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Nebenfiguren mit starkem Auftritt

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  • Nebenfiguren mit starkem Auftritt

    Den Vorwurf, ein Charakter wäre flach, kennt wahrscheinlich der Großteil hier. Meistens geht es um einen Hauptcharakter, vielleicht sogar um den Protagonisten. In dem Fall ist harte Arbeit angesagt und sorgfältiges Abschleifen seiner Schwächen.

    Aber was tun, wenn es sich um einen Nebencharakter handelt? Einen Charakterbogen auszufüllen, würde den zeitlichen und Arbeitsrahmen sprengen. Ebenso Charakterinterviews, Szenen aus Sicht des Charakters usw. Solcherlei Empfehlungen helfen vielleicht, sind in meinen Augen aber nicht so praktikabel, wenn man sich nicht in Kleinigkeiten seines Romans verlieren möchte.

    Ich habe auch schon Tipps gehört wie dem Charakter ein Tier zuzuordnen (Raubtier oder Pflanzenfresser, Jäger oder Beute?), aber so wirklich hilft der Gedanke an ein Rhinozeros auch nicht, wenn in einer Szene die Figur so blass erscheint.

    Sicherlich hat da jeder andere Vorgehensweisen - es würde mich mal interessieren, wie ihr daran herangeht: Wie sorgt ihr dafür, dass eure Nebenfiguren nicht unscheinbar und blass sind, sondern ebenso wie die Hauptcharaktere eine tiefliegende Persönlichkeit erahnen lassen und dementsprechend auftreten? Ohne, dass ihr gleich dutzende neue Handlungsstränge öffnet.
    Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. - Franziska Alber

    So nah, so fern.

  • #2
    Ich unterscheide zwischen supporting/impact character und Statist.

    Man braucht bei den protagonisten-unterstützenden Nebenfiguren nicht deren ganze Lebensgeschichte aufrollen, aber es sollte zu spüren sein, dass sie 1) ein eigenes Ziel und 2) eigene Konflikte (= Stärken und Schwächen)* hat. Des Weiteren ist die Figur dramaturgisch stark, wenn sie nicht aus der Handlung rausgenommen werden kann, ohne dass sie der Plot ändert.

    * Stärken und Schwächen sind immer im Bezug auf das Ziel. Damit sind nicht Charaktereigenschaften gemeint, die man generell als positiv oder negativ bewertet. Wenn eine Figur etliche "Schwächen" – also gesellschaftlich schlechte Eigenschaften – hat, aber dennoch damit hindernislos durch den Plot kommt, hat sie keine wirklichen Schwächen.
    Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten,
    die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen,
    die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter
    die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.

    Jack Kerouac

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    • Kelpie
      Kelpie kommentierte
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      Das heißt, dass du deinen Nebenfiguren (supporting characters) ohne viel Drum und Dran einfach ein Ziel + Stärke und Schwächen gibst?

      ("einfach" ... du verstehst schon )

    • Victoria
      Victoria kommentierte
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      Jupp genau. /ausm Urlaub gesendet

  • #3
    Ich versuche Nebencharaktern ein oder zwei Wesenszüge/Macken sowie eine Motivation zu geben. Oft reicht es, hier und da das Richtige anzudeuten und der Leser füllt im Kopf die Lücken.

    Aber es kommt natürlich auch immer drauf an, wie wichtig diese Nebenfigur ist: Wenn sie kaum mehr als ein Statist ist, arbeite ich teilweise bewusst mit Klischees, bei tragenderen Rollen arbeite ich die Figur etwas mehr aus. Aber im Grunde versuche ich quasi immer nur eine "Skizze" aus einer Handvoll charakteristischen Merkmalen zu erstellen. Ich hoffe, das war irgendwie verständlich erklärt


    edit: Ich glaube, Vickie hat das ganze besser formuliert
    »Elezeis Blut schien in Aufruhr zu sein und brannte unerwartet kalt durch ihren Körper. Es war ein Gefühl, das nach Zerstörung dürstete.« – Blutgesang

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    • Victoria
      Victoria kommentierte
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      Bevor ich dein Edit gelesen habe, dachte ich so: Ja, was Julia sagt! Motivation hab ich zudem vergessen zu erwähnen.

