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Was sind für euch gelungene Prologe?

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  • Was sind für euch gelungene Prologe?

    Warum bestimmte Arten von Prologen schlecht sind, liest man (hier im Forum) immer wieder. Deshalb richtet sich diese Frage an Leute, die Prologe mögen. Die anderen mögen ... schweigen. (Schweig, Vickie, Schweig!!!)

    Wann hat ein Prolog ein Wow-Effekt auf euch?
    Könnt ihr Beispiele nennen?
    Zusatzfrage: Mögt ihr Prologe? Wenn nein, wieso schreibt ihr sie?




    Kennt ihr es, wenn ihr ein bestimmtes Wort schreiben wollt, eure Finger aber aus einem Automatismus heraus ein anderes schreiben? Keine Ahnung, wieso die ersten paar Versuche von "Prolog" immer "Problem" werden.
    Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
    die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
    die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
    die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

    Jack Kerouac

  • #2
    Wann hat ein Prolog ein Wow-Effekt auf euch?
    Ich mag Prologe dann, wenn sie mir etwas essenziell wichtiges für die Geschichte mitteilen, das es mir ermöglicht, Elemente derselben oder ihre Gesamtheit besser zu verstehen als ohne. Außerdem darf die Geschichte durch sie gerne mit einem Knall-Effekt bzw Spannung beginnen.

    Könnt ihr Beispiele nennen?
    Schwierig (heißt, mir fällt grad keiner ein). Die meisten Prologe lese ich nur aus einer Art Pflichtbewusstsein und wegen der Möglichkeit, das doch etwas interessantes darin vorkommt. Meistens will ich sie aber nur schnell hinter mich bringen und mit der eigentlichen Geschichte beginnen.

    Zusatzfrage: Mögt ihr Prologe? Wenn nein, wieso schreibt ihr sie?
    Ja, wenn sie den oben erwähnten Wow- oder Knall-Effekt haben.
    Ich entwickel langsam eine Art Verfolgungswahn. Verfolgt von Ich-sollte-doch-schreiben.

    Storytelling is the power to connect people to what you care about. Anand Varma

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    • Nachtmahr
      Nachtmahr kommentierte
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      Indem man ihnen das Infodump-Image nimmt. Und das geht nur, wenn die Prologe nicht mehr zu diesem Zweck genutzt werden und genauso gut sind wie der Rest der Geschichte. Sobald Leser sie als vollwertigen Teil der Geschichte wahrnehmen, lesen sie ihn auch. Bei einem Buch ohne Prolog überspringt man ja auch nicht das erste Kapitel und fängt mit dem zweiten an.

    • Ankh
      Ankh kommentierte
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      Ich würde ja als Trick erst einmal gar nicht "Prolog" drüberschreiben Und dann eben genauso beginnen wie ein erstes Kapitel: den Leser an den Haken nehmen und nicht mehr loslassen.

    • Nachtmahr
      Nachtmahr kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Ankh
      Ich überlege schon seit ein paar Tagen, ob mein erstes Kapitel nicht doch eigentlich ein Prolog ist.

  • #3
    Ich gehöre auch zu der Fraktion, die hier eigentlich schweigen sollte. Aber gerade als Prolog-Gegner fallen mir zwei Beispiele ein, wo Prologe (manchmal! selten!) ihre Bereichtigung haben: High-Fantasy-Epen und historische Romane.

    In beiden Genres ist es durchaus üblich, sehr langsam und sanft in der Geschichte anzukommen.
    (Man muss als Leser erstmal die 20 Hauptfiguren und ihre jeweiligen Haustiere kennenlernen, dann noch die Welt vorgestellt bekommen, incl. Geographie, Götterwesen und Magiesystem, bzw. den aktuellen historisch-politischen Verstrickungen, Wappenfarben der wichtigsten Clans und der derzeit herrschenden Moral ... das dauert. Und diese unendlich langsame Spannungsbogen am Anfang entspricht tatsächlich der Erwartungshaltung vieler Leser dieser Genre - und erklärt, warum manche andere Leser Fantasy und Historisches für todlangweilig halten.)
    Diesen langsamen Einstieg in die Geschichte kann ein knackiger in-medias-res-Prolog durchaus aufpeppen. Gute Beispiele hier finde ich "Die Säulen der Erde" von Follet und den ersten "Lied von Eis und Feuer"-Band von Martin. "Säulen der Erde" fängt im Prolog mit einer dramatischen Hinrichtungsszene an, und geht dann ab Kapitel 1 den bewährten Weg des langsamen Aufbaus. Und man begreift eigentlich erst hunderte Seiten später, was sie mit der Haupthandlung zu tun hat. Ähnlich ist es bei "Lied von Eis und Feuer", da ist der Prolog ein Horror-Szenario (ok, sanfter Horror), und dann geht es ab Kapitel 1 erstmal relativ langsam voran im Story-Aufbau. In beiden Fällen hilft der Prolog, das Buch spannender zu machen.

    Trotzdem finde ich Prologe meist unnötig und ärgere mich gewöhnlich darüber.
    Der einzige Prolog, den ich richtig, richtig gut finde, ist aus dem Theater. Aber das ist eine andere Sorte Prolog aus einer anderen Zeit, in der es üblich war, im Prolog die gesamte Handlung des Stücks zusammenzufassen.

    Two households, both alike in dignity,
    In fair Verona, where we lay our scene,
    From ancient grudge break to new mutiny,
    Where civil blood makes civil hands unclean.

