aus der entsprechenden Gruppe zu haben ist für mich kein NoGo per se, denn auch in dieser Gruppe wird es gute und nicht so gute Menschen geben. Aber es ist in meinen Augen wichtig, dann keine entsprechenden Klischees/Tropes zu bedienen. Wenn es nur einen einzelnen Charakter gibt, würde ich dann nicht ausgerechnet den zum Antagonisten machen.

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