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Mittwochsfrage #106 - Foreshadowing und versteckte Hinweise

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  • Mittwochsfrage #106 - Foreshadowing und versteckte Hinweise

    Meist schreiben wir in der personalen Erzählsituation, damit der Leser mit der POV-Figur deren Umwelt erlebt und so Nähe zum Buchcharakter aufbaut. Manchmal wollen wir aber auch, dass der Leser schon Entwicklungen erahnt, die der Charakter noch nicht begriffen hat.
    Schreiben wir eine liebevoll-naive Figur, dann ist das meist kein Problem - der Leser mag ihn, gerade weil er so verpeilt ist. Bei einem weniger humoristischen Buch kann das aber schwierig werden, denn es kann den Charakter schnell richtig dumm wirken lassen.

    Nach welcher Methode baut Ihr versteckte Hinweise auf zukünftige Entwicklungen ein, ohne Eure Figuren zu begriffsstutzigen Trotteln zu degradieren?
    Always avoid alliteration.

  • #2
    Sind wir in vielen Dingen alle verpeilte Trottel?
    Vielleicht gibt es für die Figur Gründe an falschen Vorstellungen festzuhalten.

    Kommentar


    • Milch
      Milch kommentierte
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      Mach die Gründe deutlich und nachvollziehbar.
      Ich finde es immer arrogant, wenn man behauptet, der ist ja dumm, er müsste es sehen, warum sieht er es nicht.

    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      "Mach die Gründe deutlich und nachvollziehbar" ist als Tipp für einen Autor ungefähr so konkret wie "schreib lebendige Dialoge" oder "achte auf einen guten Spannungsbogen." WIE machst DU das als Autor?

    • Milch
      Milch kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Das muss man im Einzelfall entscheiden. Vielleicht schließt man die richtige Wahl guten Gründen aus.
      Ich habe deswegen auch ein Problem mit vielen Krimis, eigentlich ahnen die Ermittler in realen Fällen, wer der Mörder ist, sie müssen es ihm nachweisen. Oder sie haben den Täter überhaupt nicht auf der Rechnung, noch nicht mal als Gärtner. Beim Rätselkrimi ist die Ermittlerfigur immer ein bissel doof, darum kann ich es nicht schreiben.

  • #3
    Gar nicht häufig, ehrlich gesagt. Denke ich.

    Ich betreibe Foreshadowing um dem Leser einen Vorgeschmack zu geben oder um Konflikte anzuteasen, die es noch nicht gibt, aber das hat selten was mit dem Wissenshorizont der Erzählfigur zu tun. Meine Geschichten drehen sich selten darum, dass meine Figuren ein Geheimnis entdecken oder ein Rätsel aufklären müssen, solche versteckten Hinweise brauche ich also meistens nicht.

    Ich überlege gerade echt stark, wann ich sowas betreibe …

    Natürlich spielt das Unwissen meiner Erzählfiguren eine große Rolle und da ich sehr personal und extrem nah dran erzähle, kann ich sehr gut ausloten, was meine Figur weiß und für wie wichtig das bewertet wird. Ich denke, dass ist eines meiner Hauptmittel in solchen Situationen, meine Figuren nicht als Trottel dastehen zu lassen. Wenn eine Information für einen selbst nicht wichtig ist, dann benutzt man sie auch nicht für das Rätsel vor einem. Das macht dem Leser dann auch verständlich, warum die Erzählfigur nicht in diese Richtung denkt bzw warum sich die Erzählfigur auf etwas ganz anderes fixiert. Letzteres ist auch ein gutes Mittel, dass ich häufig verwendete: Die Erzählfigur fixiert sich auf etwas, das für sie wichtig ist und lotet das in alle Richtungen aus, aber nur in einer Weise die die Erzählfigur für "wahrscheinlich" hält. Man hat ja so Dinge, da denkt man, "das passiert eh nicht".
    Der Leser darf dann gerne seine eigenen Schlüsse ziehen, dass objektiv betrachtet genau das doch passiert

    Ansonsten nutze ich für diese Dinge natürlich aus, dass ich meine Geschichten in aller Regel aus mehr als einer Perspektive erzähle und ich natürlich dem Leser so viele Hinweise geben kann, die zusammen alles aufklären, aber eben in mehreren Köpfen verteilt sind. Das ist einer der Hauptvorteile, wenn man in mehreren Perspektiven erzählt. Das nutze ich tatsächlich auch aus, wenn es große Diskrepanzen zwischen den Wissenshorizonten meiner Figuren gibt.

    Ansonsten … Das sind wohl meine beiden Hauptmittel um meine Figuren nicht dumm aussehen zu lassen, wenn sie die Puzzlestücke gerade nicht zusammenbauen können. Dass sie entweder nicht alle Stücke in ihrem Kopf haben und der Leser in mehrere Köpfe gucken kann; und dass die Figuren nachvollziehbar (beispielsweise aus emotionalen Gründen etc) in andere Richtungen denken, als es jemand von Außen (also der Leser) tun würde.

    Was ich auch gerne mache, ist mehrdeutige Sprache zu verwenden. Gerade wenn ich will, dass der Leser über etwas nachdenkt ohne dass bereits offenbar wird warum.
    In dem Prolog zu meinem PloMo-Projekt erzähle ich drei verschiedene Schöpfungsgeschichten meiner Nomaden, nicht nur um Hintergründe zur Kultur zu geben sondern auch um das große Finale anzuteasen und wichtige Dinge zu foreshadowingen. Aber weil es drei verschiedene sind, weiß der Leser am Anfang nicht, was davon in welcher Weise und für welchen Abschnitt Foreshadowing ist oder nicht.