    From forth the fatal loins of these two foes
    A pair of star-cross'd lovers take their life;
    Whose misadventured piteous overthrows
    Do with their death bury their parents' strife.

    (...)
    Always avoid alliteration.

    Kommentar


    • Ankh
      Ankh kommentierte
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      @Alys II Ich denke da halt immer, es gibt doch schon SO viele Bücher nach dem alten Muster, kauft doch die und lasst denen, die was Neues lesen wollen und denen, die was Neues schreiben wollen doch auch ihren Spaß. Und sollte den Standard-Liebhabern irgendwann der Lesestoff ausgehen, dann schadet es ihnen vielleicht auch nicht, sich mal auf etwas Neues einzulassen. Am Ende gefällt es ihnen ja

    • Milch
      Milch kommentierte
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      Wie kommt man auf die Beurteilung, dass alle Leser das gleiche wollen.
      Wenn ein Autorin zur Marke geworden ist, dann werden Leute zugreifen. Aber was nützt mir, wenn ich wie Nora Roberts schreibe, aber der Name nicht drauf steht.
      In der Regel sind Fans generell etwas konservativer. Man soll nicht so viel auf sie hören, sie sind zwar laut, aber eher gering in der Zahl. Wenn man sich an die breite Masse richtet, dann kann man gern etwas kreativer sein. Der Hexer und die Flüsse von London sollen sich auch gut verkaufen.

    • VickieLinn
      VickieLinn kommentierte
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      Würde auch gern wissen, wieso bestimmte Programmleiter*innen und Redateur*innen das meinen.

  • #4
    In "Faith - Seelenlos" gibt es einen Prolog. Darin wird erklärt, was mit der Erde 500 Jahre vor Einstieg der eigentlichen Handlung passiert ist. Das fand ich wichtig und gerechtfertigt. Ist ja nicht nötig, dass dann im ersten Kapitel Infodump kommen muss. Außerdem sind Rückblenden ja auch generell eher zu vermeiden. Durch diesen Prolog wurde beides umgangen. Hier empfand ich es als elegante Lösung.

    Kommentar


    • VickieLinn
      VickieLinn kommentierte
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      @Alys
      Das liegt wohl auch viel an Lesegeschmack.
      Ich selbst will absolut nicht gespoilert werden. Ich fühle mich sogar schon gespoilert, wenn jemand bei einem Film vorzeitigt kichert, weil er ihn schon mal gesehen hat. Weil genau weiß, dass gleich ein Erwartungsbruch kommt. Andere hingegen lieben es, mehr als die Perspektivfiguren zu wissen. Sei es, dass die beiden Figuren ein Liebespaar werden oder dass sich der Axtmörder im Wald versteckt.

    • Dodo
      Dodo kommentierte
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      Da sieht man, wie unterschiedlich Geschmäcker sind.
      Für mich wäre das Buch mit so einem Prolog tot. Wenn man das, was Du so schön schnell und schlicht zusammenfassen konntest, nicht mit ein paar eingestreuten Sätzen im laufenden Text einpflegen kann, dann ... weiß nicht. Ich habe soeben ein Buch genau deswegen beiseite gelegt. Ein Prolog, wo jemand vermeintlich authentisch seiert, "lieber Leser, wenn Ihr dies lest, hat die Menschheit überlebt" mit vagen Zeitangaben. Die Haupthandlung spielt fast 1000 Jahre später. *facepalm* Als müsste ich in einer Geschichte von heute, die in England oder Frankreich spielt, den Battle of Hastings einarbeiten.

    • Milch
      Milch kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Das habe ich in den meisten England-von-heute-Romanen vermisst: die Schlacht von Hastings.

  • #5
    Wie vielleicht einige schon wissen: ich bin großer Prolog-Fan

    Warum ist das so?

    Vermutlich, weil mein erstes "Erwachsenen-Genre", das ich zu lesen begonnen habe, Krimis und Thriller waren, und es da zu 99,9 % Prologe gibt. Ich bin quasi damit aufgewachsen. Oft wird da ja das erste (und ggf. einzige) Mal aus der Sicht des Täters geschrieben, oder es wird schon mal das Ende vorweggenommen, oder es wird etwas erzählt, das vor 10 Jahren passiert ist (das kommt z.B. in meinem Prolog vor ). Das kann alles super sein, kann natürlich auch in die Hose gehen, vor allem, wenn man das mit dem Ende-vorwegnehmen etwas zu eifrig nimmt.

    Ja, wie gesagt, kann in die Hose gehen. Wenn im Prolog nur geschwurbelter Kram steht, den kein Mensch kapiert, weil der Autor geistig viel tiefer in der Geschichte steckt als der Leser, der mit der Story ja gerade erst anfängt, ist das natürlich blöd. Wenn viel zu viele Andeutungen über Geschehnis XY oder Person Sowieso stehen, so dass selbst der Autor am Ende nicht mehr schnallt, was er der Welt damit eigentlich zu sagen beabsichtigte, ist das natürlich auch blöd. Ich würde sagen, 99,9 % meiner Prologe sind erstmal etwa genau so

    Wenn es nicht alles bzw. nicht zu viel verrät, mag ich, wenn im Prolog das Ende vorweggenommen wird. Wenn im Prolog irgend etwas vorweggenommen wird, das sich liest, als sei es das Ende, das aber irgendwann in der Mitte passiert, und anschließend geht die Geschichte lustig weiter, mag ich das nicht.

