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Mittwochsfrage #101: Mut zur (Zeit-)Lücke

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  • Mittwochsfrage #101: Mut zur (Zeit-)Lücke



    In jedem Plot gibt es Zeitabschnitte, in denen einfach nichts Interessantes passiert. Und ich finde, je länger der Zeitsprung ist, umso schwieriger ist er zu schreiben.

    "Er wartete zehn Minuten" oder "Die Sommerferien waren viel zu schnell vorbei" liest sich noch relativ angenehm.
    Steht aber in einem Roman "15 Jahre später", dann habe ich als Leser erstmal den Eindruck, der Autor habe hier etwas unterschlagen. Trotzdem gibt es Geschichten, in denen solche Zeitsprünge angebracht sind.

    Wie geht Ihr beim Schreiben mit solchen Zeitlücken um? Setzt Ihr einfach ein Datum über die Kapitelüberschrift, oder versucht ihr, die verstrichenen Jahre mit wenigen Sätzen zusammenzufassen? Schildert Ihr die veränderte Umgebung des Protagonisten? Oder meidet Ihr Plots, die lange Zeitsprünge erfordern, generell?
    Zuletzt geändert von weltatlas; 05-02-2019, 23:48.
    Always avoid alliteration.

  • #2
    Bislang hatte ich noch nie solche Zeitlücken, bei dem 15 Jahre übersprungen wurden. Alle vorgeschlagenen Methoden kann man benutzen. Wenn man die veränderte Umgebung beschreibt, sollte man schon sehr deutliche Indizien haben, so dass es schnell merkt, dass sich etwas verändert hatte, besser wäre noch das Hinweisschild mit dem Datum in der Kapitelüberschrift.

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    • #3
      Meine Geschichten sind zeitlich eher dicht gepackt. Grosse Sprünge hatte ich noch nie.
      Wahrscheinlich wuerde ich Ort und Datum vorausschicken.
      XYdorf, 2035
      Xx Jahre blieb es trügerisch ruhig

      Wahrscheinlich wuerde ich eine entsprechende Änderung im Setting anführen.
      I would write merely clearly and in this way establish a warm relationship between myself and my readers, and the professional critics—Well, they can do whatever they wish. Isaac Asimov

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      • #4
        Ich spiele generell gern mit Zeit und Zeitsprüngen. Meist ist das bereits Teil der Idee und des gesamten Aufbaus, sodass die Leser vorgewarnt sind so eine Szene zu erwarten. Datumsangaben benutze ich selten und auch Zusammenfassungen schreibe ich ungern. Wenn nichts Interessantes passiert, passiert es eben nicht.
        Ich mache - oder strebe das zumindest an - einen großen Bruch in Inhalt und Erzählweise, wenn so viele Jahre übersprungen werden und diese Erkenntnis wichtig ist, manchmal ist es das ja nicht.

        Grundsätzlich versuche ich allerdings den Zeitrahmen dicht zu halten oder wie gesagt diese Zeitwechsel zur Erwartung zu machen.
        Ayo, my pen and paper cause a chain reaction
        to get your brain relaxin', the zany actin' maniac in action.
        A brainiac in fact, son, you mainly lack attraction.
        You look insanely whack when just a fraction of my tracks run.

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        • #5
          Das Problem kenne ich. Meist liegt es darin, dass man sich fragt, warum der Protagonist (und/oder Antagonist) jetzt monate- oder jahrelang die Füße stillhält und angeblich überhaupt nichts Erwähnenswertes macht, während er ja vorher und hinterher durch den actiongepackten Plot gebeutelt wird. Wenn man glaubhaft machen kann, woran es liegt, dass er jetzt Pause hat, dann ist der Übergang auch nicht so schwer zu schreiben. Wenn man es nicht glaubhaft machen kann, dann ist die Pause da ein Plotloch, das es zu flicken gilt.

          Mein Plot sollte sich zum Beispiel ursprünglich über mehrere Monate hinziehen. Aber es erschien mir unglaubwürdig, dass die Dinge in so großen Abständen geschehen, und jetzt überschlagen sich halt zwei Wochen lang die Ereignisse, und dann gibt es einen guten Grund, warum sie danach monatelang unbehelligt bleiben, bevor es zum Endspurt geht. Die Zeit dazwischen wird durch Szenen überbrückt, in denen gezeigt wird, was sie in der Zwischenzeit noch erledigen.
          If I could read your mind love
          What a tale your thoughts could tell
          Just like a paperback novel
          The kind the drugstore sells
          -- Gordon Lightfoot "If you could read my mind"

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          • Alys II.
            Alys II. kommentierte
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            Das ist ein guter Ansatz. Ist es wirklich ein erforderlicher Zeitsprung, oder ein Plotloch?

        • #6
          Ist es auch eine Perspektivfrage?