  • #4
    Vickies und Julias Hinweis finde ich sehr wichtig: Support Charaktere sind jene Nebencharaktere mit eigenem Flair.
    Damit sie nicht blass sind, arbeite ich sie auch aus, zumindest halb so sehr wie meine Hauptfiguren. Eben weil die Support Figuren auch für den Plot und alles wichtig sind, muss man sich da auch schon anstrengen, find ich. Ich schaue dann, dass sie für sich selbst stehen können, aber auch dass sie Charaktereigenschaften haben, die mit der Hauptfigur kontrastieren. Durch solche Kontraste kriegen beide Seiten mehr Farbe.

    Ich denke, der Tipp mit den Tieren soll heißen, dass man sich irgendeine Art von Kürzel zu den Charakteren setzt im Sinne von "so ungefähr".
    Ich mach das oft so, dass ich im ersten Anlauf den Namen einer Mangafigur hinschreibe, die ein gutes Beispiel für die wichtigen Charaktereigenschaften ist, die mir für diese Figur vorschweben. Und wenn dann das Gewebe an Figuren relativ fest ist, kann ich das in meine eigenen Worte fassen und so zurecht feilen, wie ich das tatsächlich brauche. Manchmal weiß man am Anfang von der Charakterschaffung noch nicht so ganz, was man will oder braucht oder ob die Figur einen überrascht, aber mit so einem Kürzel kann man sich die Richtung schonmal vorgeben.
    Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
    to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
    A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
    You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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    • #5
      Ich bemühe mich, meinen Nebenfiguren einen Wiedererkennungswert zu geben. Manche sind einfach überspitztes Klischee, damit sie Spaß machen beim Schreiben und beim Lesen. Manchmal gebe ich ihnen ein Merkmal, das sie interessant machen soll. Man sagt ja z.B., Narben erzählen Geschichten. Wenn du der Figur etwas gibst, bei dem man sich unwillkürlich fragt, wie sie dazu gekommen ist, dann hat sie plötzlich ein Leben außerhalb der Szene. Das müssen nicht unbedingt Verstümmelungen sein; sie könnte auch zusammengewürfelte und beschädigte Rüstungsteile tragen, die sie offensichtlich auf einem Schlachtfeld zusammengeklaut hat, oder sie trägt eine Rübe an einer Schnur um den Hals – irgendwas, was auf eine eigene Geschichte hindeutet, die du aber gar nicht erzählen musst. Die Hauptsache ist, sie ist einfach da und füllt die Figur mit einem eigenen Leben und hinterlässt entsprechende Fragen beim Leser.

      Wenn die Nebenfigur mit den Hauptfiguren interagieren, gebe ich ihnen auch meist ein persönliches Ziel oder eine Eigenschaft, die die Interaktion beeinflussen. Es macht für den Verlauf eines Gespräches ja einen Unterschied, ob die Wache am Tor ihren Job hasst oder auf Beförderung hofft oder Schnupfen hat oder ein großer Fan des Helden ist, der da gerade angeritten kommt. Das Leben einer Nebenfigur dreht sich nicht um den Plot des Helden, sondern um ihre eigenen Probleme. Die können völlig banal sein und sind keiner Vertiefung wert, aber ich versuche zu vermitteln, dass sie dennoch da sind und der Nebenfigur entsprechend wichtig. Ein Patient, der ins Krankenhaus soll und sich nur Sorgen macht, wer seine Katze versorgt, macht die ganze Aktion nicht nur einen Tick umständlicher, sondern gibt der Figur eben auch mehr Charakter als nur ein Blinddarmdurchbruch.

      Außerdem kann man so ihren Part ein bisschen auffüllen. Eine Figur, die während des Gespräches strickt, bietet mehr Möglichkeiten für Redebegleitsätze, als eine, die nur dasitzt. Statt erschrocken die Augen aufzureißen, kann sie dann eine Masche fallenlassen oder so etwas, das macht die Szene dann auch etwas bunter und individueller und man kann gleichzeitig das üblichen Stirnrunzeln/ Schulterzucken/ Rumgucken besser vermeiden.