    Wenn etwas im Prolog erzählt wird, das vor vielen Jahren passiert ist und das ein wichtiges Element in der Geschichte ist, mag ich das. Wenn das überhaupt nichts mit der Geschichte zu tun hat, mag ich das nicht (der Herr Fitzek kann letzteres ganz ganz toll ...).

    Wenn im Prolog der Täter zu Wort kommt, kommt es drauf an, wie er weiterhin in der Geschichte verwurschtelt wird. Ob er als Perspektivfigur gar nicht mehr vorkommt oder doch noch mehrmals, kann beides gut oder schlecht werden. Na ja, grundsätzlich kann natürlich alles gut oder schlecht umgesetzt sein, und na ja, irgendwem gefällt's halt immer ...


    Was Simon Beckett in seiner Thrillerreihe um den Anthropologen David Hunter im Prolog immer gerne macht ist: Infodump. Zeugs über Verwesungsprozesse erzählen. Oder eine Bodyfarm. Oder wie ein Körper verbrennt. Oder was er sonst so tolles recherchiert hat. Find ich geil, muss ich sagen. Er schreibt es halt gut. Vielleicht gelingt das einem anderen Autor gar nicht. Oder ein anderer Leser denkt sich: "Simon, nerv mich nicht."

    Auf jeden Fall bin ich immer in meinen Grundfesten erschüttert, wenn ich lese, dass es Leute gibt (hier z.B. ), die Prologe überspringen. Weil sie nicht zur Geschichte gehören. Nicht zur Geschichte gehören?!? Aber dann würden sie doch nicht da stehen! Also ... außer bei Fitzek, ist klar

    Kommentar


    • VickieLinn
      VickieLinn kommentierte
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      Ja! Eine Stimme von einer Prologliebhaberin!

      Ich fasse mal für mich zusammen:
      Leserverarsche à la Brechen der Erwartungshaltung magst du nicht, sondern Spannung durch Leser-weiß-mehr-als-Perspektivfigur. Ein Prolog teasert dramaturgisch relevant … ich meinte, ein Vorwort macht im Zusammenhang mit der Erzählkunst bedeutend neugierig und ist kein ausländische Deponie für Infomüll. *merk*

    • Amilyn
      Amilyn kommentierte
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      VickieLinn Genau Die Erwartungen des Lesers mit Prologen oder Epilogen zu brechen ist grundsätzlich ja nicht falsch, macht ja auch Spannung aus. Nur ist es natürlich was anderes, wenn ich einen supercoolen Prolog lese und mich das ganze Buch über freue, wann das endlich in der Geschichte zum Tragen kommt, und dann ... kommt so gar nichts (im Falle Fitzek neulich: supercooler Prolog, hatte null was mit der Geschichte zu tun, und der Epilog nahm den dann nochmal auf ... NACH dem Nachwort. Also hatte auch der Epilog absolut nichts mit der Geschichte zu tun. Selbst, wenn die richtig gut gewesen wäre, was sie leider auch nicht war, hätte mir das komplett das Buch versaut. Und dann sind Prologe halt auch echt dumm und unnötig.).

      Wann ein Prolog gut war, weiß man ja oft erst ganz am Ende.

    • VickieLinn
      VickieLinn kommentierte
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      Ugh. So ein Fitzek-prolog wäre auch nichts für mich. (Wahrscheinlich hätte ich ihn eh überblättert und nichts bemerkt. )

  • #6
    neinAnkhhaltdichzurückundschreibkeinenRomanwasanPr ologenallesschlechtseinkanndaswarnichtdieFrage ...

    *räusper*

    Wann hat ein Prolog ein Wow-Effekt auf euch?

    Wenn er dem Roman tatsächlich einen Mehrwert verpasst. Wieviel "Wow!" dabei dann tatsächlich rauskommt ist verschieden, aber es ist zumindest mal die Grundvoraussetzung.
    Wirklich "Wow!" ist ein Prolog, wenn er (oft zusammen mit einem Epilog, weil wenn man alles in den Prolog packt, gibt es ja keine Überraschung mehr) der ganzen Geschichte tatsächlich nochmal einen völlig neuen Blickwinkel verpasst.

    Könnt ihr Beispiele nennen?

    Ich grüble noch.

    Zusatzfrage: Mögt ihr Prologe? Wenn nein, wieso schreibt ihr sie?

    Im Allgemeinen eher nein. Viele sind gar keine richtigen Prologe, viele sind unnötig, viele ruinieren den Einstieg ins Buch eher. Ich habe manchmal den Eindruck, dass Autoren sich gar nicht bewusst machen, was sie mit dem Prolog eigentlich bezwecken, sondern einfach einen schreiben, weil das halt in ihrem Genre irgendwie dazugehört. Die, die es sich bewusst machen, kaschieren damit oft andere Probleme im Roman, statt dem Prolog einen Selbstzweck zu geben.

    Warum schreibe ich trotzdem einen: Weil ich's besser machen will.
    If I could read your mind love
    What a tale your thoughts could tell
    Just like a paperback novel
    The kind the drugstore sells
    -- Gordon Lightfoot "If you could read my mind"

    Kommentar


    • Ankh
      Ankh kommentierte
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      VickieLinn Ich versuchs ... Aber es ist verdammt schwer, da seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, wenn man die Dinger so misstrauisch beäugt.

