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  • Unsere Schreibtipps aus Romanen

    Wenn wir als (Hobby-)Autoren Romane lesen, achten wir wahrscheinlich noch mal auf ganz andere Sachen als „normale“ Leser. Manche gehen ja auch von vornherein analytisch an einen Roman ran, um zu sehen, was sie für sich daraus mitnehmen können.

    Meine Frage: Aus welchen Romanen habt ihr etwas für euch als Schreiberlinge mitgenommen und was? Also z.B.: Wo hattet ihr einen Aha-Moment? Wo habt ihr einen Schreibtipp in freier Wildbahn gesehen und endlich dessen Wert erkannt? Was hat ein Autor besonders/gut schlecht gemacht, auf das ihr in euren Texten jetzt auch achtet?

    Ich mach mal den Anfang:

    George R.R. Martin – „A Song Of Ice And Fire“-Reihe

    Wer einen so großen Cast hat, braucht eingängige Marker für Individuen noch dringender als sonst. Der hässliche Zweg, die burschikose Prinzessin, die böse Queen, der schmierige Eunuch, der schöne Ser Loras ... Das geht bis in die kleinen Nebenrollen. Ich weiß zwar nicht mehr alle Namen, aber ich weiß, da oben an der Mauer gab’s den einen mit Holzzähnen, den einarmigen Schmied, den Aurochs usw. Und Namen wie Sandor und Gregor Clegane kann ich nie auseinanderhalten. Wenn ich aber von Hound und Mountain lese, habe ich sofort das richtige Bild vor Augen.

  • #2
    Wenn man etwas wirlich bewusst einsetzt, dann kann man alles zum Stilmittel und Markenzeichen machen.

    Beispiel: Fußnoten. Haben in Romanen eigentlich nichts verloren. Bei Terry Pratchett und Susanna Clarke sind sie aber großartig.
    Always avoid alliteration.

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    • Ruyi
      Ruyi kommentierte
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      Alys II. Ich muss zugeben, das klingt durchaus reizvoll (also jetzt weniger die ereignislosen Wochen, aber so einschneidende Erlebnisse wie bei Hermine aufarbeiten). Das müssten dann aber ziemlich lange Fußnoten sein, die sich auch mal über mehrere Seiten ziehen? So einen Roman hatte ich auch schon mal in der Hand, könnte sogar vom erwähnten D.F. Wallace gewesen sein.

    • Alys II.
      Alys II. kommentierte
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      Ruyi, Das ist bei Clarke tatsächlich so. Manche Fußnoten sind nur ein Satz, andere gehen über mehrere Seiten. Ähnlich wie bei Pratchett macht das für mich einen eigenen Reiz aus.

    • Ruyi
      Ruyi kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Danke, Alys II. Werde ich mir mal merken. Je länger ich drüber nachdenke, umso besser gefällt mir diese Handhabe von Fußnoten :-)

  • #3
    Andreas Eschbach nutzt einen Kniff, den ich bisher in keinem Schreibratgeber gelesen habe:

    'Der letzte seiner Art': Die Geschichte beginnt damit, dass die Hauptfigur blind und halbseitig gelähmt aufwacht. Wir erfahren, dass sie schon oft blind oder einseitig gelähmt aufgewacht ist, aber erst in letzter Zeit beides zugleich. Das bereitet ihr Sorgen.

    'Das Marsprojekt, Teil 1': Der Roman beginnt mit einer Figur, die von kleinauf mit einem Raumanzug umgehen kann. Aber in dem Moment hat sie alles vergessen.

    Es gäbe noch mindestens ein weiteres Beispiel. Was haben diese Anfänge gemein? Die Hauptfigur empfindet eine Situation als völlig normal, die den Lesern fremd und exotisch vorkommen muss. Obendrein stört sie sich an einer Ausnahme von dieser Situation.

    Wenn das mal keine Lust zum Weiterlesen macht
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    Zuletzt geändert von Flossenschwinge; 21-12-2019, 16:39.

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    • Kelpie
      Kelpie kommentierte
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      Das finde ich richtig spannend.

      Vor allem, dass du es bemerkt hast

  • #4
    Ich kann mich bisher eher nur an "kleine" Tipps erinnern. Zum Beispiel bei Trudi Canavan, dass man die typischen Floskeln für Charaktere unbedingt vermeiden sollte, da sie mit jeder noch so guten Charakterisierung dadurch unglaublich beliebig wirken: Achsel zucken, Stirn runzeln, lächeln, wegwerfende Handbewegung machen ...