      Ich versuche viel, mit Kontrasten zu arbeiten. Die Ziele oder der Charakter der Nebenfigur sollen möglichst im Widerspruch zu den Zielen oder dem Charakter der Figur stehen oder auch bei mehreren Nebenfiguren zueinander. Wenn zwei Nebenfiguren zusammen auftreten, dann redet z.B. einer zu viel und der andere gar nicht. Oder eine Figur ist ängstlich und die andere macht sich drüber lustig. Das gibt zusätzlich Dynamik und vermittelt das Gefühl, dass diese zwei Figuren auch ein Leben und eine Beziehung haben, wenn das Spotlight nicht auf ihnen liegt. Und es ist ein einfacher Weg, Individualität zu kreieren. Solche Figuren brauchen ja keine wendungsreiche Lebensgeschichte, sie müssen sich nur ein bisschen abheben, notfalls voneinander.
      If I could read your mind love
      What a tale your thoughts could tell
      Just like a paperback novel
      The kind the drugstore sells
      -- Gordon Lightfoot "If you could read my mind"

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      • Kelpie
        Kelpie kommentierte
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        Sehr viele, sehr gute Tipps dabei
        Danke, Ankh

    • #6
      Mit Kontrasten arbeiten ist ein guter Tipp.
      Konflikte und Ziele sind auch gut.
      Vor Klischees würde ich Abstand nehmen, aber gut ist, wenn sie so prägnant sind, dass sie Klischees werden können, weil viele davon abschreiben.
      Bei mir sind die Nebenfiguren exzentrischer und ausgeflippter als die Hauptfiguren.

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      • Milch
        Milch kommentierte
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        Statist ist keine Nebenfigur, sondern ein Statist, die können gerne Funktionsträger sein. Ein Kellner, der Gäste bedient, stört mich nicht. Ein Schaffner, der die Fahrkarten überprüft, stört mich auch nicht. Anderes ist ärgerlich. Türken als Gemüsehändler, na ja, muss nicht unbedingt sein.
        Es spricht nichts dagegen, wenn man neue Schubladen erfindet.
        Klischee ist für mich etwas, was zu oft verwendet wurde, um noch interessant zu sein. Uninteressant ist langweilig. Klischee ist ein Abziehbild.

      • Kelpie
        Kelpie kommentierte
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        Selbst wenn der Kontrolleur die Hauptfigur ist, würde ich erwarten, dass er Tickets entwertet

      • Milch
        Milch kommentierte
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        Das wäre ja kein Klischee.
        Haben Kontrolleure kein Fahrabo, was sie berechtig, immer mitfahren zu können?

    • #7
      Ich habe Charakterbögen für meine Nebenfiguren, und die sind meist sogar ausführlicher als die für die Hauptfiguren - denn die Hauptfiguren habe ich ja eh im Kopf. Bei den Nebenfiguren weiß ich aber auf Seite 300 nicht mehr jedes Detail ihres Lebens. Und ich finde auch, dass das nicht unbedingt mehr Arbeit macht. Im Gegenteil, wenn ich die Figuren ausarbeite bevor ich schreibe, dann spare ich mir da viel Überarbeitungszeit.
      Always avoid alliteration.

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      • Kelpie
        Kelpie kommentierte
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        Um was für Charakterbögen handelt es sich da? Selbst erstellt oder irgendwoher übernommen? Worauf wird da Wert gelegt?

      • Alys II.
        Alys II. kommentierte
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        Kelpie, üblicherweise nutze ich die, die in Papyrus schon in der Figurendatenbank hinterlegt sind, und ergänze sie um ein paar eigene Notizen und lasse dafür andere Teile, die mir für diese Figur unwichtig erscheinen, weg.
        Sieht ungefähr so aus: https://www.papyrus.de/wiki/die-figuren-datenbank/ Ich ergänze meist noch um wichtige biographische Ereignisse und Familienbande.
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