    • VickieLinn
      VickieLinn kommentierte
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      Meine Mama hat immer gesagt:

      Versuch dich mal auf diesen Stuhl zu setzen. Nein, nicht setzen. Versuchen zu setzen! Nur versuchen ...
      Und jetzt setz dich mal hin. Ist gut, wa?

    • Ankh
      Ankh kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      VickieLinn Deine Mama ist großartig Erinnert mich ein bisschen an Yoda: Es tun oder lassen du kannst ...
      Ich habe den Prolog schon geschrieben, und den Epilog dazu. Im Moment ruht er, bis ich mir klar darüber bin, was genau ihm noch fehlt und wie ich das einbaue. Und dann fehlt nur noch der Mut, meinen fünf Einstiegsszenen eine weitere voranzusetzen ...

  • #7
    Ich schreibe sie nicht, weil ich sie meistens für unnötig halte.
    Wenn man eine Vorgeschichte schildern will, die nicht mit den Hauptfiguren gemein hat, kann es durchaus sinnvoll sein, aber meistens ist es nicht.

    Kommentar


    • #8
      Also ich habe für gewöhnlich nichts gegen Prologe, solange sie nicht zu tief in die Klischeekiste greifen. Für mich müssen sie etwas beinhalten, was so nicht in die Handlung zu Beginn der Geschichte passt, sei es durch das Setting (meist andere Zeit), die darin aufgeführten Charaktere oder die Grundstimmung. Das sollte dann auch möglichst eine Information sein, die der Handlung der ersten Kapitel ein wenig Kontext verleiht bzw. indirekt mit ihr zu tun hat und einen Mehrwert für sie hat.

      Und kurz und bündig sollte der Prolog auch lieber sein. Aber wenn es sich nicht gerade um seitenlanges Infodump zum Worldbuilding und der Geschichte der Welt handelt oder um die tragische Vergangenheit eines Protagonisten, der in der nächsten Szene über ebendiese Vergangenheit sinniert, dann führe ich mir auch einen Prolog gerne mal zu Gemüte.

      Gerade fällt mir kein wirklich gutes Beispiel ein, ich erinnere mich bei den meisten Büchern, die ich gelesen habe, nämlich gar nicht daran, ob der Einstieg ein Prolog oder gleich das erste Kapitel war. Was das nun über Prologe aussagt, ist Ansichtssache. Für mich waren manche Einstiege gut, andere weniter, aber ob darüber jetzt "Prolog" oder "1. Kapitel" oder gar nichts als überschrift stand ... keine Ahnung. Ist mir auch nicht so wichtig.
      Wobei, dank einem der Projekte hier fällt mir doch etwas ein: das Intro von Asterix und Obelix, das ist ja auch gewissermaßen ein Prolog. Das ist ziemlich lustig und gut gemacht. In reiner Textform muss so etwas aber kurz, bündig und unterhaltsam genug sein, um mich anzusprechen. Da fällt mir als weiteres Beispiel auch Avatar ein, das Serienintro ist (zumindest bei der ersten Folge, danach hab ich's übersprungen) ein guter Prolog, der einen in die Welt einführt, aber in einem Roman wäre mir der gleiche Text ohne die dazugehörige Musik und Animation zu langweilig. Da muss der Text selbst etwas lebendiger gestaltet werden (für meinen Geschmack zumindest - die Meinungen gehen ja auseinander und ich bin mir ziemlich sicher, auch langatmige Infodump-Prologe haben ihre Fans. )

      Ob ich selbst Prologe habe ... tja. Ich hatte bei meinem Projekt mal einen, den ich dann einfach ins erste Kapitel verlagert hab, weil er eigentlich bereits zur Haupthandlung gehörte (ich war planlos, als ich anfing), und jetzt habe ich wieder einen, bei dem ich mir etwas gedacht habe, und hinterfrage den auch immer noch. Ob ich ihn behalte, steht also in den Sternen. Früher habe ich zu jedem (angefangenen und abgebrochenen) Projekt einen Prolog geschrieben, jetzt sehe ich das etwas kritischer und würde nicht bei jeder Geschichte einen einbauen, aber auch nicht aus Prinzip daraus verzichten - die Antwort ist also ein unentschiedenes jein. Ich gehöre definitiv nicht zur Anti-Prolog-Fraktion und denke schon, dass ein Prolog seinen Zweck erfüllen kann, aber es sollte schon ein Bisschen mehr dahinterstecken als "Ich will Drama an den Anfang bringen".

      Kommentar


      • VickieLinn
        VickieLinn kommentierte
        Kommentar bearbeiten
        Wäre dieser Asterix-Intro nicht eher wo was wie der erste Absatz? Oder diese Datums-Ort-Zeile zwischen Kapitelnummer und erstem Satz? Es gehört ja zum Setting, ist ein Zoom-in in die Geschichte und keine plot-unabhängig Szene.

      • Lia Roger
        Lia Roger kommentierte
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        VickieLinn Hm, kann es natürlich auch sein. Da würde tatsächlich beides gehen, es gibt auch einige Dinge, die das Intro von der restlichen Geschichte unterscheiden und es von ihr abtrennen (käme aber auch darauf an, mit was für einem Erzähler Asterix und Obelix in Romanform geschrieben wären). Letztendlich wäre es mir bei diesem hypothetischen Roman dann egal, was als Überschrift über dem Absatz steht, solange ich den Text mag.