          Ich würde auch gern Zeitsprünge machen, keine großen, aber ein paar kleinere. Grund: Es passiert einfach nichts, außer rumlaufen. Allerdings bin ich so nah an meinem Prota dran, das es mir unlogisch erscheint einen Zeitsprung einzubauen.
          Bei aukorialen und weniger nahen personalen Perspektiven kann ich mir Zeitsprünge gut vorstellen. Sie können super spannend sein, wenn sie Teil der Geschichte sind und einfach notwendig um sinnvollerweise die Zeit vorzuspulen, bis ein erneutes plottrelevantes Ereignis naht.
          Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken. [K. Krause]

          Kontakt: administrator@wortkompass.de

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          • Alys II.
            Alys II. kommentierte
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            Interessante Beobachtung. Stimmt, wenn man sich sehr gut in seinen Prota reingefühlt hat, dann findet man natürlich jedes bisschen seines Alltags wichtig.

          • VickieLinn
            VickieLinn kommentierte
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            So sehe ich das aber auch.

          • Ankh
            Ankh kommentierte
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            Du müsstest eine Situation schaffen, die für deinen Prota zu uninteressant ist, um sie ausführlich zu "verarbeiten". Die Landschaft ist ungefährlich und uninteressant, die Verpflegung gesichert und es existieren keine Spannungen in der Reisegesellschaft? Das ließe sich dann zusammenfassen zu "sie gondelten die nächsten drei Wochen mit dem Boot den Ratzebach hinunter. S. sammelte zwölf hübsche Flussmuscheln und 37 Mückenstiche."

        • #7
          Ich verwende in meinen Geschichten keine großen Zeitsprünge. Nicht, weil ich sie nicht mag, sondern, weil ich sie nicht brauche. In meiner ersten langen Geschichte (die immer noch nicht fertig ist … und wohl auch nie werden wird …) habe ich zwar Zeitsprünge, aber immer nur über ein paar Tage. Da schreibe ich dann "Die nächsten paar Tage kauerten sie in diesem Loch, sahen weder Sonne noch Mond, hörten nichts, bekamen nichts mit. Zu groß war die Angst, entdeckt zu werden." Meine neueren Geschichten handeln immer nur von ein paar Tagen … da sind größere Zeitsprünge nicht möglich.

          Obwohl … ich bin draufgekommen, dass eine Geschichte mit kleineren Zeitsprüngen viel interessanter ist, als wenn alles erzählt wird.
          Man sagt, dass ein Buch Einblick in das Innerste des Autors gibt ... wenn das stimmt, möchte ich mit mir nichts mehr zu tun haben.

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          • #8
            Ich habe bisher noch keine Zeitsprünge von mehreren Jahren verwendet. Ich erinnere mich nur an ein paar Tage, höchstens eine Woche. Meist versuche ich dann gleich im ersten (Ab-)Satz der Szene klar zu machen, dass Zeit vergangen ist, eine extra Überschrift oder so habe ich noch nie verwendet.

            Als erstes ist mir bei diesem Thema übrigens ein Buch eingefallen, dass ich vor einer Weile gelesen habe. Das fing recht dicht und mit viel Action an, dann erfährt der Prota, wer er wirklich ist - und dann mehrere Jahre Sprung und Prota ist voll im Reinen mit sich selbst. Als Leser hat mich das unheimlich geärgert, weil hier ein wichtiger Teil der Geschichte, der Entwicklung und des Wegs unterschlagen worden ist.

            Ich denke, etwas anderes ist es, wenn man wirklich eine Geschichte hat, wo viele Jahre nichts passiert. Da denke ich jetzt an diese Familien-Epen, die sich gerne über mehrere Generationen erstrecken.
            »Elezeis Blut schien in Aufruhr zu sein und brannte unerwartet kalt durch ihren Körper. Es war ein Gefühl, das nach Zerstörung dürstete.« – Blutgesang

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            • In-Genius
              In-Genius kommentierte
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              Das würde mich auch ärgern. Gerade die Suche nach sich Selbst ist doch das Interessante vieler Figuren, vor allem natürlich von Figuren, die plötzlich mit ihrer Identität hadern müssen.

          • #9
            Ich denke, wenn es nichts Interessantes = Plorelevantes zu erzählen gibt, dann kann man auch eine jahrelange Lücke lassen. Gute Memoiren erzählen auch nicht jeden Tagebucheintrag. Alles sollte dem Spannungsbogen zuträglich sein, sowohl eine strenge Tag-für-Tag-Begleitung als auch der Mut zur Lücke.
            In einem Projekt habe ich eine Lücke von mehreren Wochen, die mich irgendwie wurmt, weil ich die Figuren nicht allein lassen möchte. Andererseits habe ich keine Lust, den Alltag wiederzukäuen. Ich weiß, dass es sich um die schwächsten Szenen im MS handeln würde, also lasse ich sie gleich weg.

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            • #10
              Ich verwende eigentlich sehr gerne Zeitsprünge, aber hänge auch immer an dem "wie" fest. Das Projekt mit den meisten und größten Zeitsprüngen ist leider auch mit einem Ich-Erzähler, da ist es gerade am Anfang schwierig, die gut einzubauen - gegen Ende finde ich es einfacher, weil der Charakter bereits etabliert ist, und sich der Leser vorstellen kann, wie seine Standardwoche aussieht... Ensprechend habe ich gute Zeitsprünge und noch einige, die noch Arbeit brauchen.

              Letztendlich finde ich es am einfachsten, erstmal auszuschreiben, was in der Zeit zwischendrin passiert, und später die Teile wieder rauszunehmen bzw mit einem eleganten Satz zu ersetzen. Löschen finde ich aber generell einfacher ;P

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