    … Ich denke, das war's? *grübelt noch ein bisschen*
    Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
    to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
    A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
    You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Das mit den drei verschiedenen Schöpfungsgeschichten finde ich z.B. eine sehr gute Lösung. Der Leser merkt gleich, ah, wie in jeder Kultur gibt es hier Legenden, die sich auch mal widersprechen. Deshalb kann er auch nachvollziehen, wenn dein Prota solche Legenden nicht wortwörtlich glaubt.

    • In-Genius
      In-Genius kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Vor allen Dingen beginnt die Geschichte an Neujahr. Das heißt, welche Schöpfungsgeschichte auch immer von den dreien gemeint wäre, ist erstmal "eh nur" Metapher für Neuanfang und so. Bis dann nach und nach in der Geschichte immer mehr Parallelen gezogen werden und sich immer mehr Dinge wiederholen, die man doch schon mal gelesen hat und klar wird, dass die Geschichten nicht den Anfang sondern das Ende meinten. Da gibt es also viele Ebenen von Mehrdeutigkeit.

  • #4
    ich musste auch erst einmal überlegen, wo ich denn überhaupt solche Dinge andeuten will Meistens verstecke ich zwar Hinweise, aber so gut, dass der Leser eben nicht gleich ahnt, dass sie mal wichtig werden. Ich finde es besser, wenn er sich später an die Stirn schlägt und denkt "ja, das ... hing die ganze Zeit über dem Kamin. Verdammt."

    Das mit den verschiedenen Perspektiven verwende ich auch. Jede Figur hat ein Puzzlestück, der Leser kennt beide, die Figuren jeweils nur eines, aber es ist abzusehen, dass sie die irgendwann zusammensetzen. Und je nachdem, was auf diesen Stücken zu sehen ist, ahnt man schon, was dann passieren wird.

    Man kann auch generell mit der Erfahrung des Lesers rechnen. Die Figur hat eine ausgeprägte Schwäche? Dann kann man davon ausgehen, dass die im ungünstigsten Moment durchschlägt *händereib*

    Am Anfang der Geschichte finde ich es auch manchmal ganz schön, wenn man ein bisschen auktorial schreibt, bevor man in die personale Erzählsituation hineinschlüpft. Der erste Absatz meines Krimis sieht im Moment so aus:
    In dem Moment, als der erste Blitz vom Himmel zuckte, geschahen gleichzeitig zwei folgenschwere Dinge: Das erste war, dass auf dem Ahnenfelsen eine Keule auf den Schädel des Schamanen herabsauste und ihn mit einem dumpfen Knirschen zertrümmerte. Das zweite war, dass 50 Tannen weiter unten ein dicker Regentropfen auf Skelmis Nase landete.
    Nur registrierte Nutzer können diesen Inhalt sehen.

    ... ab da geht es dann aus Skelmis Perspektive weiter. Und der Leser fragt sich vermutlich das halbe Buch lang, was an dem Tropfen jetzt so wichtig ist.

    If I could read your mind love
    What a tale your thoughts could tell
    Just like a paperback novel
    The kind the drugstore sells
    -- Gordon Lightfoot "If you could read my mind"

    Kommentar


    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Und was war daran so wichtig?

    • Ankh
      Ankh kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Tjahaaaa!

  • #5
    Unter Foreshadowing verstehe ich nicht unbedingt, dass man den Lesern einen Clou zur Lösung oder zum weiteren Verlauf gibt, die man der Figur vorenthalten muss; das ist sicher noch eine besondere Aufgabe, vor allem in Thrillern und Krimis i S der Whodunnits. Ich könnte sowas wahrscheinlich nicht schreiben.
    Allerdings habe ich ein Projekt, das einen Thrilleranteil besitzt. Da winde ich mich heraus, indem ich strikt personal bleibe und der Leser keinen wirklichen Vorsprung hat, eher sogar behält die Figur einen Vorsprung, weil sie die Sachkenntnis hätte, um schneller hinter das Geheimnis zu kommen. Die Thrillerhandlung ist auch "nur" Nebenplot, der den Hauptplot mit umrühren soll (da fällt mir ein, ich muss den Hauptplot noch zum Hauptplot machen Vielleicht 2022).
    Ansonsten denke ich bei Foreshadowing daran, dass Leser und Figur Clous über die Dinge, die da kommen werden (keine Finten!), erhalten / erleben, die man überall verstecken kann.
    Sich wiederholende Motive, in Dialogen, die sich vielleicht formal wiederholen (vielleicht auch mit vertauschten Rollen), Symbole, die immer wieder auftauchen, Handlungen, die analog ablaufen, ähnliche Settings.
    Oder stark ausgeprägte Wechsel im Erzählton, Setting (Wetter, Sonnenuntergang, etc), Umgang der Figuren.
    Oder Bilder und Metaphern, die etwas Wichtiges versinnbildlichen und ankündigen. Andere ominöse Dinge, die mit einem dann erwünschten Klischee beladen sind. Orakelsprüche, wenn man es unterbringen kann.

    Meist plane ich so etwas nicht im Voraus. Bisher selten (aber zunehmend) füge ich es hinterher ein. Gar nicht mal so selten aber ist mein eigenes Hirn verplanter als ich und lässt mich intuitiv Sachen schreiben, von denen ich hinterher denke: Als hätte ich's gewusst. Cooler Hint. (Und freu mich dann, dass ich's gemerkt habe).

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