    • #9
      Ich mag Prologe, die ein sog. Inciting Event enthalten. Also ein nicht nur zeitlich vorgelagertes Ereignis, sondern das, das die ganze Geschichte erst anstößt. Im Krimi/Thriller-Genre (in dem ich mich fast ausschließlich bewege) ist das meistens ein Verbrechen / Mord – aus Perspektive des Täters oder Opfers. Oft taucht diese Perspektive nur im Prolog auf, und genau dann finde ich den Prolog auch sinnvoll und sogar nötig.

      Wow finde ich ihn, wenn er richtig spannend ist und mir die ganze Geschichte über im Hinterkopf rumspukt. Und wenn er nicht nur die Frage nach der Identität eines Täters aufwirft (Psychothriller langweilen mich), sondern nach größeren Zusammenhängen.

      Ein super gelungenes Beispiel: die (von mir bereits an anderer Stelle beworbene) SciFi-Serie „The Expanse“ von James Corey. Jeder Band hat einen Prolog aus der Perspektive einer Figur, die einen Inciting Event erlebt und danach nicht wieder auftritt (da sie im Prolog draufgeht).

      Ob ich Prologe mag, kann ich – logischerweise – nur mit „kommt drauf an“ beantworten. Wenn sie sind wie oben beschrieben, sehr. Wenn sie beispielsweise nur infodumpen, finde ich sie ätzend und überflüssig.
      Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind.

      Kommentar


      • VickieLinn
        VickieLinn kommentierte
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        Inciting Event. Das überzeugt mich voll! Und das mit den größeren Zusammenhängen auch. <3

    • #10
      Ich habe eine ziemlich neutrale Meinung zu Prologen. Ich kann mich an keinen Prolog erinnern, der mir einen WOW-Effekt bereitet hat, aber auch nicht an einen, der mich genervt hat. Wenn da Prolog steht, lese ich den genauso wie 1. Kapitel. Er gehört zum Buch, fertig. Genauso wie der Epilog.
      Negatives ist es mir mal beim Epilog aufgefallen. Meistens denke ich mir nach dem Epilog, warum der noch dort stand und bei "Der Aufbruch" von Carsten Stroud war ich sowieso schon stinkig über das Buch und diesen langweiligen letzten Teil, dass der Epilog nur noch der i-Punkt war, da er mir die restlichen sympathischen Figuren zur Sau gemacht hat.
      Positiv war er bei S. Kings dunkle Turm Reihe, denn wäre da kein Epilog gekommen, wäre das doch ein sehr unzufriedenes Ende gewesen. Aber das ist ja ein anderes Thema.

      Vielleicht habe ich auch nichts gegen Prologe, da ich sie wie Amilyn aus dem Krimi/Thriller Genre kenne. Da ist gerne mal die einzige Stelle, wo aus der Tätersicht erzählt wird oder wo es schon einen Hinweis gibt, wer der Täter sein könnte. Meistens ist man da dirket am Geschehen dran. Ist mirbei "Die 6. Geisel" von James Patterson, was ich gerade lese, so ergangen. Da war man direkt beim Amoklauf vom Täter dabei. Man hätte auch gut und gerne 1. Kapitel darüber schreiben können, aber da man im eigentlichen ersten Kapitel dann erst in Lieutenant (ich hoffe richtig geschrieben -.-) Lindsay Boxer Ich-Perspektive wechselt, ist da die Betitelung "Prolog" schon passend.
      Im Fantasy-Genre trifft man auch gerne mal auf einen Prolog. Da wird es gern zur Welteinführung benutzt oder auch mal um etwas Infodump loszuwerden. Das kommt halt drauf an, wie spannend das beschrieben ist und wie lang der Prolog an sich ist. Aber er kann auch sehr atmosphärisch sein. So ein Fantasyschinken kann ja gut und gerne mal seinen eignen Vibe haben und zur Einstimmung kann das passen.

      Ich habe bei meinen Projekt jetzt keinen Prolog drin. Wenn ich aber mal einen Krimi schreiben würde, wo ich mich aber nicht richtig ran traue, da würde ich wohl gerne einen Prolog schreiben. Da passt es meiner Meinung oft sehr gut.
      Ich sehe auch Prologe eher als Einführung in eine Geschichte. Für mich müssen sie nicht knallen, sondern mir einen Einstieg ins Buch bereiten, durch Spannung, Atmosphäreaufbau oder ein paar Infos, wie auch immer, Hauptsache ich komme ins Buch rein.

      Kommentar


      • #11
        Mir ist noch ein guter Prolog eingefallen, allerdings aus dem Fernsehen. Trotzdem würde dieses Schema wahrscheinlich bei einem Buch genauso funktionieren.