    Bei dem Aschenputtel-Roman von Jacqueline Vellguth habe ich gelernt, dass man bei Dialogen wahnsinnig aufpassen muss, nicht zwischen den wörtlichen Reden zu viel Handlung reinzuklatschen. Auf beides kann sich der Leser nicht konzentrieren, eins von beidem wird er nicht richtig mitbekommen und es ist ungewiss, auf welches von beiden er sich konzentriert.

    Hm, das sind irgendwie nur Negativbeispiele.
    Bei Jean M. Auel fand ich es sehr bezeichnend, wie sehr sich die Spannung zwischen zwei Figuren aufbauen kann, die einander nur anschauen und kaum miteinander sprechen, geschweige denn sich berühren.
    Markus Zusak hat mir in seiner Bücherdiebin gezeigt, wie effektiv man kurze Sätze und Absätze, direkte Reden ohne Anführungszeichen, Perspektivwechsel einbringen kann, um eine Situation unglaublich spannend und intensiv zu beschreiben.
    Von Abercrombie habe ich einiges an Charakterisierungen gelernt. Wenn das Verhalten einer Figur jeden Satz durchdringt. Das hat mich erstmals auf die Idee gebracht, meinen Figuren jeweils unterschiedliche Beschimpfungen und Schimpfworte zuzuordnen, die sie einander teilweise angleichen, je mehr Zeit sie miteinander verbringen.
    Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. - Franziska Alber

    So nah, so fern.

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    • Vampirwurst
      Vampirwurst kommentierte
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      Also ich zucke mit den Schultern. Weiß sonst nicht wie ich das ausdrücken soll wenn ich was nicht weiß oder es mir egal ist 🤔
      Ich rede allerdings generell viel mit Gestik.

      Wegwerfende Handbewegung ist für Álvaro typisch. Gefolgt von einem "Ach"

    • Ruyi
      Ruyi kommentierte
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      In meinem sozialen Umfeld gibt es glaube ich viele Phlegmatiker, mich eingeschlossen Mir fällt nur eine einzige Person ein, die wirklich ganz natürlich mit den Schultern zuckt (der Rest würde das eher mal ganz übertrieben theatralisch machen, wenn überhaupt), aber diese Person redet auch viel mit Gesten generell. Ansonsten gibt es in dem Fall ja noch Kopfschütteln, "nein", "keine Ahnung", "frag doch mal XX" oder sich anderweitig rausreden "jetzt nicht so direkt". Da kann man doch schön mit dem Charakter spielen

    • Kelpie
      Kelpie kommentierte
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      Es gibt sicherlich Leute, die diese Geste ausführen, sonst wären sie ja nicht beschrieben Aber wie Ruyi sagt, glaube ich nicht in diesem Maße. Ich kenne auch kaum Personen, die mit den Schultern zucken oder eine wegwerfende Handbewegung machen, letzteres auch wennschon eher, um ein "Ach was!" ironisch zu unterstreichen.
      Ansonsten geht es nach meinen Beobachtungen eher um ratlose Gesichter, Mundwinkel nach innen oder hinunter kneifen, Augenbrauen nach oben zucken lassen, Augen weiten etc etc. Das Problematische an einigen dieser Mimiken ist, dass wir sie beim Lesen eher mit etwas anderem assoziieren, etwa Schreck, Überraschung, Ablehnung, ...

  • #5
    Weil in letzter Zeit öfter mal "Shogun" fiel:

    - "Shogun" ist ein Paradebeispiel dafür, wie man einen Leser zusammen mit einer ebenso unwissenden Figur an eine fremde Kultur heranführen kann - und ein paar japanische Floskeln hab ich auch noch gelernt

    - Seine Unsitte, seine Geschichten in einer großen Antiklimax enden zu lassen, fand ich dagegen nie nachahmenswert. In "Noble House Hongkong" war's Deus ex machina, bei "Shogun" war der Roman vor der großen Schlacht einfach zu Ende und "Taipan" endete, soweit ich mich erinnere, ähnlich unbefriedigend.

    - Bei James Clavell habe ich zum ersten Mal verstanden, warum es gerne mal heißt "Gute Drehbuchautoren sind selten gute Schriftsteller und umgekehrt." Ich halte Clavell an sich für einen guten Autor und habe ihn für seine Werke immer bewundert, aber so manches Smalltalk-Geplänkel hätte er schon kürzen können. (Besonders bei "Noble House Hongkong")

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