        Bei X-Files wurde ja über -zig Staffeln eine quasi unerträgliche Unresolved Sexual Tension aufgebaut. Als Zuschauer hat man selbst als Nicht-Shipper sehnlich den Moment, in dem sie endlich miteinander in der Kiste landen würden, herbeigesehnt.
        Dann kam eine Folge, die eine Art Prolog hat. Man sieht Scully, wie sie sich morgens im Bad anzieht (und es ist nicht ihr Bad!), dann geht sie langsam aus der Wohnung raus, und die Kamera zoomt auf Mulder, der noch schlafend im Bett liegt. Offensichtlich nackt. Dieser Prolog war so ein richtiger WTF-Moment. Was ist da passiert? Haben sie endlich? Oder ist das nur ein Traum? Als Zuschauer war man schlagartig wach wie nach 10 Espressi.
        Die Folge selbst war dann eine relativ ruhige, nachdenkliche Geschichte. Tatsächlich so ruhig, dass man diesen Schock-Prolog erstmal wieder vergessen konnte. Und dann kam am Schluss eine sehr schöne, intime Szene, die so eine Art Epilog darstellte ... in der wieder nichts Explizites geschah ... aber genau da hat man sich wieder an den Prolog erinnert und dachte sich: ja! Das ist es! Endlich Sex! - Und dann wird ausgeblendet. Der Sex passiert off-screen. (Die Folge ist übrigens "all things", Folge 17 der 7. Staffel.)

        Diese Herangehensweise fand ich genial. Der Prolog erzählt, was geschehen wird, und er ist ein richtiger Schock. Gleichzeitig ist er so vage, dass man es vor Spannung kaum aushält. Und der Epilog greift genau das gleiche Ding wieder auf, führt die Geschichte bis zu fünf Minuten vor dem Prolog - und Schluss. Den Rest muss der Zuschauer/Leser sich denken. Sowas würde ich in einem Buch echt gerne mal lesen.

        (Und Dodo ist mit seinem ganzen LiRo-Zeugs schuld, dass ich wieder auf den X-Files-Trip gekommen bin.)
        Always avoid alliteration.

        Kommentar


        • Kunstmelodie
          Kunstmelodie kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Alys II. Ja, weil die Serie arbeitet sehr stark mit Vorblenden, Flashforwards also, Rückblenden usw. und zumindest die ersten Staffeln sind diesbezüglich fantastisch gemacht und alle gezeigten Szenen finden am Ende zu einem großen ganzen Bild zusammen.

        • VickieLinn
          VickieLinn kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Ist ein anderes Thema: Aber Unresolved Sexual Tension finde ich so klasse! Das ist das, was ich als Romanzenschreiberin schaffen möchte. <3

        • Dodo
          Dodo kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          VickieLinn Fantastischer Trope - und man kann den von plump bis subtil immer wieder unterbringen ...

      • #12
        In Fernsehserien finde ich Prologe oft schön (wenn sie gut gemacht sind). Es kommt aber meist etwas Sinnvolles und Schönes, etwas Konzentriertes, heraus, wenn ein Drehbuchautor eine Szene schreibt, die wichtige Sendeminuten stiehlt, als wenn ein Romanautor seine Seitenzahl unbesorgt in die Höhe treiben kann.

        Bewusst habe ich noch nie freiwillig einen Prolog in einem von mir gekauften Buch gelesen. Ich überblättere die. Bewusst. Einmal habe ich versehentlich einen Prolog zu lesen begonnen, und weil der in einem Stil geschrieben war, den ich mag, habe ich ihn zuende gelesen. Dennoch: Auch ohne den Prolog wäre die Geschichte vollständig gewesen. Also, was soll das Zeugs. Nein, jeder soll's machen, wie er will, aber für mich ist es nichts.
        Dabei komme ich selbst durchaus auch in Versuchung. Ich schreibe für mein neuestes Projekt gerade die Vorgeschichte, die wirklich, wirklich plotrelevant ist. Ich weiß aber, dass ich es später als gut getimte Rückblende oder als kurzen Nebensatz, je nach tatsächlicher Relevanz, einbauen werde. Schade um jede Detail, das ich jetzt unterbringe? Nein, nicht wirklich. Ich kenne es ja Wenn der Leser davon wissen muss, wird er es auch erfahren. Soweit kann ich mir vertrauen. Sollte ich vergessen, es später einzubauen, war es auch nicht relevant.

        Kommentar


        • Alys II.
          Alys II. kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Die Versuchung kenne ich. Man hat sich selbst so unglaublich schöne Gedanken gemacht zu seinem Plot und seiner Welt, weiß, welches Muster auf der Tunika der Prota eingestickt ist, wie ihr erstes Haustier hieß und warum sie mittwochs keinen Joghurt isst. Es ist so verführerisch, all das im Buch unterbringen zu wollen. Und ein Prolog scheint perfekt dafür.

        • VickieLinn
          VickieLinn kommentierte
          Kommentar bearbeiten
          Ja, es ist mir auch mal passiert, dass ich versehentlich einen Prolog gelesen habe. Nach ein paar Zeilen hatte ich so ein merkwürdiges Gefühl der Langeweile und schaute zum Seitenanfang. Da stand tatsächlich PROLOG. Uff. So schnell habe ich noch nie weitergeblättert.


          ich kenne diese Versuchungen!!! Aber dann müsste ich Prolog I und Prolog II und Prolog III schreiben. Ich glaub, ich geb lieber ein Sammelband mit herzerweichenden Szenen raus.

      • #13
        Ich bin zwiegespalten. Einerseits mag ich Prologe, setze sie auch selber gerne ein und finde sie durchaus ein interessantes Mittel. Aber in letzter Zeit habe ich vermehrt negativ Beispiele gelesen:
        1. Prolog enthielt eine romantische Liebesszene, ich fand die total gut. Später stellte sich heraus, das diese Szene einfach in der Mitte des Buches so 1:1 vorkommt (ich hasse sowas) und noch dazu erweckte der Prolog das Bild einer schönen Liebesgeschichte abseits des klassischen Bad Boys behandelt Prota schlecht und ist trotzdem so heiß. Tja, die Geschichte war genau das. Bad Boy ist ein Arsch, aber es ist ja so heiß. Das hat mich richtig geärgert, weil der Prolog mir etwas anderes vermittelt hat, als das, was ich bekommen habe. (die Szene vom Prolog war seine einzig nette)
        2. Prologe, die direkt mit dem Tod eines Charakters aka Mentors/besten Freundes einsteigen. Ich kenne deren Beziehung nicht, ich kenne nicht mal den Prota, warum sollte mich das jetzt also mitnehmen? Fand ich auch nicht gut gelöst: Im Prolog stirbt der Mentor, zuvor noch riesen Verfolgungsjagd etc. und dann beginnt Kapitel 1 mit "drei tage vorher". Sowas finde ich langweilig.
        3. Infodump. Ich kann Infodump in Fantasy auf den Tod nicht ausstehen und bin da sehr, sehr, empfindlich. Eine Geschichte fing an im Prolog einfach nur die Geschichte und Entstehung des Landes zu erzählen. Tja, ich habe es noch nicht einmal bis zum ersten Kapitel geschafft und das Buch vorher weggelegt.

        Was ich mag sind zeitgebundene Prologe. Also zb wenn man nur durch den Prolog weiß, dass die Prota dann und dann sterben wird, oder das das nächste Opfer vom Mörder die Person sein wird. Aber da ich keine Krimis/Thriller lese, kann ich zu dieser Sparte nichts sagen. Oder wenn sie eben etwas spannendes vorweg greifen, aber da fällt mir gerade kein konkretes Beispiel ein.

        EDIT: Ach ja und ich bevorzuge kurze Prologe. So eine Seite, vielleicht auch zwar. Wenn der Prolog aber erstmal 30 Seiten umfasst (auch schon gesehen letztens), da bin ich auch raus. Ansonsten stimme ich vielen von meinen Vorrednern zu
        Zuletzt geändert von Kunstmelodie; 11-08-2019, 11:25.
        "If something goes wrong in your life, just yell plot twist and move on"

        "Anything is possible [...]" - J. K. Rowling

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        • #14
          Ich mag Prologe, wenn sie
          1. Inhaltlich relevant für den Plot sind, also Ereignisse darstellen, die einem als Info für den Plot helfen
          2. So simpel sind dass man genau weiß worum es geht (wenige Charaktere, klares zwischenziel)
          3. Die eigentliche Handlung vorshadown (kein Muss)
          4. Kurzzetig fesseln können
          5. Ein Rätsel für die weitere Handlung aufgeben (Warum ist das so passiert? Antworten!)
          6. Oder: am Ende die eigentliche Prämisse der Geschichte aufdecken (das sind das Prologe die auch irgendwie nen 1. Kapitel sind und kurz vor der eigentlichen Handlung spielen)
          Wenn ich an gute Prologe denke, denke ich spontan eher an Prologe von Games und Animes. Bei Büchern laufen sie mir scheinbar weniger über den Weg oder bleiben schlechter hängen. Das sind oft sehr actionreiche Szenen mit einfachen Prämissen: besiege den Teufel, töte den König, usw. Es gibt ein klares Ziel, das meistens scheitert und wenn der Protagonist des Prologs nach vollziehbar ist, dann kann das sehr unterhaltsam sein.
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          • #15
            Ich sehe Prologe wie jeden anderen Teil der Geschichte: Wenn sie gut gemacht sind: yeahy! Wenn sie schlecht gemacht sind: nope.

            Ich gehe gerade mal meine zurückliegenden Machwerke durch auf der Suche nach Prologen. Denn eigentlich will ich sagen: Ich schreibe sie selten. Aber Erinnerung kann trügen, wie wir alle wissen.

            In meinem Nomaden-Projekt gibt es Prolog und Epilog. Sie dienen als Bedeutunsgrahmen der Handlung. Die Geschichte hat viel mit den Legenden des Volkes zu tun, aber die Figuren werden sich nicht über die Symbole der Legenden unterhalten, sondern sie einfach benutzen. Ich mag es nicht, wenn sich Figuren etwas alltägliches so erklären, als hätten sie noch nie etwas davon gehört. Mit meinem Prolog-Epilog-Paar will ich das umgehen und dem Leser dennoch einen mytischen Hintergrund mitgeben, damit er nicht vollkommen dumm dasteht. Aber ich bemühe mich, den Prolog mit Action und Mitfiebern zu versehen. Der Leser soll Spaß am Lesen haben, das ist immer das wichtigste.
            In dem Prequel zu meinem Rapper-Projekt passiert etwas ähnliches wie ein Prolog. Das erste Kapitel erzählt das Ende, das zweite Kapitel spielt dann zwei Wochen vorher. Ich habe es nicht "Prolog" genannt, aber es fungiert wohl als solcher.

            In meinen lang zurückliegenden Werke gibt es auch Prolog-Strukturen.
            Eine Liebesgeschichte über Internet-Dates hat einen Prolog über das erste, zufällige Treffen, denn die Geschichte selbst ist das Warten auf die langersehnte Textnachricht nach dem Nummernaustausch. Man kann doch nicht gut schreiben, wie jemand heißersehnt auf etwas wartet, ohne dem Leser klar zu machen warum diese Warterei so immens wichtig ist. Ein Prolog ist vielleicht die einfallsloseste Lösung dafür, aber manchmal ist einfach genau richtig.
            In einer anderen Geschichte mit einem ähnlichen Thema ist der Prolog quasi der Weg zu dem ersten Real-Life-Date, während das Herz der Geschichte natürlich das Treffen, das mehrere Tage dauert, selbst ist. Auch hier gibt es eine gewisse Vorgeschichte, die der Leser kennen sollte, die aber in der eigentlichen Geschichte zu sehr von der relevanten Handlung ablenken würde bzw in die Kategorie "wissen die Figuren sowieso, warum sollten sie das erklären" fällt.
            Oder in einer anderen Geschichte treffen zwei Welten aufeinander. Da spielen Prolog und Epilog in unserer Welt, während die Geschichte natürlich das ist, was in der anderen Welt passiert. Die Spannung dazwischen ist durchaus wichtig für die Geschichte und um die Charakterentwicklung des Weltenspringers zu verstehen, ist es auch wichtig, seinen Alltag in unserer Welt zu verstehen. Der Geschichte also solch einen Rahmen zu geben, ist für das Leseverständnis nicht verkehrt.

            Ich sehe also: Ich schreibe viel häufiger Prologe, als ich dachte. Wie gut, dass ich nochmal nachgeschaut habe.
            Durch diese Beispiele kann ich sehen: Prologe sind mir ein Mittel dazu, die Hauptgeschichte einzurahmen und ihr so einen anderen Bedeutungshorizont zu geben. Auch sind mir Prologe ein Mittel dazu, wichtige Informationen über die Figuren oder die Welt an den Leser zu vermitteln, die entweder schlecht oder unnatürlich Platz in der Hauptgeschichte finden würden.
            Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
            to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
            A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
            You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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            • #16
              Ich bin inzwischen relativ gleichgültig bei Prologen. Früher habe ich sie geliebt (und auch selbst geschrieben), aber inzwischen sind sie mir nicht mehr so wichtig. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich - gerade in der Fantasy - so viele schlechte oder auch unnötige gelesen habe. Am meisten nerven mich hier die mit Infodump à la "so ist damals die Welt entschaden und das ist die Geschichte des Landes und der tausend Götter und ... zzz ..." Ich weiß nicht, in wie vielen Fällen ich mir da schon gedacht habe, dass man die Info genauso in die normale Geschichte hätte einflechten können. Das sind definitiv die Prologe, die ich nicht brauche.

              Gute Prologe ... gibt es sicher, aber die fallen mir nicht so eindeutig auf, da sie einfach ein Teil der Geschichte sind. Aber nachdem Alys II. "Die Säulen der Erde" angesprochen hat. Da fande ich den Prolog insofern passend, da er zusammen mit dem Ende eine Art Klammer bildet sowie der Inhalt durchaus Relevanz hat. Ob er einen Wow-Effekt hatte, kann ich nach der langen Zeit nicht mehr sagen.

              Ich würde mir als Leser durchaus mehr Prologe mit Wow-Effekte wünschen. Selbst schreibe ich aber keine (mehr), da ich bisher nicht das Gefühl hatte, dass meine Geschichten einen brauchen.
              »Elezeis Blut schien in Aufruhr zu sein und brannte unerwartet kalt durch ihren Körper. Es war ein Gefühl, das nach Zerstörung dürstete.« – Blutgesang

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              • #17
                Was ein Prolog für mich unbedingt haben muss, um eine Berichtigung seiner Existenz zu haben, ist eine klare Distanz zum restlichen Roman. Wenn es genauso gut "Kapitel 1" sein könnte, nur halt "im Prolog der Konflikt angeschnitten wird, der den ganzen Roman umreißen wird!", dann ist mir das zu wenig.
                Und - er muss irgendeinen tieferen Zweck erfüllen. Sehr häufig soll er einfach nur den Protagonisten charakterisieren, auch das finde ich nicht ausreichend. In "Rot wie das Meer" von Maggie Stiefvater, so schön ich diesen Roman auch finde, hat der Prolog bspw. meines Erachtens seinen Zweck verfehlt.

                Andererseits fällt mir bei den guten Prologen zu allererst immer "Die Pferdefrau" von Jutta Beyrichen ein und da trägt er wirklich nicht zu einem tieferen Verständnis der Geschichte bei. Er ist atmosphärisch, er führt hervorragend auf die Insel Irland ein, er ist sprachlich gelungen - aber einen wirklichen Inhalt hat er nicht.
                Trotzdem glaube ich, wäre mir das Buch ohne diesen Prolog nicht so in Erinnerung geblieben.

                Grundsätzlich lese ich Prologe gerne. Für mich geben sie Geschichten etwas Vollständigeres. Ich weiß aber auch, wie enorm groß die Gefahr ist, sich da einen Fehltritt zu leisten.
                Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. - Franziska Alber

                So nah, so fern.

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                • #18
                  Der eine gelungene Prolog, den ich erinnere, ist eine Parabel auf die Hauptgeschichte, wobei der Prolog den Mythos der entsprechenden First Nations mit viel Gewitzheit in der Erzählstimme erzählte, während die Hauptstory sich auf die spirits aus dem Prolog direkt bezog. Dennoch wäre die Hauptstory auch ohne den Prolog verständlich gewesen, aber der Prolog hob sie auf eine weitere Ebene.

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